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Im Land des Lächelns oder 555

Unsere Führerin Tammy hat es gestern so schön beschrieben: Thailänder versuchen, stets freundlich zu sein, im Hier und Jetzt zu leben („Tomorrow may be too late.“), lassen sich nicht hetzen, sprechen leise und lächeln viel. Kein Wunder bei der Sprache. Von ihr haben wir gelernt, was 555 auf Thailändisch heißt: „Ha, ha, ha!“ Wenn sie sich untereinander eine Nachricht schreiben, benützen sie 555 wie Englischsprachige das lol (laugh out loud). Ha!

Was ist uns noch aufgefallen?

Das Bezahlsystem. Die Allermeisten zahlen mit dem Telefon. Ob am Marktstand, in der Straßenküche, im Restaurant oder im Supermarkt: ein Barcode hängt aus, der Kunde tippt den zu zahlenden Betrag in sein Handy ein, scannt den Code und fertig ist die Bezahlung.

Die Sauberkeit der Toiletten und die Popodusche. Fast hätten wir gestern eine gekauft. Genial.

Die Niedrigpreise der öffentlichen Verkehrsmittel. Unfassbar. Ob Zug, Bus oder Fähre, unschlagbar billig.

Die Sicherheit. Wir haben uns in keinem Moment unwohl oder unsicher gefühlt. Die Menschen waren hilfsbereit und freundlich.

Die Sprache. Nicht jeder kann Englisch. Oft müssen Hände und Füße herhalten.

Der Verpackungsaufwand. Alles wird doppelt und dreifach eingepackt. Oder die Plastiktüte wird aufgeblasen und schützt so das Innere besonders gut.

Barfuß: Nicht nur in Tempeln, auch im Haus und in manchen Hotels und Restaurants muss man die Schuhe ausziehen, weshalb die Thailänder gern Schlappen tragen. Das hat Tradition und hat seinen Grund darin, dass sich früher alles auf dem Boden abspielte, ohne Tische, Stühle, Schränke. Das Innere des Hauses wurde deshalb peinlichst sauber gehalten.

Dass jetzt Winterzeit ist! Bei 35 Grad. Unglaublich.

7/11: Der Supermarkt ist ÜBERALL in Thailand zu finden, auch im kleinsten Dorf (na ja, fast). Du bekommst alles, was Du brauchst, rund um die Uhr, und: er liefert Essen ab 100 Baht (etwa 3 Euro) zu jeder Tag- und Nachtzeit nach Hause.

Der echte Name Bangkoks: Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit.

Die Khlongs in Bangkok: Früher gab es in der Innenstadt von Bangkok viele kleine Kanäle (Khlongs), die zwischen den Häusern hindurch führten. Die Bewohner nutzen die Wasserwege, um zur Arbeit zu gelangen oder Märkte zu veranstalten. Leider auch, um Abfälle und Fäkalien zu entsorgen.

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Khlongs zugeschüttet, um neues Bauland zu schaffen. Andere wurde durch Abwasserkanäle ersetzt.

Der Klong Saen Saep ist der einzige Kanal, auf dem im Zentrum von Bangkok noch Personenverkehr stattfindet. Er ist mit insgesamt 53 Kilometern der längste Kanal Thailands. 18 davon sind wir heute auf ihm gefahren, eine schöne Art, uns von der Stadt zu verabschieden. Am Abend geht unser Flieger Richtung Heimat.

Today you are number nine

Wir treffen die Dame von get your guide wie verabredet vor der Eisdiele nicht weit von unserem Hotel. Sie ist effizient und wohl organisiert. Ich erfahre, dass ich für heute die Nummer Neun bin und in den Bus Nr. 9644 einzusteigen habe.

Heute geben wir wirklich mal die Touristen. Mit einem großen Bus und 30 Leuten fahren wir zum Floating market in Damnoen Sudak, etwa 100 Kilometer südwestlich von Bangkok gelegen und zum berühmten Train Market in Mae Klong.

Uns ist klar, dass es sich hierbei um zwei Hotspots der Gegend handelt, die Heerscharen von Touristen anlocken, aber da wir eh noch so viel Zeit in Bangkok haben, wollen wir uns das Spektakel auch mal anschauen.

Pünktlich um neun fährt unser tiefgekühlter bequemer Reisebus los, gut, dass ich mir vorhin noch eine Bluse zum Drüberziehen gekauft habe. Ein großer Pluspunkt: Tammy, unsere Reiseleiterin überbrückt die lange Fahrt von etwa zwei Stunden mit vielen Infos über Land und Leute. Mentalität, Sprache, Sehenswürdigkeiten, die Benutzung von Tiger Balm, das politische System, das aktuelle Jahr 2568 nach buddhistischer Zeitrechnung, die wirtschaftliche Situation, das teure Benzin, die Religion, die Stinkfrucht Durian, die man nur als Klasse 1 kaufen darf und am besten mit einem Thai zusammen.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir   Damnoen Sudak. 1868 fand hier der erste floating market statt. Damals war es noch ein authentischer Markt für die Menschen vor Ort. Heute ist er nach wie vor sehr malerisch aber nur noch für Touristen gedacht. Früher gab es hier keine Straßen und die Fortbewegung und der Handel, vor allem mit Obst und Gemüse, fanden auf dem Wasser statt. Heute werden wir zu sechst in ein Ruderboot verfrachtet und durch die Kanäle geschippert.

Auf den Booten, die rechts und links am Ufer vertäut sind und auf denen, die wie wir auf dem Wasser unterwegs sind, wird alles mögliche verkauft. Hoch im Kurs sind frisches Obst, Kokoseis, frittierte Bananen, Säfte und Souvenirs aller Art. Auch Kunst ist im Angebot.

Nach der Bootsfahrt haben wir noch ein Stündchen Zeit, uns durchzuschlemmen und Geschenke für unsere Lieben zu kaufen.

„De Zug kütt!“, ruft der Rheinländer, wenn sich an Rosenmontag der Karnevalszug nähert. Hier auf dem Train Market, den wir als nächstes ansteuern, ist es ein Personenzug Dritter Klasse, ein lokaler Bummelzug, dessen Ankunft Alle aufgeregt erwarten.

Rechts und links der Gleise bieten die Händlerinnen und Händler ihre Waren an, auf dem Boden, auf Tischchen, an richtigen Ständen. Sie schützen sich und ihre Waren mit Markisen vor der Sonne.

Den Zugmarkt gibt es seit 1907. Er ist nur 400 Meter lang. Früher lagen alle Waren auf dem Boden und statt Markisen gab es nur Sonnenschirme. Achtmal am Tag kommt der Zug und die Choreographie der Händlerinnen beginnt: die Touristen freundlich aber energisch hinter die rote Linie bitten. Zusätzlich noch eine Kette aufspannen. Markisen einfahren, die Ware zurückziehen und mit Pappe abdecken.

Wir erwarten den Zug um 14.30 Uhr. Kurz vorher gibt es eine Durchsage, die uns alle warnt. Ich stehe in dem Lokal, wo wir uns gerade einen Saft gekauft haben ziemlich weit hinten. Die Besitzerin sieht mich, nimmt meine Hand und zieht mich nach vorn. „Sie sind meine Kundin. Kommen Sie nach vorn!“ und dann löst sie für einen Moment die Kette und lässt uns alle nach vorn treten, um ein gutes Foto zu machen.

Der Zug(führer) weiß, dass er eine Touristenattraktion ist und fährt schön langsam. Wenn er könnte, würde er sich uns sicher gern von allen Seiten präsentieren. Die mitreisenden Passagiere haben die Fenster aufgemacht und winken uns. Viel Platz ist nicht zwischen uns. Wir könnten uns die Hand reichen.

Kaum ist der Zug vorbei, werden die Markisen wieder ausgefahren, die Waren ausladend präsentiert und die Touristen flanieren wieder auf den Gleisen.

Wir treffen uns eine Viertelstunde später an unserem Bus und fahren zurück nach Bangkok.

Da gibt es für uns ein kühles Getränk mit tierischer Begleitung, eine Dusche und ein köstliches Abschiedsessen mit Satay-Spießen, Morning Glory (Wasserspinat) und einem milden Curry.

Weiter Weg zur Kunst

Wir haben gestern beim Abendessen schon geknobelt, wie wir am besten ins MOCA, ins Museum of Contemporary Art kommen. Wie man es dreht und wendet, es ist fast 20 Kilometer nordöstlich von uns und dauert eineinhalb Stunden. Achim hatte schon vorgeschlagen, einen Scooter zu mieten, aber dazu bin ich zu ängstlich. Ich will doch meine schönen Erinnerungen an unsere entspannten Fahrten in den Bergen, am Fluss und auf der Insel nicht trüben. Ein Taxi kostet etwa 20 Euro, verhältnismäßig viel also. Und wir haben doch Zeit. Die Variante mit dem Boot klingt zudem verlockend.

Sehr verlockend ist auch das Frühstücksangebot in der Konnichipan bakery: Sandwiches mit Hummus (meine Wahl), Lachs, Mozzarella-Schinken, Croissants mit und ohne Schokolade und viele andere Köstlichkeiten. Ein ununterbrochener Strom an vor allem jungen Reisenden schiebt sich in das Café, das gar nicht so viele Tischchen und Höckerchen hat, um allen Platz zu bieten. Deshalb räumen wir unseren Sitz auch gleich nach dem letzten Happen.

Es hat bereits 29 Grad, die vorhergesagte Höchsttemperatur liegt heute bei 35! So heiß haben wir es bisher nicht erlebt, denn als wir hier ankamen, waren es immer so um die 26, 27 Grad und auf der weiteren Reise ebenso oder deutlich kühler. Jetzt müssen wir schwitzen und da ich weiß, dass ich nächste Woche frieren werde, beschwere ich mich nicht darüber. Auf dem Boot weht ein leichtes Lüftchen und da kann man es gut aushalten.

Das Museum of Contemporary Art ist ein privates Museum, das der Geschäftsmann Boonchai Bencharongkul im Jahr 2012 eröffnete. Es ist eins der größten Museen für zeitgenössische Kunst in Asien und zeigt eine eindrucksvolle Sammlung von Bildern berühmter thailändischer Malerinnen und Maler. Bencharongkul wurde 1954 geboren, ist mittlerweile millionenschwer und hat nicht nur das Museum gegründet, um dort seine umfangreiche Sammlung zu präsentieren, sondern auch die DTAC, Thailands drittgrößte Telefongesellschaft.

Obwohl das Museum sehr abseits liegt, ist es gut besucht. Im Café erholt sich gerade eine Schulklasse, in der Ausstellung sind Einheimische und Touristen, wiederum in erster Linie junge Menschen, unterwegs. Auf fünf Stockwerken und 20 000 qm werden vor allem zeitgenössische Kunstwerke aber auch alte Volkskunst wie Masken oder Schattenspielfiguren gezeigt.

Wir sind hin und weg von der Vielfalt der zeitgenössischen thailändischen Kunst, die wir im MOCA kennenlernen dürfen.

Nicht weit von hier ist die Kasetart-Universität. Hier findet diese Woche eine „grüne“ Messe statt. Die Uni hat die älteste landwirtschaftliche Fakultät des Landes. Was uns aber vor allem herlockt ist das riesige Food Festival, das im Rahmen der Ausstellung stattfindet. Und wir werden nicht enttäuscht. Ein Stand reiht sich an den anderen. Manches (er)kennen wir, vieles nicht. Wir probieren uns durch, essen Tamarinden, Tofu, Fleischbällchen, die ich für Kartoffeln hielt, Erdbeeren und trinken Chrysantemensaft. Den krossen Schweinenacken und den rohen Fisch lassen wir liegen.

In manchen Bereichen werden Pflanzen, in anderen dies und jenes vom Allzweckreiniger bis zur Zahnbürste verkauft. Immer mehr Menschen strömen aufs Gelände. Jetzt gesellen sich die Studentinnen und Studenten dazu. Ich habe gerade ein dickes Kokoseis in der Hand, als mich ein junger Mann fragt: „You wanna drink gay?“. Ich gestikuliere bedauernd, dass ich gerade keine Hand frei habe zum Trinken mit ihm und wünsche ihm stattdessen alles Gute.

Wir sind ja schon im Museum etliches gelaufen und nun auch nochmal, jetzt sind wir erschöpft und die Füße tun mir weh. Wir lassen uns auf einen letzten Snack (Spiegelei auf Reis an Huhn) nieder und treten den Rückweg zum Pier an.

Aber oh weh! Das letzte Boot fuhr um Sechs! Jetzt ist es Sieben. Da bleibt nur der Bus. Schade. Geht zwar genauso schnell, ist aber nur halb so idyllisch.

Wir sind jetzt so erledigt, dass wir im 7/11, der (immer) auf dem Weg liegt, ein Bier kaufen und dann nur noch einen Absacker vorm Hotel trinken.

Zurück nach Bangkok

Puh, dicke Luft hier. Aber der Smog ist zum Glück nicht mehr ganz so schlimm wie letzte Woche. Da wurden deshalb die Schulen geschlossen und die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos angeboten.

Wir sind seit 15 Uhr wieder in der Landeshauptstadt, die wir vor knapp vier Wochen für unsere Rundreise verlassen haben. Die Fahrt von Koh Sichang mit Boot und Bus hierher war problemlos. Nur die Fahrt vom Busbahnhof in Bangkok zu unserem Hotel dauert ewig wegen des vielen Verkehrs.

Das gibt mir Gelegenheit, die Fahrkartenverkäuferin bei der Arbeit zu beobachten. Sie verkauft nicht nur Fahrkarten. Sie dirigiert die Leute zu den freien Sitzen, zeigt, wo sie ihr Gepäck hinstellen sollen, stupst schon mal jemand an, der die Beine zu weit in den Gang stellt, weiß von jedem ihrer Passagiere, wo er oder sie aussteigen will und sagt ihnen persönlich Bescheid, wenn es so weit ist. Eins ist ganz klar: Das ist ihr Bus. Hier gibt sie den Ton an. Und der ist freundlich aber bestimmt.

Diesmal haben wir uns im U need-guesthouse eingemietet, ein Tipp, den wir unterwegs bekommen haben. Es liegt in einem lebhaften Viertel, das wir heute noch erkunden wollen. Wir haben auch sonst noch einiges vor hier in Bangkok und freuen uns auf die nächsten drei Tage. Bei 36 Grad gehen wir das Ganze aber mal sehr langsam an.

Wir gehen das Ganze so langsam an, dass wir nur bis zum Restaurant kommen, schließlich haben wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Da sitzen wir, speisen hervorragend und können dem abendlichen Treiben um uns herum zu gucken.

Hier gibt es Bananenblütensalat, den ich liebe, seit ich ihn vor über 20 Jahren zum ersten Mal in Vietnam gegessen habe. Zum Nachtisch Mango sticky rice – Herz, was willst du mehr?

Na okay, einen klitzekleinen Spaziergang können wir nach dem Abendessen dann doch noch machen. Bei inzwischen fast angenehmen 30 Grad um 20 Uhr.

Zieh einfach die Schuhe aus und geh rein

Wo steckt er denn nun, der berühmte Smaragdbuddha? Wir sind im Wat Phra Kaeo auf dem Gelände des Königspalastes und einer der zahlreichen großen und kleinen Tempel soll die berühmte grüne Figur beherbergen. Ich wende mich an einen der Wärter, der mir nicht nur die richtige Richtung zeigt und mir großväterlich auf die Schulter klopft sondern gleich noch erklärt, wie es geht: „Just put your shoes off and go in!“

Fotografieren darf man den Smaragdbuddha, der eigentlich aus Jade und relativ klein ist, nur von außen. Aber alle defilieren an ihm vorbei. Wir Touristen neugierig und letztlich vielleicht ein bisschen enttäuscht, wie wenn man zum ersten Mal die Meerjungfrau in Kopenhagen oder die Mona Lisa im Louvre sieht. Die Einheimischen in eher kontemplativer Stimmung, betend, Opfergaben darbietend.

Der gesamte Tempelkomplex ist wieder überwältigend. Ein Prunk ohnegleichen.

Schade, dass man das Bimmeln der Glöckchen, das die ganze Szenerie begleitet, nicht zeigen kann.

Das komplette Gegenteil sehen wir vom Chao Phraya, Bangkoks großem Fluss, aus. Die Stadt kann nicht nur Tempel sondern auch Wolkenkratzer.

Weil uns das Bootfahren gestern so viel Spaß gemacht hat, kaufen wir uns heute eine Fahrkarte (für 50 Cent pro Person) bis zur Endstation in der benachbarten Stadt Nonthaburi. Wir bummeln durch den Markt, gehen Kaffee trinken und fahren wieder zurück. Zwei Mal eine Dreiviertelstunde auf dem Wasser. Herrlich!

Schließlich kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Tages, zumindest was die Lage des Events angeht: 314 Meter hoch ist der King Power Mahanakhon, ein 78-stöckiger verspiegelter Wolkenkratzer mit Hotelzimmern, Geschäften und einer Aussichtsplattform.

Der Aufzug bringt uns (und Hunderte von anderen Leuten) in 50 Sekunden in die 74. Etage. Auch wenn es heute keinen beeindruckenden Sonnenuntergang gibt, ist der Ausblick spektakulär und wir bleiben, bis es dunkel ist und die Lichter der Stadt angehen.

Für diesen Bangkok-Aufenthalt steht jetzt nur noch eins auf unserer Liste: der Besuch eines Nachtmarkts. Mit Metro und Bus machen wir uns auf nach Chinatown.

Und probieren nacheinander gelbe und rote Kartoffelbällchen (nicht lecker, nur fett), Sukothai Nudelsuppe (mit Ei und Fleisch, sehr gut), Fleischspieße mit Rind (blöd, dass Achim die Peperoni nicht gesehen hat) und Bananenpfannkuchen (mit Nutella, klar).

Morgen verlassen wir die Stadt, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. Wir haben in den drei Tagen nur einen Bruchteil kennengelernt, der uns aber sehr gut gefallen hat. In drei Wochen etwa sind wir wieder da.

Mit Pfiffen durch die Stadt

Selbstverständlich pfeifen die höflichen und freundlichen Thai niemandem hinterher. Auf den Klongs aber, den Kanälen, die die Stadt durchziehen, verständigen sich die Bootsführer und das Personal am Anleger damit. Mal sind nur ein, zwei schrille Pfiffe auf einer Pfeife zu hören, dann wiederum ertönt eine ganze Melodie. Der eine pfeift: „He, Käptn, ich hab Passagiere für Dich! Komm her!“, der andere antwortet: „Komme!“ und später „Jetzt aber dalli! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Los, schnell, nehmt die Seile, vertäut den Kahn!“

Wir fahren mit der Fähre von Chinatown zum Wat Pho, der leichte Wind erfrischt uns, wir umgehen den Stau auf der Straße und der Spaß kostet nur einen Euro für uns beide.

Eigentlich wollten wir heute Vormittag gar nicht nach Chinatown. Das stand erst für heute Abend auf der Liste. Aber der Zufall wollte es anders. Unser Plan nach dem Aufstehen und ein paar Bahnen im Pool ist, im Bahnhof Hua Lamphong, dem früheren Hauptbahnhof, Tickets für unsere Fahrt am Sonntag nach Ayutthaya zu besorgen. Auf unserem gestrigen Spaziergang hat uns Ajeet angesprochen, der, wie er uns freudig erzählt, seit 36 Jahren als Lehrer arbeitet und auch schon mal in Berlin war. Als er hörte, dass wir übermorgen nach Ayutthaya wollen, zeigte er sich besorgt: es ist Feiertag und Wochenende und womöglich ist der Zug voll. Also auf zum Bahnhof.

Doch die Dame am Schalter beruhigt uns: Es fahren ganz viele Züge dorthin und wir sollten einfach eine halbe Stunde vor Abfahrt vorbeikommen. Vorher buchen kann man den normalen Zug eh nicht. Dann ist das geklärt und wir können uns wieder mal der Aufgabe widmen, ein Café fürs Frühstück zu finden. Wir mäandern durch die Straßen und kaufen erstmal frische Ananas, schön in Häppchen geschnitten. Achim kriegt natürlich auch was ab.

Dann finden wir ein Café. Sticky rice with mango steht auf der Speisekarte und bald vor uns auf dem Tisch. Das sieht nicht nur wunderschön aus sondern schmeckt auch fantastisch.

Bei Google Maps sehen wir, dass der nächste Kanal nicht allzu weit weg ist und wir mit dem Boot zu unseren Sehenswürdigkeiten fahren können. Wir machen uns auf den Weg und stehen plötzlich vor diesem Torbogen.

Das Chinatown Gate ist das prachtvolle Eingangstor nach Chinatown und schon sind wir mittendrin im Gewusel.

Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf eine Fotoausstellung. 49 Bilder von Bangkoker Fotographen über dieses Stadtviertel werden an den Hausmauern gezeigt.

Den richtigen Pier zu finden, ist nicht ganz einfach, aber wir bekommen freundlich Auskunft durch die Einheimischen, die wir fragen.

Nur noch ganz knapp freundlich ist die Dame, die wir im Wat Pho nach dem Kunstwerk von Louise Bourgeois fragen: „Das gibt es doch nicht. Sie sind heute mindestens die Zehnte, die mich danach fragt!“ Aber dann erklärt sie uns, wo wir dieses Werk der französisch-amerikanischen Künstlerin finden: „Hinter dem liegenden Buddha beim großen alten Baum“. Im Rahmen der Biennale Bangkok Art 2024 werden die „Eyes“ noch bis Februar gezeigt (und sind ziemlich schlecht ausgeschildert).

Nun aber zu DER Attraktion im Wat Pho, dem 30 Meter langen liegenden blattgoldenen Buddha. Wow.

Der gesamte Wat provoziert ein einziges Erstaunen: die Größe der Anlage, die Vielfalt und Schönheit der Tempel.

Wir genießen diese besondere Umgebung, bis es für den Königspalast zu spät ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Den heutigen beenden wir in der berühmten Khao San Road, früher eine Straße, in der sich die Rucksackreisenden trafen, heute eine Touristenmeile mit Fressständen, lauter Musik, Freiluftmassage und ganz viel Marihuana.

Nichts für uns. Zu laut, zu voll. Wir ziehen uns in eine Seitengasse zurück, trinken ein Bier und essen Reis. Ich liebe es, wenn ich höre „You want lice?“ (Sorry, politisch bestimmt nicht korrekt, aber ich freue mich wirklich jedes Mal. Weiß auch nicht, warum.)

Weniger heiter sind wir auf dem Heimweg. Die zahllosen Menschen, die entlang der Hauptstraße übernachten, stimmen uns nachdenklich. Obdachlose, keine Touristen, die sich das Hotel sparen wollen. Sie liegen auf dünnen Matten, neben sich ihr kleines Hab und Gut. Direkt daneben fahren die Autos auf der achtspurigen Straße. Gestern Abend war es die Vielzahl an Prostituierten, die uns ins Auge stach. Frau um Frau saß auf den niedrigen Mauern, die die Bäume entlang der Hauptstraße umfassen. Einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie waren gar nicht besonders hergerichtet, nicht provokant gekleidet. Sie schminkten sich, rauchten, verhandelten mit den Freiern. Wo all diese Menschen wohl tagsüber sind?

Die Jacke können wir heute zu Hause lassen

Auch die zweite Nacht unserer Reise verbringen wir im Flugzeug. Sie ist kurz. Der Flug von Muscat nach Bangkok dauert nur fünf Stunden. Lange genug, um den Film von gestern zu Ende zu schauen, um Mitternacht orientalisch gewürztes Hühnchen zu essen und drei Stunden Schlaf zu ergattern.

Vor dem Bangkoker Flughafen warten wir mit anderen Rucksackreisenden gemischten Alters auf den Bus und gewöhnen uns schon mal an die hochsommerlichen Temperaturen. Es ist sieben Uhr und das Thermometer zeigt 25 Grad. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich im Moment nach den winterlichen Temperaturen daheim sehne.

Über die Stadtautobahn rauschen wir ins Zentrum.

Obwohl es erst halb neun ist, dürfen wir bereits unser Zimmer im Hotel beziehen. Her mit der Dusche und ab zum Frühstück! Hm, gar nicht so einfach in unserem Viertel. Hier gibt es viele kleine Läden, in denen Handwerker und Händler arbeiten und Dienstleistungen aller Art anbieten.

Cafés finden wir zwei. Hier werden zwar stylische Cappucini aber keine Frühstücke zubereitet. Wir entdecken eine Garküche, fragen, ob sie Spiegeleier zubereiten können? Yes. Ob sie vielleicht Brot dazu anbieten können? No, rice! No. Ach, dann einfach vegetables dazu. Ob diese Frühstückskreation einen Namen hat, wissen wir nicht. Aber sie schmeckte schon mal irgendwie nach Fremde. Welcome to Thailand!

Jetzt aber erstmal ins Bett! Schlafen am Strand, ein Nickerchen im Flughafen und Dösen im Flugzeug ersetzen keine anständige Nachtruhe.

Zwei Stunden später fühlen wir uns wieder einigermaßen fit und ziehen los, um die Stadt zu erkunden. Was müssen wir mitnehmen? Eine Jacke jedenfalls nicht. Wir haben mittlerweile 32 Grad.

Von hier bis zu den Top-Sehenswürdigkeiten sind es knapp drei Kilometer. Also los.

Schon ein paar Straßen weiter entdeckt Achim mit scharfem Blick, dass da drüben auf dem Tempel Leute rumlaufen. Wir queren eine Straße und betreten das Gelände unseres ersten Wat, wie hier die buddhistischen Tempelkomplexe heißen, und dürfen, nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben, über eine staubige Holztreppe hoch aufs Dach mit einem 360 Grad-Blick auf die Stadt.

Wat Dephtidaram Woravihara heißt unser Zufallsfund.

Der nächste liegt gleich um die Ecke. Linkerhand entdecken wir das Ratchadamnoen Contemporary Art Center. Noch bis März werden hier die Bilder zeitgenössischer MalerInnen in der Ausstellung 15th UOB Painting of the Year Competition gezeigt. Mit diesem Wettbewerb werden regelmäßig junge Talente gefördert. Der Eintritt ist frei und wir wollen die Bilder sehen. Thematisch ist alles dabei, Corona und die Folgen, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte oder wie hier auf einem der Siegerbilder, die raschen Veränderungen unserer Welt und ihre Auswirkungen auf die Menschen. Themen, die einen beschäftigen, egal, wo man lebt.

Inhaltlich passend kommen wir am Denkmal für Demokratie vorbei, 1939 von Generalmajor Phibun in Auftrag gegeben, um an die Revolution von 1932 zu erinnern, die zur Einführung der konstitutionellen Monarchie führte. Phibun schwebte ein neues, westlich orientiertes Bangkok vor, mit dem Denkmal als Zentrum.

Langsam wird das Licht fahler, bald gehen die ersten Lampen an. Auf dem Weg zum Sundowner bekommen wir – von außen – einen Vorgeschmack auf den Königspalast und den Wat Pho, die wir uns morgen anschauen wollen.

Zwei Singha-Bier und diese Aussicht auf den Wat Arun, eines der Wahrzeichen Bangkoks… mehr brauchen wir heute Abend nicht, um glücklich zu sein.

Stimmt nicht ganz. Etwas zu essen wäre auch noch recht. Die Bananenpfannkuchen werden am Straßenrand zubereitet.

Knusprige Nudeln mit Schweinefleisch in Soyasauce gibt es in der Garküche nebenan.

Zurück ins Hotel sind es über zwei Kilometer. Wir sind müde und die Füße tun uns weh, also ab ins Tuktuk. Wir freuen uns auf unser Bett.

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