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Kunst, Kultur und kühle Schluchten

Ob heute Einschreibung ist? Die Hauptstraße in Urbino quillt nahezu über von Studentinnen und Studenten. Zu den 15 000 EinwohnerInnen kommen hier 20 000 Studierende hinzu. Plus Tausende von Touristen in der Hauptsaison.

Die Renaissancestadt Urbino ist ein beliebtes Ziel in den Marken. Der Dom, die Piazza, hübsche Einkaufsstraßen und natürlich der Fürstenpalast, der zugleich die Nationalgalerie der Marken beherbergt.

Der Dom in Urbino
Der Palazzo Ducale

Wir lösen zwei Eintrittskarten und gewinnen interessante Einblicke

Ausblicke und

Überblicke.

Nach Café und Panini lockt uns wieder die Natur, konkret die Schlucht von Furla. Hier hat sich der Fluss Candigliano seinen Weg durch teils 1000 m hohe Felsen gefräst.

Kaiser Vespinian hat vor über 2000 Jahren mitgemacht oder wohl eher mitmachen lassen und an einer Stelle einen Tunnel hindurchgetrieben, der heute noch befahren bzw. begangen wird. wird.

Leider lässt man hier die Bäume in den Himmel wachsen, so dass es kaum einen Spot gibt, von dem aus man die eindrucksvolle Schlucht gut sehen kann. Schade. Der Spaziergang entlang des Flusses, für den extra ein Fußweg angelegt wurde (im Tunnel sogar mit Beleuchtung), wäre soviel eindrucksvoller.

Die Höhle Grotta di Frasassi, etwa 60 km weiter südlich, ist unser Tagesziel. Wir installieren uns auf dem von der Gemeinde angegebotenen Stellplatz gleich beim Ticketschalter. Von hier aus können wir morgen Früh mit dem angebotenen Shuttle-Bus zur Höhle fahren und sie besichtigen. Der riesige Parkplatz ist so gut wie leer. Nachsaison eben.

Angekommen in den Marken

Unser erstes Etappenziel heute ist 18 Kilometer von San Marino entfernt und damit sind wir nun wirklich in den Marken angekommen.

Achim hatte das Bergdorf Monte Grimano gestern auf der Karte ausfindig gemacht. Sein ausgefallener Umriss war ihm aufgefallen.

Das historische Zentrum hat eine typisch mittelalterliche Spiralform, auf dem alten Platz steht die Pfarrkirche San Silvestro aus dem 18. Jahrhundert und ein Stadtturm als Überrest  der alten Burg aus dem 15. Jahrhundert.

Dessen Tor steht offen und wir klettern nach oben. An den Wänden hängen Fotografien vom Dorf.

Wir schlendern durch die Gassen, treffen Ignazio, der gerade die Piazza mit Musik aus seinem Telefon beschallt und ein Foto von uns machen möchte.

Zum Abschluss gönnen wir uns vor dem einzigen Café einen Kaffee.

Achim hat ein sehr schönes Foto mit seiner Drohne vom Dorf in seinem heutigen Blogbeitrag.

Auch die nächste Etappe ist nicht weit, auch so um die 15 Kilometer. Auf schmalen Sträßchen geht es hinauf und hinab durch Kehren und Kurven und ja, genauso hatten wir uns die Marken vorgestellt.

Bald erreichen wir den Weiler Pietrarubbia. Hier hat der italienische Bildhauer Arnaldo Pomodoro seine Spuren hinterlassen.

Obelisk für Cleopatra mit Wagen von Arnaldo Pomodoro

Er gründete in dem vom Verfall bedrohten Dorf eine Schule für junge KünstlerInnen, die hier mit den verschiedensten Metallen experimentieren konnten und schuf binnen weniger Jahre ein Mekka für zeitgenössische Kunst.

Oberhalb des Ortes liegt Pietrarubbia Castello. Hier gibt es den Palazzo Gentilizio, in dem das Museum für zeitgenössische Kunst mit Werken von Pomodoro und seinen SchülerInnen untergebracht ist.

Es ist an einem Mittwochmittag außerhalb der Saison leider geschlossen, aber wir haben das Glück, auf Raffaele zu stoßen, der uns bereitwillig alles zeigt.

Zuerst das Kirchlein San Silvestro, in dem Pomodoros Bronzesonne über dem marmornen Altar strahlt.

Dann das eigentliche Museum, das leider nur noch einige Werke des Künstlers beherbergt.

Raffaele de Feo betreibt gleich nebenan die L’Osteria dell’Arte, in der er und seine Freunde zum Essen Musik, Lesungen oder Ausstellungen servieren. Heute ist leider zu, aber immerhin gibt es einen Espresso.

Zum Mittagessen steuern wir den Dito del Diavolo, den Teufelsfinger, an.

Nach den Spiegeleiern machen wir einen Spaziergang zum monumentalen Felssporn namens Pietrafrangana, aus dem der im Volksmund „Teufelsfinger“ genannte Felsenfinger herausragt.

Der von mir ausgeguckte Stellplatz ist nur acht Kilometer entfernt. Wenn wir jetzt dorthin fahren, können wir noch gemütlich Kaffee trinken und den Rest des Tages genießen. Er soll eine schöne Aussicht bieten. Wunderbar. Hm. In Wirklichkeit gefällt es uns dort gar nicht, auch der nächste Platz ist nichts, aber bekanntlich sind aller guten Dinge drei oder so ähnlich.

Unser Stellplatz vor dem Kloster Duc bei Urbania

San Marino – die älteste Republik der Welt

Irgendwie haben wir bisher immer einen Bogen  um diesen winzigen Stadtstaat in der Nähe von Rimini gemacht. Dieses Mal wollen wir ihm einen Besuch abstatten. Von Comacchio in die Marken kommt man hier unweigerlich vorbei. Schade, dass ich meinen Reisepass nicht dabei habe – in der Touristeninfo könnte man sich einen Stempel holen. Für 5 Euro ein nettes Souvenir.

Wir parken auf dem kostenlosen Stellplatz unterhalb der Seilbahn, die uns in wenigen Minuten zur Altstadt hinauf bringt. Hoch oben auf dem Kamm des 765 Meter hohen Monte Titano thront das Wahrzeichen San Marinos, die Burg Rocca Gualta aus dem 11. Jahrhundert.

Drumherum Gassen mit Souvenir-, Parfum und Waffengeschäften, Hamburger-, und Pizzaläden, ein paar Cafés und Trattorien.

Achim bringt mich auf die Idee, mal wegen Parfum zu gucken und ich erwische glatt ein Schnäppchen: mein geliebtes Roma von Laura Biagiotti für die Hälfte. Das lohnt sich.

Ob es das ausgeprägte kommerzielle Treiben ist oder die Tatsache, dass hier in der Altstadt kaum noch jemand wohnt, jedenfalls wirkt das UNESCO-Weltkulturerbe seltsam steril. Eher wie eine Filmkulisse.

Basilika di San Marino

Bleibt noch die Frage, wieso es hier in Italien diese Zwergrepublik, die immerhin vollwertiges Mitglied der Vereinten Nationen ist, überhaupt gibt.

Die Geschichte San Marinos geht auf das Jahr 301 zurück. Der Legende nach soll der Heilige Marinus (San Marino) vor den Christenverfolgungen auf den Berg Titano geflüchtet sein und dort mit Glaubensbrüdern und -schwestern eine erste christliche Gemeinschaft gegründet haben. Eine zum Christentum konvertierte Römerin schenkte Marinus den Berg, und nach dessen Tod im Jahr 366 gründeten seine Anhänger dort die Republik San Marino. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterten die San-Marinesen ihr Territorium friedlich durch Landerwerb und verteidigten dank geschickter Diplomatie und der Unterstützung eines gut ausgebildeten Heeres erfolgreich ihre Souveränität.

Der Palazzo Publico auf der Piazza della Libertà

So blickt die Republik auf eine 1700jährige Geschichte zurück und gilt damit als die älteste der Welt.

Nach dem Stadtbummel machen wir es uns im Bus gemütlich und planen unsere Fahrt durch die Marken, an deren Grenze wir uns jetzt befinden.

Rund um die Lagune: Aale und Flamingos

Unsere Radtour rund um die Lagune von Comacchio ist 55 km lang und beginnt mit einer Fährfahrt von einer Minute über einen Kanal. Dies erspart uns eine viel befahrene Brücke und macht erheblich mehr Spaß.

Ehe wir das Boot besteigen, schauen wir Fischern bei der Arbeit zu, die ein Netz über den Boden des Kanals ziehen und bis zum Rand mit Muscheln gefüllt wieder rausziehen.

Hier in der Lagune und am Meer dreht sich alles um Fische und Meeresfrüchte. Fangfrisch werden sie vor den Kuttern verkauft.

Wir radeln weiter nach Comacchio, den Weg kennen wir schon von gestern. Heute verlassen wir den Ort Richtung Westen und stoßen bald auf einen kleinen Pfad entlang der Lagune mit Blick auf zahlreiche Fischerhütten. Sie säumen die ersten fünf Kilometer unseres Weges. Einfache Holzhütten stehen auf Pfählen im Wasser. Außen sind riesige Fangvorrichtungen befestigt, die ins Wasser gesenkt werden können.

Comacchio ist nicht nur als Klein-Venedig sondern auch als Hauptstadt der Aale bekannt. Früher wurde der Fisch hier in Massen aus der Lagune geholt. Heute steht er auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und wird nur noch in kleinen Mengen gefischt.

Wir genießen die Fahrt immer am Wasser entlang und schauen den Kuhreihern, den Grau-und Silberreihern, den Blesshühnern und Unmengen von Kormoranen zu. „Guck, eine Bisamratte!“, ruft Achim mir zu… und noch eine, und noch eine und ein paar Junge dazu. Sie sind zu schnell für uns und lassen sich nicht fotografieren.

Immer wieder ist die Lagune von kleinen und größeren Dämmen und Inselchen durchzogen. Sie umfasst 11 000 Hektar und gilt als die größte italienische Lagunenlandschaft mit Brackwassergebieten.

Im Süden kommen wir nicht so richtig vorwärts: alle paar Minuten steigen wir von den Rädern ab, holen die Ferngläser raus und beobachten die Flamingos, die sich hier zu Hunderten tummeln.

Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel entdecken wir einen Wegweiser zum Lido di Spina. So heißt der Ort vor Lido degli Estensi, wo unser Bus steht. Wir wundern uns, denn das Schild weist in Richtung Wasser und Achims Navi protestiert auch bald, nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben: „Keine fahrbare Strecke“. Haha, weit gefehlt. Ein sehr schmaler, aber bestens befahrbarer Damm führt uns mitten durchs Wasser unserem Ziel entgegen. Wir sind begeistert. Ich weiß nicht, ob ich jemals eine eindrucksvollere Strecke geradelt bin. Es ist wie Radfahren auf dem Wasser. Unglaublich schön. Und ein bisschen surreal.

Erstmal noch ans Meer

Den Tag beginne ich mit einem Lauf entlang des Lago Inferiore. Wir stehen mit unserem Bus direkt an einem kleinen Hafen vor der Altstadt Mantuas. Das klingt romantischer als es ist, denn unser Stellplatz wird von einer Hecke umfasst, die uns den Blick aufs Wasser verwehrt.

Es hat bereits 13 Grad, als ich um halb acht loslaufe. Und ich bin nicht alleine unterwegs, denn Mantua bereitet sich auf ein großes Laufevent, einen Halbmarathon, vor. Davon bin ich mit meiner drei Kilometer langen Strecke weit entfernt. Trotzdem belohne ich mich für die morgendliche Anstrengung erstmal mit einem leckeren Frühstück im Bus.

Gegen Mittag erreichen wir Ferrara. Wir haben eineinhalb Stunden durch die Poebene gebraucht, die heute noch ebenso unattraktiv daher kommt wie vor 20 Jahren, als wir hier mit den Motorrädern waren: flach wie ein Brett und von Gewerbe und Industrie zersiedelt. Den Po sehen wir leider nur ein einziges Mal von einer Brücke kurz vor Ferrara.

Auch Ferrara stand nicht auf unserer Liste. Unser   Marco Polo-Reiseguide aus dem Jahr 2005 mit den 150 Highlights in Italien hat uns zu einem Besuch verlockt: zu sehen sind die romanisch-gotische Kathedrale, ein Castello der Gründerfamilie Este und ein Palazzo, vor allem aber viele pittoreske Gassen. Die bekannteste ist die Via delle Volte, sie zählt gar zu den schönsten Italiens.

Via delle Volte

Mittlerweile ist das Thermometer auf 22 Grad gestiegen und wir genießen den Stadtbummel.

Die Kathedrale in Ferrara

Am Nachmittag fahren wir weiter ans Meer. Auch dies ist ein spontaner Stopp. „Das Lagunenstädtchen Comacchio mit bunten Fischerhäusern und palazzi steht auf 13 Inseln in der Deltalandschaft des Po“, lesen wir in unserem Reiseführer. Wir haben mittlerweile 24 Grad und ich liebäugele mit einem Bad im Mittelmeer.

Letztendlich reicht es mir aber doch, die (recht angenehme) Wassertemperatur mit den Füßen zu testen und wir schwingen uns aufs Rad, um den Ort zu erkunden.

Comacchio wird gern auch als Klein-Venedig beschrieben und ja, die ersten Eindrücke sind atemberaubend. Der halbe Ort flaniert durch die Gassen, die bunten Fassaden spiegeln sich in den Kanälen, eine Band spielt italienische Schlager, fast zu schön, um wahr zu sein.

Um die Idylle auszukosten, lassen wir uns auf einen Aperitivo nieder und erfreuen uns an der mediterranen Tradition, diesen mit feinen Knabbereien zu genießen.

Morgen bleiben wir noch hier und erkunden die Lagune südlich des Po-Deltas mit dem Rad.

Wir nähern uns den Marken

Die Sonne lacht vom Himmel, wie schön. Ein leichter Dunstschleier liegt noch zwischen der Sonne und uns, das wird schon werden. Unser morgendlicher Spaziergang führt uns durch Riva del Garda, durch Evas Riva und ihre Erinnerungen. Anschliessend umfahren wir das Weinfest in Bardolino großräumig und nehmen die westliche Uferstraße. Es ist Samstag und damit ist […]

Wir nähern uns den Marken

Riva del Garda: Spaziergang durch meine Erinnerungen

Es ist in der Früh um zehn, als das Telefon klingelt. Verschlafen greife ich zum Hörer. „Hallo?“, bringe ich im Noch-Halbschlaf über die Lippen. Eine hellwache, fröhliche Stimme erklärt mir, dass sie meine Telefonnummer von Hannelore S. habe und sie auf der Suche nach einer Journalistin sei, die bereit wäre, die kommenden drei Monate in Riva am Gardasee bei einer deutschen Radiostation zu arbeiten. Ich stottere fassungslos vor mich hin, erkläre, dass ich kurz zu mir kommen müsse, notiere die Telefonnummer und verspreche, gleich zurückzurufen.

Das ist 42 Jahre her. Gestern sind Achim und ich in Riva angekommen und ich spaziere seither durch meine Erinnerungen.

Hier! Dies ist das Haus, in dem ich gemeinsam mit zwei weiteren Journalisten, Adrian und Harald, drei Monate lang das Sommerprogramm von Radio Garda 3 gemacht habe. Unser Studio war im ersten Stock, im hinteren Teil der riesigen Wohnung gab es eine große Küche, ein Bad und drei kleine Zimmer.

Das Ganze war die Idee eines Münchner Unternehmers, den ich in all den Wochen kein einziges Mal gesehen habe. Für die Programmgestaltung hatten wir freie Hand. Gesendet haben wir von 7 bis 22 Uhr: Stündlich Nachrichten (die wir kreativ durch das Abhören anderer Radiosender zusammengestellt haben), Sprachkurs (unterstützt durch unseren jungen italienischen Tontechniker Angelo), Ausflugstipps, Kochrezepte, Wunschkonzerte… Sogar einen Surfkurs habe ich damals gemacht und darüber berichtet.

Da! Die Touristeninfo. Hier haben wir jeden Morgen den Wetterbericht abgeholt. Ab 9 Uhr lag ein Fax für uns bereit.

Und die Uferpromenade. Hier habe ich gern die Abende verbracht, wenn ich keinen Spätdienst hatte. Es gab leckeres Eis, Livemusik und auch diesen Gitarristen mit dem feurigen Blick…

Achim hat seine ganz eigenen Erinnerungen an den Gardasee: auf einer seiner vielen Radtouren kam er auch hierher. Freund Werner konnte wegen einer OP nicht mitradeln und versprach, mit dem Auto nachzukommen. Doch wie sich für den Abend verabreden in Vor-Handyzeiten? Ganz einfach: Die Radler hinterlassen eine Nachricht auf dem Ortsschild von Malcesine: Uhrzeit und angepeilter Campingplatz. Der Autofahrer springt im Stau aus dem Auto, greift sich den Zettel – und erfreut kurze Zeit später die radelnden Freunde mit einem Kasten Bier aus dem Kofferraum.

Achim und ich haben aber auch eine gemeinsame Erinnerung an den Gardasee: Immerhin wurde neun Monate nach einem Wochenende in Limone unser Sohn geboren.

Wenn die Sonne scheint, ist alles anders

Es passiert nicht so oft, dass einem die Sonne einen Strich durch die Rechnung macht. Auf unseren Reisen in diesem Jahr jedenfalls nicht. Aber jetzt ist es tatsächlich passiert.

Die „Rechnung“ ging – wie ausführlich im letzten Blogbeitrag beschrieben – so: Es regnet und regnet und das macht uns keinen Spaß, deshalb fahren wir jetzt fix nach Norden und kommen damit zumindest mal dem Polarkreis näher. Drei Tage Regen hatte der Wetterbericht vorhergesagt. Und am zweiten Tag scheint bereits in der Früh die Sonne.

Also brechen wir unsere Flucht nach Norden kurzerhand ab.

Drei spannende Straßen liegen in greifbarer Nähe, bei Sonne eine Genusstour: die Valdresflya, das Romsdal und der Trollstigen (einer DER norwegischen Superlative). Wir sind mittlerweile in den Bergen gelandet, Meer und Gebirge liegen hier in Norwegen nicht weit auseinander.

Die erste Strecke zählt zu den norwegischen Touristenrouten und trägt die Überschrift „Wo die Straße schwebt“: „Eine Fahrt auf der Landschaftsroute Valdresflye gibt Ihnen das Gefühl, über der Hochebene mit ihrem einzigartigen Blick auf die Gipfel des Nationalparks Jotunheimen zu schweben.“ Ein Großteil der Strecke verläuft über der Baumgrenze; ihr höchster Punkt befindet sich auf 1389 Metern.Wir landen im Schnee, das Thermometer zeigt neun Grad, aber die Sonne scheint.

Die darauffolgende Fahrt durchs Romsdal führt am Fluss Rauma entlang, der hier eine schmale Schlucht geformt hat. Rechts und links ragen bis zu 1800 m hohe Berge auf, aus denen sich unzählige Wasserfälle herabstürzen.

Die höchste senkrecht aufsteigende Felswand Europas kann man hier ebenfalls bestaunen: die Trollwand. Warum hier ein altes Polizeiauto zur Dekoration steht, wissen wir nicht.

Die spektakulärste der drei Straßen, die wir heute befahren, ist ohne Zweifel der Trollstigen, mit dessen Bau 1925 begonnen wurde. Eingeweiht wurde sie elf Jahre später von König Håkon VII. Auch heute noch zählt sie zu den extremsten Gebirgsstraßen Europas. Achim kutschiert unseren Bus lässig, ganz ohne Herzklopfen, hinauf.

Herzklopfen bekommen wir beide erst, nachdem wir unseren Übernachtungsplatz gewählt und den Bus geparkt haben: so einen besonderen Platz hatten wir noch nie. Auf 800 m, umgeben von Schnee, Bergen und der nordischen Nachthelle. Der Himmel ist auch kurz vor Mitternacht noch blau.

Auch am nächsten Morgen scheint die Sonne und als wir nach einem gemütlichen Sonntagsfrühstück im Tal ankommen, ist das Thermometer schon auf 16 Grad geklettert. Wir wollen zum berühmten Geirangerfjord. Dazu queren wir erstmal mit der Fähre den parallel verlaufenen Storfjord und einen weiteren Pass, von dessen Höhe aus man den ersten Blick auf den Fjord erhascht.

Die Schiffsfahrt über den Fjord setzt unseren unverhofften Ausflügen dann die Krone auf. Tiefblauer Himmel, Sonne pur und 23 Grad.

Straße mit Aussicht

Was bringt ein Aussichtspunkt ohne Aussicht? Aussicht. Halt in Schwarz-Weiß statt in Blau-Weiß. Wetter wird bekanntlich gern mal überschätzt.

Der Lysefjord nahe Stavanger

Ganz normal ist es hier auf den Straßen mit Aussicht, dass es sie auf einmal gar nicht mehr gibt. Dass sie von einem Fjord unterbrochen werden und man sich von einer Fähre auf die andere Seite bringen lässt.

Fähre über den Jösenfjord

Ansonsten fährt man hier sehr gemütlich Auto. Höchstens 80, meistens 60. Sehr angenehm für Touristen. Wir haben dann Zeit zu gucken. Wenn uns nicht gerade einer der vielen Tunnels die Aussicht nimmt.

Eine Panoramastraße ist übrigens auch eine Panoramastraße, wenn man vorübergehend das Panorama nicht wirklich sieht. Es ist ja da, sieht bei Regen nur anders aus als bei Sonnenschein. Man spielt sich nur selbst ab und zu einen Streich, indem man seufzt „Ach, wie schön sähe das hier bei Sonne und blauem Himmel aus!“

Da gibt es nur ein probates Gegenmittel: eine Kaffeepause. Mit Aussicht und selbst gebackenem Apfelkuchen.

Kaffeepause mit Aussicht im Hafen von Halandsosen

Den habe ich am Tag zuvor gebacken. Da hatten wir in Stavanger 20 Euro für zwei Milchkaffee und zwei Zimtschnecken bezahlt. Unseren schönen Übernachtungsplatz am Fähranleger in Aunes erreichten wir bereits um fünf und – Regen, sei Dank! – es gab nichts besseres zu tun als zu backen.

Unser Übernachtungsplatz am Fähranleger in Aunes
Egal ob Brot, Pizza oder Apfelkuchen – im Omnia sieht alles aus wie ein Napfkuchen

Ein Nieselspaziergang mit Ausblick auf eine Brücke über Stromschnellen, die zu einem kleinen Wasserfall führen, in dem zur Saison Lachse springen, gliedert sich nahezu perfekt ins Tagesprogramm.

Und weil es hier so schön ist, bleiben wir einfach heute Nacht.

Schlafplatz am Suldalstagen bei Sand

Skaftafell

Zu gerne wären wir auf dem Parkplatz am Jökulsārlon über Nacht geblieben – das ist verständlicherweise verboten. Wir fahren also 50 Kilometer zum Skaftafell-Camping, stellen uns an den Rand des großen Platzes. Hier gibt es keinen Stromanschluss (den brauchen wir auch nicht), dafür ganz viel Ruhe. Lange sitzen wir vor dem Bus, freuen uns über […]

Skaftafell