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Schätze am Strom

Schon kurz hinter Chiang Khan sehe ich das erste Schild: „Kong River Art Garden“. Wow, was ist das denn? Google Maps hat keinen Eintrag dazu. Da sind wir ja mal gespannt.

Tatsächlich: etwa auf halber Strecke zwischen Chiang Khan und Pak Chom stehen auf einer kurzen Strecke entlang des Stroms Kunstschätze.

Es sind Skulpturen aus Drahtgeflechten, gefüllt mit Mekong-Kieseln. Früher gab es hier auch mal ein Infohäuschen zu dieser kleinen Ausstellung am Fluss, heute ist das ein lost place. Alle Fenster und Türen sind offen, drei Bilder sind an die Wand gelehnt, in einer kleinen Vitrine stehen noch Kaffeetassen und Zuckerstreuer. Eine Spüle gammelt vor sich hin.

Wir fahren mit dem Roller ein Stück weiter und entdecken weitere Kunstwerke.

Alle sind in ähnlicher Weise geschaffen. Von wem, wann und warum die Ausstellung laut Internet „dauerhaft geschlossen“ ist, kann ich leider nicht herausfinden.

Wir freuen uns jedenfalls, dass wir diese Street Art entdeckt haben und weil wir hier auf der Straße völlig alleine sind, probiere ich gleich mal etwas aus. Es ist wie beim Fahrrad fahren: man verlernt es nicht.

Zwischen Chiang Mai und Pak Chom sieht der Fluss gar nicht wie ein solcher aus. Jetzt in der Trockenzeit ist der Wasserstand so niedrig, dass der steinige Untergrund aus der Wasseroberfläche herausspitzt. Sandinseln, teils bewachsen, lugen heraus.

In der Regenzeit kann der Wasserstand um zehn bis 15 Meter höher sein. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die globale Erwärmung und häufigere Dürren die Wasserpegel zwischen 2019 und 2021 auf ihren niedrigsten Stand seit 60 Jahren sanken (weiß Wikipedia).

Der Mekong ist eines der artenreichsten Flussökosysteme. Aber immer mehr Staudämme und Wasserkraftwerke beeinflussen die Ökologie des Flusses und lassen den Fischbestand schwinden, was schlimme Folgen für die betroffenen Anrainer hat.

In manchen Regionen sind die Fischbestände in den ersten zwei Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts bereits um mehr als 87 Prozent zurückgegangen.

In Pak Chom finden wir ein hübsches Lokal am Fluss und bestellen uns eine lustige Mischung von Speisen: Reis mit Omelette, Spiegelei mit verschiedenen Toppings, Fritten, Passionsfruchtsaft, Kaffee. Den Fischsalat, den ich eigentlich wollte, gab es leider nicht.

Hier beobachte ich, dass zwei Männer die Bedienung etwas fragen und dabei auf die Menschen zeigen, die etwas weiter weg im Wasser arbeiten. Das interessiert uns auch schon die ganze Zeit und nach dem Essen frage ich sie, was sie in Erfahrung gebracht haben. Wir haben es uns fast gedacht: Sie suchen im Sand des Mekong nach Gold!

Ob ihre Schatzsuche erfolgreich ist, können wir leider nicht herausfinden. Auch dazu finde ich im Internet nichts. Einen Eintrag lese ich zum Thema Gold suchen in Laos. Hier soll es möglich sein, so viel an den Rändern des Flusses zu finden, dass man ein einfaches Leben mit dem Ertrag führen kann.

Bei einem Spaziergang am Fluss finden wir weitere Naturschätze, sehr ertragreiche Obstbäume. Bananen, Mango, Papaya erkennen wir, Tamarinde, aus der die hier zum Kochen verwendete Paste hergestellt wird, kennt plant net.

Die Luftgurke, so lerne ich, kann man trocknen und dann als Luffaschwamm verwenden oder man isst sie frisch als Gemüse.

Es ist inzwischen Nachmittag und wir treten die Heimfahrt an. Diese Strecke, wirklich wunderschön entlang des Mekong, ist so untouristisch, dass wir Schwierigkeiten haben, einen Kaffee zu bekommen. Wir wären ja auch mit Instantkaffee zufrieden. Erst kurz vor Chiang Khan finden wir ein Café, in dem es sogar Bananenkuchen gibt.

Diese Zeilen schreibe ich im Nachtbus nach Bangkok. Um sieben am Abend sind wir in Chiang Khan gestartet. Morgen Früh um fünf sind wir in der Hauptstadt, bleiben aber nicht dort sondern fahren direkt weiter. Wohin? Das verrate ich jetzt noch nicht. Das könnt Ihr morgen hier lesen.

Jetzt mache ich es mir erstmal gemütlich mit einem Bierchen, einem Supermarkt-Sandwich und meinem Krimi.

Über, an, in, auf dem Mekong

Schon wieder meldet sich der Wecker um sechs. Wird das hier noch zur Gewohnheit? Wortkarg schlüpfen wir in die schon gestern bereit gelegten Kleidungsstücke, mehrere Lagen, und starten den Scooter. Auch heute ist es kühl bei 12 Grad. 

Als erstes wollen wir zum Phu Thok, einem Aussichtsberg mit 360 Grad-Blick, der perfekt für den Sonnenaufgang ist. Finden wir und viele andere Menschen.

Wir müssen den Roller am Kassenhäuschen parken und mit dem Auto weiter fahren.

Autoflotte zum Sonnenaufgang

Fröhliche Fahrgemeinschaft

Alles Frühaufsteher

Gut dass genügend Platz ist für alle Sonnenanbeter, Instagrammer und Youtuber. Und die Bloggerinnen nicht zu vergessen.

Da ist sie.

Posieren für den Blog

Vor dem Wolkensee

Es war ein Bild wie dieses, vor dem die Damen hier posieren, das wir im Internet gesehen haben und das uns hierher gelockt hat. Der Phu Thok ist berühmt dafür, dass man auf einen Wolkensee über dem Mekong hinunter blicken kann. Heute ist das leider nicht so, der Blick auf den Strom unter uns im Morgendunst ist dennoch sehr schön.

Der Mekong im Dunst, ohne Wolkensee

Es scheint hier jeden Morgen so viel los zu sein, denn der Weg vom Autoparkplatz zum Kassenhäuschen ist gesäumt von Marktständen, die Souvenirs und Speisen und Getränke anbieten.

Schon jemand kauffreudig?

Wir rollern zurück zum Hotel, wo uns schon ein kleines Frühstück erwartet.

Im Ort gibt es eine Touristinfo. Wir hoffen, hier Auskunft zu bekommen, ob es wirklich keinen öffentlichen Transport entlang des Mekong über die so angepriesene wunderschöne Strecke entlang des Flusses ins 200 Kilometer entfernte Nong Khai gibt. Leider, leider nicht. Das gab es wohl früher mal, jetzt nicht mehr. Also ist eine Planänderung nötig. Aber erstmal zum zweiten Höhepunkt des heutigen Tages: dem Skywalk.

Unterwegs zum Skywalk

Wir fahren 20 Kilometer entlang des Flusses nach Westen und dann folgt die gleiche Prozedur wie am Morgen: Parken, Ticket kaufen, rein in den Pick up, hochfahren.

Vom Buddha beschützt
Glücklich in schwindelnder Höhe

Auch hier sind wir nicht alleine, aber es sind erheblich weniger Leute da als beim Sonnenaufgang. Westliche Touristen gibt es in dieser Gegend wenige. Das merkt man auch an den Ausschilderungen, die ausschließlich auf Thai sind. Aber hilfsbereite Mitmenschen zeigen uns gern, wo es lang geht.

Technische Daten zum Skywalk finde ich im Netz: 2020 gebaut, 80 Meter lang, 80 Meter hoch „oder so hoch wie ein 30stöckiges Gebäude“. Imposant. Es gibt auch Besucher, denen das Glas über dem Abgrund Angst macht. Wir haben das zum Glück ja in Bangkok trainiert.

Und weiter geht’s zum dritten Highlight des heutigen Tages: den Nang Koi-Strand. Hier wollen wir Mittagessen, Reieseplanung machen, chillen und die Füße in den Mekong stecken.

Hier geht es ganz offiziell an den Strand

Und hier ist sehr wenig los. Teilweise sind wir am Nachmittag zu zweit hier.

So kriegt man keinen Sand in die Schuhe

Gebratener Reis mit Fisch

Fährt das Boot in Thailand oder in Laos? 🤔

Zumindest mal die Füße in den Mekong stecken

Zur weiteren Reise: Wir leihen den Roller auch morgen noch und fahren damit den Mekong in östliche Richtung so lange wir Lust haben. Als kleiner Ersatz für die geplante Tour am Fluss nach Nong Khai. Morgen Abend geht es dann mit dem Nachtbus nach Bangkok und sofort weiter nach Si Racha, wo wir das Boot auf die Insel Sichang nehmen. Dort kommen wir einen Tag früher an als geplant. Kein Problem zum Glück. Also alles wieder im Lot. Jetzt können wir hier noch ein bisschen gucken, dösen und lesen. Vielleicht finde ich zum Abendessen etwas AUS dem Mekong.

An den Mekong

Es war die ganze Nacht windig und als wir um 6.30 Uhr vor die Tür unseres kleinen Bungalows treten, windet es immer noch, graue Wolken sind am Himmel und es hat nur 13 Grad. Irgendwo habe ich gestern gelesen, dass ein Tief über China kalte Luft nach Thailand bringt. Bei angesagten Höchsttemperaturen von 25 Grad in unserer Gegend ist mir das doch recht.

Graue Wolken am Morgenhimmel

Wir gehen zur Bushaltestelle im Ort und sind gespannt, ob alles so klappt, wie wir uns das ausgedacht haben: mit dem Bus 40 Kilometer nach Loei im Osten von uns und dann mit einem der Songthaews 50 Kilometer nach Norden an den Mekong. Chiang Khan heißt unser Ziel heute.

Der Betreiber unseres Hotels hatte gesagt, dass der Bus nach Loei einmal am Tag um 7.30 Uhr führe. Eine junge Frau, die ich im Supermarkt vorsichtshalber nochmal gefragt hatte, meinte, um Sieben. Also gehen wir rechtzeitig los und warten mal ab, was passiert. Immerhin haben uns zwei Leute, die uns hier beobachtet haben, schon gefragt, wo wir hinwollen und zustimmend genickt, als wir ihnen geantwortet haben. „Halb acht“, sind sie sich einig. Um kurz vor halb gesellen sich noch weitere Wartende zu uns.

An der Bushaltestelle in Phu Ruea

Der Bus kommt um 7.40 Uhr. Oh, mit diesem Typ sind wir noch gar nicht unterwegs gewesen. Luftige Angelegenheit. Da wären ein paar Grad mehr doch recht.

Unser Bus nach Loei

Ganz schön kalt

Wir tuckern so mit 30 kmh vor uns hin. Das kann dauern. Ich ziehe nach und nach meine wärmeren Kleidungsstücke an. Im nächsten Ort steigen zwei Frauen mit reichlich Gepäck dazu, vor allem Gemüse und Besen. Ob sie zum Markt wollen?

Marktfrauen an Bord

Nach knapp eineinhalb Stunden sind wir in Loei, zahlen für die Fahrt pro Person 80 Baht, soviel wie für eine große Flasche Bier. Unser Busfahrer sorgt für reibungslosen Transfer: Er hält neben seinem Kollegen, der nach Chiang Khan fährt, wir steigen um und weiter geht es. Da bleibt noch nicht mal Zeit für einen Kaffee oder einen Happen zum Frühstück.

Im Bus nach Chiang Khan

Das holen wir nach, als wir nach wiederum eineinhalb Stunden um 11 Uhr in Chiang Khan ankommen. Wir werden da abgesetzt, wo die Busse nach Loei abfahren und zahlen diesmal nur 40 Baht pro Person, also circa 1,20 Euro. Auch interessant, dass diese Fahrt, die sogar etwas weiter war als die vorige, nur die Hälfte kostet.

Hier gibt es eine Straßenküche, ohne Kaffee, mit Nudelsuppe. Die heiße Suppe tut nach der doch recht kühlen Fahrt sehr gut.

Nudelsuppe in Chiang Khan

Dann rufe ich, wie vereinbart, in unserem Hotel an, um uns abholen zu lassen. Meine Gesprächspartnerin kann gut Englisch, aber sicherheitshalber gebe ich mein Telefon dem Nudelsuppenmacher, damit er ihr erklärt, wo wir genau sind. Das klappt super, nach zehn Minuten ist der Fahrer da und weitere zehn Minuten später können wir einchecken.

Kurz aufs Zimmer, die warmen Sachen ausziehen und ab an den Mae Nam Khong, wie der Mekong hier genannt wird. Er ist über 4000 Kilometer lang und damit der zwölftgrößte Fluss der Erde, quert sechs Länder, entspringt in Tibet und mündet in Vietnam ins südchinesische Meer. Und jetzt stehen wir hier und staunen, dass wir hier sind.

Der Mekong bei Chiang Khan

Im Hotel gibt es kostenlose Leihfahrräder, mit denen wir Richtung Zentrum radeln – und werden überrascht von einer sechs Kilometer langen Flusspromenade samt Fahrradspur. Auf der radeln wir gemütlich dahin, direkt am Wasser, auf der anderen Seite des Flusses stets Laos im Blick.

Links Laos, rechts Achim

Hier ist Laos gegenüber

Wir entdecken ein Ausflugsschiff, das eine eineinhalbstündige Flussfahrt zum Sonnenuntergang anbietet. Geht’s noch romantischer? Machen wir.

Sonnenuntergangsfahrt auf dem Mekong

Zurück im Hotel erfährt unsere beste Laune erstmal einen kleinen Dämpfer. Wir sind von unserem Reiseführer hergelockt worden, der schrieb: „Die Straße von Chiang Khan nach Nong Khai folgt fast die ganze Strecke über dem Lauf des Mekong und dieses ist einer der schönsten Trips, den man sich in Thailand gönnen kann.“

Dafür nimmt man den Morgenbus. Im Hotel aber heißt es, diesen Bus gibt es nicht. Man kann, wenn überhaupt, nur mit einem Privatwagen dorthin fahren und der koste umgerechnet 100 Euro. Pah, das ist mal ne Summe. Da müssen wir nun erstmal drüber nachdenken und morgen im Ort selbst nochmal recherchieren.

Was aber gut funktioniert: Achim leiht im Ort einen Scooter für morgen aus, denn wir haben hier in Chiang Khan noch einiges vor.

Unser Scooter für ein oder zwei Tage