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Rund um die Lagune: Aale und Flamingos

Unsere Radtour rund um die Lagune von Comacchio ist 55 km lang und beginnt mit einer Fährfahrt von einer Minute über einen Kanal. Dies erspart uns eine viel befahrene Brücke und macht erheblich mehr Spaß.

Ehe wir das Boot besteigen, schauen wir Fischern bei der Arbeit zu, die ein Netz über den Boden des Kanals ziehen und bis zum Rand mit Muscheln gefüllt wieder rausziehen.

Hier in der Lagune und am Meer dreht sich alles um Fische und Meeresfrüchte. Fangfrisch werden sie vor den Kuttern verkauft.

Wir radeln weiter nach Comacchio, den Weg kennen wir schon von gestern. Heute verlassen wir den Ort Richtung Westen und stoßen bald auf einen kleinen Pfad entlang der Lagune mit Blick auf zahlreiche Fischerhütten. Sie säumen die ersten fünf Kilometer unseres Weges. Einfache Holzhütten stehen auf Pfählen im Wasser. Außen sind riesige Fangvorrichtungen befestigt, die ins Wasser gesenkt werden können.

Comacchio ist nicht nur als Klein-Venedig sondern auch als Hauptstadt der Aale bekannt. Früher wurde der Fisch hier in Massen aus der Lagune geholt. Heute steht er auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und wird nur noch in kleinen Mengen gefischt.

Wir genießen die Fahrt immer am Wasser entlang und schauen den Kuhreihern, den Grau-und Silberreihern, den Blesshühnern und Unmengen von Kormoranen zu. „Guck, eine Bisamratte!“, ruft Achim mir zu… und noch eine, und noch eine und ein paar Junge dazu. Sie sind zu schnell für uns und lassen sich nicht fotografieren.

Immer wieder ist die Lagune von kleinen und größeren Dämmen und Inselchen durchzogen. Sie umfasst 11 000 Hektar und gilt als die größte italienische Lagunenlandschaft mit Brackwassergebieten.

Im Süden kommen wir nicht so richtig vorwärts: alle paar Minuten steigen wir von den Rädern ab, holen die Ferngläser raus und beobachten die Flamingos, die sich hier zu Hunderten tummeln.

Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel entdecken wir einen Wegweiser zum Lido di Spina. So heißt der Ort vor Lido degli Estensi, wo unser Bus steht. Wir wundern uns, denn das Schild weist in Richtung Wasser und Achims Navi protestiert auch bald, nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben: „Keine fahrbare Strecke“. Haha, weit gefehlt. Ein sehr schmaler, aber bestens befahrbarer Damm führt uns mitten durchs Wasser unserem Ziel entgegen. Wir sind begeistert. Ich weiß nicht, ob ich jemals eine eindrucksvollere Strecke geradelt bin. Es ist wie Radfahren auf dem Wasser. Unglaublich schön. Und ein bisschen surreal.

Erstmal noch ans Meer

Den Tag beginne ich mit einem Lauf entlang des Lago Inferiore. Wir stehen mit unserem Bus direkt an einem kleinen Hafen vor der Altstadt Mantuas. Das klingt romantischer als es ist, denn unser Stellplatz wird von einer Hecke umfasst, die uns den Blick aufs Wasser verwehrt.

Es hat bereits 13 Grad, als ich um halb acht loslaufe. Und ich bin nicht alleine unterwegs, denn Mantua bereitet sich auf ein großes Laufevent, einen Halbmarathon, vor. Davon bin ich mit meiner drei Kilometer langen Strecke weit entfernt. Trotzdem belohne ich mich für die morgendliche Anstrengung erstmal mit einem leckeren Frühstück im Bus.

Gegen Mittag erreichen wir Ferrara. Wir haben eineinhalb Stunden durch die Poebene gebraucht, die heute noch ebenso unattraktiv daher kommt wie vor 20 Jahren, als wir hier mit den Motorrädern waren: flach wie ein Brett und von Gewerbe und Industrie zersiedelt. Den Po sehen wir leider nur ein einziges Mal von einer Brücke kurz vor Ferrara.

Auch Ferrara stand nicht auf unserer Liste. Unser   Marco Polo-Reiseguide aus dem Jahr 2005 mit den 150 Highlights in Italien hat uns zu einem Besuch verlockt: zu sehen sind die romanisch-gotische Kathedrale, ein Castello der Gründerfamilie Este und ein Palazzo, vor allem aber viele pittoreske Gassen. Die bekannteste ist die Via delle Volte, sie zählt gar zu den schönsten Italiens.

Via delle Volte

Mittlerweile ist das Thermometer auf 22 Grad gestiegen und wir genießen den Stadtbummel.

Die Kathedrale in Ferrara

Am Nachmittag fahren wir weiter ans Meer. Auch dies ist ein spontaner Stopp. „Das Lagunenstädtchen Comacchio mit bunten Fischerhäusern und palazzi steht auf 13 Inseln in der Deltalandschaft des Po“, lesen wir in unserem Reiseführer. Wir haben mittlerweile 24 Grad und ich liebäugele mit einem Bad im Mittelmeer.

Letztendlich reicht es mir aber doch, die (recht angenehme) Wassertemperatur mit den Füßen zu testen und wir schwingen uns aufs Rad, um den Ort zu erkunden.

Comacchio wird gern auch als Klein-Venedig beschrieben und ja, die ersten Eindrücke sind atemberaubend. Der halbe Ort flaniert durch die Gassen, die bunten Fassaden spiegeln sich in den Kanälen, eine Band spielt italienische Schlager, fast zu schön, um wahr zu sein.

Um die Idylle auszukosten, lassen wir uns auf einen Aperitivo nieder und erfreuen uns an der mediterranen Tradition, diesen mit feinen Knabbereien zu genießen.

Morgen bleiben wir noch hier und erkunden die Lagune südlich des Po-Deltas mit dem Rad.