Ja! Wir dürfen! Hochoffiziell in Island rumreisen. Um 11.30 Uhr haben wir in Egilsstaðir einen weiteren PCR-Test gemacht, um 19 Uhr kam die Nachricht auf unsere Handys: Kein Corona. Island, wir kommen!
Unser erster Ausflug führt uns ins Hochland, das den Großteil des Landesinneren von Island ausmacht. Alles, was mehr als 200 Meter über dem Meeresspiegel liegt, etwa 75 % der Gesamtfläche von Island, wird als Hochland bezeichnet. Wir können dieses Gebiet kaum bereisen, da die Straßen allesamt nicht asphaltiert und nur für Wagen mit 4-Rad-Antrieb zugelassen sind.
Es gibt zwei Ausnahmen. Die eine ist im Norden des Landes, wo wir erst später hinkommen. Die andere ist hier und führt uns erstmal am schönen Wasserfall Hengifoss vorbei.
Dann geht es hinauf. Es sind nur wenige hundert Höhenmeter, aber die Landschaft ändert sich rasch. Wieder sind wir im Schnee, Berge werden sichtbar.
Die etwa 40 km lange Straße wurde für den Bau des Staudamms Kárahnjúkar und des Kraftwerks errichtet. Davon profitieren wir jetzt. Das ganze Projekt ist aber sehr umstritten, da es einen tiefen Einschnitt in die Natur darstellt. Der Stausee ist riesig. Sehr beeindruckend der alte Canyon, der übrig geblieben ist.
Auf dem Rückweg biegen wir nach etwa der Hälfte der Strecke nach rechts auf eine Schotterpiste ab und gelangen nach zwei Kilometern an die Berghütte Laugafell.
Der Schokokuchen mit Rhabarbermarmelade ist sehr lecker, dass wir auf dem Parkplatz mit unserem Bus übernachten dürfen, ist großartig, aber das Spektakulärste befindet sich hinter dem Haus: zwei Hotpots mit 38 und 42 Grad – wie alle Hotpots auf Island von heißen Quellen gespeist.
Im Hintergrund Berge und ein Wasserfall, unglaublich schön.
Wir haben jetzt Nudeln gekocht, zu Abend gegessen, gebloggt – und ehe wir ins Bett gehen, werden wir nochmal das heiße Wasser und die außergewöhnliche Aussicht vom Hot-Pot aus genießen. Vielleicht kommt ja auch die Sonne noch mal raus – sie wird erst um 0 Uhr untergehen.
Angekommen in Island müssen wir drei Tage in Quarantäne. Achim beschreibt diese erste Zeit in unserem neuen Reiseland:
Das Ticket für die Fähre nach Seyđisfjördur haben wir schon eineinhalb Jahre in der Tasche. Letztes Jahr konnten wir unsere WoMo-Tour nach Island einfach verschieben, die Fährlinie Smyrrillines war kulant. Wir verschoben um genau ein Jahr. Corona beeinträchtigt das Leben und erst recht das Reisen immer noch. Ein nochmaliges Verschieben war nicht möglich, weswegen wir […]
Oh, nein! So sollte unsere Islandreise, die wir 2020 wegen Corona um ein Jahr verschieben mussten, nicht losgehen: „Lassen Sie den Motor warten!“, steht plötzlich im Display unseres neuen Wohnmobils, das gerade mal 3000 Kilometer auf dem Buckel hat. Den Motor warten? Eines funkelnagelneuen Autos?
Da Sonntag ist, können wir nicht viel dagegen unternehmen und beschließen, wie geplant, erstmal nach Flensburg weiterzufahren. Aber die Gedanken rattern und ein tiefenentspannter Reisetag wird das jetzt nicht mehr. Das Hauptproblem ist die Zeit: wir müssen bis morgen Abend Hirtshals im Norden Dänemarks erreichen, weil übermorgen Früh dort die Fähre nach Seydisfjördur im Osten Islands ausläuft.
Prost Flensburg!
Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz beim Flensburger Yachthafen und gehen erstmal auf ein Bier in eine der zahlreichen Kneipen dort. Seeluft schnuppern und Boote gucken beruhigen. In Flensburg gibt es einen großen Fiathändler, bei dem wir morgen Früh um Hilfe bitten werden. Auf unserem Parkplatz werden kostenlose Coronatests angeboten. Wir buchen zwei für 8.30 Uhr am nächsten Morgen, denn wir brauchen einen Nachweis, dass wir kein Corona haben, für den Grenzübertritt. So ist alles erledigt und wir lassen uns die Fish and Chips beim Gosch zum Abendessen schmecken.
Der Coronatest am Morgen erweist sich als vorsichtiger Nasenabstrich und ist schnell erledigt. Um 7.45 Uhr sind wir bei Fiat Bauer. „Kein Problem, wir schauen uns das gleich an. Wenn Sie in der Zwischenzeit einen Kaffee möchten, bedienen Sie sich!“ Hach, wann will man schon mal wildfremde Menschen umarmen?!
Noch besser wird es, als wir nach dem letzten Schluck Kaffee unseren Autoschlüssel zurückbekommen: „Alles in Ordnung!“ „Äh, ja danke. Was war denn?“ „Der Partikelfilter war kaputt. Ein bekanntes Phänomen.“ Hm, ja, nun gut. Wenn er das sagt. Wir freuen uns, dass wir unsere Reise jetzt fortsetzen können, bedanken uns für die spontane Hilfe und steuern Richtung Grenze.
Arbeitersiedlung an einer alten Kupfermühle bei Flensburg
Auf dem Weg dorthin halten wir an einer ehemaligen Kupfermühle an, ein Industriedenkmal, das wir uns unbedingt anschauen sollten, so der Rat meines Bruders. Wir bummeln durch die Gassen der früheren Arbeitersiedlung, die hervorragend in Schuss ist und sich sehr malerisch präsentiert.
Dänische Hotdogs müssen sein.
Willkommen in Dänemark! Trotz der Pandemie verläuft der Grenzübertritt völlig problemos. Der junge Grenzbeamte sieht sich unser Testergebnis im Handy an und winkt uns weiter. Die erste Raststätte mit dänischen Hotdogs ist unsere. Schließlich haben wir noch nicht gefrühstückt.
Als wir am späten Nachmittag in Hirtshals ankommen, regnet es. Der Stellplatz, den wir uns vorher ausgeguckt hatten, war einer Baustelle zum Opfer gefallen. Nach einigem Hin und Her landen wir schließlich im Hafen, wo schon einige Busse parken. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne. Perfekt. Zum Abendessen schnibbele ich eine Pfanne mit Auberginen, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch und reichere sie mit einer Handvoll Woknudeln an. Lecker. Dann noch ein bisschen spielen und lesen und schon haben wir einen Vorgeschmack auf Island: obwohl es kurz vor elf ist, ist es noch hell. Also ziehen wir die Rollos runter und kuscheln uns in Bett.
Übernachten im Hafen von Hirtshals
Am nächsten Morgen gibt es ein schnelles Frühstück, wir packen die letzten Dinge in unsere Taschen für die Fähre und schon bedeutet uns ein Angestellter der Smyrillline, unserer Fährgesellschaft, weiter vorzufahren, da gleich mit dem Einchecken begonnen würde.
Unser Schiff nach Island: die Norröna
Wir müssen den PCR-Test vorweisen, den wir in Göttingen gemacht haben (und der leider erst gegen Mittag kam, so dass wir ihn für die dänische Grenze noch nicht hatten), bekommen zwei Plastikkarten als Schlüssel für unsere Kajüte an Bord. Wenig später werden wir zu einer Teststation gelotst und durchs geöffnete Autofenster erneut einem Test unterzogen. Dies ist der dritte in drei Tagen.
36 Stunden an Bord
Wir bleiben von Dienstagvormittag, elf Uhr bis Donnerstagmorgen, 8 Uhr auf der Fähre und richten uns in ein entspanntes Treiben ein: mal hier sitzen, mal dort sitzen, mal an Deck gehen (meist nur kurz, weil zu kalt), aufs Wasser gucken, sich über ein paar Basstölpel freuen, essen gehen, ein Bierchen trinken, lesen, spielen. Das Meer ist freundlich zu uns, prophylaktisch eingenommene Reisetabletten tragen auch zum Wohlbefinden bei.
Einfahrt nach Torshavn auf den Färöern
Für eine willkommene Unterbrechung sorgt die Zwischenlandung auf den Färöer-Inseln. Sie gehören zu Dänemark und bestehen aus 18 vulkanischen Felsinseln, die zwischen Island und Norwegen im Nordatlantik liegen und durch Straßentunnel, Fähren, Dammstraßen und Brücken miteinander verbunden sind. Auf dem Rückweg werden wir hier für zwei Nächte Station machen.
Danach kommt kurz Hektik auf, weil alle Passagiere aufgefordert werden, sich im Café zur Vorbereitung ihrer Einreise einzufinden. Hier wird jetzt die Spreu vom Weizen getrennt: Wer vollständig geimpft ist, bekommt einen grünen Passierschein. Leute wie wir, die es noch nicht geschafft haben, bekommen einen orangefarbenen.
Wir erreichen Seydisfjördur und sind jetzt auf Island
Die zweite Nacht an Bord ist ziemlich ruppig. Das Schiff wird von den Wellen recht gebeutelt. Gegen 7 Uhr erhaschen wir einen ersten Blick auf Island: schneebedeckte Berge säumen den Fjord von Seydisfjördur, wo wir um halb neun anlegen.
Wir sind ein bisschen nervös wegen der Einreiseprozedur. Was man nicht alles parat haben muss: die Bescheinigung, dass man sich beim isländischen Staat elektronisch vorangemeldet hat, den Barcode, den man von dort bekommen hat, den PCR- Test, die Buchungsbestätigung für die Quarantäneunterkunft … Hoffentlich fehlt nichts!
Wir stehen etwa eine Stunde in der Schlange, rätseln, warum das wohl alles so lange dauert. Die „Grünen“ sind natürlich alle schon weg, während es sich bei den „Orangenen“ hinzieht. Doch dann kommt ein freundlicher Polizeibeamter an unseren Bus und lässt sich alles zeigen. Den Test, den Barcode vom Ministerium, die Buchungsbestätigung unserer Quarantäneunterkunft. Nachdem er uns noch einmal das Procedere erläutert hat (drei Tage Quarantäne, nochmaliger PCR-Test am Sonntag, weitere 20 Stunden Selbstisolation), dürfen wir fahren. Das Ganze hat nur fünf Minuten gedauert.
Der Weg nach Egilstadir und zu den Stora Fell Cottages, in denen wir die nächsten Tage verbringen werden, führt über die 27 km lange Passstraße und die Hochebene Fjarđarheiđi. Der höchste Punkt ist zwar nur auf 630 m, aber um uns herum ist es verschneit.
Es ist doch Sommer! Oder?
Von Egilstađir sind es noch 16 Kilometer bis zum Cottage. Und dort heißt es dann: Drei Tage Quarantäne. Wir sind gespannt.