Schlagwort-Archive: Italien

Zufallsfunde vor Sizilien

Dass wir am Ziel sind, erkennen wir an den drei geparkten Reisebussen inmitten der Einsamkeit der kalabresischen Berge. Damit haben wir nicht gerechnet. Wir waren uns recht sicher, dass wir hier allein sein würden. Aber den Fehler zu denken, dass etwas nicht bekannt ist, nur weil wir es nicht kennen, mache ich nicht zum ersten Mal. Nur per Zufall (wir lieben Zufallsfunde!) erfahre ich heute Morgen von der Existenz des MuSaBa, des Museums Santa Barbara nahe dem Dorf Mammola im Süden Kalabriens.

Jetzt stehen wir vor dem Freilichtmuseum, das im Laufe von 55 Jahren vom italienisch-holländischen Paar Nik Spatani und Hiske Maas geschaffen wurde. 1969 begannen sie damit, ein altes Kloster in einen Ort der Kunst umzuwandeln. „Jahrelang haben wir biwakiert, ohne Licht oder Wasser, Fledermäuse aufgeschreckt und alles mit unseren Händen aufgebaut“, erzählt Hiske Maas in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Die Größe, die Vielfalt, die Farbigkeit, die unbändige Kreativität berauschen uns. Staunend wandeln wir umher.

Die Sixtinische Kapelle Kalabriens ist eines der Meisterwerke Spatanis, der in seiner Pariser Zeit Freund und Mitarbeiter von berühmten Persönlichkeiten wie Picasso, Le Corbusier, Jean Cocteau, Max Ernst oder Sartre war.

Ein 14 Meter langes dreidimensionales Gemälde, das den gesamten Raum des Gewölbes und der Apsis der alten Abtei St. Barbara einnimmt, stellt Jakobs Traum dar. Die Technik, mit der es hergestellt wurde, ist eine Erfindung von Spatari selbst: Die Silhouetten werden aus hellen Holzplatten geschnitten, bemalt und dann als Reliefs in der Luft hängend aufgetragen.

Das MuSaBa war und ist ein Treffpunkt für Kunstschaffende, Volontäre, NachwuchskünstlerInnen aus vielen Ländern.

In Reggio Calabria wollen wir das Schiff nach Sizilien nehmen. Vorher aber wollen wir uns noch ein paar weitere Zufallsfunde, die wir ebenfalls im Netz entdeckt haben, anschauen.

Die drei bunt bemalten Bronze-Skulpturen, die seit 2007 an der Uferpromenade in Reggio Calabria stehen, sind ein Werk der römischen Bildhauerin Paola Epifani (*1969), die unter dem Pseudonym Rabarama firmiert.

Sie heißen Transletter, Labyrinthitis und Co-stell-Action.

Erheblich jüngeren Datums ist das nur wenige Schritte entfernte Kunstwerk Opera, das hier 2020 von Edoardo Tresoldi installiert wurde:  46 Säulen aus Drahtgeflecht symbolisieren die griechische Vergangenheit der Stadt.

Die Uferpromenade von Reggio Calabria ist selbst eine Überraschung für mich. Auf der einen Seite wird sie von hervorragend erhaltenen Palästen gesäumt, auf der anderen Seite natürlich vom Meer, Blick auf Sizilien und den Ätna inbegriffen. Entlang der breiten Promenade zeigt uns die Natur, dass sie die Älteste aller Künste ist: ein Großblättriger Feigenbaum, riesiger Stamm, mit ausladender Krone und verschlungenen Wurzeln. Ein Feigenbaum? Mindestens 20 Giganten zeigen hier ihre Pracht.

Schließlich machen wir uns auf zum Hafen, kaufen Tickets nach Messina und können schon bald auf eine der Fähren, die hier häufig verkehren.

Ohne Wolken und auch ohne Rauch empfängt uns der Ätna. Um 18 Uhr landen wir auf Sizilien.

Zum Meer

Zwischen uns und unserem heutigen Ziel liegen rund 220 Kilometer. Wir wollen auf einen Stellplatz auf dem Gargano, dem Sporn Italiens.

Heute fahren wir von Pescasseroli zum Stellplatz Gargano Blu

Wieder sind es kleine kurvige Straßen und alte Steindörfer, durch die wir fahren. Gute drei Stunden sollen wir brauchen, sagt das Navi. Mit etlichen Zwischenstopps zum Ver- und Entsorgen, Fotografieren, Besichtigen von Sehenswürdigkeiten und Mittagessen und Kaffee trinken brauchen wir sieben Stunden.

Das Bergdorf Barrea

Dieser Prachtkerl lag in einem Garten in Barrea…

mit ein paar Artgenossen. Der Nationalpark macht’s möglich.

Am Wegesrand taucht diese neugotische Kathedrale auf: Basilica Santuario di Maria Santissima. Ein guter Platz für die Mittagspause

Gut, dass es unterwegs immer wieder solche Ver- und Entsorgungsplätze gibt.

Beeindruckt uns: Monolith mit Wachturm. Wir haben die Abruzzen verlassen.

Um halb fünf sehen wir das Meer, um kurz nach fünf  parken wir direkt am Strand. Bei Regen.

Da bleibt nur noch ein gemütlicher Spieleabend.

In den Abruzzen

Abruzzen bedeutet so viel wie “schroff” oder “abschüssig”, was perfekt zu den hügeligen Gegebenheiten vor Ort passt. In den Nationalparks hier sind Braunbären, Wölfe, Gämse und Adler angesiedelt. Heute sitzen wir sicher im Auto. Morgen wird die Sache schon anders ausschauen…

Zunächst aber schauen wir uns L’Aquila, die Hauptstadt der Abruzzen, an. Bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 am 6. April 2009 wurden Teile der Innenstadt zerstört; über 300 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Der Wiederaufbau verläuft schleppend und zieht sich bis heute hin.

Trotzdem gefällt uns die hübsch ins Bergland eingebettete Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten wie Palästen, Innenhöfen, Plätzen und Gotteshäusern.

Auf dem Domplatz

Altstadtgasse

Mittelalterliche Burg

Die Stadt hatte in den Jahren vor dem Erdbeben einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt bot sie ein pulsierendes, kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig fanden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein nannte L’Aquila „Salzburg der Abruzzen“.

Nach langer Lähmung (der Wiederaufbau wurde erst 2018 begonnen) und intensiven Renovierungen ist L’Aquila langsam auf dem Weg der Besserung. Nächstes Jahr wird sie italienische Kulturhauptstadt sein.

Auch heute begegnen uns auf Schritt und Tritt interessante Ausstellungen, zum Beispiel entlang eines Bauzauns Fotografien der hiesigen Fotografin Amalia Sperandio (1854 – 1948). Ein Bild zeigt die Kathedrale, die seit dem Erdbeben geschlossen und immer noch eingerüstet ist.

Die Fontana delle 99 Cannelle (Brunnen mit 99 Wasserspeiern) hat sie auch fotografiert.

Achim auch:

Beim Bummel durch die Gassen stoßen wir auf einen kleinen Palazzo, in dem eine ortsansässigen Künstlergruppe ihre Werke ausstellt. Wir werden herzlich begrüßt.

Im MAXXI wird zeitgenössische Kunst groß geschrieben.

Unser Liebling trägt den Titel: Onion Orion.

Bei unserer wohlverdienten Kaffeepause merken wir, dass wir schon in Süditalien sind (wenn auch gerade soeben): Im Kiosk gibt es Arancini, die typischen gefüllten und dann frittierten Reisbãllchen, und im Café Cannoli mit Ricottafüllung und Pistazien.

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt durch die Abruzzen fort, einhundert Kilometer nach Süden.

Wir fahren wieder über eine kleine kurvige Straße, haben spektakuläre Ausblicke aufs Gebirge, Schnee auf der Straße und kommen durch wunderhübsche Bergdörfer.

Noch sind die Abruzzen nicht so berühmt wie etwa die Toskana oder die Marken. Womöglich ändert sich das jetzt und nicht nur wir, sondern auch viele andere Cineasten pilgern nun nach Pescasseroli.

Unter anderem hier wurde der neue Film von Riccardo Milani „Willkommen in den Bergen“ („Un mondo a parte“) gedreht. Nachdem er 40 Jahre lang im Großstadtdschungel von Rom unterrichtet hat, zieht der Grundschullehrer Michele Cortese (Antonio Albanese) in ein idyllisches Dorf im Herzen des Nationalparks der Abruzzen mit 1800 Einwohnern, um an einer winzigen Schule mit nur einer Handvoll Schülern im Alter von sieben bis zehn Jahren zu unterrichten. Im tiefsten Winter fährt er auf Sommerreifen durch die Berge zu seiner neuen Schule, bleibt stecken, draußen heulen die Wölfe…

Heute Abend knurrt weder Bär noch Wolf, nur unsere Mägen. Das Dorf schauen wir uns morgen an. Und wenn das Wetter einigermaßen okay ist, unternehmen wir noch eine Wanderung.

Zwei Touren auf vier Rädern

Statt Osterhase, der durch die grüne Wiese hoppelt, staken Flamingos neben uns durch die Lagune. Wir sind jetzt zu viert, Dorothee und Alain sind in der Nacht eingetroffen und zur Begrüßung am nächsten Morgen gibt es erstmal ein schönes Frühstück im Grünen. Für uns alle das erste Mal in diesem Jahr.

Auf unserer folgenden Radtour haben wir uns die schönen Wasservögel genau angeguckt.

Die ursprünglich geplante Route war wegen Bauarbeiten gesperrt, die spontan ausgesuchte führte in großen Teilen leider über viel befahrene Straßen. Wir wollten zur Etschmündung, haben aber, als es dann auch noch anfing zu nieseln, etwas entnervt aufgegeben.

Mit einer kleinen Fähre über den Po konnten wir auf dem Rückweg ganz viel abkürzen und saßen bald wieder im warmen Bus.

Der Ostersamstag ist ein freundlicher Frühlingstag. Bei angenehmen 22 Grad erkunden wir einmal mehr Comacchio, wo wir das erste Mal vor drei Jahren waren. Auch dieses Örtchen bietet venezianisches Flair.

Heute ist der Parkplatz voll mit Wohnmobilen, aber im Ort selbst ist es nicht überlaufen. Wir können entspannt durch die Gassen und über die Brücken spazieren und gemütlich Cappuccino trinken.

Wie schon beim letzten Mal starten wir danach zu einer wunderschönen 50 Kilometer langen Radtour, die uns durchs Po-Delta führt. Sehr malerisch liegen die Fischerhütten im Wasser.

Achim entdeckt unser Sommerhaus und schaut nach, ob wir uns hier mal für eine Saison niederlassen wollen.

Weiter geht es an Scharen von Flamingos vorbei, über Dämme, von denen niemand weiß, wozu sie gebaut wurden. Radler und Fußgänger freuen sich jedenfalls. Man hat das Gefühl, übers Wasser zu fliegen.

Als wir gegen halb sieben zurück in Comacchio sind, sind wir windzerzaust und vom steinigen Untergrund ordentlich durchgerüttelt.

Da setzen wir uns gern auf unsere weichen Autositze und fahren noch 100 Kilometer weiter Richtung Süden (wir müssen ja auch mal vorwärts kommen, ne). Im Bergdorf Verucchio gibt es einen Stellplatz mit Rundumblick. Das klingt verlockend.

Auf dem Weg dorthin schnibbele ich am Esstisch schon mal das Gemüse. Denn wir werden erst um viertel vor neun am Ziel sein und haben alle Hunger.

Oh je, der Stellplatz im Dorf ist besetzt. Kein Platz mehr für uns. Wir weichen auf einen anderen Parkplatz aus, wo wir zwar nicht die versprochene tolle Aussicht haben aber zumindest eine Picknickbank fürs Osterfrühstück morgen.

Venedigs kleine Schwester

Wir hatten zwei Befürchtungen vor unserer Abreise. Die eine betraf den prognostizierten Starkregen in Norditalien, der für Murenabgänge, Felsstürze und Überflutungen sorgen sollte. Davon waren und sind wir zum Glück nicht betroffen. In der Nacht hat es zwar heftig gestürmt und geregnet, aber heute Vormittag hat es sich wieder beruhigt. Es regnet gerade ein bisschen, aber nicht überbordend.

Unsere zweite Befürchtung war, dass die Adriaküste wegen der Osterfeiertage von Touristenmassen überschwemmt würde. Zumindest in und um Chioggia ist das nicht der Fall. Hier ist noch nicht mal Vorsaison. Am breiten Sandstrand liegt ein Saum aus Treibgut, Strand-Cafés und Bars sind verrammelt, Spielplätze verwaist. Außer uns ist nur noch ein Paar am Strand, das seine Hunde ausführt.

Chioggia zählt zu den schönsten Städten in Venetien und wird dank seiner vielen Kanäle, Brücken und Paläste auch als Klein Venedig bezeichnet. In den Gassen riecht es nach Fisch und frischem Kaffee.

Heute ist Markttag. Leider nur für Klamotten nicht für Lebensmittel, die wir gern verkostet hätten.

Bei 16 Grad kann man seinen Caffè draußen trinken und den Marktleuten beim Abbau zuschauen.

Vielleicht sollten wir unseren Bus auch noch mit solchen Markisen bestücken.

Zum Mittagessen fahren wir etwa 30 Kilometer nach Süden ins Po-Delta. Achim hat auf der Karte einen Platz in den Verästelungen der Lagune entdeckt.

Südlich davon seht Ihr eine Markierung (der Bus), die ich gesetzt habe. Das ist der Stellplatz in Ca Tiepolo, wo wir eigentlich heute hin wollten. Dort waren wir schon mal auf unserer SteierMarkentour und wissen, dass der bei weitem nicht so schön ist wie dieser Fleck hier: rechts Wasser, links Wasser, Flamingos, Austernfischer, Schwäne und nichts sonst. Wir sind begeistert und beschließen, heute hier zu bleiben.

Ein paar Spiegeleier, Kekse und Kaffee später steigen wir für eine kleine Feierabendrunde auf die Räder. Wie schön ist diese flache, von Wasser zersetzte Landschaft mit ihren grünen Borten und vielen Vögeln! Wir können uns kaum satt sehen.

Die Krönung am Abend hätten der Sonnenuntergang und ein kleines Feuerchen samt Raclette werden sollen. Wolken und Wind waren dagegen. Vielleicht haben wir morgen Abend mehr Glück. Heute Abend vergnüge ich mich stattdessen damit, ein Brot zu backen.

Gülle gülle, Türkiye!            Ciao, Italia!

Tschüss Türkei! Hallo Italien!

Dieses Frühjahr wollten wir gemütlich durch die Türkei gondeln und dann Georgien und Armenien erkunden. Ich kramte unsere alten Reiseführer raus und begann mit Hilfe zweier Apps, meine eingerosteten Tűrkischkenntnisse aufzumöbeln. Doch dann ließ Erdoğan seinen politischen Gegner Imamoğlu verhaften. Große Demonstrationen im ganzen Land sind die Folge und wir empfinden es als unpassend, in einer solchen Gemengelage dort als Touristen unterwegs zu sein. Der Opposition sind alle Daumen gedrückt!

Wir entscheiden uns um und beschließen eine Reise in den Süden Italiens und nach Sizilien. Zwei Monate haben wir Zeit, Ecken zu erkunden, die wir noch nicht kennen. Nächsten Mittwoch geht’s los. Bleibt dran!

Zur Biennale nach Venedig

Wir sind noch knapp 90 Kilometer vor Venedig und es ist Biennale. Wir waren schon lange nicht mehr dort und während der Biennale noch nie. Jetzt freuen wir uns über die gute Gelegenheit.

Für unseren Bus haben wir einen Stellplatz in Punta Sabbioni, gegenüber vom Lido, ausfindig gemacht. Von hier aus können wir mit dem Vaporetto in die Stadt fahren.

Viele der internationalen Pavillons sind in den Giardini untergebracht, an denen wir mit dem Boot vorbeifahren.

Wir nähern uns dem Markusplatz und ich entdecke aufs Neue, wie schön es hier ist.

Zuerst wollen wir aber ein bisschen Kunst entdecken. Zur Biennale bitte rechtsrum.

Sie findet seit 1895 zweijährlich statt und ist damit die älteste Biennale und die älteste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Der Hauptschauplatz sind die Giardini im Stadtteil Castello, wo sich 28 Länder in ihren nationalen Pavillons präsentieren.

Bis uns die Füße weh tun und wir auch nichts mehr aufnehmen können, laufen wir von Pavillon zu Pavillon.

Hier ein kleiner Ausschnitt:

Sapmi, das Land der Samen, ist offiziell kein anerkanntes Land bzw. Nation (was eigentlich Voraussetzung ist, um einen Pavillon bespielen zu dürfen). Diesmal haben die skandinavischen Länder (Schweden, Norwegen, Finnland) auf ihre Anwesenheit verzichtet und dafür ihren, leider immer noch unterdrückten Minderheiten, die Möglichkeit gegeben, der Welt ihre Kunst zu präsentieren.

Südkorea vermischt Mythos und Technik.

Österreich bietet ein surreales Highlight in 1970er-Jahre Ästhetik.

Und der deutsche Beitrag von Maria Eichhorn setzt sich mit der Entwicklung des deutschen Pavillons im Laufe seiner über 100jährigen Geschichte auseinander: Errichtet als Bayerischer Pavillon anno 1909, wurde er unter anderem in der Zeit des Nationalsozialismus signifikant umgebaut, um das Regime zu repräsentieren und wirkt heute als wuchtiger Klotz eher unangenehm. Die Künstlerin geht dieser Entwicklung wortwörtlich auf den Grund.

Am meisten überrascht hat mich der Pavillon der USA, in dem sich die KünstlerInnen mit der Kultur der people of colour auseinandersetzen.

Der russische Pavillon ist geschlossen. Nach Kriegsausbruch sagten die russischen KünstlerInnen ihre Teilnahme an der Biennale ab – und setzten damit ein Zeichen des Protests gegen die Regierung Putins, die sie hier in Venedig vertreten sollten. 

Es ist mittlerweile fünf Uhr und wir wollen noch ein wenig die Stadt bei Tageslicht genießen. Also verabschieden wir uns von den Giardini, leider ohne alles gesehen zu haben und schlagen den umwegigsten mäandrierendsten Weg zum Markusplatz ein. Hier ein paar Impressionen:

Bald geht die Sonne unter, als wir mit dem Boot zurück zum Bus schippern ist es bereits dunkel. Bei Spaghetti carbonara und einer Flasche Rotwein nehmen wir uns vor, spätestens in zwei Jahren zur nächsten Biennale zurückzukommen.

Im Podelta

Über unsere Radtour durchs Po-Delta hat Achim gestern geschrieben (und am Anfang einen kurzen Rückblick auf die letzten Tage gegeben).

Mein letzter Blog war überschrieben mit Wir haben die Marken erreicht und jetzt komme ich mit dem Po an? Der Fluß mündet doch südlich von Venedig in die Adria, also sind wir in Venetien. Was ist passiert? Nun, Eva war immer schneller am Schreiben (und ich ein bißchen faul). Hier komen nun die entsprechenden Links, […]

Im Podelta

Von Ancona bis zur Poebene

Der Tag heute fing nicht so gut an. Um halb acht werde ich wach. „Achim, wir haben den Sonnenaufgang verschlafen!“ Ich tapse nach vorn, um die Jalousien zu öffnen, und haue mir den Kopf an der Ablage über der Fahrerkabine an. Guten Morgen! Achim tröstet mich ein wenig und beschließt, dass auch 20 Minuten nach Sonnenaufgang noch gilt und fotografiert seinen persönlichen Sonnenaufgang.

Beim Frühstück ist alles wieder gut und wir freuen uns abermals an der tollen Aussicht.

Noch ein bisschen im Bus aufräumen, mal auskehren und dann weiter nach Ancona. Hier waren wir vor vielen Jahren bereits zweimal, haben aber die Altstadt immer rechts liegen lassen und sind mit den Moppeds direkt runter in den Hafen und auf die Fähre nach Izmir gerollt.

Heute schauen wir vom Dom oben auf den Hafen hinunter.

Ancona ist anstrengend zu besichtigen. Der Dom liegt auf der obersten Ebene, die Altstadt eine Etage tiefer und ganz unten der Hafen, die Uferpromenaden und der Stadtstrand. Einen zentralen Parkplatz, auf dem wir mit unserem etwas größeren Fahrzeug stehen können, gibt es nicht, so dass wir ein ziemliches Stück ins Centro storico laufen müssen.

Das tun wir aber bei angenehmen 21 Grad. Paläste, Gassen, Plätze, alles da, was eine Stadt verschönert.

Das für uns persönlich Allerschönste hatten wir allerdings gleich am Anfang unserer Besichtigungstour entdeckt. Wir waren vielleicht zehn Minuten gegangen, als wir ein Schild sehen, das uns auf einen Pfad zum Meer hinunter aufmerksam macht. Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen wir ihn hinterher auch wieder hochlaufen, aber das nehmen wir in Kauf. Die Aussicht ist fantastisch und unten finden wir entlang des Wassers eine lange Reihe von Grotten, in denen die Einheimischen Strandmobiliar, Badeutensilien, ihre Sommerküchen und Boote deponiert haben. Ich male mir aus, was hier an lauen Sommerabenden oder am Wochenende los sein mag.

Für uns ist der Weg dann zu Ende. Ancona ruht auf Felsen und die Promenaden sind nicht durchgängig. Wir gehen denselben Weg zurück, wieder die 100 Stufen hoch und sind nass geschwitzt, als wir schließlich oben ankommen.

Um ins Podelta zu kommen, fahren wir die ersten hundert Kilometer auf der Autobahn. Schön, die Hinweisschilder auf Sehenswertes und Orte zu lesen, die wir kürzlich erst besucht haben: Grotte di Frasassi, Schlucht von Furla, Ferrara, San Marino, Comacchio.

Im Delta kommen wir gegen Abend an und lassen den Tag in Ruhe ausklingen. Schließlich war neben dem hier beschriebenen noch weiteres los.

Hinter den Kulissen:

* Neben unserem Parkplatz in Ancona gibt es einen Aufzug, der einen für 1 Euro zum Strand runterbringt. Fein, so was hat man nicht alle Tage. Machen wir. Äh, doch nicht. Tickets bezahlt, Aufzug aber gar nicht mehr in Betrieb.

* Fahrerin und Beifahrer kriegen sich beim Verlassen der Stadt fürchterlich in die Haare. Fast hätten beide das Auto verlassen und der Bus wäre allein auf der Kreuzung gestanden.

* Tücke der Technik: Automat an Mautstelle frisst Bankkarte. Operation mit Taschenmesser war erfolgreich.

Genüsslich durch die Berge

Den allergrößten Genuss bietet uns die Natur. Die sibillinischen Berge geben einen Auftritt erster Güte: gerundet, gefältelt, geschichtet. Meist nackt, hier und da von Bäumen voll buntem Herbstlaub dekoriert. Den meisten Applaus bekommen sie dort, wo sie die Hochebene von Castelluccio säumen.

Mittendrin das Örtchen Castelluccio, ebenfalls sehr stark vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen. Am Sonntagvormittag tummeln sich hier Wanderer, Paraglider, Motorradfahrer und Ausflügler. Mehrere kleine Läden, die wie die Cafés als Ersatz für die zerstörten Gebäude errichtet wurden, bieten die Spezialität der Region an: Linsen, die auf der Hochebene angebaut werden. Wer will kann sich auch einen Teller Linsensuppe kaufen. Das ist für uns so kurz nach dem Frühstück noch zu früh. Wir haben gestern in Castelsantangelo eine Packung der Hülsenfrüchte gekauft und werden uns bald selbst eine Suppe damit kochen.

Genussvoll geht der Tag weiter. Ascoli Piceno liegt etwa 50 Kilometer östlich und jetzt haben wir auch Appetit. Hier gibt es ebenfalls eine Spezialität: Olive all’Ascolane, gefüllte und frittierte Oliven, die hier an jeder Ecke auf den Teller oder in die Tüte kommen.

Eine Institution ist das Caffè Meletti mit seinem Jugendstilinterieur. Zum Kaffee werden hier mit hausgemachtem Anislikör gewürzte Schokoladenbonbons gereicht.

Aber selbstverständlich sind wir nicht (nur) zum Schlemmen nach Ascoli Piceno gekommen. Wir genießen auch den Bummel über die Piazza del Popolo, die (mal wieder?) als einer der schönsten Plätze Italiens gilt. Weitläufig, mit Arkaden rechts und links, vielerlei eindrucksvollen Gebäuden und vor allem einem Bodenbelag aus dem heutzutage eher exklusiven Kalkstein Travertin. Sehr stimmungsvoll.

Nach der Genusstour durch die Berge erreichen wir am frühen Abend das Meer südlich von Ancona. Und schwelgen zum Abschluss dieses Tages in der herrlichen Aussicht aufs Meer.