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Rainbow Children Home

Ich bin ja eigentlich ein sehr strukturierter Mensch, der sich mit Zeitplänen ziemlich wohl fühlt. Wenn es dann – wie hier in Pokhara/Nepal – eine solche Struktur gar nicht gibt, wenn ich anfangen möchte, in einem Waisenhaus zu arbeiten, und mir keiner sagt: Okay, um 8 Uhr geht dein Job los. Dies und das ist deine Aufgabe von soundsoviel bis soundsoviel Uhr. Dann ist Mittagspause, dann dies, dann jenes. Dann, ja, dann bin ich erstmal verdattert und denke mir: Hm, und jetzt? Was soll ich hier denn überhaupt?

Und dann kommen zwei kleine Mädchen auf mich zu und sagen: Come! Und ich komme und wir gehen in den zum Waisenhaus gehörenden Garten, der ein paar Straßen weiterliegt, und wir füttern die Kuh und wir bestaunen das Kartoffel- und Kohlfeld, den Koriander und den Rettich.
Die nächsten zwei Stunden strukturiert unsere Hausmutter für mich: wir putzen gemeinsam die Klassenzimmer und die Flure und zum krönenden Abschluss noch ein paar Fenster.
In einer Teepause kommt Goma, die Gründerin und Chefin des Waisenhauses auf mich zu und lädt mich ein, mit ihr zum Markt zu fahren. Hier kaufen wir hundert Jogginghosen in allen Größen, Massen von Socken und Schlappen und 70 warme Decken.
Nepal_gomaNicht für das Rainbow Children Home sondern für die Opfer der Kältewelle im südlichen Nepal, im Terai – das ist genau die Gegend, in der vor wenigen Monaten eine große Überflutung war.
Goma ist vielfältig engagiert. Sie betreibt nicht nur das Waisenhaus, sie hat auch eine Schneiderei gegründet, in der Frauen dieses Handwerk erlernen und dann daheim weiter ausüben können. Die Produkte, vor allem Taschen, in allen Varianten, werden in erster Linie ins Ausland verkauft. Die Australier haben da bisher die Nase vorn. Vielleicht gelingt es ja, die Rainbow-Taschen künftig auch auf dem deutschen Markt zu platzieren? Für dieses Projekt ist Goma Dhakal von der nepalesischen Handelskammeer als Unternehmerin des Jahres 2017 ausgezeichnet worden.
Zurück von unserer Einkaufstour steht gleich der nächste Ausflug an: wir fahren zum jüngsten Projekt der rührigen Nepalesin, einer Farm, rund 30 Autominuten von Pokhara entfernt. Weil das Gebiet schwer zugänglich ist – die Pisten  in Namibia sind dagegen eine Autobahn! – konnte sie dieses Land, das offensichlich recht fruchtbar ist, günstig erstehen. Hier sollen Lebensmittel sowohl für das Waisenhaus als auch zum Verkauf angepflanzt bzw. erzeugt werden, was das Budget fürs Waisenhaus aufbessern soll.
Es ist schon stockdunkel, als wir dort ankommen. Eine Gruppe von englisch sprechenden jungen Leuten sitzt um ein Lagerfeuer herum. Wie sich herausstellt, nehmen sie an einem Projekt teil, bei dem ein neues Haus auf der Farm erbaut werden soll. Ein weiterer Grundgedanke Gomas ist nämlich, dass Kinder, die in ihrem Heim erwachsen geworden sind, hier eine Lebensgrundlage mit Wohnung und Arbeit finden sollen.
Auf dem Rückweg lädt sie mich ein, ihr Team, das morgen mit vier Autos und jeder Menge Hilfsgüter startet, zu begleiten. Natürlich mache ich das gern.
Nach dem obligatorischen Dal Bhat (Linsen mit Reis und Gemüse, die es hier zweimal am Tag gibt), will ich mich in mein Zimmer zurückziehen, um mit meinem Liebsten zu chatten, diesen Blog zu schreiben und mein Zeug für morgen zu packen (wir werden erst am Montag wiederkehren). Doch nochmal fliegt mir ein Stück Leben zu, ohne dass ich es geplant habe: Diesmal in Form von Tüten voller Kleidung, die vor meinem Zimmer gelagert sind und die wir nun nach unten in den Wagen mit offener Ladefläche werfen. Macht Spaß.
Das nächste Mal werde ich also Anfang nächster Woche von unser Hilfsaktion im Terai berichten.
Bilder reiche ich nach – für das Hochladen reicht anscheinend die hiesige Bandbreite nicht aus.
Namaste!

(veröffentlich von Achim im Auftrag von Eva 🙂 )