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Schlösser im Münsterland

Nach dem Frühstück fahren wir 20 Kilometer nach Westen in die kleine Gemeinde Havixbeck. Hier haben wir die Möglichkeit, unser Clo zu leeren (ist nicht ekeliger als Windeln wechseln oder Popo abwischen), Abwasser zu entsorgen und Frischwasser zu tanken. In unseren Tank passen 100 Liter, damit kommen wir ein paar Tage aus.

Nochmal 50 Kilometer weiter westlich beziehen wir unser neues Quartier für die nächsten zwei Nächte auf dem Hof von Bauer Trockel. Auf seiner Wiese bietet er Stellplätze für drei Wohnmobile an. Außer uns ist aber keiner da.

Hier ist unser Startpunkt für den Westkurs der 100-SCHLÖSSER-ROUTE. Je nach Wetter und Lust wollen wir sie in den nächsten Tagen erkunden. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war das Münsterland in kleine Herrschaftsgebiete zersplittert. Daher die große Dichte an Schlössern und Burgen in der Gegend.

Das erste Schloss finden wir gleich in unserem Ort. In der Nähe des Dorfes Lembeck wurde im Mittelalter ein festes Haus errichtet. Zwischen 1670 und 1692 wurde es zu dem heute noch gut erhaltenen Wasserschloss umgebaut, welches zu den größten des Münsterlandes gehört.

Das Foto ist leider ohne Wasser. Für ein Foto mit Wasser müssen wir nochmal mit der Drohne herkommen – wird nachgereicht. Versprochen.

Der Radweg führt durch Felder, Wälder, Alleen und kleine Ortschaften. Wir müssen am Bauernhofcafé in Haltern eine Zwangspause machen, um unsere Akkus aufzuladen.

Über Haltern am See, das mich mit seinen Backsteinbauten und der quirligen Fußgängerzone an meine Heimatstadt Kempen am Niederrhein erinnert, kommen wir zum Wasserschloss Sythen.

Im Internet und auf Informationstafeln im weitläufigen Gelände kann man die bewegte Geschichte vom Ritter Dietrich bis zum Caritasverband Recklinghausen nachlesen, der – heutzutage völlig unverständlich – das Herrenhaus und das Wirtschaftsgebäude 1971 abreißen ließ.

Viele Jahre später konnten die Überreste des inzwischen fast verfallenen Anwesens von der Stadt Haltern erworben und von einem Förderverein, der den Kosenamen „Rentnerband“ trägt, gerettet werden. Mindestens zehn Rentner sind auf dem Gelände unterwegs, als wir uns dort umschauen. Überall wird gewerkelt, alles winterfest gemacht. So beeindruckend dieses bürgerschaftliche Engagement!

Auf dem Rückweg radeln wir quer durch den Wald des Naturparks Hohe Mark und stehen auf einmal sehr überrascht vor einem riesigen Turm. Er wird „Himmelsleiter“ genannt, ist aber im Gegensatz zum Kunstwerk in Münster praktischer Natur: es ist ein 39 Meter hoher Feuerwachturm. Wir klettern quasi an den Baumstämmen entlang in die Höhe, erklimmen die Baumwipfel und können dann in schwindelerregender Höhe unseren Blick über den Wald bis zum Horizont schweifen lassen. Der Sonnenuntergang ist nicht mehr weit, also nichts wie zurück zum Bus.