Schlagwort-Archive: Nordkap

Weiter kommen wir mit unserem Bus nicht

Eigentlich wollte ich gar nicht hierher. Als Achim zuhause vorgeschlagen hatte, bis zum Nordkap hochzufahren, habe ich ein Veto eingelegt: „Pffft, muss ich nicht hin… Nur um an so nem nördlichsten Punkt zu sein… Macht doch nur Stress…“

Was bin ich froh, dass ich es mir anders überlegt habe! Nun sind wir hier am nördlichsten vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbaren Punkt Europas. Der Wind rüttelt am Bus. Dicke Wolken ziehen über uns hinweg. Als wir heute Morgen aufwachen, hatte es 24 Grad. Jetzt sind es noch 12. Aber ich finde, dass so ein Wetter besser hierher passt als die Hitze und der gleißende Sonnenschein der letzten Tage (auch wenn sie mich wirklich begeistert haben).

Schon die Fahrt von Alta hierher war wunderschön. Ich hatte gar nichts besonderes erwartet, klang doch die Streckenbeschreibung in unserem Reiseführer nicht sehr verlockend: „Wer hier, so nahe am geografischen Ende der Erde, eine dramatische Kulisse erwartet hat, sieht sich bitter enttäuscht, denn nackt und baumlos präsentiert sich die arktische Ödnis.“

Ich jedoch schaue nach rechts und sehe den Porsangerfjord, an dem sich die Straße entlang schlängelt und bin wieder einmal entzückt. Die Sonne scheint noch und das Meer changiert zwischen Tiefblau und Türkisgrün.

Aber auch die Abschnitte, in denen wir von Moos und Flechten bewachsene Felsen durchfahren, sind schön. Die Formationen sehen nach jeder Kurve anders aus, wellig liegt das Land vor uns.

Ich bin also schon in Hochstimmung, als wir dann wirklich hier am Nordkap ankommen. Und irgendwie ist es dann doch etwas Besonderes, hier zu sein. Vielleicht bilde ich es mir ja nur ein, aber ich meine zu spüren, dass voraus nur noch das Nordmeer, Spitzbergen und der Nordpol liegen.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist es auch gar nicht sooo voll hier. Schon auf der Herfahrt waren nicht sehr viele Fahrzeuge zu sehen und als wir zum obligaten Fotospot an der Weltkugel kommen, müssen wir auch nicht Schlange stehen. Drei, vier Paare sind mit uns dort. Gut so, dann kann man sich gegenseitig fotografieren.

Da wir um drei Uhr nachmittags schon hier angekommen sind und über Nacht bleiben (es gibt hier einen kostenlosen Stellplatz!), haben wir Muße, alles in Ruhe zu erleben.

Nachdem die ersten Fotos im Kasten sind, kochen wir erstmal Kaffee und gucken zum Fenster raus aufs Meer. Das ist allerdings nicht mehr blau.

Später drehen wir die nächste Runde. Neben der Nordkaphalle (deren Eintritt in Höhe von 28 Euro wir uns sparen) gibt es seit 1988 einen kleinen Skulpturenpark, in dem Reliefs ausgestellt sind, die von sieben Kindern unterschiedlicher Nationen angefertigt wurden und Freundschaft, Frieden, Hoffnung und Freude symbolisieren.

Wir laufen noch ein wenig am Rande des Kaps herum, um seine Dimension ein wenig zu erfassen, dann treibt uns der Regen zurück in den Bus. Es ist schon ein paar Tage her, dass wir die Heizung anmachen mussten. Jetzt ist es mal wieder so weit. Während wir ganz optimistisch auf die Mitternachtssonne warten, die man von hier aus natürlich bestens sieht, vertreiben wir uns die Zeit mit Pläne schmieden für die weitere Reise, spielen, bloggen, Abendessen.

Sollte es mit der Mitternachtssonne noch was werden, gibt es morgen früh ein Foto dazu. Versprochen.