
Kranichpaar mit zwei Jungen





Blätterteigstückchen mit Pekannüssen







Pfiffige Regionalmanager haben eine Initiative zur Förderung des Tourismus auf der Halbinsel Inderøy gestartet: Hersteller besonderer Produkte wie eine Käserei, eine Bäckerei, eine Schnapsbrennerei und eine Brauerei haben sich mit Kommunen, Gasthöfen und Kunsthandwerkern zusammengetan, eine kleine Broschüre erarbeitet und dem Projekt den Namen „Der goldene Umweg“ gegeben. Bei uns hat die Werbung gut funktioniert. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz nehmen wir doch gern einen Umweg in Kauf, einen goldenen allemal.
Es ist Sonnwend und wir sind zwar noch südlich vom Polarkreis, also noch nicht ganz im Bereich der Mitternachtssonne, aber um viertel nach zehn scheint sie auch hier, ein Stück nördlich von Trondheim, am längsten Tag des Jahres noch.

„Einen guten Sommer!“, wünscht uns der erste Bus am Morgen, als wir auf dem Goldenen Umweg weiterfahren ins kleine Örtchen Straume.

Im Skulpturenpark entlang des Flusses entdecken wir die Werke des bedeutenden norwegischen Bildhauers Nils Aas. Er wurde 1933 hier in der Nähe geboren, studierte und arbeitete in Oslo und war bereits zu Lebzeiten sehr anerkannt und mit etlichen Preisen dotiert.



Zurück auf der E6 ist es nicht mehr weit bis zum Abzweiger auf den Küstenweg. Ihm werden wir die nächsten 600 Kilometer, fast bis zu den Lofoten, folgen.
Aber wir kommen nicht weit. Blinker rein, bremsen, abbiegen und direkt vorm Erdbeerstand angehalten. Für acht Euro zwar eine verflixt teure Angelegenheit, aber es ist schließlich Sommeranfang und das will ich feiern.

Wenn ich gewusst hätte, dass das eigentliche Geschenk des Tages noch am Straßenrand auf uns wartet…
Wir sind noch nicht lange gefahren, als mein aufmerksamer Beifahrer aufgeregt ruft: „Ein Elch! Da steht ein Elch! Halt an!“ Manchmal leichter gesagt als getan. Doch an dieser Stelle haben wir Glück und ich kann schon nach ein paar Metern stoppen. Wir gehen ein Stück zurück und pirschen uns an das Tier heran. Achim gelingen ein paar sehr gute Schnappschüsse, ehe das mächtige Tier sich gemächlich zurück in den Wald trollt.

Unser Übernachtungsplatz im Schnee, kurz hinter der Passhöhe des Trollstigen, war wunderschön. Völlig anders, aber nicht minder schön, schlafen wir in der darauffolgenden Nacht: hinter uns eine hübsche kleine Kirche, vor uns das Meer, neben uns die hier traditionellen roten Bootshäuser. Die Wellen schlagen wenige Meter von uns entfernt an den Strand.

Während wir frühstücken, kommt eine Schulklasse an unserem Bus vorbei und biegt hinter den Bootshäusern ab auf den Kai. Bald hören wir die Stimme des Lehrers, der etwas erklärt. Wir ziehen uns an, um noch eine Runde spazieren zu gehen und sehen, worum es in dieser Unterrichtsstunde geht: Rettung aus Seenot. Der Lehrer zeigt den Kindern, wie man mit einem Rettungsring umgeht. Zunächst als Trockenübung, dann, eh wir uns versehen, sind die Kinder im Badezeug und üben in echt! Im eiskalten Wasser! Bei 10 Grad Außentemperatur! Mayday, Mayday! Hier werden Kinder misshandelt! Hm ja, oder auch nicht. Die Bande ist offensichtlich quietschvergnügt.

In Molde gibt es den Hausberg Varden, in zehn Minuten ist man mit dem Auto oben. 222 Berggipfel sollen es sein, die die Stadt umgeben, 87 davon sind über 1000 Meter hoch. Ihre schneebedeckten Spitzen glitzern in der Sonne. Ins Wasser getupft sind unzählige Inselchen. Das Panorama von einzigartiger Schönheit genießen wir gemeinsam mit anderen Touristen, von denen sich ein Paar den Frühstückstisch hübsch mit leckerem Essen und einem kleinen Blumentopf gedeckt hat, und einer Damengruppe aus dem heimischen Pflegeheim, die nebeneinander auf einer Steinmauer sitzen, die Rollatoren ordentlich vor sich aufgereiht.

Einen schönen Platz für unsere (Nach-)mittagspause(n) ist eine tägliche Herausforderung, die wir allermeistens mit Bravour meistern. Auch heute ist das kein Problem. Die Reste vom gestrigen Abendessen und als Nachtisch Zimtkuchen und eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee gibt es auf dem ersten Parkplatz an der Atlantikstraße. Mit Aussicht, wie sich das gehört.

Die Atlantikstraße hatten wir uns spektakulärer vorgestellt. Sie gehört zu den norwegischen Landschaftsrouten und die Beschreibung liest sich so: „‚Die Straße im Meer‘ ist das legendäre Erlebnis, bei dem sich Brücken zwischen Holmen und Schären entlang der rauen Küste der Hustadvika entlangschlängeln.“ Die Atlantikstraße sei eine Wohltat für die Augen. Elegant schwinge sie sich über die sieben Brücken von Inselchen zu Inselchen. Auch das Plakat, das ich abfotografiert habe, verspricht viel.

Als wir dann jedoch auf der Straße fahren, können wir die Begeisterung nicht nachempfinden. Sicher ist die erste Brücke von besonderer Art und schön anzuschauen. Sicher ist auch die uns umgebende Landschaft nach wie vor wunderschön. Doch das ‚legendäre Erlebnis‘ stellt sich für uns nicht ein. Macht aber nichts, schön ist die Strecke allemal.

Für heute habe ich mir gewünscht, dass wir mal früher an unserem Stellplatz ankommen, um genügend Zeit zu haben, mit einem leckeren Getränk in der Sonne zu sitzen. Das mit 17 Uhr hat geklappt, das mit einem schönen Platz am Meer auch. Dumm nur, dass die Sonne nicht mehr scheint. Wir haben aber Glück, denn wenige Meter von unserem Bus entfernt beginnt ein Klippenwanderweg. Schön.

Um Mitternacht landet unser Schiff in Kristiansand, im Süden von Norwegen. Dies ist der Beginn einer fast zweimonatigen Reise durch ein wohl faszinierendes Land.
Die letzten zwei Tage gondelten wir gemütlich durch Dänemark, von Süd nach Nord. Erinnerungen an frühere Reisen, z. B. zu den Hochzeiten meines Bruders und – viele Jahre später – auch der seines Sohnes, wurden wach.
Wir machten einen Stadtbummel durch die älteste Stadt Dänemarks, Ribe.

Gingen am Strand spazieren.

Und verzehrten Dansk Hotdogs.

Am Abend entdeckten wir einen schönen Stellplatz direkt am Strand – und stießen dort auf einen ansehnlichen Trupp deutscher Männer: die Ü55 – Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2023 in Mexiko des Deutschen Meeresanglerverbandes. Man lernt doch immer wieder was neues.

Die Nacht verbrachten wir mit Meeresblick und – rauschen.

Gegen 18 Uhr erreichten wir schließlich den Fährhafen in Hirtshals, ganz im Norden Dänemarks. Mit einem weiteren Abstecher zum Strand, Abendessen und Lesen verbringen wir die Zeit bis zur Abfahrt.





Die Überfahrt war unspektakulär. Zum Glück. Kein Seegang. Alles ruhig. Stricken ist hier schwer in Mode, ebenso Einkaufen im Duty free. Interessanterweise wechselten haufenweise Paletten mit Cola den Besitzer. Rätsel des Alltags.
Und jetzt sind wir in Norwegen. Dem Land der Fjorde und der Mitternachtssonne. Wir haben viel Zeit, zumindest Teile davon zu erkunden und sind voller Vorfreude.
Es ist wird gerade dunkel, als wir uns um Mitternacht aufmachen, einen Schlafplatz für den Rest der Nacht zu finden. Auf einem Parkplatz etwa 25 km westlich von Kristiansand werden wir fündig. Rollos runter, Augen zu. God natt!
