Schlagwort-Archive: Seenplatte

Richtung Südküste

Finnland, Deine Straßen! Ich schrieb ja neulich schon, dass wir hier mehr Piste fahren als in Marokko oder Namibia. Ich korrigiere mich: mittlerweile sind wir hier mehr Piste gefahren als in beiden Ländern zusammen. Ich schrieb außerdem, dass die Naturstraßen hier meist in sehr gutem Zustand sind. Für unsere heutige Route trifft das leider nicht zu.

Wir haben eine kleine Straße parallel zur Europastraße gewählt und ich fahre munter vor mich hin. Plötzlich ist der Asphalt zu Ende und eine Piste beginnt. Macht nichts, sehr guter Zustand. Bis ein Baustellenschild kommt und sich die Fahrbahn in eine rutschige Schlammpiste verwandelt. Die ersten zehn Kilometer lenke ich den Bus sehr vorsichtig und sehr angespannt über die Rutschbahn. Die folgenden zehn Kilometer übernimmt dankenswerterweise Achim. Der hat die besseren Nerven.

Doch irgendwann ist der Schlamm vorbei, der Asphalt bedeckt wieder die Straße und ein abermals idyllisches Fleckchen lädt ein zum Fotografieren.

Die letzten Meisterschaften im Baumstammreiten fanden 1999 auf den Stromschnellen von Partakoski statt. Die früheren Flößer konnten dabei ihr Können unter Beweis stellen.

Zwei Kurven weiter das nächste Aha-Erlebnis. Völlig unverhofft, ohne große Ankündigung, liegt links von uns ein bisschen altes Gemäuer auf einer Wiese. „Halt mal an!“

Die Drohne zeigt uns, was hier wirklich zu sehen ist: die alte Festung von Kärnäkoski aus dem Jahr  1793, als die Russen das Terrain hier gegen die Schweden verteidigt haben. Insbesondere St. Petersburg wurde durch ein ganzes System von Festungen geschützt. (Eine Kurve weiter ist der offizielle Parkplatz mit guten Informationstafeln.)

Vom höchsten Punkt der Festung aus hat man überdies einen gigantischen Ausblick auf das Seengeflecht.

Noch besser geht’s natürlich mit der Drohne.

Immer noch in der Saimaa-Region tingeln wir weiter nach Süden. Vielleicht bis ans Meer, vielleicht auch nicht.

Bei der Mittagspause, kurz vor Lapeeranta, sehen wir, dass es gemütliche 100 Kilometer bis zur Hafenstadt Hamina am finnischen Meerbusen sind. Also los!

Auf immer kleiner werdenden Straßen (asphaltiert), leider ohne Meerblick, erreichen wir gegen halb fünf unseren Stellplatz im historischen Hafen. Ein paar alte Schiffe, zum Beispiel dieser Eisbrecher, liegen hier auf dem Altenteil.

Wir machen noch einen Spaziergang ins Zentrum, das auf einem sternenförmigen Grundriss erbaut wurde. In der Mitte steht das Rathaus, wo sich die Straßen der Altstadt mit ihren bunten Holzhäusern, Museen, und Kirchen treffen. Belebte Straßen, Cafés, Restaurants oder Kneipen sucht man jedoch selbst an einem Samstagabend vergeblich, dafür muss man wohl im Sommer kommen.

Wo richtig was los ist, ist bei uns im Hafen. Leider auch nicht so, wie man es sich wünscht. Autos kommen, drehen eine Ehrenrunde und fahren wieder. Noch eins und noch eins und noch eins. Aber wir sind optimistisch: Bestimmt werden auch hier bald die Bürgersteige hochgeklappt.

Wir verästeln uns

Ich wette, der Ringelrobbe ist das Wetter zu schlecht. Bisher hat sie sich jedenfalls nicht gezeigt.

Heute Nacht war es im Bus sehr unruhig. Ich träumte vom Abbruch einer Hangkante, wurde vom trommelnden Regen wach und überlegte mir wechselweise, ob die Kante, auf der wir stehen, oder eine der Kiefern, unter denen wir stehen, ebenfalls abbrechen könnten. Um halb vier stand ich auf, guckte aus dem Fenster, sah nichts, nur tiefschwarze Nacht.

Kurz danach wurde auch Achim wach. Er habe seltsame Gerüche wahrgenommen, nach Lagerfeuer und nach Essen. Wir besprechen kurz die Lage und gehen zurück ins Bett. Um sechs werde ich wieder wach, weil Achim aufsteht. Nach einer Stunde kommt er zu mir: „Ich fahre den Bus mal etwas höher. Gleich gießt es so richtig und wir stehen eh schon im Schlamm“.

Also parken wir um und frühstücken. Vielleicht gibt es ja heute mal ein Nachmittagsschläfchen?

Der Saimaa, dessen Verästelungen wir heute den ganzen Tag folgen, ist Finnlands größter und Europas viertgrößter Süßwassersee und das nicht als zusammenhängende Wasserfläche wie man es gewohnt ist, sondern als Seenlandschaft mit knapp 14.000 Inseln, Halbinseln und Fjorden.

Die Landschaft hat sich ziemlich verändert. Oftmals sind rechts und links des Weges Felsen im Wald zu sehen und wir staunen, wie die Kiefern aus ihnen herauswachsen.

Im Wasser sind nun immer wieder Oser zu sehen, schmale, manchmal langgezogene Rücken aus Sand und Kies, Überbleibsel der Eiszeit. DIE Saimaa-Kulisse.

Mittags erreichen wir die Kleinstadt Mikkeli. Unser erster Weg führt wie üblich zum Marktplatz. Wegen des Regens ist es trostlos hier.

Stimmt nicht! Trost ist schon da: endlich bekomme ich hier Piirakka, Brötchen mit eingebackenen Fischen. Lecker.

Wir bewundern noch die stattliche Kathedrale und gehen zurück zum Bus.

In Mikkeli gibt es auch einen großen Supermarkt mit guter Auswahl und so erledigen wir gleich unseren Wocheneinkauf. Als wir wenig später am heutigen Übernachtungsplatz im Sporthafen von Ristiina ankommen und alles in der Bordküche verstauen, wundern wir uns: Tonic! Wo kommt das denn her und was machen wir denn damit bloß? 🙂

Herbstlichter

Unser erster Stopp heute ist auch ein Zufallsfund aus dem Internet: Kummakivi. Auf Deutsch: Seltsamer Stein. Der riesige Felsblock liegt mit einer sehr kleinen Grundfläche auf einem halbrunden Stein.

Forscher gehen davon aus, dass der Felsen vor 11000 bis 12000 Jahren durch bewegte Eismassen an seine jetzige Stelle gelangte. Das Gewicht des Steins schätzen sie auf 500 Tonnen.

Von hier aus kann man eine kleine Rundwanderung durch den Wald machen. Gummistiefel schaden dabei nicht.

Der Tag heute ist grau und es regnet viel. Und doch ist es nicht richtig grau, denn die Ruska sorgt für Farbe. Wie riesige Laternen erhellen die gelben Birken den Weg.

Ihre weißen Stämme, das grüne Moos, die weißen Flechten und ab und zu ein roter Pilz sind weitere Farbtupfer.

An manchen Stellen wirken sogar die Stämme der Kiefern rötlich.

Vor uns schwingt sich jetzt die elegante Saimaa-Brücke über eine der zig Verästelungen des größten Sees des Landes. In Puumala parken wir im Hafen direkt unter der Brücke. Im Sommer muss hier einiges los sein. Es gibt dreimal so viele Sommerhäuser wie ganzjährig bewohnte Häuser. Hinzu kommen noch die Tagestouristen. Heute sind wir wieder allein hier. Alle Lokale und Büdchen sind geschlossen, aber wir können auf dem Premiumparkplatz in der ersten Reihe stehen.

Ein gläserner Lift bringt uns 24 Meter hoch aufs Brückenniveau, von wo wir die Szenerie von oben betrachten können.

Es sind nur wenige Schritte bis zum kleinen Yachthafen. Auch hier ist nichts los, aber es gibt einen Wasserhahn, mit dem wir unseren Wassertank auffüllen können.

Eine halbe Stunde später finden wir einen abermals idyllischen Übernachtungsplatz, diesmal am Ufer des Saimaa.

Heute Abend und auch morgen werden wir Ausschau nach dieser Dame halten:

Die Chancen stehen zwar nicht gut, denn es gibt nur noch etwa 400 Exemplare von der Saimaa-Ringelrobbe. Aber ich habe doch neulich Amethyst, den Glücksstein, gefunden.