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Am Stettiner Haff und in der pommerschen Serengeti

6.10.2023 – Die Oder fließt nördlich von Stettin durchs Haff Richtung Ostsee, wir bleiben erstmal im Süden des Stettiner Haffs bei Ueckermünde.

Wir bummeln durch die kleine Altstadt und kaufen zum Abendessen Knacker ein, die wir daheim immer recht vermissen.

Der Stellplatz beim Hafen von Mönkebude ist nicht so spektakulär wie der in Mescherin, aber bis zum Sandstrand ist es nur ein Katzensprung.

Bei frischen 18 Grad bummeln wir am Hafen lang und über den Deichweg. Mittlerweile scheint wieder die Sonne, mittags hat es gegossen. Das Stettiner Haff ist durch eine schmale Landzunge, auf der bekannte Orte wie Usedom auf deutscher und Swinemünde auf polnischer Seite liegen, von der Ostsee getrennt.

In einem nahegelegenen Wald gibt es eine sorgsam ausgearbeitete Geocache-Strecke. 12 davon spüren wir hinter, an und auf Bäumen, liebevoll in Quietscheentchen, Plastikschweinchen oder im Super Mario versteckt, auf. Dann wird es langsam dunkel und rasch kalt.

13 Kilometer südwestlich liegt der Anklamer Stadtbruch, eine weite Moorlandschaft im Übergang zwischen Land und Meer. Das rund 2.000 Hektar große Wildnisgebiet ist Heimat für zahlreiche seltene Arten wie Seeadler, Fischotter und Moorfrosch. Heute gehen wir zur Abwechslung mal nicht auf Kranich- sondern auf Seeadlerpirsch. Auf dem Aussichtsturm bei Mescherin hatten wir am letzten Abend einen Naturfotografen aus Freising (!), Joe Häckl, getroffen. Von ihm stammt der Tipp.

Bereits um zehn sitzen wir auf den Rädern, um die 13 Kilometer bis Bugewitz zu fahren. Hier geht der 10 Kilometer lange Rundweg durch die Wildnis los.

Wir stellen die Räder beim Dorfgasthof ab und machen uns, bald schon in Regensachen, auf den Weg.

Eine Sturmflut ließ 1995 den Deich zum Haff brechen. Seither ist die Moorlandschaft weitestgehend sich selbst überlassen. 

Den Tieren gefällt das: Mittlerweile gibt es hier die höchste Seeadlerbrutdichte Europas. Wir sind kaum losgelaufen, als wir den ersten hoch oben in einem Baumwipfel erspähen. „Schau, da hinten rechts sitzt noch einer!“ Dann entdecken wir einen in der Luft. Seeadler gehören zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas mit einer Spannweite von über zwei Metern. Majestätisch schwebt er hoch über uns.

Von dem im Baumwipfel gibt es hier ein „Beweisfoto“, wie Achim sagt.

Wir laufen auf dem schmalen Pfad, dem einzigen, der für Menschen erlaubt ist, immer tiefer in das Schutzgebiet hinein und kommen an eine Stelle, die im Volksmund „pommersche Serengeti“ genannt wird.

Auf dem früheren Torfabbaugebiet wachsen jetzt diese rötlich scheinenden Gräser.

An anderer Stelle wiederum steht das Wasser auf großer Fläche, nur ein paar Grasinselchen unterbrechen die glatte Fläche.

Nach etwa vier Stunden sind wir wieder bei den Rädern und treten den Rückweg an. Plötzlich bremst Achim und deutet nach links: Kraniche, die dem Bauern die frische Wintersaat klauen und sich erstaunlicherweise dabei durch uns nicht stören lassen.