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Großes Wohlbehagen in Sukothai

Leise ziehe ich mich an und schlüpfe aus der Tür. Achim schläft noch tief und fest. Draußen ist es nachtdunkel, aber auf der Straße rührt sich schon was. Die Müllabfuhr und vereinzelte Autos und Mopeds sind unterwegs und an etlichen Ständen wird Frühstück angeboten, verschiedene Reisgerichte und Fettgebackenes.

Ich bin unterwegs zum Tra Phang Thong-Tempel, der inmitten des Sees liegt. Mein Ziel: dem Morgenrundgang der Mönche beiwohnen.  Aus dem Tempel dringt bereits ihr Gesang. Gegen sechs werden sie gemeinsam über die mit Laternen geschmückte Brücke gehen und das Essen einsammeln, das die Einheimischen  ihnen anbieten.

Seltsam nur, dass noch so wenig Menschen hier sind. Ich blicke auf die Uhr: viertel nach fünf. Oh nein, eine Stunde zu früh! Da habe ich vorhin die Augen wohl noch nicht richtig aufgehabt.

Ich kaufe erstmal Reis und Bananen für die Mönche, dann einen Kaffee für mich und setze mich ins Gras. Es dauert noch ein wenig, dann tauchen die ersten Frauen auf, die hübsch dekorierte Körbe für die Mönche bringen. Inzwischen sind auch Bastmatten ausgerollt, auf die sie sich setzen. Ich tue es ihnen gleich. Vor uns stehen niedrige Korbtische, auf die wir unsere Gaben legen.

Langsam färbt sich der Morgenhimmel rot.

Dann kommen die Mönche begleitet von Männern, die all das, was nicht in die Almosenschalen passt, tragen. Die Zahl der Einheimischen ist inzwischen um einige Touristen angewachsen.

Am Ende des Steges bleiben die Mönche stehen und singen einen Segen.

Ich möchte die Morgenstimmung weiter genießen und mache noch einen Spaziergang um den See.

Nach dem Frühstück leihen wir uns Fahrräder aus, um damit die Tempelanlagen zu erkunden.

Sukothai war zwei Jahrhunderte vor Ayutthaya die Hauptstadt des Landes. Innerhalb und außerhalb der alten Stadtmauern sind heute fast 200 Tempelruinen zu sehen, die seit 1991 zum Weltkulturerbe gehören.

Übersetzt bedeutet Sukothai „großes Wohlbehagen bewirkend“.

Der Ort wird heute als das erste thailändische Königreich angesehen. Wesentliche Grundlagen der hiesigen Kultur und Religion, Staats- und Gesellschaftsordnung entstanden in dieser Zeit, wie es heißt.

Die Buddhabildnisse aus dieser Phase gelten als die schönsten und reizvollsten in Thailand.

Der zweite König Sukothais, Ramkhamhaeng, soll gerecht und mit Großzügigkeit seinem Volk gegenüber regiert haben. So soll jeder Bürger die Möglichkeit gehabt haben, zum Palast zu kommen und eine eigens dafür eingerichtete Glocke erklingen lassen, um eine Audienz beim König zu erhalten und sein Anliegen vorzutragen.

Heute darf jeder dort läuten und auf Glück für sich und die Ihren hoffen.

Mit der Gründung Ayutthayas 1351 begann der politische und wirtschaftliche Abstieg Sukothais. Das einstige Königreich Sukhothai ging aber nicht einfach in Ayutthaya auf, sondern die beiden Traditionen verschmolzen in der Folgezeit.

Wir haben jetzt die meisten Sehenswürdigkeiten im Inneren des Stadtwalls gesehen und entdecken außerhalb die „Sukothai Fahrradroute“. Mal schauen, wo sie uns hinführt…

… zum Elefanten-Tempel…

… zu einem weiteren Buddha gigantischen Ausmaßes…

… und schließlich zu einem kleinen Kaffeestand mit so interessanten Kreationen wie Orange Americano.

Für heute haben wir genügend Tempel gesehen. Den Rest des Tages ruhen wir uns aus und kümmern uns später noch um die Bus- und Bahnverbindung für morgen: Wir reisen weiter nach Chiang Mai, 340 Kilometer nördlich von hier. Erstmal fahren wir mit dem Bus zurück nach Phitsanulok und dann weiter mit der Bahn. Gegen halb acht am Abend sollen wir laut Fahrplan in Chiang Mai ankommen. Wir werden erstmal zwei Nächte dort bleiben, um dann weiter in die Berge zu fahren.

Da ich das Bus- und Zugfahren schon zwei Mal hier im Blog beschrieben habe, werde ich mich erst übermorgen aus Chiang Mai wieder melden. Es sei denn, es geschähe etwas Außergewöhnliches.