Wir liegen noch im Bett, als ich höre, dass sich jemand am Wohnmobil zu schaffen macht. Auf der Beifahrerseite. Lächelnd drehe ich mich noch einmal um und döse weiter vor mich hin, denn ich weiß, es ist kein Einbrecher und auch keine Ziege sondern der Bäcker, der uns wie verabredet Baguette, Fladenbrot und Croissants ans Auto hängt. Was für ein toller Service!

Es ist nicht der einzige Service, den die Einheimischen den Touristen hier zukommen lassen. Bei den Massen von WoMos, die hier aufkreuzen, sicherlich eine gute Einnahmequelle.


Immer wieder taucht jemand auf und bietet eine Ware oder eine Dienstleistung an: zwei Jungen verkaufen Eier und frische Pfannkuchen von der Oma. Das Frischwasser für den Bus wird bis an den Einfüllstutzen geliefert. Ein Künstler präsentiert seine Bilder, ein anderer bietet an, sie auf die Wohnmobile zu malen – wie wir unterwegs an einigen Bussen gesehen haben, funktioniert diese Geschäftsidee außerordentlich gut. Kamele, Palmen und Dünen schmücken so manches WoMo (wir zögern noch). Ein Mann bietet professionelle Autowäsche an, eine Frau fragt, ob sie uns am Abend Harira, marrokanische Linsensuppe, und eine große Tajine vorbeibringen kann. Wir willigen freudig ein. Dann packen wir die Rucksäcke und wandern los. Unser Ziel in etwa sechs Kilometern Entfernung sind die Rochers Peints, die bunten Steine von Tafraoute. Aber nicht nur die bunten sondern alle Felsformationen hier sind sehenswert. Hier gilt wirklich “ Der Weg ist das Ziel“ bei so viel Schönem, das wir unterwegs sehen. Obwohl, ich finde es nicht nur schön. Vielmehr leide ich schon bald leise (bis halblaut murrend) vor mich hin.



Es ist Mittag, die Sonne knallt, es ist heiß (30 Grad, schätze ich) und es gibt keinen Schatten. Meine Füße kochen in den Bergschuhen, ich fühle mich schlapp und überhitzt. Falsche Uhrzeit für eine solche Tour.

Ich zwinge mich, die Landschaft und die Architektur, alt wie neu sehenswert, zu genießen. Der Duft des weißen Ginsters ist durchdringend, Arganbäume und Palmen stehen dekorativ in der ansonsten leeren Landschaft, die von den Felsen dominiert wird.


Nach einem Fußmarsch von gut zwei Stunden sind wir endlich da. Der belgische Künstler Jean Verame hat hier 1984 Felsbrocken in allen Größen bunt angemalt. Sie bilden einen interessanten Kontrast zu den rötlich-braunen Natursteinen drumherum.



Das Projekt war durchaus umstritten. Uns gefällt es gut, ebenso wie einigen Einheimischen, die selbst zu Pinsel und Farbe griffen, als die Originalfarben zu verblassen drohten. Merci, Shukran, Danke auch dafür.

