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Spaziergang durch Chiang Mai, die Rose des Nordens

Unser erster Weg nach dem Frühstück führt uns zu Chiang Mai Scooter Rental. Der Laden hat heute seinen ersten Tag unter neuer Leitung und wir gehören zu den ersten Kunden. Die Besitzerin und ihre drei Mitarbeiterinnen begrüßen uns strahlend. Nach einer Probefahrt mieten wir für 15 Euro am Tag eine Honda ADV mit 160 ccm für die nächste Woche. Achim macht eine Probefahrt und ist angetan. Der Roller hat erst 1000 Kilometer auf dem Tacho, gute Bremsen, gute Reifen. Hinter dem Beifahrersitz ist eine kleine Ablage, auf der wir unseren Rucksack befestigen können. Den anderen werden wir im Hotel deponieren.

Damit ist für morgen alles klar und wir machen uns auf, die Stadt zu erkunden. Sie ist umgeben von einer Stadtmauer und einem Graben aus der Zeit der Stadtgründung 1296. Wie andere Städte dieser Zeit wurde Chiang Mai nach traditionellen astrologischen und religiösen Prinzipien erbaut. Das bedeutet, dass jeder Aspekt der Stadtgestaltung, einschließlich Mauern, Toren und Gräben, darauf ausgelegt war, Geister und Götter zu besänftigen, damit sie die Stadt beschützen würden.

Die Altstadt ist gespickt mit Tempeln. „Hier gibt es so viel von allem“, sagt Achim.

Neben unzähligen Tempeln (laut Internet sind es 300 auf einer Fläche von eineinhalb Quadratkilometern) gibt es viele Touristen aus Asien, Amerika und Europa, Läden, Cafés, Restaurants, Hotels. Es gibt Massen von Massagesalons, Schneidereien, Marihuanashops, Geldautomaten, Kunsthandwerk und Ramsch. Die Leute gucken und kaufen, bis sie müde sind. Es ist quirlig hier, dabei sehr entspannt. Auch wir lassen uns treiben, shoppen ein bisschen, essen Mango sticky rice und Roti, suchen Geocaches und besuchen das Fotografiemuseum.

Kunstvoll geschnitzte Seifen

Köstliches Obst an jeder Ecke

Roti- (=Pfannkuchen) macher

Im Fotografiemuseum

Alles hergerichtet für die Fußmassagen

Am Abend gibt es Livemusik im Jazzclub The North Gate Jazz Co-Op. Schon auf der Straße hat sich eine große Traube von Menschen gebildet, drinnen ist die kleine Bar proppenvoll. Während in deutschen Jazzclubs oft die ältere Generation dominiert, sind es hier die Jungen. Ich glaube, wir sind die einzigen über 30. Trotzdem kriegen wir zwei Bier und eine Menge gute Musik auf die Ohren.

Im ersten Set spielen sieben junge Musiker ein schönes Repertoire zwischen traditional und Freejazz. Einer von ihnen sieht westlich aus, die anderen sind Einheimische.

Wir ergattern tatsächlich noch ein Plätzchen auf der Empore und können das zweite Set entspannt direkt über der Bühne genießen. Auch die neuen Musiker, diesmal sind es sechs, begeistern ihr Publikum mit ihrer Virtuosität und ihrer Spielfreude.

Es wird noch ein drittes Set mit wieder neuen Musikern geben, aber wir sind groggy und wollen ins Bett. Nächste Woche kommen wir wieder her.

Großes Wohlbehagen in Sukothai

Leise ziehe ich mich an und schlüpfe aus der Tür. Achim schläft noch tief und fest. Draußen ist es nachtdunkel, aber auf der Straße rührt sich schon was. Die Müllabfuhr und vereinzelte Autos und Mopeds sind unterwegs und an etlichen Ständen wird Frühstück angeboten, verschiedene Reisgerichte und Fettgebackenes.

Ich bin unterwegs zum Tra Phang Thong-Tempel, der inmitten des Sees liegt. Mein Ziel: dem Morgenrundgang der Mönche beiwohnen.  Aus dem Tempel dringt bereits ihr Gesang. Gegen sechs werden sie gemeinsam über die mit Laternen geschmückte Brücke gehen und das Essen einsammeln, das die Einheimischen  ihnen anbieten.

Seltsam nur, dass noch so wenig Menschen hier sind. Ich blicke auf die Uhr: viertel nach fünf. Oh nein, eine Stunde zu früh! Da habe ich vorhin die Augen wohl noch nicht richtig aufgehabt.

Ich kaufe erstmal Reis und Bananen für die Mönche, dann einen Kaffee für mich und setze mich ins Gras. Es dauert noch ein wenig, dann tauchen die ersten Frauen auf, die hübsch dekorierte Körbe für die Mönche bringen. Inzwischen sind auch Bastmatten ausgerollt, auf die sie sich setzen. Ich tue es ihnen gleich. Vor uns stehen niedrige Korbtische, auf die wir unsere Gaben legen.

Langsam färbt sich der Morgenhimmel rot.

Dann kommen die Mönche begleitet von Männern, die all das, was nicht in die Almosenschalen passt, tragen. Die Zahl der Einheimischen ist inzwischen um einige Touristen angewachsen.

Am Ende des Steges bleiben die Mönche stehen und singen einen Segen.

Ich möchte die Morgenstimmung weiter genießen und mache noch einen Spaziergang um den See.

Nach dem Frühstück leihen wir uns Fahrräder aus, um damit die Tempelanlagen zu erkunden.

Sukothai war zwei Jahrhunderte vor Ayutthaya die Hauptstadt des Landes. Innerhalb und außerhalb der alten Stadtmauern sind heute fast 200 Tempelruinen zu sehen, die seit 1991 zum Weltkulturerbe gehören.

Übersetzt bedeutet Sukothai „großes Wohlbehagen bewirkend“.

Der Ort wird heute als das erste thailändische Königreich angesehen. Wesentliche Grundlagen der hiesigen Kultur und Religion, Staats- und Gesellschaftsordnung entstanden in dieser Zeit, wie es heißt.

Die Buddhabildnisse aus dieser Phase gelten als die schönsten und reizvollsten in Thailand.

Der zweite König Sukothais, Ramkhamhaeng, soll gerecht und mit Großzügigkeit seinem Volk gegenüber regiert haben. So soll jeder Bürger die Möglichkeit gehabt haben, zum Palast zu kommen und eine eigens dafür eingerichtete Glocke erklingen lassen, um eine Audienz beim König zu erhalten und sein Anliegen vorzutragen.

Heute darf jeder dort läuten und auf Glück für sich und die Ihren hoffen.

Mit der Gründung Ayutthayas 1351 begann der politische und wirtschaftliche Abstieg Sukothais. Das einstige Königreich Sukhothai ging aber nicht einfach in Ayutthaya auf, sondern die beiden Traditionen verschmolzen in der Folgezeit.

Wir haben jetzt die meisten Sehenswürdigkeiten im Inneren des Stadtwalls gesehen und entdecken außerhalb die „Sukothai Fahrradroute“. Mal schauen, wo sie uns hinführt…

… zum Elefanten-Tempel…

… zu einem weiteren Buddha gigantischen Ausmaßes…

… und schließlich zu einem kleinen Kaffeestand mit so interessanten Kreationen wie Orange Americano.

Für heute haben wir genügend Tempel gesehen. Den Rest des Tages ruhen wir uns aus und kümmern uns später noch um die Bus- und Bahnverbindung für morgen: Wir reisen weiter nach Chiang Mai, 340 Kilometer nördlich von hier. Erstmal fahren wir mit dem Bus zurück nach Phitsanulok und dann weiter mit der Bahn. Gegen halb acht am Abend sollen wir laut Fahrplan in Chiang Mai ankommen. Wir werden erstmal zwei Nächte dort bleiben, um dann weiter in die Berge zu fahren.

Da ich das Bus- und Zugfahren schon zwei Mal hier im Blog beschrieben habe, werde ich mich erst übermorgen aus Chiang Mai wieder melden. Es sei denn, es geschähe etwas Außergewöhnliches.

Mit Bahn und Bus zur nächsten Königsstadt

Singend und lächelnd bieten die Frauen im Zug ihre Waren an. Wir haben für die fünfstündige Fahrt Richtung Norden keinen Reiseproviant eingepackt und können uns jetzt durchprobieren. Zuerst gibt es Pad Thai. Keine Ahnung, was außer Nudeln drin ist. Ich schmecke Fischsauce, sehe Sojabohnen und vermute Ei.

Dann kommt ein Mann mit Softdrinks in einem Eimer voller gecrashtem Eis vorbei und wir kaufen ihm eine Cola ab. Der Nescafé seiner Kollegin ist ebenfalls lecker, aber den Spitzenplatz der vormittäglichen Leckereien belegen die frischen Erdnüsse, die wir zum ersten Mal in unserem Leben essen. Innen sind die Hülsen noch ganz feucht, die Nüsse sind weich und schmecken leicht salzig.

Rechts von uns ist eine Ausbuchtung für zwei Waschbecken, in der die Händlerinnen ihre Ware deponieren. Es scheint einen Einheitspreis zu geben. Egal, was wir kaufen, wir zahlen 20 Baht, etwa 60 Cent.

Nur die Schokoladenkekse für Achim sind teurer. Die Packung kostet einen Euro. Schnell mal probieren. Och, na ja.

Die Händlerinnen fahren ein paar Stationen mit, dann steigen sie aus und die nächsten steigen ein. So ist für reichlich Abwechslung gesorgt.

Draußen zieht derweil die Landschaft an uns vorbei, Felder, oftmals Reis, kleine und größere Orte, Tempel, in der Ferne sehen wir einen riesigen goldenen Buddha, zu weit weg als dass ich ihn fotografieren könnte.

Wir fahren wieder dritter Klasse, die einzige, die es in diesem Zug gibt. Wenn es heiß wäre, könnte man die Fenster öffnen und die Ventilatoren anstellen. Heute haben wir aber nur 26 Grad und der Wagon ist noch angenehm kühl, obwohl alle Fenster zu sind.

Überhaupt mal ein paar Worte zum Thema Wetter: Bisher schien jeden Tag die Sonne und das Thermometer kletterte nicht über 30 Grad. Bei einer niedrigen Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent ist das hervorragend auszuhalten.

Auch die thailändische Bahn ist nicht immer pünktlich und wir erreichen unseren Umsteigebahnhof Phitsanulok um 14 Uhr mit einer kleinen Viertelstunde Verspätung.

Hier müssen wir in den Bus nach Sukothai, unsere nächste Königsstadt, die wir morgen erkunden wollen, umsteigen. Aber zuerst gilt es herauszufinden, wo der Bus denn abfährt. „Busterminal 2. Take Tuktuk!“, ist die Antwort des Bahnbeamten.

Die Tuktukfahrerin winkt, 60 Baht, okay. Fix düst sie einhändig durch den Großstadtverkehr, die andere Hand braucht sie zum Telefonieren.

Am Busbahnhof angekommen laufen wir einer uniformierten Frau in die Arme, die uns sogleich unter ihre Fittiche nimmt. Im Handumdrehen sind wir im Besitz von zwei Fahrkarten und der Information, dass der Bus in zehn Minuten von der Plattform 10 startet. Zeit genug, einen Kaffee zu trinken und aufs Clo zu gehen. Das ist wirklich entspanntes Reisen. Wir sind mal wieder hin und weg.

Nach eineinhalb Stunden hält der Bus in Old Sukothai und mit einem deutlichen „Jou“ (so ein norddeutsch gedachtes Ja) werden wir als einzige Touristen zum Aussteigen aufgefordert. Bis zu unserem Hotel sind es zum Glück nur ein paar Gehminuten.

Vor dem Abendessen erkunden wir noch die nähere Umgebung, genießen und freuen uns über jetzt und auf morgen.

Auf dem Rad durch Siams alte Hauptstadt

Ayutthaya war von 1351 bis 1767 Hauptstadt des siamesischen Königreichs. Verschiedenen Berichten zufolge war es im 18. Jahrhundert eine der faszinierendsten Städte Südostasiens.

Die Ruinen der 1767 nach einem siamesisch – birmesischen Krieg zerstörten Altstadt sind heute als Geschichtspark geschützt und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

33 Könige haben von Ayutthaya aus das Land beherrscht und die Stadt zu unglaublichem Wohlstand geführt. In ihrer Glanzzeit hatte der Königssitz über eine Million Einwohner, war eine Metropole, London vergleichbar in seinem Glanz und seinem Einfluss.

Mit drei Königspalästen, 375 Tempelanlagen, 94 Stadttoren und 29 Forts konnte sich die Stadt damals schmücken. Portugiesen, Franzosen, Holländer, Briten und Japaner siedelten sich an. Der Handel florierte, Malerei, Literatur und Architektur erblühten. Ayutthaya war das kosmopolitische Handelszentrum mitten in Asien.

Vieles ist verfallen, zerstört, geplündert worden im Laufe der Jahrhunderte.

Und doch können wir auf unserer heutigen Radtour dem alten Glanz nachspüren und immer noch beeindruckt sein vom Nachhall dieser Epoche.

Mal ist es die Gesamtansicht, die fasziniert, oft ein Detail.

Ein Glück, dass wir die Fahrräder haben. Die Anlage ist fast 300 ha groß. Allerdings ist das Radeln hier auch nicht ohne. Auf den Hauptstraßen ist viel Verkehr, vom Auto über die Mopeds bis zum Elefanten. Der Linksverkehr muss auch beachtet werden.

Aber wir kriegen das hin und belohnen uns mit einem Süppchen zum späten Mittagessen.

Der floating market, den wir am Nachmittag noch besuchen wollen, entpuppt sich als Abzocke. Wir strolchen ein bisschen durch die Gegend, ich dringe durch einen Hintereingang ein, weil ich mir das Ganze kurz anschauen will, ohne 7 Euro Eintritt zu zahlen und sehe, was ich schon erwartet habe: nicht die Händler floaten sondern die Kunden. Sie werden in einem Boot an den Ständen vorbeigeschippert. Wenn jemand was kaufen will, wird kurz angehalten. Okay, kann man machen, brauchen wir jetzt nicht.

Zuguterletzt findet Achim noch einen Geocache, kaufen wir am Bahnhof unsere Zugtickets für morgen und verliere ich beim Backgammon – auch wenn das auf dem Bild ganz anders aussieht.

Mit dem Zug nach Ayutthaya

Eigentlich wollten wir erst den Zug um halb elf nehmen. Doch wir sind bereits gegen neun am alten Bahnhof Hua Lamphong. Achim besorgt die Fahrkarten, ich zwei Kaffee, zwei herzhafte Teile und ein süßes. Ich zahle das sechsfache von ihm. Unsere zweistündige Zufahrt in die alte Königsstadt Ayutthaya kostet für uns beide 30 Baht, einen Euro! Unfassbar.

Ein kleiner Sprint auf Gleis acht, der  Bahnsteigchef hat seine Fahne schon auf grün gedreht, aber der Lokführer sieht uns und ruft uns zu: „Quick! Quick!“ Und schon sind wir im Zug und setzen uns zu einer Frau, die, wie sie später erzählt, in Bangkok eine Freundin besucht hat und nun nach Hause fährt.

So macht Bahnfahren Spaß. Gemütlich zockelt der Regionalzug durch die Gegend, durch die geöffneten Fenster weht frische Luft hinein, die geöffneten Zugtüren tun das ihrige für eine angenehme Temperatur im Abteil, immer wieder kommen Frauen mit Körben beladen vorbei und bieten Essen und Trinken an: kandierte und frische Früchte, Würste, belegte Brote, Reisgerichte mit Ei, Gemüse oder Fleisch.

Erst nach einer Stunde Fahrt verlassen wir den Großraum Bangkok und kommen aufs Land.

Die Stimmung im Zug ist sonntäglich gemütlich, die Mitreisenden, vor allem Einheimische, plaudern miteinander, machen ein Nickerchen oder schauen aus dem Fenster so wie wir.

Auf die Minute um halb zwölf erreichen wir Ayutthaya.

Der Bahnhof liegt am Fluss Pa Sak. Mit einem kleinen Boot queren wir auf die andere Seite.

Für zwei Nächte haben wir uns in Siris Guesthouse einquartiert und unser Zimmer ist schon bereit für uns.

Dusche oder Mittagsschlaf brauchen wir nach der entspannten Anreise nicht, aber ein Mittagessen wäre jetzt fein. Mal sehen, was unser Viertel so zu bieten hat. Und damit kommen wir zur thailändischen Antwort auf Dubai-Schokolade: Roti Saimai.

(Sorry für den unscharfen Schnappschuss!)

Hauchdünne Pfannkuchen mit schwarzem Sesam gewürzt und mit Zuckerwatte gefüllt. Was es nicht alles gibt! Die Watte ist aus Rohrzucker und knackt, wenn man drauf beißt.

Um den Zuckerschock zu kompensieren und weil man beim Rotimacher nicht sitzen kann, kehren wir in einem Lokal am Fluss auf einen herzhaften Imbiss ein. Heute gibt es den Nachtisch mal vor der Hauptspeise.

Den Rest des Tages bummeln wir durch die Gegend, gehen Kaffee trinken, machen ein Nickerchen und holen uns in der Abenddämmerung einen Vorgeschmack auf die Ruinen der alten siamesischen Königsstadt, die wir morgen in Ruhe besuchen werden.

Beim Abendessen taucht die Frage auf, woher wohl der Begriff „siamesische Zwillinge“ kommt. Wir schauen bei Wikipedia nach:  Die Brüder Chang und Eng Bunker wurden 1811 in Siam geboren und waren an den Körperseiten miteinander verbunden. Nach dem Heimatland der beiden wurde dieses Phänomen benannt. Sie heirateten 1843 die beiden Schwestern Adelaide und Sarah Yates und hatten zusammen 21 Kinder. Lange reden wir wir darüber, wie ein solches Leben wohl gewesen sein mag.

Irgendwann muss ich aufs Klo und werde unschön an unsere Finnlandreise erinnert. Auch da habe ich auf den falschen Knopf gedrückt und wurde unfreiwillig geduscht…

Zieh einfach die Schuhe aus und geh rein

Wo steckt er denn nun, der berühmte Smaragdbuddha? Wir sind im Wat Phra Kaeo auf dem Gelände des Königspalastes und einer der zahlreichen großen und kleinen Tempel soll die berühmte grüne Figur beherbergen. Ich wende mich an einen der Wärter, der mir nicht nur die richtige Richtung zeigt und mir großväterlich auf die Schulter klopft sondern gleich noch erklärt, wie es geht: „Just put your shoes off and go in!“

Fotografieren darf man den Smaragdbuddha, der eigentlich aus Jade und relativ klein ist, nur von außen. Aber alle defilieren an ihm vorbei. Wir Touristen neugierig und letztlich vielleicht ein bisschen enttäuscht, wie wenn man zum ersten Mal die Meerjungfrau in Kopenhagen oder die Mona Lisa im Louvre sieht. Die Einheimischen in eher kontemplativer Stimmung, betend, Opfergaben darbietend.

Der gesamte Tempelkomplex ist wieder überwältigend. Ein Prunk ohnegleichen.

Schade, dass man das Bimmeln der Glöckchen, das die ganze Szenerie begleitet, nicht zeigen kann.

Das komplette Gegenteil sehen wir vom Chao Phraya, Bangkoks großem Fluss, aus. Die Stadt kann nicht nur Tempel sondern auch Wolkenkratzer.

Weil uns das Bootfahren gestern so viel Spaß gemacht hat, kaufen wir uns heute eine Fahrkarte (für 50 Cent pro Person) bis zur Endstation in der benachbarten Stadt Nonthaburi. Wir bummeln durch den Markt, gehen Kaffee trinken und fahren wieder zurück. Zwei Mal eine Dreiviertelstunde auf dem Wasser. Herrlich!

Schließlich kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Tages, zumindest was die Lage des Events angeht: 314 Meter hoch ist der King Power Mahanakhon, ein 78-stöckiger verspiegelter Wolkenkratzer mit Hotelzimmern, Geschäften und einer Aussichtsplattform.

Der Aufzug bringt uns (und Hunderte von anderen Leuten) in 50 Sekunden in die 74. Etage. Auch wenn es heute keinen beeindruckenden Sonnenuntergang gibt, ist der Ausblick spektakulär und wir bleiben, bis es dunkel ist und die Lichter der Stadt angehen.

Für diesen Bangkok-Aufenthalt steht jetzt nur noch eins auf unserer Liste: der Besuch eines Nachtmarkts. Mit Metro und Bus machen wir uns auf nach Chinatown.

Und probieren nacheinander gelbe und rote Kartoffelbällchen (nicht lecker, nur fett), Sukothai Nudelsuppe (mit Ei und Fleisch, sehr gut), Fleischspieße mit Rind (blöd, dass Achim die Peperoni nicht gesehen hat) und Bananenpfannkuchen (mit Nutella, klar).

Morgen verlassen wir die Stadt, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. Wir haben in den drei Tagen nur einen Bruchteil kennengelernt, der uns aber sehr gut gefallen hat. In drei Wochen etwa sind wir wieder da.

Mit Pfiffen durch die Stadt

Selbstverständlich pfeifen die höflichen und freundlichen Thai niemandem hinterher. Auf den Klongs aber, den Kanälen, die die Stadt durchziehen, verständigen sich die Bootsführer und das Personal am Anleger damit. Mal sind nur ein, zwei schrille Pfiffe auf einer Pfeife zu hören, dann wiederum ertönt eine ganze Melodie. Der eine pfeift: „He, Käptn, ich hab Passagiere für Dich! Komm her!“, der andere antwortet: „Komme!“ und später „Jetzt aber dalli! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Los, schnell, nehmt die Seile, vertäut den Kahn!“

Wir fahren mit der Fähre von Chinatown zum Wat Pho, der leichte Wind erfrischt uns, wir umgehen den Stau auf der Straße und der Spaß kostet nur einen Euro für uns beide.

Eigentlich wollten wir heute Vormittag gar nicht nach Chinatown. Das stand erst für heute Abend auf der Liste. Aber der Zufall wollte es anders. Unser Plan nach dem Aufstehen und ein paar Bahnen im Pool ist, im Bahnhof Hua Lamphong, dem früheren Hauptbahnhof, Tickets für unsere Fahrt am Sonntag nach Ayutthaya zu besorgen. Auf unserem gestrigen Spaziergang hat uns Ajeet angesprochen, der, wie er uns freudig erzählt, seit 36 Jahren als Lehrer arbeitet und auch schon mal in Berlin war. Als er hörte, dass wir übermorgen nach Ayutthaya wollen, zeigte er sich besorgt: es ist Feiertag und Wochenende und womöglich ist der Zug voll. Also auf zum Bahnhof.

Doch die Dame am Schalter beruhigt uns: Es fahren ganz viele Züge dorthin und wir sollten einfach eine halbe Stunde vor Abfahrt vorbeikommen. Vorher buchen kann man den normalen Zug eh nicht. Dann ist das geklärt und wir können uns wieder mal der Aufgabe widmen, ein Café fürs Frühstück zu finden. Wir mäandern durch die Straßen und kaufen erstmal frische Ananas, schön in Häppchen geschnitten. Achim kriegt natürlich auch was ab.

Dann finden wir ein Café. Sticky rice with mango steht auf der Speisekarte und bald vor uns auf dem Tisch. Das sieht nicht nur wunderschön aus sondern schmeckt auch fantastisch.

Bei Google Maps sehen wir, dass der nächste Kanal nicht allzu weit weg ist und wir mit dem Boot zu unseren Sehenswürdigkeiten fahren können. Wir machen uns auf den Weg und stehen plötzlich vor diesem Torbogen.

Das Chinatown Gate ist das prachtvolle Eingangstor nach Chinatown und schon sind wir mittendrin im Gewusel.

Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf eine Fotoausstellung. 49 Bilder von Bangkoker Fotographen über dieses Stadtviertel werden an den Hausmauern gezeigt.

Den richtigen Pier zu finden, ist nicht ganz einfach, aber wir bekommen freundlich Auskunft durch die Einheimischen, die wir fragen.

Nur noch ganz knapp freundlich ist die Dame, die wir im Wat Pho nach dem Kunstwerk von Louise Bourgeois fragen: „Das gibt es doch nicht. Sie sind heute mindestens die Zehnte, die mich danach fragt!“ Aber dann erklärt sie uns, wo wir dieses Werk der französisch-amerikanischen Künstlerin finden: „Hinter dem liegenden Buddha beim großen alten Baum“. Im Rahmen der Biennale Bangkok Art 2024 werden die „Eyes“ noch bis Februar gezeigt (und sind ziemlich schlecht ausgeschildert).

Nun aber zu DER Attraktion im Wat Pho, dem 30 Meter langen liegenden blattgoldenen Buddha. Wow.

Der gesamte Wat provoziert ein einziges Erstaunen: die Größe der Anlage, die Vielfalt und Schönheit der Tempel.

Wir genießen diese besondere Umgebung, bis es für den Königspalast zu spät ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Den heutigen beenden wir in der berühmten Khao San Road, früher eine Straße, in der sich die Rucksackreisenden trafen, heute eine Touristenmeile mit Fressständen, lauter Musik, Freiluftmassage und ganz viel Marihuana.

Nichts für uns. Zu laut, zu voll. Wir ziehen uns in eine Seitengasse zurück, trinken ein Bier und essen Reis. Ich liebe es, wenn ich höre „You want lice?“ (Sorry, politisch bestimmt nicht korrekt, aber ich freue mich wirklich jedes Mal. Weiß auch nicht, warum.)

Weniger heiter sind wir auf dem Heimweg. Die zahllosen Menschen, die entlang der Hauptstraße übernachten, stimmen uns nachdenklich. Obdachlose, keine Touristen, die sich das Hotel sparen wollen. Sie liegen auf dünnen Matten, neben sich ihr kleines Hab und Gut. Direkt daneben fahren die Autos auf der achtspurigen Straße. Gestern Abend war es die Vielzahl an Prostituierten, die uns ins Auge stach. Frau um Frau saß auf den niedrigen Mauern, die die Bäume entlang der Hauptstraße umfassen. Einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie waren gar nicht besonders hergerichtet, nicht provokant gekleidet. Sie schminkten sich, rauchten, verhandelten mit den Freiern. Wo all diese Menschen wohl tagsüber sind?

Die Jacke können wir heute zu Hause lassen

Auch die zweite Nacht unserer Reise verbringen wir im Flugzeug. Sie ist kurz. Der Flug von Muscat nach Bangkok dauert nur fünf Stunden. Lange genug, um den Film von gestern zu Ende zu schauen, um Mitternacht orientalisch gewürztes Hühnchen zu essen und drei Stunden Schlaf zu ergattern.

Vor dem Bangkoker Flughafen warten wir mit anderen Rucksackreisenden gemischten Alters auf den Bus und gewöhnen uns schon mal an die hochsommerlichen Temperaturen. Es ist sieben Uhr und das Thermometer zeigt 25 Grad. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich im Moment nach den winterlichen Temperaturen daheim sehne.

Über die Stadtautobahn rauschen wir ins Zentrum.

Obwohl es erst halb neun ist, dürfen wir bereits unser Zimmer im Hotel beziehen. Her mit der Dusche und ab zum Frühstück! Hm, gar nicht so einfach in unserem Viertel. Hier gibt es viele kleine Läden, in denen Handwerker und Händler arbeiten und Dienstleistungen aller Art anbieten.

Cafés finden wir zwei. Hier werden zwar stylische Cappucini aber keine Frühstücke zubereitet. Wir entdecken eine Garküche, fragen, ob sie Spiegeleier zubereiten können? Yes. Ob sie vielleicht Brot dazu anbieten können? No, rice! No. Ach, dann einfach vegetables dazu. Ob diese Frühstückskreation einen Namen hat, wissen wir nicht. Aber sie schmeckte schon mal irgendwie nach Fremde. Welcome to Thailand!

Jetzt aber erstmal ins Bett! Schlafen am Strand, ein Nickerchen im Flughafen und Dösen im Flugzeug ersetzen keine anständige Nachtruhe.

Zwei Stunden später fühlen wir uns wieder einigermaßen fit und ziehen los, um die Stadt zu erkunden. Was müssen wir mitnehmen? Eine Jacke jedenfalls nicht. Wir haben mittlerweile 32 Grad.

Von hier bis zu den Top-Sehenswürdigkeiten sind es knapp drei Kilometer. Also los.

Schon ein paar Straßen weiter entdeckt Achim mit scharfem Blick, dass da drüben auf dem Tempel Leute rumlaufen. Wir queren eine Straße und betreten das Gelände unseres ersten Wat, wie hier die buddhistischen Tempelkomplexe heißen, und dürfen, nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben, über eine staubige Holztreppe hoch aufs Dach mit einem 360 Grad-Blick auf die Stadt.

Wat Dephtidaram Woravihara heißt unser Zufallsfund.

Der nächste liegt gleich um die Ecke. Linkerhand entdecken wir das Ratchadamnoen Contemporary Art Center. Noch bis März werden hier die Bilder zeitgenössischer MalerInnen in der Ausstellung 15th UOB Painting of the Year Competition gezeigt. Mit diesem Wettbewerb werden regelmäßig junge Talente gefördert. Der Eintritt ist frei und wir wollen die Bilder sehen. Thematisch ist alles dabei, Corona und die Folgen, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte oder wie hier auf einem der Siegerbilder, die raschen Veränderungen unserer Welt und ihre Auswirkungen auf die Menschen. Themen, die einen beschäftigen, egal, wo man lebt.

Inhaltlich passend kommen wir am Denkmal für Demokratie vorbei, 1939 von Generalmajor Phibun in Auftrag gegeben, um an die Revolution von 1932 zu erinnern, die zur Einführung der konstitutionellen Monarchie führte. Phibun schwebte ein neues, westlich orientiertes Bangkok vor, mit dem Denkmal als Zentrum.

Langsam wird das Licht fahler, bald gehen die ersten Lampen an. Auf dem Weg zum Sundowner bekommen wir – von außen – einen Vorgeschmack auf den Königspalast und den Wat Pho, die wir uns morgen anschauen wollen.

Zwei Singha-Bier und diese Aussicht auf den Wat Arun, eines der Wahrzeichen Bangkoks… mehr brauchen wir heute Abend nicht, um glücklich zu sein.

Stimmt nicht ganz. Etwas zu essen wäre auch noch recht. Die Bananenpfannkuchen werden am Straßenrand zubereitet.

Knusprige Nudeln mit Schweinefleisch in Soyasauce gibt es in der Garküche nebenan.

Zurück ins Hotel sind es über zwei Kilometer. Wir sind müde und die Füße tun uns weh, also ab ins Tuktuk. Wir freuen uns auf unser Bett.

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Vorfreude

Heute in einer Woche starten wir. Die Vorfreude ist groß. Bei mir. Achim ist noch ein bisschen zurückhaltend, aber der Appetit kommt ja auch manchmal erst beim Essen.

Euch nehme ich via Blog natürlich wieder mit auf die Reise. Bis dahin, einen guten Rutsch und meine besten Wünsche für Euch und das neue Jahr!