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Today you are number nine

Wir treffen die Dame von get your guide wie verabredet vor der Eisdiele nicht weit von unserem Hotel. Sie ist effizient und wohl organisiert. Ich erfahre, dass ich für heute die Nummer Neun bin und in den Bus Nr. 9644 einzusteigen habe.

Heute geben wir wirklich mal die Touristen. Mit einem großen Bus und 30 Leuten fahren wir zum Floating market in Damnoen Sudak, etwa 100 Kilometer südwestlich von Bangkok gelegen und zum berühmten Train Market in Mae Klong.

Uns ist klar, dass es sich hierbei um zwei Hotspots der Gegend handelt, die Heerscharen von Touristen anlocken, aber da wir eh noch so viel Zeit in Bangkok haben, wollen wir uns das Spektakel auch mal anschauen.

Pünktlich um neun fährt unser tiefgekühlter bequemer Reisebus los, gut, dass ich mir vorhin noch eine Bluse zum Drüberziehen gekauft habe. Ein großer Pluspunkt: Tammy, unsere Reiseleiterin überbrückt die lange Fahrt von etwa zwei Stunden mit vielen Infos über Land und Leute. Mentalität, Sprache, Sehenswürdigkeiten, die Benutzung von Tiger Balm, das politische System, das aktuelle Jahr 2568 nach buddhistischer Zeitrechnung, die wirtschaftliche Situation, das teure Benzin, die Religion, die Stinkfrucht Durian, die man nur als Klasse 1 kaufen darf und am besten mit einem Thai zusammen.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir   Damnoen Sudak. 1868 fand hier der erste floating market statt. Damals war es noch ein authentischer Markt für die Menschen vor Ort. Heute ist er nach wie vor sehr malerisch aber nur noch für Touristen gedacht. Früher gab es hier keine Straßen und die Fortbewegung und der Handel, vor allem mit Obst und Gemüse, fanden auf dem Wasser statt. Heute werden wir zu sechst in ein Ruderboot verfrachtet und durch die Kanäle geschippert.

Auf den Booten, die rechts und links am Ufer vertäut sind und auf denen, die wie wir auf dem Wasser unterwegs sind, wird alles mögliche verkauft. Hoch im Kurs sind frisches Obst, Kokoseis, frittierte Bananen, Säfte und Souvenirs aller Art. Auch Kunst ist im Angebot.

Nach der Bootsfahrt haben wir noch ein Stündchen Zeit, uns durchzuschlemmen und Geschenke für unsere Lieben zu kaufen.

„De Zug kütt!“, ruft der Rheinländer, wenn sich an Rosenmontag der Karnevalszug nähert. Hier auf dem Train Market, den wir als nächstes ansteuern, ist es ein Personenzug Dritter Klasse, ein lokaler Bummelzug, dessen Ankunft Alle aufgeregt erwarten.

Rechts und links der Gleise bieten die Händlerinnen und Händler ihre Waren an, auf dem Boden, auf Tischchen, an richtigen Ständen. Sie schützen sich und ihre Waren mit Markisen vor der Sonne.

Den Zugmarkt gibt es seit 1907. Er ist nur 400 Meter lang. Früher lagen alle Waren auf dem Boden und statt Markisen gab es nur Sonnenschirme. Achtmal am Tag kommt der Zug und die Choreographie der Händlerinnen beginnt: die Touristen freundlich aber energisch hinter die rote Linie bitten. Zusätzlich noch eine Kette aufspannen. Markisen einfahren, die Ware zurückziehen und mit Pappe abdecken.

Wir erwarten den Zug um 14.30 Uhr. Kurz vorher gibt es eine Durchsage, die uns alle warnt. Ich stehe in dem Lokal, wo wir uns gerade einen Saft gekauft haben ziemlich weit hinten. Die Besitzerin sieht mich, nimmt meine Hand und zieht mich nach vorn. „Sie sind meine Kundin. Kommen Sie nach vorn!“ und dann löst sie für einen Moment die Kette und lässt uns alle nach vorn treten, um ein gutes Foto zu machen.

Der Zug(führer) weiß, dass er eine Touristenattraktion ist und fährt schön langsam. Wenn er könnte, würde er sich uns sicher gern von allen Seiten präsentieren. Die mitreisenden Passagiere haben die Fenster aufgemacht und winken uns. Viel Platz ist nicht zwischen uns. Wir könnten uns die Hand reichen.

Kaum ist der Zug vorbei, werden die Markisen wieder ausgefahren, die Waren ausladend präsentiert und die Touristen flanieren wieder auf den Gleisen.

Wir treffen uns eine Viertelstunde später an unserem Bus und fahren zurück nach Bangkok.

Da gibt es für uns ein kühles Getränk mit tierischer Begleitung, eine Dusche und ein köstliches Abschiedsessen mit Satay-Spießen, Morning Glory (Wasserspinat) und einem milden Curry.