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Vom Versuch, einen Blick auf einen Wal zu erhaschen

Whale watching, also Wale beobachten, ist hier oben in Nordisland eine beliebte Touristenattraktion. Auch eine meiner Freundinnen, die schon hier war, schwärmte mir davon vor und erzählte, wie sehr sie von ihrer Begegnung mit diesen Tieren beeindruckt war.

Das wollen wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen, also Tour buchen und los.

Um kurz nach drei am Nachmittag stehen wir im floater, einem Wasser- und winddichtem Overall, der auch schön warm hält, an Bord der Máni, die vor dem Küstenort Dalvík liegt. Mit uns an Bord 16 weitere Menschen aus aller Frauen Länder und vielen gaaaanz großen Kameras.

Ich habe vorsorglich eine Tablette gegen die Seekrankheit genommen und das Wasser ist hier im Hafen sehr ruhig. Das ändert sich zum Glück auch nicht, als wir in den Fjord hinausfahren.

Unsere Tourleiterin erklärt uns, welche verschiedenen Wale wir voraussichtlich sehen werden, da sie sich regelmäßig hier im Fjord aufhalten: Buckelwale, Zwergwale (obwohl auch der Kleinste seiner Art bis zu zehn Meter lang werden kann, heißt er so) und Delphine. Mit besonders viel Glück könne man auf dieser Tour auch mal einen Blauwal oder einen Finnwal sehen.

Wir sind gespannt und ich bin auch ein bisschen aufgeregt.

„Wir müssen aber erst noch ein ganzes Stück rausfahren“, erklärt uns Heta. Unser Schiff ist ein massives vertrauenerweckendes Holzschiff, die See ist ruhig, leider ist es etwas diesig.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommt erste Aufregung auf: „Da, auf 11 Uhr! Delphine!“ Wir gucken und gucken, ja und dann sehen wir sie auch, mittlerweile auf 12 Uhr. Aber nicht so, wie man es aus Tierfilmen (oder, Kindheitserinnerung: Flipper) kennt: in einer eleganten halbmondförmigen Bahn schwingt sich das große Tier weit aus dem Wasser, ehe es mit einem freundlichen Lächeln elegant wieder im Wasser versinkt. Unsere Delphine zeigen uns nur ganz kurz ihren Buckel und man muss sich schon sehr anstrengen, sie überhaupt zu sehen. Ein Foto davon zu machen, ist gar nicht drin.

Macht nix. Wir haben ja noch ein Rendezvous mit den Walen. Also weiter.

Nach etwa einer Viertelstunde behauptet Heta, jetzt habe sie einen Wal gesehen, auf 10 Uhr! Der Kapitän dreht sein Boot leicht Richtung Luv und tuckert langsam Richtung Wal. „Da!“ (vielstimmig, vielsprachig) sehen wir in der Ferne die Wasserfontäne, die das Ziel unseres Begehrens in die Luft spritzt – aber das war es auch schon. Am Auftauchen hat er gerade kein Interesse. Wir haben von unserer Tourleiterin bereits gelernt, dass so ein Wal leicht fünf Minuten unter Wasser bleiben kann, ehe er zum Luftholen wieder auftaucht. Also ist Warten angesagt (für Unruhegeister ist so eine Walbeobachtungstour eher ungeeignet). Wir warten und warten und fahren schließlich weiter.

Ich will niemanden zu sehr auf die Folter spannen und zeige deshalb jetzt das beste Bild, das uns auf dieser Tour gelungen ist, ein Schnappschuss, den Achim geknipst hat. Wir waren seit unserer ersten Beinahe-Walbegegnung nochmal etwa fünf Minuten gefahren, Heta erspähte wieder ein Tier und das konnten wir dann auch etwa eine Viertelstunde lang beobachten. Aber wiederum aus ziemlicher Entfernung, jeweils für wenige Sekunden, nie in ganzer Schönheit.

Leider waren dann unsere drei gebuchten Stunden um und wir traten, leicht frustriert, die Rückfahrt an.

Umso schöner, dass wir am Abend Tina und Stephan, die wir schon am Vortag auf dem Campingplatz in Siglufjörður kennengelernt haben, wiedertrafen. So wurde es trotzdem noch ein lustiger Abend.