Schlagwort-Archive: Wohnmobil Reisen Finnland Sápmi

Auf Schotterpiste in den Nationalpark

Heute schauen wir uns Finnland von oben an. Achims Drohne, ein kleiner See und der Tipp von Michael (Heimaufreisen) machen es möglich.

Der künstliche See Neitokainen in der Nähe von Kittilä wurde 1991 im Rahmen eines Bauprojekts ausgegraben. In der Gegend sollten Ferienhäuser und ein Hotel gebaut werden. Esko Sääskilahti, der für das Feriendorfprojekt verantwortliche Baumeister, beschloss, in der Mitte des Geländes einen Teich in Form von Finnland anzulegen. Er hat aber nur ein Zehntausendstel seiner Länge.

Allerdings mangelte es bald an Geld für das Bauvorhaben und die Pläne für die Ferienanlage gerieten in Vergessenheit. Heute erinnert nur noch der verlassene Neitokainen-See an die großen Pläne, dessen eigenartige Form den meisten Besuchern des Sees unbemerkt bleibt, da Finnland nur aus der Luft zu erkennen ist.

Nach diesem Abstecher kehren wir auf unsere ursprüngliche Route zurück. Heute wollen wir in den Lemmenjoki-Nationalpark. Er ist so groß wie das Saarland und gilt als das größte unbewohnte und straßenlose Wildmarkgebiet in Europa.

66 Kilometer Schotterpiste nehmen wir in Kauf, um dorthin zu gelangen.

Auf der Fahrt wird deutlich: die Ruska hat begonnen! Es gibt zwei gute Gründe für uns, im September nach Finnland zu fahren: die Ruska und die Polarlichter.

Das Wort Ruska hat seinen Ursprung im samischen Wort „ruške“, was „braun“ bedeutet. Allerdings ist Braun nur eine Farbe in der Ruska-Palette, wenn sich Finnland im September und Oktober in ein Meer aus gelben, roten und orangefarbenen Blättern verwandelt. Wegen dieses Indian Summer sind wir JETZT hier. Gerade zur richtigen Zeit.

Im Nationalpark steuern wir den ersten Wanderparkplatz an. Von hier aus gibt es einen Wanderweg zum Rentierscheidungsplatz von Sallivaara. Er ist 90 Jahre alt und gehört zu den größten in Sápmi.

Im Herbst treiben die Besitzer ihre Rentiere dort zusammen, zählen sie, markieren die neuen Kälber und wählen Tiere für den Verkauf aus.

Hin und zurück sind es zwölf Kilometer und es ist schon fünf, als wir loslaufen. Aber wir haben beide das Bedürfnis, uns zu bewegen. Wir laufen durch den üblichen Birken-Kiefern-Wald, rechts und links wachsen Blau und Preiselbeeren, der Weg ist naturbelassen, es geht über Stock und Stein.

Eine riesige Gatteranlage finden wir am Ziel vor. Ich habe gelesen, dass die Rentierscheidung im September stattfindet. Vielleicht haben wir ja Glück und können mal bei einer zusehen.

Heute halten sich die Tiere von der Anlage fern, leider auch von uns während der gut dreistündigen Wanderung. Wir sehen nur einmal schemenhaft welche weiter hinten zwischen den Bäumen.

Gern jedoch zeigen sie sich auf der Straße. Ist doch auch was.