Ja! Wir dürfen! Hochoffiziell in Island rumreisen. Um 11.30 Uhr haben wir in Egilsstaðir einen weiteren PCR-Test gemacht, um 19 Uhr kam die Nachricht auf unsere Handys: Kein Corona. Island, wir kommen!
Unser erster Ausflug führt uns ins Hochland, das den Großteil des Landesinneren von Island ausmacht. Alles, was mehr als 200 Meter über dem Meeresspiegel liegt, etwa 75 % der Gesamtfläche von Island, wird als Hochland bezeichnet. Wir können dieses Gebiet kaum bereisen, da die Straßen allesamt nicht asphaltiert und nur für Wagen mit 4-Rad-Antrieb zugelassen sind.
Es gibt zwei Ausnahmen. Die eine ist im Norden des Landes, wo wir erst später hinkommen. Die andere ist hier und führt uns erstmal am schönen Wasserfall Hengifoss vorbei.
Dann geht es hinauf. Es sind nur wenige hundert Höhenmeter, aber die Landschaft ändert sich rasch. Wieder sind wir im Schnee, Berge werden sichtbar.
Die etwa 40 km lange Straße wurde für den Bau des Staudamms Kárahnjúkar und des Kraftwerks errichtet. Davon profitieren wir jetzt. Das ganze Projekt ist aber sehr umstritten, da es einen tiefen Einschnitt in die Natur darstellt. Der Stausee ist riesig. Sehr beeindruckend der alte Canyon, der übrig geblieben ist.
Auf dem Rückweg biegen wir nach etwa der Hälfte der Strecke nach rechts auf eine Schotterpiste ab und gelangen nach zwei Kilometern an die Berghütte Laugafell.
Der Schokokuchen mit Rhabarbermarmelade ist sehr lecker, dass wir auf dem Parkplatz mit unserem Bus übernachten dürfen, ist großartig, aber das Spektakulärste befindet sich hinter dem Haus: zwei Hotpots mit 38 und 42 Grad – wie alle Hotpots auf Island von heißen Quellen gespeist.
Im Hintergrund Berge und ein Wasserfall, unglaublich schön.
Wir haben jetzt Nudeln gekocht, zu Abend gegessen, gebloggt – und ehe wir ins Bett gehen, werden wir nochmal das heiße Wasser und die außergewöhnliche Aussicht vom Hot-Pot aus genießen. Vielleicht kommt ja auch die Sonne noch mal raus – sie wird erst um 0 Uhr untergehen.
Angekommen in Island müssen wir drei Tage in Quarantäne. Achim beschreibt diese erste Zeit in unserem neuen Reiseland:
Das Ticket für die Fähre nach Seyđisfjördur haben wir schon eineinhalb Jahre in der Tasche. Letztes Jahr konnten wir unsere WoMo-Tour nach Island einfach verschieben, die Fährlinie Smyrrillines war kulant. Wir verschoben um genau ein Jahr. Corona beeinträchtigt das Leben und erst recht das Reisen immer noch. Ein nochmaliges Verschieben war nicht möglich, weswegen wir […]
Oh, nein! So sollte unsere Islandreise, die wir 2020 wegen Corona um ein Jahr verschieben mussten, nicht losgehen: „Lassen Sie den Motor warten!“, steht plötzlich im Display unseres neuen Wohnmobils, das gerade mal 3000 Kilometer auf dem Buckel hat. Den Motor warten? Eines funkelnagelneuen Autos?
Da Sonntag ist, können wir nicht viel dagegen unternehmen und beschließen, wie geplant, erstmal nach Flensburg weiterzufahren. Aber die Gedanken rattern und ein tiefenentspannter Reisetag wird das jetzt nicht mehr. Das Hauptproblem ist die Zeit: wir müssen bis morgen Abend Hirtshals im Norden Dänemarks erreichen, weil übermorgen Früh dort die Fähre nach Seydisfjördur im Osten Islands ausläuft.
Prost Flensburg!
Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz beim Flensburger Yachthafen und gehen erstmal auf ein Bier in eine der zahlreichen Kneipen dort. Seeluft schnuppern und Boote gucken beruhigen. In Flensburg gibt es einen großen Fiathändler, bei dem wir morgen Früh um Hilfe bitten werden. Auf unserem Parkplatz werden kostenlose Coronatests angeboten. Wir buchen zwei für 8.30 Uhr am nächsten Morgen, denn wir brauchen einen Nachweis, dass wir kein Corona haben, für den Grenzübertritt. So ist alles erledigt und wir lassen uns die Fish and Chips beim Gosch zum Abendessen schmecken.
Der Coronatest am Morgen erweist sich als vorsichtiger Nasenabstrich und ist schnell erledigt. Um 7.45 Uhr sind wir bei Fiat Bauer. „Kein Problem, wir schauen uns das gleich an. Wenn Sie in der Zwischenzeit einen Kaffee möchten, bedienen Sie sich!“ Hach, wann will man schon mal wildfremde Menschen umarmen?!
Noch besser wird es, als wir nach dem letzten Schluck Kaffee unseren Autoschlüssel zurückbekommen: „Alles in Ordnung!“ „Äh, ja danke. Was war denn?“ „Der Partikelfilter war kaputt. Ein bekanntes Phänomen.“ Hm, ja, nun gut. Wenn er das sagt. Wir freuen uns, dass wir unsere Reise jetzt fortsetzen können, bedanken uns für die spontane Hilfe und steuern Richtung Grenze.
Arbeitersiedlung an einer alten Kupfermühle bei Flensburg
Auf dem Weg dorthin halten wir an einer ehemaligen Kupfermühle an, ein Industriedenkmal, das wir uns unbedingt anschauen sollten, so der Rat meines Bruders. Wir bummeln durch die Gassen der früheren Arbeitersiedlung, die hervorragend in Schuss ist und sich sehr malerisch präsentiert.
Dänische Hotdogs müssen sein.
Willkommen in Dänemark! Trotz der Pandemie verläuft der Grenzübertritt völlig problemos. Der junge Grenzbeamte sieht sich unser Testergebnis im Handy an und winkt uns weiter. Die erste Raststätte mit dänischen Hotdogs ist unsere. Schließlich haben wir noch nicht gefrühstückt.
Als wir am späten Nachmittag in Hirtshals ankommen, regnet es. Der Stellplatz, den wir uns vorher ausgeguckt hatten, war einer Baustelle zum Opfer gefallen. Nach einigem Hin und Her landen wir schließlich im Hafen, wo schon einige Busse parken. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne. Perfekt. Zum Abendessen schnibbele ich eine Pfanne mit Auberginen, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch und reichere sie mit einer Handvoll Woknudeln an. Lecker. Dann noch ein bisschen spielen und lesen und schon haben wir einen Vorgeschmack auf Island: obwohl es kurz vor elf ist, ist es noch hell. Also ziehen wir die Rollos runter und kuscheln uns in Bett.
Übernachten im Hafen von Hirtshals
Am nächsten Morgen gibt es ein schnelles Frühstück, wir packen die letzten Dinge in unsere Taschen für die Fähre und schon bedeutet uns ein Angestellter der Smyrillline, unserer Fährgesellschaft, weiter vorzufahren, da gleich mit dem Einchecken begonnen würde.
Unser Schiff nach Island: die Norröna
Wir müssen den PCR-Test vorweisen, den wir in Göttingen gemacht haben (und der leider erst gegen Mittag kam, so dass wir ihn für die dänische Grenze noch nicht hatten), bekommen zwei Plastikkarten als Schlüssel für unsere Kajüte an Bord. Wenig später werden wir zu einer Teststation gelotst und durchs geöffnete Autofenster erneut einem Test unterzogen. Dies ist der dritte in drei Tagen.
36 Stunden an Bord
Wir bleiben von Dienstagvormittag, elf Uhr bis Donnerstagmorgen, 8 Uhr auf der Fähre und richten uns in ein entspanntes Treiben ein: mal hier sitzen, mal dort sitzen, mal an Deck gehen (meist nur kurz, weil zu kalt), aufs Wasser gucken, sich über ein paar Basstölpel freuen, essen gehen, ein Bierchen trinken, lesen, spielen. Das Meer ist freundlich zu uns, prophylaktisch eingenommene Reisetabletten tragen auch zum Wohlbefinden bei.
Einfahrt nach Torshavn auf den Färöern
Für eine willkommene Unterbrechung sorgt die Zwischenlandung auf den Färöer-Inseln. Sie gehören zu Dänemark und bestehen aus 18 vulkanischen Felsinseln, die zwischen Island und Norwegen im Nordatlantik liegen und durch Straßentunnel, Fähren, Dammstraßen und Brücken miteinander verbunden sind. Auf dem Rückweg werden wir hier für zwei Nächte Station machen.
Danach kommt kurz Hektik auf, weil alle Passagiere aufgefordert werden, sich im Café zur Vorbereitung ihrer Einreise einzufinden. Hier wird jetzt die Spreu vom Weizen getrennt: Wer vollständig geimpft ist, bekommt einen grünen Passierschein. Leute wie wir, die es noch nicht geschafft haben, bekommen einen orangefarbenen.
Wir erreichen Seydisfjördur und sind jetzt auf Island
Die zweite Nacht an Bord ist ziemlich ruppig. Das Schiff wird von den Wellen recht gebeutelt. Gegen 7 Uhr erhaschen wir einen ersten Blick auf Island: schneebedeckte Berge säumen den Fjord von Seydisfjördur, wo wir um halb neun anlegen.
Wir sind ein bisschen nervös wegen der Einreiseprozedur. Was man nicht alles parat haben muss: die Bescheinigung, dass man sich beim isländischen Staat elektronisch vorangemeldet hat, den Barcode, den man von dort bekommen hat, den PCR- Test, die Buchungsbestätigung für die Quarantäneunterkunft … Hoffentlich fehlt nichts!
Wir stehen etwa eine Stunde in der Schlange, rätseln, warum das wohl alles so lange dauert. Die „Grünen“ sind natürlich alle schon weg, während es sich bei den „Orangenen“ hinzieht. Doch dann kommt ein freundlicher Polizeibeamter an unseren Bus und lässt sich alles zeigen. Den Test, den Barcode vom Ministerium, die Buchungsbestätigung unserer Quarantäneunterkunft. Nachdem er uns noch einmal das Procedere erläutert hat (drei Tage Quarantäne, nochmaliger PCR-Test am Sonntag, weitere 20 Stunden Selbstisolation), dürfen wir fahren. Das Ganze hat nur fünf Minuten gedauert.
Der Weg nach Egilstadir und zu den Stora Fell Cottages, in denen wir die nächsten Tage verbringen werden, führt über die 27 km lange Passstraße und die Hochebene Fjarđarheiđi. Der höchste Punkt ist zwar nur auf 630 m, aber um uns herum ist es verschneit.
Es ist doch Sommer! Oder?
Von Egilstađir sind es noch 16 Kilometer bis zum Cottage. Und dort heißt es dann: Drei Tage Quarantäne. Wir sind gespannt.
Ein Tag, der mit einem morgendlichen Lauf und einem feinen Frühstück am Wattenmeer beginnt, muss ein guter werden. Glückselig sitzen wir mit unserem Kaffee am Bus, lauschen den Möwen und lassen den Blick übers Grau vor uns schweifen. Zwar hat es nur 11 Grad, aber das passt schon für Nordsee im Mai. Immerhin regnet es noch nicht.
In der Nähe gibt es einen Naturlehrpfad, der es erlaubt, über artenreiche Salzwiesen trockenen Fußes durchs Wattenmeer zu laufen und über den Sommerdeich wieder zurück. Wir haben so ein Glück mit dem Wetter! Von den rund fünf Kilometern sind wir höchstens einen im Regen gelaufen – obwohl der Wetterbericht mehr oder weniger Dauerregen vorhergesagt hatte.
Deichpfleger in Positur
Das laute Kreischen der Möwen und die markanten Rufe der Kiebitze, Rotschenkel und anderer Watvögel, deren Namen wir nicht (mehr) kennen, begleiten unsere kleine Wanderung. Die Vögel kann ich mit meinen technischen Mitteln nicht aufnehmen, dafür stellen sich die Schafe um so lieber in Positur.
Ehe wir das Wattenmeer Richtung Bremen verlassen, gibt es noch ein Fischbrötchen auf die Faust und ein Pfund fangfrische Krabben vom Kutter als Gastgeschenk für unsere Freunde Edda und Uli.
„Ich bin absoluter James Bond Fan“ sagt die Dame am Campingplatz als sie uns die Kurkarten aushändigt. „Sie haben die Nummer 007“ und freut sich. Heute morgen am östlichen Ufer der Elbe am Hafen von Lenzen müssen wir schon beim Frühstück eine Entscheidung treffen : nehmen wir gleich die kleine Fähre über den Fluss oder […]
Auf das Frühstück mit Aussicht hatte ich mich schon am Vorabend gefreut. Kleine Boote schaukeln nur drei Meter von unserer Frühstückstafel entfernt auf dem Wasser; Erinnerungen an den vergangenen September, als wir hier gemütlich vom Strandkorb aus Tausende von Kranichen am Himmel beobachten konnten, werden wach.
Brutstätten für Flussseeschwalben
Von ihnen lässt sich heute keiner blicken, dafür begleitet uns der Gesang der Drosselrohrsänger (Danke, BirdNET!) beim Spaziergang, ein Haubentaucher lässt sich durch uns nicht beim Brüten stören und Flussseeschwalben kreisen über unseren Köpfen.
Das erste braune Hinweisschild des Tages entdecken wir noch vor der Autobahn. Es führt uns zu einem Schlachtendenkmal. Im Jahr 1675 siegten hier die Brandenburger über die Schweden. Man sagt über diese Schlacht, dass sie den Grundstein für die Größe Preußens gelegt habe. Teuer bezahlt: auf dem Schlachtfeld blieben 3000 Tote zurück.
Schlachtendenkmal in Hakenberg
Schön aber, dass 1848 (und erneuert im Jahr 2000) die Denkmalallee mit 140 Bäumen angelegt wurde.
„Historische Altstadt Kyritz“ steht 40 Kilometer weiter auf dem braunen Schild neben der Autobahn und die nächste Ausfahrt ist damit unsere. Wieder sind es zwar 20 Kilometer bis zur angepriesenen Sehenswürdigkeit, aber sie liegt immerhin in unserer Richtung.
Kyritzer Altstadt
Die Kirschblüten suggerieren Frühling, aber es ist ziemlich frisch bei 13 Grad und es regnet. Natürlich gibt es kein Café, in dem wir uns aufwärmen, kein Restaurant, in dem wir Mittagessen könnten.
Also gibt es ein Stück Mohnkuchen bzw. eine türkische Pizza auf die Faust. Im Vorbau der Bäckerei können wir uns zum Essen unterstellen.
In der Marienkirche nebenan ist es wenigstens trocken und schön.
St. Marien in Kyritz
Wir fahren weiter Richtung Nordwesten gen Elbe, als uns ein weiteres Schild zum Rennaissanceschloss Demerthin lockt. Vom 15. Jahrhundert bis 1945 gehörte es der Familie von Klitzing. Dann wurde die Familie enteignet, seit 1993 gehört das Schloss der Gemeinde.
Das Rennaissanceschloss Demerthin
Für heute reicht es dann mal mit der Kunst. Ver- und Entsorgung für Mensch und Maschine sind jetzt erforderlich. Wir finden unterwegs einen Supermarkt, in dem wir unsere Lebensmittelvorräte aufstocken können und in Wittenberg an der Elbe einen (geschlossenen) WoMo-Stellplatz, bei dem wir unser Clo entsorgen und Frischwasser tanken möchten. Als wir am dazugehörigen Lokal nachfragen, bedauert die Bedienung, dass wegen Corona alles geschlossen sei und sie leider keinen Schlüssel für die Abwasseranlage habe. Als wir gerade in den Bus einsteigen, um weiterzufahren, kommt sie angelaufen und wedelt mit dem Schlüssel: „Doch gefunden!“ Großartig. Nach getaner Arbeit kaufen wir ihr noch zwei Kaffee ab und setzen uns auf eine Bank mit Elbblick (Als wir im Vorcoronajahr 2019 mit den Rädern hier waren, hatte das Café natürlich auf und wir saßen sehr gemütlich bei leckeren Speisen und Getränken.).
In Wittenberg an der Elbe
Im sog. Yacht-Hafen von Lenzen, etwa 20 Kilometer flussaufwärts, finden wir mit Hilfe unserer App Park4night einenschönen Übernachtungsplatz mitElbblick. Immer wieder interessant: man ist selten ganz alleine. Als wir ankommen, stehen schon zwei Busse da, wenig später kommt noch ein weiterer hinzu. Wein aufmachen, Bloggen, Kochen, Lesen, vielleicht noch ein Spielchen später, im Bus ist es auch bei Regenwetter warm und gemütlich.
Große Sprünge machen wir nicht in diesen Tagen. Nach drei Tagen auf dem Parkplatz beim Kloster Chorin, wo wir entspannt und ungestört stehen konnten (und uns die Nachtigall am Abend ein Konzert gab!), zogen wir fünf Kilometer weiter auf den Ökohof Engler im Choriner Ortsteil Serwester. Achim hatte herausgefunden, dass man hier sein Abwasser loswerden und frisches Wasser tanken kann. Überraschenderweise erhielten wir das Angebot, im Garten zu campen, das wir sehr gerne annahmen. Hübsch haben sie es hier, die Englers.
Auf dem Ökohof Engler
Zum Mittagessen leisteten uns zwei Kraniche auf dem übernächsten Feld und ein Grünspecht, gleich nebenan, Gesellschaft. Ringsum Felder, Hühner, ein schöner Garten und ein Leinegänsepaar (für Achim als Göttinger besonders interessant). Wir beschließen, zwei Nächte zu bleiben und genießen das Idyll, die Sonne und die 28 Grad. Am Nachmittag machen wir uns zu einer kleinen Radtour nach Angermünde auf.
Am Mündesee
Am Abend kündigt der Regenbogen leider den erwarteten Wetterwechsel an.
Abschied von den ersten heißen Tagen
Wir sitzen gerade gemütlich beim Frühstück vor dem Bus (bei frischem Wind und 13 Grad), als Conny Engler uns die nicht so gute Nachricht überbringt, dass wir leider nicht mehr bleiben können (Buchungsfehler und so). Also packen wir und ziehen fünf Kilometer zurück. Wohin? Na, auf den Parkplatz beim Kloster Chorin. Dieses näher zu erkunden, steht nämlich für heute auf dem Programm.
Ganz unverhofft kommen wir in den Genuss einer Ausstellung des Kasseler Malers Martin Fuchs, der sich intensiv mit dem Kloster Chorin befasst hat.
Eine weitere kleine Ausstellung zeigt Fotos, die PilgerInnen geschickt haben und uns zu einer eigenen Pilgerreise animieren sollen.
Draußen im Park stehen „sprechende“ Bänke, die uns über die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters und den Anteil, den Karl Friedrich Schinkel an seinem Erhalt hatte, informieren.
Obwohl das Ensemble eine Ruine ist, ist es nicht ruinös. Hier werden (wenn es keine Pandemie gibt) Konzerte gegeben, Vorträge gehalten und Ausstellungen organisiert.
Am Nachmittag setzen wir uns auf die Räder und fahren zum 14 Kilometer entfernten Werbelliner See.
Fast die gesamte Strecke führt durch Buchenwälder, mal auf schönen Waldwegen, mehr auf Kopfsteinpflaster oder Sand.
Ab und zu muss der Wald auch mal aufgeräumt werden. Als wir den See erreichen, haben wir Kaffeedurst. Oder Würstchenlust. Auf jeden Fall den Wunsch, irgendwo nett einzukehren. Zwei Frauen mit einer Wurstsemmel in der Hand kommen uns entgegen. „Wo haben Sie die denn her?“, fragen wir gierig. „Hier hoch, am Ende rechts steht ein Imbisswagen“, erfahren wir.
Nichts wie hin. Den kulinarischen Höhepunkt des Nachmittags bilden zwei Knacker und zwei Kaffee. Wir dürfen hinter dem Wagen Platz nehmen (da sieht uns keiner) und bekommen als Nachtisch noch zwei Stück Erdbeertorte geschenkt. „Da hat einer für gestern ne ganze Torte bestellt und nicht abgeholt. Alleine essen kann ich die auch nicht“.
On the road again. Hier Achims Blogbeitrag zu unserer aktuellen Busreise:
Nach langem Coronabedingtem Warten konnten wir mal wieder losfahren. Ein Fernsehbericht hat uns davon überzeugt, in die Schorfheide nordöstlich von Berlin zu fahren. Na gut, sofort los ging’s dann doch nicht, es gab ein Problem mit dem Wohnauto. Das Problem war aber sehr schnell – nur drei oder vier Tage hat’s gedauert – gelöst. Mit […]
Wie schön ist es, morgens wach zu werden und sich auf den Tag freuen zu können. Da sich unser Frischwassertank wegen der immer noch niedrigen Nachttemperaturen selbsttätig entleert hat (Frostschutz!), mache ich im Miniwaschbecken unseres Minibads eine Katzenwäsche. Wir haben ja zum Glück einen 10-Liter-Wassertank zum Kochen und Waschen an Bord. Dann schwinge ich mich auf mein akkuloses Fahrrad, um eben diesen aus der zwei Kilometer entfernten Ladestation zu holen.
Dabei entdecke ich die ersten Störche des Tages.
Mein Akku ist wieder voll und im Supermarkt nebenan gibt es Frühstücksbrötchen. Der beste aller Männer hat den Kaffee schon fertig und den Frühstückstisch gedeckt.
Heute sind wir schon gegen halb elf startbereit für unsere letzte Etappe auf dem Altmühlradweg: 30 Kilometer bis Herrieden. Zuerst aber verschwindet der Fluss im Altmühlsee. Es ist ein künstlich angelegter See, der 1985 geflutet wurde. Er ist Teil eines Regulierungssystems, das Wasser aus dem wasserreichen Flusssystem des Donaueinzugsgebiets unter der Europäischen Hauptwasserscheide hindurch in das wasserärmere Regnitz-Main-Gebiet überführt.
Touristisch wird der See intensiv genutzt. Er ist ideal zum Segeln, Surfen und Baden an den zahlreichen Liegewiesen, Bade- und Sandstränden. Auch heute Vormittag sind etliche SpaziergängerInnen, Rollerblader und RadlerInnen unterwegs.
Zum Baden und Bootfahren ist es trotz des sonnigen Wetters leider noch zu kalt, aber ein Hinweisschild auf einen Spazierweg durch die Vogelfreistätte interessiert uns.
Über einen hölzernen Steg gelangt man auf eine kleine Insel, auf der man über einen schmalen eineinhalb Kilometer langen Pfad geleitet wird. Von einem Beobachtungsturm aus kann man heute vor allem Gänse, Enten und Reiher, aber auch Kiebitze sehen.
Eine Überraschung für uns ist eine große Wasserschildkröte, die in der Sonne döst.
Wir gucken ihr ein bisschen beim Gucken zu und gehen zurück zu unseren Rädern. Die Auenlandschaft ähnelt der, die wir gestern gesehen haben. Das Radfahren bei den frühlingshaften Temperaturen ist reine Freude.
Herrieden erreichen wir am frühen Nachmittag. Schön, dass wir eine Metzgerei finden, die Leberkässemmeln im Angebot hat.
Unterwegs sehen wir immer wieder Störche, in ihren Nestern, auf den Wiesen. Da tut es mir leid, dass ich meine Kamera nicht dabei habe und deshalb kein besseres Foto liefern kann.
Um halb fünf sind wir zurück in Gunzenhausen, montieren die Räder auf den Bus und machen uns auf den Heimweg. Allzu lang werden wir wohl nicht zuhause bleiben…
Ich schrieb neulich bereits, dass Achim mich ab und zu mit Spezialwissen verblüfft. So auch heute: da, wo wir gerade radeln, an der Altmühl bei Eichstätt, floss früher die Donau. Früher meint: ehe sie sich bei Weltenburg mit dem Donaudurchbruch vor rund 80 000 Jahren ein neues Bett gesucht hat. Ha! Wieder was gelernt.
Schon vor ein paar Tagen war absehbar, dass diese Woche warme und sonnige Tage bringen würde. Zu verlockend, wenn das fahrbare Hotelzimmer vor der Tür steht. Also Bus gepackt, (für zwei bis drei Tage ist das rasch erledigt) und los. Wir wollen Radfahren, da kam uns schnell das Altmühltal in den Sinn.
Unsere App Park4night empfiehlt einen Platz zum Übernachten am Figurenfeld bei Eichstätt. Den, und vor allem die Kunstwerke von Alois Wünsche-Mitterecker, einem Eichstätter Bildhauer, wollen wir uns anschauen.
Der Künstler schuf mit seinen 78 Plastiken ein beklemmendes Mahnmal gegen Krieg und Gewalt.
Der Parkplatz lädt uns nicht zum Verweilen ein, aber sehr zu unserer Überraschung ist der offizielle Wohnmobilstellplatz der Stadt Eichstätt geöffnet. Nach unseren bisherigen Informationen sollten wegen der Pandemie eigentlich alle Stellplätze geschlossen sein. Nun, mir ist das sehr recht. Noch immer bin ich kein großer Fan des Wildparkens. Also 10 Euro in den Automaten und als zweite auf den Platz, der direkt am Fluss liegt. Sehr günstig, schließlich wollen wir an ihm entlang radeln.
Zuvor genießen wir – endlich!- mal wieder das Busfeeling. Ich bereite ein schnelles Mittagessen zu und koche Kaffee.
Das Wetter ist nicht ganz so schön wie vorhergesagt. Bis Mittag hält sich der Nebel, die Sonne lugt erst ab etwa eins hervor und die Temperaturen erreichen wohl nur so die 13, 14 Grad. Das reicht aber locker zum Radfahren und die 50-Kilometer-Tour auf dem Altmühlradweg beglückt unser Coronalädiertes Gemüt. Der mäandernde Fluss, die karstigen Felsen, idyllische Dörfer und ein Automat mit zig Eissorten beflügeln uns. Das fühlt sich nach Wieder-Reisen-können an. Das macht Hoffnung auf bessere Zeiten!