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Frühstück am Fjord

Heute früh hat mich das neue Land erst einmal überrollt. Bilder vor meinen Augen, die mein Hirn zunächst nicht sortieren konnte: so viele Hügel, über die wir unser großes Fahrzeug auf schmalen Straßen steuern mussten, für mich ganz unerwartet. Hohe Felswände, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Etliche kleine Seen. Dann auf einmal eine Vielzahl kleiner felsiger Inselchen, bunte Häuser, rot angemalte Bootsschuppen, das Meer. Atemberaubend schön dieses kleine Fleckchen Erde, nur ein paar Kilometer von unserem Übernachtungsplatz entfernt. Wir suchen hier einen Ort, an dem wir frühstücken können. Vergeblich. Hier ist alles so eng, dass wir noch nicht einmal zum Fotografieren anhalten können. Wenn es irgendwo einen freien Platz gibt, steht ein „Privatgrund“-Schild dort.

Wir fahren zurück zur Hauptstraße, biegen wieder ab Richtung Wasser – und finden schließlich eine kleinen Hafen mit öffentlichem Parkplatz. Hier bleiben wir zum Frühstück. Und entspannen.

Danach ist es nicht mehr weit bis zum südlichsten Punkt des norwegischen Festlands, dem Lindesnes Fyr, dem Leuchtturm von Lindesnes. Ein beliebter Touristenort. Hier sind wir nicht alleine.

Zwei Rentnertickets kosten zehn Euro und bei grauem Himmel, grauem Meer und Nieselregen erkunden wir den Spot.

Der Leuchtturm ist der älteste des Landes und tut seit 1656 seine Dienste. Ich lerne, dass wir auf derselben Höhe sind wie der nördlichste Zipfel Schottlands, es aber noch 2518 km bis zum Nordkap sind. Wo wir hinfahren können, aber nicht müssen. Das warten wir mal ab.

Heute drängt uns jedenfalls nichts zum weiterfahren. Erstmal ankommen, heißt die Devise. Und so schauen wir uns in Ruhe die beiden Ausstellungen an, die gerade hier gezeigt werden. In einem ehemaligen Bunker werden Fotos von Leuchttürmen an der südlichen Nordseeküste gezeigt.

Im früheren Stall, in dem der Leuchtturmwärter seine Kuh, sein Pferd und sein Schwein halten konnte, werden „Portraits von Überlebenden“ der norwegischen Fotografin Elin Hoyland gezeigt. Ob Soldat oder ehemalige Gulaginsassin, die Bilder zeigen die Menschen Jahrzehnte nach ihrem traumatischen Erlebnis. Eindringliche Bilder von Menschen mit Geschichte(n).

Das Kap mit seiner wilden zerklüfteten Küste lädt zu einem Spaziergang ein. Unser Bus zum Ausruhen und es sich einfach gemütlich machen.