Auf der Suche nach dem Alltag

Bisher habe ich ja erst einen kompletten Tag im Rainbow Children Home verbracht. Das war vergangenen Freitag. Samstag bis Montag waren wir unterwegs und heute sollte also der Alltag beginnen.

Gute Neuigkeiten habe ich schon gestern erhalten: Es gibt seit dem Wochenende einen zweiten Volontär: Benjamin, 22 Jahre alt, Franzose. Er hat gerade seinen Bachelor in Wirtschaft gemacht und bleibt drei Wochen bei uns.

Threema_5350Und so haben wir mit geballter Kraft und Umsicht einen ersten Ausflug mit zwölf Kindern zum Phewa – See gestartet. Das ist nicht sehr weit vom Heim entfernt. Einmal die Straße runter, vorbei an bunten Häusern und kleinen Geschäften bis zur Touristenmeile am See, in der es nur noch Cafés, Treckingläden, Andenkenshops und Restaurants gibt. Na gut, auch noch ein paar Simcard-läden, Wechselstuben und Supermärkte. Dann links und rechts und schon sind wir da. Es gibt hier keinen Spielplatz, keine gepflegte Grünanlage, aber den See, Boote (in die man sich auch mal setzen darf, wenn sie am Ufer liegen), Steine, Paraglider – viel Spannendes also zum Beobachten und Tun.

Wir schauen also, lassen Steine hüpfen, basteln Angeln, fangen nix. Und dann drängeln die Kinder: sie wollen zur toten Anaconda. What do you want? Let’s go to the dead Anaconda! (Habe ich schon erwähnt, wie gut diese kleinen Kinder Englisch sprechen?) Okay, let’s go.

Nach einem kurzen Spaziergang am See entlang kommen wir zu einem niedrigen grauen Betonbau und ehe wir uns versehen, sind die Kinder auf einen Mauersims geklettert und drücken ihre Nasen am Fenster platt. So haben sie – ohne Eintritt – einen Logenplatz, um die hier ausgestellte Anaconda und einige große Fische anzuschauen.
AnacondaNein, ich weiß nicht ob ob diese Schlange hier heimisch ist und will es auch gar nicht wissen.

Zum krönenden Abschluss machen wir noch ein kleines Lagerfeuer. Und wenn ich jetzt erzähle, dass die größeren Mädchen angefangen haben, zu singen und zu tanzen, bezichtigt Ihr mich des Kitsches. (War aber so. Was jedoch kein Wunder ist, denn sie hatten tagsüber in ihrer Schule einen Tanzwettbewerb, bei dem sie mehrere Medaillen gewonnen haben. Und entsprechend hoch war noch der Adrenalinspiegel.)
Feuer
Und ein letztes Highlight des heutigen Tages : Als wir den Park verlassen, spricht mich ein junger Mann an. Ich schätze ihn auf etwa 20. Er hält mir 30 Rupien hin und bittet mich, damit den Kindern eine Freude zu machen. Verblüfft nehme ich das Geld und bedanke mich höflich.
Die Kinder erzählen mir, dass dieser junge Mann selbst ein Waise ist und ihnen ab und zu etwas schenkt. Wir machen einen Zwischenstop beim nächsten Laden und bekommen für unser Geld zwei Bonbons für jedes Kind – und auch für Ben und mich.

Ein Gedanke zu „Auf der Suche nach dem Alltag

  1. Avatar von Brigitte DeutschmannBrigitte Deutschmann

    Das war ein schöner Tag für die Kinder sowie auch für Dich und den Volontär,So viele Kinder brauchen schon 2 Personen, die mit ihnen unterwegs sind.Man sieht, dass die Kinder auch ohne Spielsachen, schöne Erlebnisse und Spass haben können.Habe das mit meinen Enkelkindern immer so gehalten.Freue mich für Euch und weiterhin eine gute Zeit….Brigitte

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