​Die Hoffnung stirbt zuletzt

Schon als ich in der Früh aus dem Fenster schaue, ist klar: ob ich für meinen geplanten Sarangkot-Ausflug mit Himalayasicht bei Sonnenuntergang und – aufgang den erhofften klaren Blick haben würde, ist äußerst zweifelhaft. Kein Berg zu sehen. Alles diesig und in Wolken.
Optimistisch packe ich trotzdem meinen Rucksack mit dem bisschen, das ich für eine Nacht brauche. An dieser Stelle mal ein bisschen Werbung für einen Kollegen: Mit im Gepäck mein EBook mit dem neuesten Kalpenstein „Gipfelträumer“. Köstlich. (Vor allem die Szene mit der Entbindung im Zelt! Hab laut gelacht beim Lesen.)
Ich laufe den See entlang und erreiche nach 20 Minuten ein Restaurant, in dem ich auf einer hübschen Dachterrasse erstmal frühstücke.
Dann geht es zwei Stunden den Berg hinauf. Die 1500 Meter, auf denen das Bergdörfchen Sarangkot, das normalerweise besten Himalayablick bietet, müssen ja erreicht werden.


Kurz vor dem Ziel komme ich an einer Lehmhütte vorbei und bekomme, ehe ich mich versehe, einen Tee in die Hand gedrückt und einen Platz auf einer niedrigen Holzbank angeboten.
Die Frauen, drei etwa in meinem Alter, zwei junge und ein Baby, sind gut drauf. Sie singen, tanzen und texten mich auf nepalisch zu. Der Tee schmeckt nach angebrannter Milch und ihre vermeintliche Gastfreundschaft lassen sich die Damen auch bezahlen. Ist aber okay.

Ich erreiche das Dorf, quere die Straße und bin nach wenigen Minuten am Paraglider – Startplatz. Müßig schaue ich den Mutigen eine Weile zu.


Schließlich mache ich mich auf, mir ein Zimmer zu suchen. Kein leichtes Unterfangen, denn nahezu alles hat zu. Schließlich werde ich in der Himalaya Crown Lodge fündig und genieße den Nachmittag lesend auf meinem kleinen Balkon. Ohne Aussicht. Sowohl Berge als auch See sind im Dunst verborgen.
Gegen vier Uhr mache ich mich auf zum Tempel. Seit ich hier bin, höre ich von dort Stimmen und Musik. Meine Wirtin hat sich auch mit der Bemerkung verabschiedet, dass sie jetzt dorthin geht. Ich kann nicht wirklich einordnen, was ich sehe. Eine bunte Bühne, auf der mehrere Schauspieler  agieren. Die Sprecher sitzen hinter ihnen. Ich glaube, dass hier die Geschichte einer der zahlreichen hinduistischen Gottheiten erzählt wird. Morgen ist Shivas Geburtstag und ein wichtiger Feiertag.



Ich schaue eine Weile zu, gehe weiter und zahle unverdrossen 50 Rupien Eintritt (den Tarif für Ausländer, etwa 40 Cent) für die Aussichtsterrasse. Es ist so bizarr, dass es schon wieder witzig ist. Da die Aussicht mich nicht lange gefangen nimmt, schlendere ich zurück ins Dorf und bestelle mir ein spätes Mittagessen, Omelette mit Gemüse, und lasse die Stimmung auf mich wirken.

Pünktlich um kurz vor sechs finde ich mich zum „Sonnenuntergang“ wieder beim Aussichtsturm ein. Die meisten Menschen sind mittlerweile zurück ins Tal gefahren. Nur meine Wirtin schreitet gemeinsam mit ein paar Nachbarn beim Tempel um ein Feuer und zündet Räucherstäbchen an.

Ich wickele meinen „Lotte Choco Pie“ aus und versuche mir den Himalaya, wie ich ihn vorgestern von dieser Stelle aus sah, vorzustellen.

Vielleicht habe ich ja wenigstens mit dem Sonnenaufgang morgen früh Glück?

Ein Gedanke zu „​Die Hoffnung stirbt zuletzt

Hinterlasse eine Antwort zu Helli Antwort abbrechen