​Bonjour sister, comment ça va?

In Ländern mit niedrigem Lohnniveau profitieren wir Ausländer, wenn wir die für uns sehr günstigen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Deshalb hätte ich das „Rei in der Tube“ auch zuhause lassen können. Denn hier bringt man seine Wäsche zur „laundry“, also in die Wäscherei. Jeder ist irgendwo Stammkunde. Meine französische Kollegin Caro wird von dem Mann,  der ihre Wäsche macht, stets mit einem freundlichen „Bonjour sister, comment ça va?“ begrüßt.
Wenn ich einmal die Woche zu Wäscherin meiner Wahl komme, grüßt sie mit einem freundlichen „Namaste! How are you?“ Dann zieht sie ihre kleine Handwaage aus der Schublade und hängt meinen Wäschebeutel daran auf. Der Preis ist überall derselbe: 100 Rupien, also etwa 80 Cent pro Kilo. Am Abend des darauffolgenden Tags kann ich meine sauberen Sachen wieder abholen.


Gegenüber vom Rainbow Children Home ist eine kleine Nähstube. Als erstes habe ich mir dort eine Kurta nähen lassen (8 Euro). Dann ging der Reißverschluss meines Schlafsacks kaputt (3 Euro), danach habe ich die seit ewigen Zeiten kaputten Reißverschlüsse an meinem Webpelz und an meiner Handtasche richten lassen (jeweils 1,50 Euro).

Auch der Juwelier um die Ecke hat mir große Freude bereitet. Ich bin es mittlerweile gewohnt, dass irgendein Kind an mir dran hängt, mein Medaillon öffnet und fragt: „Your husband?“  (Mamita fügt seit ein paar Tagen noch an: „What’s his name? Achim?“) So dass ich auch nicht besonders achtgegeben habe, als der zweijährige Sajan sich das Medaillon anschaute. Erst als er urplötzlich weglief, sah ich die Bescherung: Er hatte beide Seiten so fest auseinandergebogen, dass sie verzogen waren und sich das Medaillon nicht mehr schließen ließ. Eines der älteren Mädchen wusste Rat und brachte mich ins nahegelene Schmuckgeschäft. Der Besitzer begutachtete den Schaden und wies mich an, am nächsten Nachmittag wiederzukommen. Er wolle es versuchen.

Ich habe mich so gefreut, als er mir meinen Talisman heile zurückgab – und dann auch nur zwei Euro dafür verlangte.

Tja, diese wirklich erschwinglichen Dienstleistungen werde ich in Deutschland wohl auch vermissen.

3 Gedanken zu „​Bonjour sister, comment ça va?

  1. Avatar von zimjoazimjoa

    Ach, mein Schatz … wirst du auch die genannten Annehmlichkeiten vermissen, so ist dann wenigstens Achim wieder in deiner Nähe 🙂
    Freue mich auch auf dich !

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  2. Avatar von Dorothee LeebDorothee Leeb

    Liebe Eva, kann ich Dir schnell noch ein paar Sachen schicken? Liebe Grüße und genieße die Zeit, aber so wie Dein Blog klingt, braucht man Dir das nicht zu sagen 😉
    Warme Grüße aus der klirrend kalten Heimat

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