Als wir vor einigen Wochen überlegten, wo wir denn Achims letzte zwei Urlaubswochen verbringen könnten, ehe er dann im Juni auch in den Ruhestand geht, irrte sich Google: Auf meine Abfrage nach Wandermöglichkeiten auf den Kanaren, tauchten Bilder von wunderschönen, mir nicht bekannten Inseln auf. Wo sind die denn? Wie heißen die denn? Es waren die liparischen Inseln vor Sizilien. Die nicht zu den Kanaren gehören. Danke, Google, für deinen Fehler. Die Bilder haben uns so gut gefallen, dass ich am nächsten Tag unsere Flüge nach Catania auf Sizilien gebucht habe. Und jetzt sind wir hier. Und es ist so schön wie auf den Bildern.
Heute haben wir die erste Wanderung unternommen und festgestellt: die Insel duftet. Nach Ginster. Köstlich. Wir laufen über schmalen Pfaden zum Alten Observatorium. Links von uns das Meer und Vulkano, eine weitere der insgesamt sieben liparischen Inseln. Rechts von uns leichte Hügel, die von Ginsterbüschen und anderen Frühlingsblühern wie den lilafarbenen Glyzinien, roten Wicken und weißen Mittagsblumen bedeckt sind.


Eine ganze Weile haben wir eine wunderbare Sicht auf Vulkanos Krater, den wir nächste Woche besteigen werden.

Gegen Mittag zieht ein Gewitter auf. Fast haben wir den Gipfel des Monte Guardio erreicht, als die ersten Tropfen fallen. Aber alles halb so wild. Erstens ist der „Wachtberg“ Liparis lediglich 369 Meter hoch und zweitens erschöpft sich das drohende Gewitter in einigen Donnergrollen und zieht rasch vorüber.
Also suchen wir uns nach dem „Gipfelsturm“ ein paar Steine und packen die Brotzeit aus.


Nicht irgendeine Brotzeit. DIE Brotzeit. Panini von Gilberto und Vera, die hier berühmt sind für ihre hervorragenden belegten Brötchen. Gestern Abend sind wir schon zum Apéritif bei ihnen gewesen. Haben uns ein Panino geteilt und zwei kleine Wein bestellt. Da wir die ersten Gäste waren, hat Gilberto uns zu seinem besten winzigen Tisch gelotst („Von hier könnt Ihr alles sehen Es ist wie in der Oper!“). Das Panino war mit den auf der Nachbarinsel Salina wachsenden Kapern, eingelegten Auberginen, frischen Tomaten und Provolone gefüllt. Hmmmm. Über die Weine, beide auf der Insel gereift und gekeltert, hielt Gilberto einen Kurzvortrag. Und lecker waren sie auch.
Auf dem Berg gab es leider nur schnödes Wasser zum feinen Brötchen.
Wie so oft hatte ich leider auch davon zu wenig dabei und freute mich deshalb um so mehr, als wir beim Abstieg an einem idyllischen Plätzchen mit Bank, Tisch, Hängematten und Meerblick vorbeikamen. Das ist bestimmt privat, dachte ich. Nein, „Hikers Rest“, also Rastplatz für Wanderer, stand auf dem Zaun geschrieben. Und auf dem Tisch stand ein großer Krug frischen Wassers. Wer sich wohl so etwas nettes ausdenkt? Danke dafür!

Der restliche Abstieg war rasch bewältigt – hatte die Gemeinde doch eine Direttissima nach unten gebaut. Ein super steiler Abstieg über einen schmalen Betonpfad, der mehr in die Knie ging als die vierstündige Wanderung insgesamt. Immerhin bot er wunderschöne Ausblicke auf den Ort Lipari mit seiner antiken Akropolis.

Unsere Belohnung für die anstrengende Tour hieß Cannoli, mit süßer Ricotta gefüllte Teigtaschen, die es in der klassischen, also puren Variante gibt oder mit Pistazien angereichert.


Einen Spätnachmittagsschlaf später machten wir uns dann noch auf, die hiesige Kathedrale zu besichtigen. Jeder Weg durch Lipari führt durch idyllische Gässchen.


Auch unser Appartement liegt in einer winzigen Gasse. Wir können jedes Mal wählen, wo wir rein und rausgehen, da wir zwei Ausgänge haben. Die Krönung jedoch ist die Dachterrasse, auf der ich jetzt sitze und schreibe – begleitet vom Rauschen des Meeres, meinem Liebsten und einem sizilianischen Weißwein.


Immer dieses Google😉
Ein toller Bericht – wie immer humorvoll geschrieben und mit wunderschönen Bildern unterlegt.
LikeLike