Benimmkurs nach Sylter Art

Freundin Edda und ich sind hin und weg von der Freundlichkeit der Sylter. In der „Sansibar“ in Rantum, die ja angeblich so ein Schickimickispot sein soll, werden wir nicht nur mit dem landesüblichen lockeren “ Moin!“ begrüßt sondern mit „Na, Mädels, was kann ich denn Gutes für Euch tun?“ auf eine entspannte Pause eingestimmt. Unglaublich viele Bedienungen wuseln hier rum und haben das Wohl der Gäste im Auge.

Auch in unserer „Stammkneipe“ (immerhin waren wir viermal dort), dem „Sunset Beach“ am Strand in Westerland, werden wir lückenlos mit „Alles gut bei Euch?“, „Braucht Ihr noch was?“, „Noch’n Bierchen?“ betreut.

Nachdem auch die Dame am Strandübergang, deren Aufgabe es ist, die Gästekarten zu kontrollieren bzw. Tageskarten zu verkaufen, sich nahezu entschuldigt für die Störung und es wieder gut macht durch ein besonders freundliches „Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag!“, ist uns klar: Das Sylter Tourismusamt verpflichtet jeden, der in dieser Saison im Dienstleistungsgewerbe arbeitet, zur Teilnahme an der Schulung “ Wie wir unsere Sommergäste glücklich machen“.

Sollte ich hieran noch irgendeinen winzigen Zweifel gehabt haben, so wird dieser beim Verlassen der Insel am Lister Fährhafen endgültig zerstreut: Ich stehe mit meinem Auto in der Schlange und mache mich bereit, wie die Dame aus dem Wohnmobil vor mir, auszusteigen, um wie erforderlich Reservierung, Fahrzeugschein und Personalausweis vorzulegen, als mir ein freundliches “ Guten Morgen, Frau Dörpinghaus! “ entgegenschallt. „Wie haben Sie das jetzt gemacht?“ frage ich verdutzt zurück. „Ich habe eine Ladeliste“, grinst mein Gegenüber zurück. Und setzt noch eins drauf: „Hab eine gute Überfahrt, Eva!“

Ein wenig unsicher sind wir wegen des Metzgers. Als ich ihm erzähle, dass ich gern einen schönen rohen Schinken hätte, fragt er zurück, ob er nur schön sein oder auch schmecken solle. Wir wissen jetzt nicht so recht, ob wir ihn zur Nachschulung anmelden sollen.

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