Granada: In der Alhambra

Dieser Tag beginnt bereits um Mitternacht. Denn ich habe im Internet gelesen, dass dies eine Methode sei, doch noch an Karten für die Alhambra zu kommen. Man loggt sich um Mitternacht ein, wenn die stornierten Tickets für den kommenden Tag ins System eingespeist werden. Und siehe da, es klappt! Nach einigem Formularwirrwarr ergattere ich tatsächlich Tickets – und kann vor lauter Aufregung dann erstmal ewig nicht mehr einschlafen (es ist jetzt 1.23 Uhr).

Die Alhambra ist eine trutzige Burganlage, an der viele Herrscher im Laufe der Jahrhunderte gebaut haben. Die Mauren haben hier sehr, sehr viel Geld gelassen, um prächtigste, prunkvollste Paläste und Gärten zu bauen bzw. anzulegen. Kaiser Karl baute im 15. Jh. ebenfalls einen Palast in der Alhambra. Irgendwann kam auch Napoleon, seine Soldaten sprengten Teile der Anlage, sie geriet in Vergessenheit, wurde restauriert und ist heute einer der schönsten islamischen Bauten Europas mit Millionen von Besuchern.

Ihren wirklichen Reiz entwickelt die Anlage in ihrem Inneren. Die Gärten sind voller Rosenbeete, Granatapfelbäumen, Brunnen, Wasserspielen. Aber interessanterweise entdecke ich auch Holunder und Linden, in voller Blüte, einer meiner Lieblingsdüfte. Die Hecken wurden zum Teil sehr kunstvoll geschnitten, hier ist ihre Silhouette der Burganlage nachempfunden.

Immer wieder bieten sich beim Gang durch die Gärten wunderbare Aus- und Durchblicke auf Granada und die Burg selbst.

Nach knapp vier Stunden brauchen wir erstmal eine Pause. In der Altstadt wird die gute Tradition der „cañas con tapas“ noch gelebt: du bestellst dir ein kleines Glas Bier und bekommst gratis eine kleine Köstlichkeit dazu. Das können kleine belegte Brote, ein paar Oliven oder ein paar Chips sein. Sehr lecker. Kann müden Alhambrawanderern das Abendessen ersetzen.

Um 22 Uhr sind wir wieder zur Stelle, denn wir haben Tickets für die Abendbesichtigung des Palastes. Eine zauberische Stimmung liegt jetzt über der Anlage. Viele hundert Gäste sind mit uns hier, alle flüstern nur und genießen die intensive Wirkung der kunstvollen Wandschnitzereien, der luftigen Deckenverzierungen und Wasserspiele in der schummerigen Beleuchtung.

Irgendwo habe ich gelesen, dass die Alhambra heute eine Liebeserklärung der Europäer an den Orient ist. Sie ist auf jeden Fall ein Sehnsuchtsort für jeden, der Marrakesch, Essaouira und Co liebt.

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