Seetaufe

Das hat er nicht verdient! Wirklich nicht! Dieses Juwel von einem See heißt völlig trivial „Freizeitsee“. Warum hat dieses wunderschöne Fleckchen Erde, an dem wir heute unseren Bus abstellen, keinen schönen, klangvollen Namen wie etwa Stiller See, Einsamer See oder vielleicht Versteckter See? Diese Ungerechtigkeit ist kaum zu ertragen, so dass wir beim Kaffee kurzer Hand zur Seetaufe schreiten: “ Herzsee“ soll sein Namen sein. Zum einen hat er – auf der Landkarte sieht man es – tatsächlich eine Herzform. Zum anderen haben wir ihn in unser Herz geschlossen, diesen kleinen See beim Campingplatz Zenz in Tragöß, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Bruck an der Mur.

Schon bei der Anreise sahen wir Hinweisschilder zum Grünen See, fünf Kilometer weiter. Wir radeln hinüber – doch was ist mit dem See passiert? Gar kein Wasser drin!

Kein Wasser MEHR drin, lernen wir später, als wir uns mit Frau Zenz, unserer Campingplatzeignerin, unterhalten: der Grüne See ist ein Karstsee, der sich mit dem Einsetzen der Schneeschmelze auf den Berghängen langsam mit sehr klarem Wasser füllt. Im Frühsommer enthält er am meisten Wasser, an der tiefsten Stelle sind es fast zehn Meter. Er hat dann wohl eine intensive türkise Farbe und wird deshalb gern auch „Karibik der Alpen“ genannt. Und um noch eins draufzusetzen: Google weiß, dass er 2014 sogar zum Sieger einer ORF-Sendung über die schönsten Orte Österreichs gewählt wurde.

Im Herbst aber trocknet er nahezu vollständig aus und so erleben auch wir heute den See fast ohne Wasser.

Über unseren See, den frisch getauften Herzsee erfahre ich noch, dass es sich um eine ehemalige Kiesgrube handelt, die vor 25 Jahre mit Wasser gefüllt und danach gestaltet wurde mit Bäumen, Liegeflächen aus Gras, Bootsverleih, Gasthof und Plätzen für Zelter und Camper.

Warum dieser hübsche See keinen Namen hat? Frau Zenz zuckt mit den Schultern. „Das ist halt einfach der Zenz-See. So wie wir heißen.“

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