Ich liebe es nicht nur, fremde Länder zu bereisen und ihre Menschen und ihre Kultur kennenzulernen. Ich liebe es auch, fremde Sprachen zu erlernen. Da ich nun bereits zum fünften Mal in Nepal bin (und ein Ende nicht absehbar ist), ist nun endlich Nepali an der Reihe.

Heute ist meine erste Stunde (nein, 90 Minuten!). Erstmal muss ich die Sprachenschule „Cosmic Brontosaurus“ überhaupt mal finden. Sie ist noch in Lakeside, im touristischen Zentrum Pokharas, aber vom Kinderheim aus ist es doch ein 20minütiger Fußmarsch. Es gibt keine Hausnummern, so dass ich den Barbier, der gerade auf einem Stein sein Messer für den nächsten Kunden schleift und dafür vor die Tür getreten ist, nach der Schule frage. Schräg gegenüber, da wo auch Karmaflight ist (was für ein Name für eine Flugschule! Wenn mein Karma nicht gut ist, dann…??).
Lektion eins ist dann weniger sprachlicher sondern mehr soziokultureller Natur. Prem, mein neuer Lehrer, begrüßt mich höflich, erklärt mir jedoch, dass er erst noch ein paar Telefonate zu erledigen habe, dann sei er für mich da. Klar, bin ich erstmal nicht erfreut. Ist doch unhöflich so etwas. So geht man doch nicht mit einer (zahlenden) Kundin um, empöre ich mich innerlich. Hm. Aber wer weiß? Vielleicht habe ja auch ich gegen irgendein mir nicht bekanntes Höflichkeitsgebot verstoßen? Etwa, dass man nie Punkt 11 kommt, wenn man um 11 verabredet ist. Sondern ein klein wenig später. Wer weiß?
Der Raum im Hinterzimmer der Flugschule ist mit zwei großen Arbeitstischen, ein paar Stühlen, einer recht modernen weißen Tafel und, warum auch immer, ein bisschen Gerümpel wie alten Federbetten und leeren Eimern ausgestattet.

Der Schwung, der Witz und Charme und das hervorragende Englisch meines neuen Lehrers wischen meine drohende schlechte Laune weg wie nichts. Der Unterricht findet auf Englisch statt, so dass ich die ganze Zeit mit drei Sprachen laboriere. Es ist Einzelunterricht, so dass Prem ganz auf meine Bedürfnisse und Fragen eingehen kann. Immer wieder fallen ihm lustige Redewendungen ein, die den Kindern gefallen können, wie „Ekdam ukusmukus“ (Sprecht das mal nach! Das macht Spaß), was soviel wie „Ich bin supersatt“ bedeutet. Oder „Rangichangi mitho sapaana!“ (Bunte und süße Träume!) und „Baafrebaaf!“ für ein begeistertes „Wow!“.

Wenn man eine Sprache lernt, lernt man immer einiges auch über die Kultur eines Landes. Absolut neu für mich ist heute die kleine Lektion über freundlichen smalltalk zur Begrüßung. So wie wir Deutschen uns nach dem Guten Tag, Grüß Gott oder Hallo gern mit einem unverbindlichen „Wie geht’s? Danke gut. Und dir?“ den Start in die Unterhaltung erleichtern und der Engländer übers Wetter redet, hat auch der Nepali seine Eingangsfloskeln. „Wir reden nicht übers Wetter“, erklärt Prem, „denn hier scheint ja eh immer die Sonne. Wir reden übers Essen und Trinken.“ Wie bitte? Ich lerne: nach einem freundlichen „Namaste!“ („Guten Tag!“) geht es in der Unterhaltung meist weiter mit einem „Chiyaa piunu bhayo?“ („Hast du schon Tee getrunken?“), wenn man sich morgens begrüßt, „Khaza khanu bhayo?“ („Hast Du schon gefrühstückt?“ oder auch „Hattest Du schon ein Mittagessen?“, denn diese Frage kann man bis zum frühen Nachmittag stellen. Sie wird zu späterer Uhrzeit abgelöst durch „Khanaa khanu bhayo?“ („Hast du schon zu Abend gegessen?“). Die Fragen und die Antworten haben keinerlei Konsequenzen. Weder wird man zum Tee oder zum Essen eingeladen, wenn man verneint, noch möchte sich der Fragesteller mit einem verabreden. Unmittelbar danach geht das Gespräch einfach weiter, ganz egal worüber.
Da bleibt mir doch nur zu sagen: „Malay Nepal manparcha. Ich liebe Nepal.“


Erst einmal , ist es eine lange Anreise nach Nepal.Dann erst nach Bokhara …Alle Achtung.Dann innerhalb von einem Jahr, kann sich doch einiges ändern…Man braucht eine Zeit um sich zu akklimatisieren und wieder mehrsprachig zu leben.Wie ich Dich kenne meisterst Du das ,nach Eingewöhnung wieder.Dein Herz ist ja für die Kinder und sie geben dann wieder viel zurück.Liebe Eva ,viel Mut und Ausdauer,nach einem Monat wirst Du erstaunt sein, wie schnell es wieder vorbei ist.Bleib gesund und sei herzlich umarmt ,mit einem Gruß aus Fürstenfeld,Brigitte
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