Großstadtoasen

Das Ruhrgebiet, liebevoll auch Kohlenpott oder einfach Pott genannt, ist für manches Klischee gut. Die Sprache etwa ruft gern mal Spötter auf den Plan. Schantal, tuste mal dat Mäh ei machen gibt es mittlerweile sogar auf Ansichtskarten. Das Gerücht, dass sich hier jeder von Currywurst mit Pommes Schranke ernährt, hält sich ebenso hartnäckig. Und der Dreck, alles grau in grau, ne. Nee. Vorbei die Zeiten.

Wir sind in Duisburg und haben die Großstadtoasen entdeckt. Wahrscheinlich nur einen Bruchteil von denen, die es gibt. Aber die waren umso schöner.

Unser Campingplatz im Süden der Stadt liegt in der Nähe der Sechs-Seen-Platte, einem Naherholungsgebiet voller Wald und Wasser.

Turtle and Tiger heißt die begehbare Achterbahn-Skulptur auf einer ehemaligen Halde im Duisburger Süden, die 2011 errichtet wurde. Wer die Stufen bis zum Looping erklimmt, wird mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Das Besteigen der Skulptur ist zurzeit aber leider nicht möglich, weil der Coronabedingte Abstand von mindestens 1,50m nicht eingehalten werden kann. Aber auch vom Hügel aus genießen wir die Blicke auf das Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth, das geschäftige Treiben der Hüttenwerke, auf riesige Lagerflächen, aber auch auf dichte naturbelassene Waldgebiete.

Ein Ziel im Norden der Stadt steuern wir mit den Rädern an. Hin und zurück 40 Kilometer, fast alles Radweg. Großartig! Immer wieder passieren wir irgendwelche Brachen, den Innenhafen, der ziemlich aufgehübscht wurde und mit Cafés und Restaurants lockt. Oder auch ein leerstehendes Haus, das von TänzerInnen genutzt wird.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord stellt eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit für Duisburg, das Ruhrgebiet und Deutschland dar, weiß die Werbung. Ein komplettes Hüttenwerk – einst Ort harter körperlicher Arbeit – hat sich in einen Erlebnisraum verwandelt, der pro Jahr rund eine Million Besucher anlockt. Früher wurde hier, wie vielerorts im Ruhrgebiet, Kohle abgebaut und Eisen hergestellt. Die alten Industrieanlagen wurden nach ihrer Schließung vom Land Nordrhein-Westfalen gekauft und von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände nach den Plänen der Architekten so umgestaltet, dass der Park laut Wikipedia in Fachkreisen heute zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende zählt. 

Der frühere Hochofen ist normalerweise frei zugänglich. Im Moment ist er nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Das Angebot nehmen wir gern an, klettern in luftige Höhen und erfahren eine Menge über das frühere und heutige industrielle Treiben hier.

Und erwerben im Shop Geschenkpapier voller Currywurst mit Pommes Schranke. Kennt nicht jeder? Pommes rot-weiß, mit Ketchup und Mayo.

6 Gedanken zu „Großstadtoasen

  1. Avatar von Astrid ZimmermannAstrid Zimmermann

    Leerstehendes Haus? Das war bestimmt Dani Karavans „Garten der Erinnerung“, kann das sein? Hatte ich ganz vergessen, dass das ja auch in Duisburg ist!!! Auch ein interessantes Projekt!

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  2. Avatar von Biggi & HolgerBiggi & Holger

    Moin moin aus Lingen, da ihr beiden schon recht nah an dem schönen Emsland seid wäre ein Abstecher hierher doch einfach möglich. wir würden uns sehr freuen und gerne die ein oder andere Radrunde mit euch drehen 🙂
    Biggi & Holger

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