Von Luther zu Gropius

Zwischen dem Kirchenmann Luther, der vor 500 Jahren für die Spaltung derselben sorgte, und dem Architekten Walter Gropius, der vor rund 100 Jahren zum Mitbegründer der Modernen Architektur wurde, liegen 60 Elberadwegkilometer.

Zuerst ist natürlich Luther dran, schließlich sind wir noch in Wittenberg. Auch hier gibt es ein Panometer von Yadegar Asisi, das im 360 Grad-Panorama das mittelalterliche Wittenberg Luthers, seiner Frau Katharina von Bora und seines Mitstreiters Melanchtons erlebbar macht.

Seit 2003 realisiert Asisi die größten Panoramen der Welt. Ich bin ein großer Fan seiner Werke und glücklich, hier in Wittenberg auf eins zu stoßen.

Ehe wir auf den Elberadweg fahren, machen wir noch einen Abstecher zur Piesteritzer Werkssiedlung. Sie wurde 1916 für über 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter des Reichsstickstoffwerkes von dem Stadtplaner Georg Haberland und dem Architekten Otto Salvisberg gebaut. Zur Expo 2000 wurde sie originalgetreu saniert und so zur ersten autofreien Siedlung Deutschlands.

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es ist fast nicht mehr windig und so ist es ein leichtes Radeln durchs Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittelelbe, leider auch heute meist hinter dem Deich. Um einen Blick zu erhaschen, muss man kurz auf den Deich hoch.

Schon nach 20 Kilometern sind wir im Wörlitzer Park, einem riesigen Landschaftspark, der im 18. Jahrhundert angelegt wurde und damals wie heute kostenfrei für jedermann zugänglich ist.

Hier sind etliche Besucher unterwegs, so dass wir unsere Räder brav schieben.

Zum Kaffeetrinken zieht es uns aber zurück an die Elbe, wo wir ein Restaurant mit Terrasse gleich an der Fähre finden. Eis, Kuchen, Backfisch, hach, geht es uns gut.

Dann treten wir nochmal ordentlich in die Pedale und erreichen nach 25 Kilometern Dessau. Räder abladen, Zimmer beziehen, Duschen und im Garten bei einem kühlen Bier kurze Lagebesprechung. Dann wechseln wir das Fortbewegungsmittel und erlaufen uns die ersten Bauhaussehenswürdigkeiten der Stadt.

Das Bauhaus wollte ab den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts neue Wohn- und Lebensformen einführen. Dafür stand auch das Ateliergebäude mit 28 Wohnstudios für Studierende, ausgestattet mit Einbauschränken, Stahlrohrmöbeln, einer Teeküche auf jeder Etage, einer Kantine im Erdgeschoss (die heute noch als Cafeteria dient), einer Dachterrasse und Minibalkonen vor jedem Zimmer

Das Bauhaus erlebte in Dessau seine erfolgreichste Zeit. Gropius und Co. erprobten hier die Stadt von morgen. Was das Bauhaus hier baute, hatte Modellcharakter. Die hier zahlreich existierende Bauhauskultur zählt heute zum Unesco Welterbe.

In den Meisterhäusern wohnten Prominente wie Feininger, Kandinsky oder Klee mit ihren Familien. Bei der Farbgestaltung der Innenräume legten die Maler auch schon mal selbst Hand an. Doch es ist für uns leider schon zu spät für eine Besichtigung.

Doch der kleine Gemeinschaftspark ist geöffnet. Hier haben zwei Künstlerinnen Tafeln aufgehängt, auf denen sie ihre Gedanken geschrieben haben. Eine Tafel erinnert mich an meinen Freund, den Freisinger Maler Pepito Anumu.

3 Gedanken zu „Von Luther zu Gropius

  1. Avatar von HelliHelli

    Sehr interessant liest sich eure Reise, wir hatten ähnliche Radtour auch gemacht, allerdings einmal von Berlin aus und einmal um Dresden.
    Dessau fand ich unglaublich beeindruckend, vor allem diese Häuser, wie durchdacht und bis heute modern.
    Viel Spaß Euch noch!

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  2. Pingback: Von Luther zu Gropius | Unterwegs

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