
Auch die Heimfahrt braucht den einen oder anderen Höhepunkt. Der Besuch der Höhle von Lascaux ist zweifellos ein solcher. Immer schon möchte ich hierher. Nun sind wir tatsächlich da

Diese vier jungen Männer haben am 12. September 1940 den Eingang zur Höhle in einem Waldstück beim südfranzösischen Dorf Montignac entdeckt. Einer der Freunde war am Vortag per Zufall beim Spaziergang mit seinem Hund auf das Loch im Fels gestoßen. Ihm war klar, dass er die Erkundung nicht allein durchführen konnte. Am nächsten Tag kamen sie zu viert zurück und stiegen gemeinsam in die Höhle hinab. Dass sie damit einen Sensationsfund gemacht hatten, war schon nach kurzer Zeit klar: sie waren auf die besterhaltenenen prähistorischen Malereien Europas gestoßen.

Führende Archäologen begannen bereits zwei Wochen nach dem Fund mit ersten Untersuchungen und datierten die üppigen Malereien, mit denen die Höhle ausgestattet war, auf die Jungsteinzeit, mindestens 15 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Wer wie wir heute Lascaux 4 betritt, betritt leider nicht mehr die Originalhöhle sondern ein Museum, in dem die Höhle mit modernster Technik nachgebaut wurde. Hierfür wurde das Original in seiner Oberflächenstruktur millimetergenau dreidimensional als etwa zwei Zentimeter dicke Schale nachgebildet und farblich an das Original angepasst. Entsprechend der Original-Höhle wird die Raumtemperatur auf 14 °C gehalten – und es fühlt sich auch wirklich so an als sei man in einer Höhle. Verantwortlich zeichnet für dieses Projekt das norwegische Architekturbüro Snøhetta.

Begeistert sind Wissenschaftler und Besucher davon, dass die Malereien auch nach schätzungsweise 17 000 Jahren so gut erhalten sind. Dass die verwendeten Farben in ihrer Intensität so gut wie nichts verloren haben. Dass die Künstlerinnen oder Künstler mit großem Können gearbeitet haben. Manchmal wird deshalb die Höhle von Lascaux als „Sixtinische Kapelle der Vorgeschichte“ bezeichnet.

Um die Bilder nicht zu gefährden, wurde die Höhle 1968 für die Allgemeinheit geschlossen. Millionen von Menschen hatten das Raumklima so verändert, dass Schimmel entstanden war. Gleich nebenan wurde eine Kopie errichtet, eine Höhle, die man auch heute noch besuchen kann. Sie wurde 1983 eröffnet.


2016 wurde Lascaux 4 eröffnet. Hier ist die Originalhöhle samt aller Zeichnungen und Ritzungen nach höchstem wissenschaftlichem und technischem Standard nachgebildet. Außerdem gibt es das sogenannte Atelier, in dem Details reproduziert und eingehend erläutert werden.


Nach der Besichtigung fahren wir noch 200 Kilometer weiter nach Norden. Es regnet, wie gestern schon, in Strömen. „Weißt Du, was gut ist?“, fragt Achim. „Dass wir kein Zelt aufbauen müssen“.
