Kein Kampf gegen Windmühlen

Vor hunderten von Jahren hat Don Quijote hier, genau vor meinen Augen, gegen die Windmühlen gekämpft. Er hielt sie in seiner Fantasiewelt für Giganten, die er besiegen musste.

Cervantes nannte keine Ortschaften, aber diese Gegend hier, la Mancha, war die Abenteuerwelt des Ritters der traurigen Gestalt, seines treuen Gefährten Sancho Panza und seines klapperdürren Gauls Rosinante.

Damals, also um das Jahr 1600, standen auf dieser Hochebene, auf der wir nun mit unserem Camper stehen, hunderte von Windmühlen. In der gesamten Gegend dürften es jetzt immer noch knapp hundert sein, hier in Campo de Criptana zähle ich neun vor meiner Windschutzscheibe, drei stehen noch unten im Dorf.

Wir schaffen es tatsächlich, mit Sonnenaufgang aufzustehen und Fotos zu machen. Das klingt allerdings dramatischer als es ist, denn die Sonne geht hier erst um viertel vor acht auf. Dramatisch ist höchstens die Temperatur: zwei Grad.

Nach dem Frühstück gehen wir runter ins Dorf mit seinen weiß-blau gestrichenen Häusern und den schmalen Gassen.

Der Blick zurück bietet immer neue schöne Blicke auf die Windmühlen.

Anders als Don Quijote müssen wir nicht gegen Windmühlen kämpfen sondern können uns einfach an ihrem Anblick erfreuen.

Auf dem Weg weiter Richtung Süden fahren wir weiter durch die Provinz Kastilien La Mancha. Auffällig sind die riesigen Weinfelder rechts und links der Straße. Da ich heute Beifahrerin bin, habe ich Zeit zum googeln und kann Achim mit einem Rätsel überraschen: „Was hat unsere Heimat gemeinsam mit La Mancha?“ Beide beherbergen ein weltweit größtes Anbaugebiet. Die Holledau, in deren Nähe wir leben, das für den Hopfen. Und La Mancha das für Wein. Ist ja nicht zu fassen!

vinos.de weiß: „La Mancha im kastilischen Hochland ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt. Die DOP weist 170.000 ha Rebfläche auf, was mehr ist als alle Weinberge Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zusammen. Auf großen Flächen wachsen Weiß- und Rotweine, von denen die meisten im preiswerten Bereich angeboten werden.“ Beim nächsten Weinkauf werden wir zugreifen.

Am Nachmittag erreichen wir Andalusien, die Weinstöcke werden von Olivenbäumen abgelöst. So weit das Auge reicht. In der Ebene und die Hänge hinauf. Im Internet ist von „Olivenmeeren“ die Rede. Allein in dem Bereich, in dem wir uns jetzt aufhalten, wachsen über 65 Millionen Olivenbäume.

Das Weltkulturerbe Úbeda liegt auf unserem Weg. Wir bummeln durch die kleine Renaissancestadt und trinken Kaffee. Der Weinkauf scheitert an der sehr ausgedehnten Siesta. Die Geschäfte machen erst um fünf wieder auf.

Schließlich erreichen wir unser Tagesziel, einen Stellplatz bei Cazorla mit toller Aussicht auf die Olivenhaine. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, denn morgen wollen wir im Nationalpark wandern.

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