Im 13. Jahrhundert nahmen die katholischen Könige Granada ein und verdrängten die hier lebenden Mauren. Auch hier in Guadix wurden die Andersgläubigen aus der Medina zunächst in die Vororte und dann in die Randbezirke vertrieben. Hier bauten sie sich Wohnhöhlen, indem sie Löcher in den weichen Tuffstein gruben. Höhlen sind günstig, einen Teil der Wände liefert die Natur. Außerdem bieten sie die perfekte Tarnung: Man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht.


Heute leben im so genannten Höhlenviertel von Guadix noch mehr als 3.000 Personen in über 1.500 Höhlen. Das macht es zu etwas sehr Besonderem. Alles erstrahlt in frischem Weiß und ist sehr gepflegt. Das Viertel hat auch eine Kirche, eine Grundschule, kleine Geschäfte und Cafés.

Wir verlassen das schöne Guadix, fahren vorbei an den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada, wechseln von der Provinz Granada in die Provinz Almería und fahren von 900 hinunter auf 400 Höhenmeter in Tabernas.

Dann empfängt uns eine spektakuläre Landschaft mit Sonnenschein und 20 Grad! Wir haben die (Halb-)wüste von Tabernas erreicht.

Hier können auch wir schöner wohnen, zumindest bis morgen.

Erstmal Kaffee kochen und die Aussicht genießen. Dann packen wir die Fahrräder vom Bus, um ein bisschen durch die Gegend zu fahren. Mist! Mein Rad hat einen Platten – und ich zum Glück einen Mann, der sehr versiert darin ist, kaputte Reifen zu reparieren.

Eine halbe Stunde später können wir los. Richtung Tabernas. Durch die Halbwüste, die wir alle aus dem Kino kennen. Denn hunderte Spielfilme, davon zahlreiche Wildwestfilme wie beispielsweise Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahr 1968 oder „Der Schuh des Manitu“ von Bully Herbig entstanden hier und noch heute drehen viele Regisseure gern in dieser einzigartigen Kulisse. Die Filmsets stehen zum Teil noch hier und können gegen (saftige) Eintrittsgebühren besichtigt werden.



Mit mehr als 3.0000 Sonnenstunden im Jahr ist die Tabernas Wüste die heißeste und trockenste Region auf dem europäischen Kontinent. Im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 40 Grad und es regnet praktisch nie.

Heute ist der erste Tag unserer Reise, an dem wir die Heizung komplett auslassen können. Selbst am Abend hat es noch angenehme 16 Grad. Wir freuen uns jetzt schon auf den Sonnenaufgang morgen früh, der die bizarren Lehmformationen vor unserem Bus hoffentlich in schönes Licht taucht.
