Ist denn schon Ostern?

Traditionell werden am Ostersonntag Eier gesucht. Manche suchen an Gründonnerstag. Aber nach etwas anderem.

Wir sind zurzeit in der kleinen Ortschaft Elvas, nur wenige Minuten von der Grenze zu Spanien entfernt. Sie hat einen beeindruckenden Aquädukt und man kann hier den Unsinn studieren, den die Menschen durch alle Zeiten hindurch betrieben haben: Kämpfen und Kriege anzetteln. Elvas selbst ist als Festungsstadt angelegt, auf einem Hügel, mit einer zweireihigen Stadtmauer drumherum.

Doch damit nicht genug wurde im 18. Jahrhundert auf dem Nachbarhügel eine Festung angelegt, in der Truppen stationiert wurden, die Angreifer, Spanier und später Franzosen, mit ihren Kanonen fernhalten sollten. Bauherr war ein Graf von Lippe, der sich für den Bau von einer Festung in Norddeutschland inspirieren ließ. Ja, es gab richtige Trends. Als Dank bekam er von den Portugiesen ein paar Kanonen geschenkt…

Wie auch immer. Die haben damals solche Eseleien gemacht, wir heute.

Von der sternförmig angelegten Festung wollten wir nämlich unbedingt ein Drohnenfoto haben. Für den Blog. Für Euch. Klar, ne. Obwohl es windig war, obwohl eine Warnung vom Drohnensystem kam. Ein paar Minuten geht es gut, dann reagiert die Drohne nicht mehr auf Achims Befehle, winkt ihm noch einmal kurz zu und verabschiedet sich in die Freiheit. Wir hinterher. Runter von der Festung, querfeldein, bis wir mit Hilfe von OsMand einen Pfad hinunterfinden. Zwei Kilometer bis zum Ziel.

Schließlich hat sie uns Koordinaten geschickt, kurz bevor sie im Irgendwo gelandet ist.

Der Weg ist sogar ganz hübsch und ich bekomme noch eine extra Portion Geburtstagsblumen.

Wir nähern uns dem Bereich, in dem die Drohne mutmaßlich gelandet ist: eine große eingezäunte Blumenwiese, bewacht von einem kläffenden angeketteten Hund. Wir suchen und finden Stellen im Zaun auf dem Nachbargrundstück, über die wir klettern können, hebeln noch ein Tor auf, dann sind wir auf dem Grundstück.

Und suchen Ostereier, äh, die Drohne. Eine Stunde lang. Meter für Meter. Doch leider, leider erfolglos. Versenkt. Futsch. Adios!

Wir machen uns auf den Weg zurück in die Stadt. Zwei Kilometer und es beginnt zu regnen. In einer Taverne, die gerade schließen will, ergattern wir zwei Kaffee und zwei Barhocker. Dann geht es weiter. Sagte ich schon, dass Selvas auf einem Hügel liegt?

Gegen vier erreichen wir endlich das Café Paula und gönnen uns feine Pastels de Nata und Orangentörtchen. Google meint, das Museum für moderne Kunst, in das ich so gerne wollte, habe noch bis 18 Uhr auf. Also los. Eine Stunde ist ja besser als nichts.

Aber nein! Im Winter, also bis Ende März, wird schon um fünf geschlossen.

Gut, dass es noch das Fotografiemuseum gibt. Das hat sogar bis halb sieben geöffnet. Meint Google. Das hat überhaupt nicht geöffnet. Gitter davor. Abgesperrt. Zu. Niemand da.

Der Wind reißt mir fast meinen Schirm aus der Hand. Geburtstagstelefonate werden vom Glockengebimmel übertönt. Wenn die Glocken nicht läuten, hört man Radiomusik aus Lautsprechern, die einige Straßen in der Innenstadt beschallen.

Wir flüchten in einen offenen Imbiss und trinken ein Bier. Dann machen wir uns auf die Suche nach einem guten Restaurant, das uns empfohlen worden war. Geschlossen. Es stehen keine Öffnungszeiten dran. Auf zum nächsten Lokal. Wir werden immer nasser. Zu. Keine Ahnung, wann es aufmacht. Dritter Versuch, gleiches Ergebnis.

Wenn der Weg vom Camper ins Zentrum nicht so steil wäre, wenn es nicht fast zwei Kilometer wären, wenn es nicht so doll regnen würde, dann könnten wir uns umziehen, ein bisschen ausruhen und später nochmal losgehen. So aber lassen wir es gut sein.

Erst sind wir ein bisschen traurig und frustriert über diesen wenig erfreulichen Verlauf dieses (Geburts-) Tages. Dann wird es doch noch ein schöner Abend mit Steaks aus dem Tiefkühlfach, ein bisschen Rotwein und viel Innigkeit.

Am nächsten Morgen verlassen wir Portugal und fahren in die spanische Einsamkeit der Extremadura.

Vor vier Jahren waren wir schon mal am Monumento Natural Los Barruecos, gleich um die Ecke von Cáceres. Heute zieht es uns erneut in diese spektakuläre Felslandschaft entlang der Ufer natürlicher Seen mit brütenden Weißstörchen.

Wir laufen zwei Stunden durch diese unter Naturschutz gestellte Landschaft, die Sonne scheint, die Störche fliegen über uns hinweg oder klappern in ihren Nestern.

Die Idylle wird unterbrochen, als wir eine Abkürzung nehmen wollen, klettern müssen und nasse Füße bekommen. Achims Gang übers Wasser gehört aber schon wieder zum regulären Weg.

Zu guter Letzt gibt es noch eine Überraschung für uns: der deutsche Aktionskünstler Wolf Vostell (1932 – 1998) und seine Frau Mercedes kauften hier 1976 die ehemalige Wollwäscherei und richteten ein Museum mit seinen Werken ein.

Es ist recht gut besucht, wir staunen über das Gebäude und die Exponate und trinken noch ein Glas Wein im Museumscafé.

Der Busparkplatz ist leer. Außer uns keiner da, deshalb bleiben wir heute Nacht hier stehen.

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