Stadtbummel im Regen

Heute stehen zwei Städte auf unserem Programm. Kuopio ist die deutlich größere von beiden: 150 000 Einwohner. Dummerweise ist Montag und es regnet.

Als wir am Aussichtsturm ankommen, sind Mütze, Handschuh, Schal und Regenschirm angesagt. Bei acht Grad fühlt sich das gut an. Wir dürfen uns nicht beklagen, es ist erst der zweite Regentag in drei Wochen.

Allerdings beschließen wir, uns die 15 Euro für die Fahrt auf die Aussichtsplattform bei dem Wetter zu schenken. Denn die Sicht ist natürlich mies.

Also weiter in die Stadt. Wir finden einen Parkplatz beim Hafen und laufen etwa fünf Minuten bis ins Zentrum. Zuerst sehen wir den Dom.

Gleich daneben fällt uns ein üppiges Gebäude in verschiedenen Baustilen auf. Hier sind eine große Bibliothek mit Lesesälen und einem Raum der Begegnung sowie das Museum untergebracht. Aktuell wird die Ausstellung „Affen! Die Geschichte der Primaten“ gezeigt und wir könnten mehr als 60 Affen in ihrem eigenen Lebensraum kennenlernen und erfahren, wie sie sich bewegen, was sie fressen, wie sie kommunizieren und wie viel Affe in uns steckt. Wenn nicht Montag wäre. Und auch hier viele Museen am Montag zu sind.

Also weiter zum Marktplatz, der, laut einem Eintrag bei Wikipedia, „zu den lebhaftesten seiner Art in Finnland gehört“. Liegt es am Regen? An der Uhrzeit (es ist Mittag)? Am Montag diesmal wohl nicht. Jedenfalls sind wir die einzigen Kunden.

Hübsch anzusehen, das Rathaus an der Nordseite des Platzes. Es wurde in den Jahren 1882 bis 1885 im Stil der Neorenaissance errichtet.

Nicht viel aber etwas mehr los ist in der im Jugendstil errichteten Markthalle, in der etwa 30 Geschäfte überwiegend regionale Produkte anbieten.

Durch ein paar Nebenstraßen bummeln wir zurück zum Auto.

Hier am Hafen ist die Stadt selbst bei schlechtem Wetter recht charmant. Im Zentrum fehlte mir die „pittoreske Altstadt“. Urkundlich wurde der Ort bereits im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt und er wurde während des Krieges fast nicht beschädigt. Seltsam, dass es so wenig alte Bausubstanz gibt. Die moderne Architektur gibt sich hier auch eher zweckmäßig.

Bei der Mittagspause im Hafen beraten wir, wie wir weitermachen. Montag und Regen. Das bedeutet für die nächste Stadt, Varkaus, die wir heute besuchen wollten: das ehemals höchste Wohngebäude Finnlands, das im Verbund mit einem Wasserturm gebaut wurde, wird uns heute keine Aussicht bieten und das Museum der mechanischen Musik hat heute geschlossen. „Wie als Statussymbol präsentiert man den Gästen stolz die Industrie im Zentrum der Stadt“, heißt es in unserem Reiseführer. Beherzt streichen wir Varkaus von unserer Liste und beschließen, in die Natur zurückzukehren.

Wir dringen jetzt tiefer ein in die finnische Seenplatte, die größte Europas. Noch mehr Seen? Geht das denn überhaupt? Gemäß der offiziellen finnischen Zählung gibt es in der Seenplatte rund 42 000 Seen. Ein Teppich aus Wasser, Inselchen und Dämmen auf einer Fläche von 100 000 Quadratkilometern.

Unser neues Tagesziel heißt Rantasalmi. Es liegt an einem der zigtausend Seen und führt uns vor Augen, wie sehr Finnland uns in den letzten drei Wochen verwöhnt hat. Der Platz, auf dem wir nächtigen werden, hätte uns auf unseren anderen Reisen SEHR gefallen. Hier aber zucken wir mit den Achseln. Ja, passt schon.

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