So schön es auch in Istanbul gestern war, heute zieht es uns in die Natur. 300 Kilometer südöstlich liegt das Vogelschutzgebiet Nallıhan inmitten von bunten Bergen. So schöne Bilder haben wir daheim auf Youtube in einem Video gesehen. Das wollen wir heute selbst erleben.
Das erste Stück nehmen wir die Autobahn nach Adapazarı. Am 17. August 1999 traf die Türkei ein Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richterskala. Es zerstörte den größten Teil der dicht bevölkerten und hoch industrialisierten Nordwest-Türkei. Am stärksten wurden die Städte Izmit, Gölcük und Adapazari verwüstet. Gemeinsam mit meiner türkischstämmigen Vorstandskolkegin des Neufahrner Frauentreff brachte ich damals in Neufahrn gesammelte Hilfsgüter in die Krisenregion. Die Nächte verbrachten wir, begleitet von leichten Nachbeben, in Zelten einer UN-Hilfsorganisation.
Heute, 27 Jahre später, ist zumindest im Vorbeifahren nichts mehr von der Katastrophe zu sehen. Wir verlassen die Autobahn und fahren ein Stück nach Süden.

Immer tiefer hinein in die Berge.

Kurz vor dem Ziel wird die Landschaft dramatisch.



Und dann sind wir da und hin und weg. So ein paradiesischer Platz.


Das Vogelschutzgebiet Nallıhan ist ein 1959 angelegtes künstliches Feuchtgebiet, wo der Aladağ-Bach in den Sarıyar-Staudamm mündet. Es zählt zu den bedeutendsten des Landes. 191 Vogelarten wurden hier beobachtet, im Moment sind vor allem Kormorane hier, über uns in der Luft und auf den Bäumen. Manche brüten, teils sind schon Jungvögel da.
Wir erhalten die Erlaubnis, auf dem Parkplatz des Info-Zentrums, das derzeit umgestaltet wird, zu übernachten. Ein guter Platz, bei immer noch 18 Grad die Stühle rauszustellen und uns und meinen gezerrten Muskel etwas zu entspannen. Natur kann Körper und Seele heilen.
Auf einmal kommt der Wärter und lädt uns zum Abendessen und zum Tee ein. Wir sitzen noch eine Weile zusammen und lauschen den Schakalen. Nicht zu fassen. Aber wenn Yunnus das sagt, wird es stimmen. Ich habe nie zuvor einen Schakal gehört.

Entdecke mehr von Hin und weg
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
