Zwischen Ballonen und Feenkaminen

Irritiert lausche ich, ob es unsere Heizung ist, die um halb Sechs diesen Krach macht. Oder ist es der Kühlschrank? Achim schiebt das Rollo hoch: „Es geht los!“ Im Pyjama steigen wir aus dem Bus und staunen. Eine Phalanx von Ballonen steht aufgereiht im Tal, langsam steigt einer nach dem anderen auf. Das Zischen des Gases war das Geräusch, das uns geweckt hat.

Schnell füllt sich das Plateau, auf dem wir heute Nacht allein standen. Ein PKW nach dem anderen kommt und bald sind an die Hundert Schaulustige um uns herum. Eine Gruppe roter Cabrios hat sich versammelt, elegant die Besatzung.

Ein Kameltreiber bietet zwei Tiere für einen Ritt an, erfolglos.

Die Damen posieren, die Handys klicken, rund 80 Ballons sind am Ende um uns herum.

Der Cafébetreiber, der uns gestern Abend schon willkommen hieß und uns erklärte, wo wir uns hinstellen dürfen, bietet heiße Getränke an, macht ein gutes Geschäft und beschallt den Platz mit internationalen Schlagern. Adamo war auch dabei.

Was für ein Spektakel – am Himmel und auf der Erde.

Einige Ballons landen nach etwa einer Stunde auf unserem Plateau. Die Transportanhänger sind eingetroffen und die Piloten versuchen, direkt darauf zu landen.

Die Fahrgäste applaudieren, der Sekt wartet schon auf sie.

Wir stellen Tisch und Stühle auf und frühstücken. Bald sind wir wieder allein hier oben.

Unter uns liegt das sogenannte „Liebestal“, aber es gibt keinen Weg hinunter, wir müssen mit unseren Campern hinfahren. Das Liebestal hat seinen Namen von den vielen bis zu 40 Meter hohen phallusförmigen Feenkaminen, die hier allerorten stehen. Es gibt schöne Wege durchs Tal, wie immer teils zum entspannten Flanieren, teils zum Kraxeln und Aufpassen, dass man nicht ausrutscht.

Nach zwei Stunden pausieren wir und laufen dieselbe Strecke wieder zurück. Was nichts macht, denn das Licht ändert sich im Laufe der Zeit und der Blickwinkel ist stets ein neuer.

Nun gelüstet es uns nach Kaffee und Kuchen und einem kleinen Stadtbummel in Göreme. Dann suchen wir die Pension, in der wir vor Jahren auf zwei Reisen gewohnt haben und in der ich einen der schönsten Abende meines Lebens mit zwei türkischen, zwei israelischen und mehreren italienischen Musikerinnen und Musikern verbracht habe. Wir erkennen das Haus im Fels wieder, aber der Besitzer hat gewechselt, es gibt neue Anbauten und die Nachbarschaft wie die gesamte (Alt-)stadt platzt vor Geschäften, Bars, Restaurants, Hotels und Pensionen. Zur Hauptsaison möchte ich nicht hier sein.

Schon in Istanbul hatten wir nach einem neuen Tavla/Backgammon Ausschau gehalten, aber nichts gefunden. Hier kaufen wir eins und weihen es noch am Nachmittag ein.

Heute gehen wir früh ins Bett, denn morgen Früh… müssen wir auf jeden Fall sehr früh aufstehen.


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