Der Mechaniker greift zum Telefon, spricht kurz und reicht mir den Hörer. Ein Mann begrüßt mich auf Englisch und erklärt, dass sein Freund, der Mechaniker, sicher stellen will, ob mir bewusst sei, dass der Motor komplett zerlegt werden müsse und die Reparatur 24 Stunden dauere. Ich bedanke mich und erteile den Auftrag, die Steuerkette meines Motorrads zu wechseln. Das ist 20 Jahre her, aber natürlich denke ich daran, wenn ich in der Gegend bin. Den Reparaturtag haben wir damals genutzt, um auf Achims BMW zum Sümela-Kloster zu fahren. Das machen wir heute auch.

Die Wurzeln des Sümela-Klosters reichen bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Laut Überlieferung entdeckten zwei Athener Mönche, Barnabas und Sophronius, ein Bild der Jungfrau Maria in einer Höhle in den Klippen. Sie hielten dies für ein göttliches Zeichen und gründeten das Kloster genau an dieser Stelle. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Sümela zu einem wichtigen byzantinischen religiösen Zentrum.

Das Sümela-Kloster, 50 Kilometer südlich der Hafenstadt Trabzon am Schwarzen Meer, scheint der Schwerkraft zu trotzen. In die steile Klippenwand auf einer Höhe von 1.200 Metern gebaut, wirken seine Steinwände, die Kapellen und Kammern als wären sie ein Teil des Bergs selbst.

Der Camper muss am Parkplatz abgestellt werden, von dort kann man vier Kilometer laufen oder sich für einen Euro mit dem Dolmuș, einem Sammeltaxi, hinauffahren lassen. Achim läuft und macht unterwegs ein tolles Foto mit seiner Drohne. Ich fahre, muss von der Endhaltestelle aber noch 350 Meter recht steil hochgehen. Erstmal aufs Clo. Als ich rauskomme, fragt mich der Clomann, ob ich einen Tee möchte. Das ist genau das, worauf ich gerade Lust habe und ich sage freudig zu. Er winkt mich in sein Kabuff und bereitet den Tee zu. Mit unseren Bechern stellen wir uns in die Sonne und er erzählt mir, dass er vor 30 Jahren von Istanbul hierher gezogen ist und seitdem für die Stadtverwaltung arbeitet, die auch die Toilettenanlage hier am Kloster betreibt.

Schließlich mache ich mich auf den Weg hinauf zum Kloster, das in viele kleine Gebäude eingeteilt ist. Hier die Küche, dort die Bibliothek, da das Hamam, das Bad. Alles ist leer, nur die Gemäuer sind erhalten und vorsichtig restauriert.

Im Zentrum steht die frühere Kirche, außen und innen mit Fresken verziert. Mit mir gemeinsam sind einige Touristen, vor allem aus der Türkei selbst, unterwegs.

Mit Achim treffe ich mich später im Kloster-Café. Er hat nur eine Stunde bis hier hoch gebraucht. Wir kaufen uns Kaffee und Schokoriegel, den ich mir mit dem Clomann teile. Dann fahren wir gemeinsam mit dem Dolmuș zum Camper zurück, verzehren die restlichen Çiğköfte von gestern und treffen uns mit Dorothee und Alain, in der benachbarten Stadt Maçka. Die beiden haben heute Vormittag die Klosterruine Vazelon besucht, nun bummeln wir gemeinsam durch die Stadt. Wir lassen die Camper waschen,

essen Törtchen und Baklava,

kaufen Brot

und fahren weiter nach Trabzon ans Schwarze Meer.
Außerhalb der Stadt finden wir einen Platz auf dem Strand.

Um diese Uhrzeit sind noch ein paar Angler unterwegs und junge Leute, die am Strand picknicken. Alle fahren mit ihren Autos bis ans Wasser, der Strand ist recht vermüllt, links sieht man die Hochhaussiedlungen von Trabzon, rechts den schneebedeckten Taurus, den wir durchquert haben.


Es ist schön, wieder am Meer zu sein. Vor einer Woche am Mittelmeer, jetzt am Schwarzen Meer, dazwischen diese gigantischen Berge. Und morgen, morgen wollen wir die Grenze nach Georgien überqueren.
Entdecke mehr von Hin und weg
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
