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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Zieh einfach die Schuhe aus und geh rein

Wo steckt er denn nun, der berühmte Smaragdbuddha? Wir sind im Wat Phra Kaeo auf dem Gelände des Königspalastes und einer der zahlreichen großen und kleinen Tempel soll die berühmte grüne Figur beherbergen. Ich wende mich an einen der Wärter, der mir nicht nur die richtige Richtung zeigt und mir großväterlich auf die Schulter klopft sondern gleich noch erklärt, wie es geht: „Just put your shoes off and go in!“

Fotografieren darf man den Smaragdbuddha, der eigentlich aus Jade und relativ klein ist, nur von außen. Aber alle defilieren an ihm vorbei. Wir Touristen neugierig und letztlich vielleicht ein bisschen enttäuscht, wie wenn man zum ersten Mal die Meerjungfrau in Kopenhagen oder die Mona Lisa im Louvre sieht. Die Einheimischen in eher kontemplativer Stimmung, betend, Opfergaben darbietend.

Der gesamte Tempelkomplex ist wieder überwältigend. Ein Prunk ohnegleichen.

Schade, dass man das Bimmeln der Glöckchen, das die ganze Szenerie begleitet, nicht zeigen kann.

Das komplette Gegenteil sehen wir vom Chao Phraya, Bangkoks großem Fluss, aus. Die Stadt kann nicht nur Tempel sondern auch Wolkenkratzer.

Weil uns das Bootfahren gestern so viel Spaß gemacht hat, kaufen wir uns heute eine Fahrkarte (für 50 Cent pro Person) bis zur Endstation in der benachbarten Stadt Nonthaburi. Wir bummeln durch den Markt, gehen Kaffee trinken und fahren wieder zurück. Zwei Mal eine Dreiviertelstunde auf dem Wasser. Herrlich!

Schließlich kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Tages, zumindest was die Lage des Events angeht: 314 Meter hoch ist der King Power Mahanakhon, ein 78-stöckiger verspiegelter Wolkenkratzer mit Hotelzimmern, Geschäften und einer Aussichtsplattform.

Der Aufzug bringt uns (und Hunderte von anderen Leuten) in 50 Sekunden in die 74. Etage. Auch wenn es heute keinen beeindruckenden Sonnenuntergang gibt, ist der Ausblick spektakulär und wir bleiben, bis es dunkel ist und die Lichter der Stadt angehen.

Für diesen Bangkok-Aufenthalt steht jetzt nur noch eins auf unserer Liste: der Besuch eines Nachtmarkts. Mit Metro und Bus machen wir uns auf nach Chinatown.

Und probieren nacheinander gelbe und rote Kartoffelbällchen (nicht lecker, nur fett), Sukothai Nudelsuppe (mit Ei und Fleisch, sehr gut), Fleischspieße mit Rind (blöd, dass Achim die Peperoni nicht gesehen hat) und Bananenpfannkuchen (mit Nutella, klar).

Morgen verlassen wir die Stadt, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. Wir haben in den drei Tagen nur einen Bruchteil kennengelernt, der uns aber sehr gut gefallen hat. In drei Wochen etwa sind wir wieder da.

Mit Pfiffen durch die Stadt

Selbstverständlich pfeifen die höflichen und freundlichen Thai niemandem hinterher. Auf den Klongs aber, den Kanälen, die die Stadt durchziehen, verständigen sich die Bootsführer und das Personal am Anleger damit. Mal sind nur ein, zwei schrille Pfiffe auf einer Pfeife zu hören, dann wiederum ertönt eine ganze Melodie. Der eine pfeift: „He, Käptn, ich hab Passagiere für Dich! Komm her!“, der andere antwortet: „Komme!“ und später „Jetzt aber dalli! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Los, schnell, nehmt die Seile, vertäut den Kahn!“

Wir fahren mit der Fähre von Chinatown zum Wat Pho, der leichte Wind erfrischt uns, wir umgehen den Stau auf der Straße und der Spaß kostet nur einen Euro für uns beide.

Eigentlich wollten wir heute Vormittag gar nicht nach Chinatown. Das stand erst für heute Abend auf der Liste. Aber der Zufall wollte es anders. Unser Plan nach dem Aufstehen und ein paar Bahnen im Pool ist, im Bahnhof Hua Lamphong, dem früheren Hauptbahnhof, Tickets für unsere Fahrt am Sonntag nach Ayutthaya zu besorgen. Auf unserem gestrigen Spaziergang hat uns Ajeet angesprochen, der, wie er uns freudig erzählt, seit 36 Jahren als Lehrer arbeitet und auch schon mal in Berlin war. Als er hörte, dass wir übermorgen nach Ayutthaya wollen, zeigte er sich besorgt: es ist Feiertag und Wochenende und womöglich ist der Zug voll. Also auf zum Bahnhof.

Doch die Dame am Schalter beruhigt uns: Es fahren ganz viele Züge dorthin und wir sollten einfach eine halbe Stunde vor Abfahrt vorbeikommen. Vorher buchen kann man den normalen Zug eh nicht. Dann ist das geklärt und wir können uns wieder mal der Aufgabe widmen, ein Café fürs Frühstück zu finden. Wir mäandern durch die Straßen und kaufen erstmal frische Ananas, schön in Häppchen geschnitten. Achim kriegt natürlich auch was ab.

Dann finden wir ein Café. Sticky rice with mango steht auf der Speisekarte und bald vor uns auf dem Tisch. Das sieht nicht nur wunderschön aus sondern schmeckt auch fantastisch.

Bei Google Maps sehen wir, dass der nächste Kanal nicht allzu weit weg ist und wir mit dem Boot zu unseren Sehenswürdigkeiten fahren können. Wir machen uns auf den Weg und stehen plötzlich vor diesem Torbogen.

Das Chinatown Gate ist das prachtvolle Eingangstor nach Chinatown und schon sind wir mittendrin im Gewusel.

Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf eine Fotoausstellung. 49 Bilder von Bangkoker Fotographen über dieses Stadtviertel werden an den Hausmauern gezeigt.

Den richtigen Pier zu finden, ist nicht ganz einfach, aber wir bekommen freundlich Auskunft durch die Einheimischen, die wir fragen.

Nur noch ganz knapp freundlich ist die Dame, die wir im Wat Pho nach dem Kunstwerk von Louise Bourgeois fragen: „Das gibt es doch nicht. Sie sind heute mindestens die Zehnte, die mich danach fragt!“ Aber dann erklärt sie uns, wo wir dieses Werk der französisch-amerikanischen Künstlerin finden: „Hinter dem liegenden Buddha beim großen alten Baum“. Im Rahmen der Biennale Bangkok Art 2024 werden die „Eyes“ noch bis Februar gezeigt (und sind ziemlich schlecht ausgeschildert).

Nun aber zu DER Attraktion im Wat Pho, dem 30 Meter langen liegenden blattgoldenen Buddha. Wow.

Der gesamte Wat provoziert ein einziges Erstaunen: die Größe der Anlage, die Vielfalt und Schönheit der Tempel.

Wir genießen diese besondere Umgebung, bis es für den Königspalast zu spät ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Den heutigen beenden wir in der berühmten Khao San Road, früher eine Straße, in der sich die Rucksackreisenden trafen, heute eine Touristenmeile mit Fressständen, lauter Musik, Freiluftmassage und ganz viel Marihuana.

Nichts für uns. Zu laut, zu voll. Wir ziehen uns in eine Seitengasse zurück, trinken ein Bier und essen Reis. Ich liebe es, wenn ich höre „You want lice?“ (Sorry, politisch bestimmt nicht korrekt, aber ich freue mich wirklich jedes Mal. Weiß auch nicht, warum.)

Weniger heiter sind wir auf dem Heimweg. Die zahllosen Menschen, die entlang der Hauptstraße übernachten, stimmen uns nachdenklich. Obdachlose, keine Touristen, die sich das Hotel sparen wollen. Sie liegen auf dünnen Matten, neben sich ihr kleines Hab und Gut. Direkt daneben fahren die Autos auf der achtspurigen Straße. Gestern Abend war es die Vielzahl an Prostituierten, die uns ins Auge stach. Frau um Frau saß auf den niedrigen Mauern, die die Bäume entlang der Hauptstraße umfassen. Einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie waren gar nicht besonders hergerichtet, nicht provokant gekleidet. Sie schminkten sich, rauchten, verhandelten mit den Freiern. Wo all diese Menschen wohl tagsüber sind?

Die Jacke können wir heute zu Hause lassen

Auch die zweite Nacht unserer Reise verbringen wir im Flugzeug. Sie ist kurz. Der Flug von Muscat nach Bangkok dauert nur fünf Stunden. Lange genug, um den Film von gestern zu Ende zu schauen, um Mitternacht orientalisch gewürztes Hühnchen zu essen und drei Stunden Schlaf zu ergattern.

Vor dem Bangkoker Flughafen warten wir mit anderen Rucksackreisenden gemischten Alters auf den Bus und gewöhnen uns schon mal an die hochsommerlichen Temperaturen. Es ist sieben Uhr und das Thermometer zeigt 25 Grad. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich im Moment nach den winterlichen Temperaturen daheim sehne.

Über die Stadtautobahn rauschen wir ins Zentrum.

Obwohl es erst halb neun ist, dürfen wir bereits unser Zimmer im Hotel beziehen. Her mit der Dusche und ab zum Frühstück! Hm, gar nicht so einfach in unserem Viertel. Hier gibt es viele kleine Läden, in denen Handwerker und Händler arbeiten und Dienstleistungen aller Art anbieten.

Cafés finden wir zwei. Hier werden zwar stylische Cappucini aber keine Frühstücke zubereitet. Wir entdecken eine Garküche, fragen, ob sie Spiegeleier zubereiten können? Yes. Ob sie vielleicht Brot dazu anbieten können? No, rice! No. Ach, dann einfach vegetables dazu. Ob diese Frühstückskreation einen Namen hat, wissen wir nicht. Aber sie schmeckte schon mal irgendwie nach Fremde. Welcome to Thailand!

Jetzt aber erstmal ins Bett! Schlafen am Strand, ein Nickerchen im Flughafen und Dösen im Flugzeug ersetzen keine anständige Nachtruhe.

Zwei Stunden später fühlen wir uns wieder einigermaßen fit und ziehen los, um die Stadt zu erkunden. Was müssen wir mitnehmen? Eine Jacke jedenfalls nicht. Wir haben mittlerweile 32 Grad.

Von hier bis zu den Top-Sehenswürdigkeiten sind es knapp drei Kilometer. Also los.

Schon ein paar Straßen weiter entdeckt Achim mit scharfem Blick, dass da drüben auf dem Tempel Leute rumlaufen. Wir queren eine Straße und betreten das Gelände unseres ersten Wat, wie hier die buddhistischen Tempelkomplexe heißen, und dürfen, nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben, über eine staubige Holztreppe hoch aufs Dach mit einem 360 Grad-Blick auf die Stadt.

Wat Dephtidaram Woravihara heißt unser Zufallsfund.

Der nächste liegt gleich um die Ecke. Linkerhand entdecken wir das Ratchadamnoen Contemporary Art Center. Noch bis März werden hier die Bilder zeitgenössischer MalerInnen in der Ausstellung 15th UOB Painting of the Year Competition gezeigt. Mit diesem Wettbewerb werden regelmäßig junge Talente gefördert. Der Eintritt ist frei und wir wollen die Bilder sehen. Thematisch ist alles dabei, Corona und die Folgen, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte oder wie hier auf einem der Siegerbilder, die raschen Veränderungen unserer Welt und ihre Auswirkungen auf die Menschen. Themen, die einen beschäftigen, egal, wo man lebt.

Inhaltlich passend kommen wir am Denkmal für Demokratie vorbei, 1939 von Generalmajor Phibun in Auftrag gegeben, um an die Revolution von 1932 zu erinnern, die zur Einführung der konstitutionellen Monarchie führte. Phibun schwebte ein neues, westlich orientiertes Bangkok vor, mit dem Denkmal als Zentrum.

Langsam wird das Licht fahler, bald gehen die ersten Lampen an. Auf dem Weg zum Sundowner bekommen wir – von außen – einen Vorgeschmack auf den Königspalast und den Wat Pho, die wir uns morgen anschauen wollen.

Zwei Singha-Bier und diese Aussicht auf den Wat Arun, eines der Wahrzeichen Bangkoks… mehr brauchen wir heute Abend nicht, um glücklich zu sein.

Stimmt nicht ganz. Etwas zu essen wäre auch noch recht. Die Bananenpfannkuchen werden am Straßenrand zubereitet.

Knusprige Nudeln mit Schweinefleisch in Soyasauce gibt es in der Garküche nebenan.

Zurück ins Hotel sind es über zwei Kilometer. Wir sind müde und die Füße tun uns weh, also ab ins Tuktuk. Wir freuen uns auf unser Bett.

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Zwischenstopp in Muscat

Bei 24 Grad am Strand liegen und sich vom Geräusch der Wellen in den Mittagsschlaf wiegen lassen, ist ein ziemlich perfekter Start für unsere vierwöchige Reise.

Wir sind über Nacht von München nach Muscat, der Hauptstadt des Oman geflogen. Ortszeit 7 Uhr landen wir, für uns ist es aber erst vier. Da tut ein Stündchen Schlaf nachholen am Meer sehr gut.

Ein Visum für den Oman ist bei einem Aufenthalt bis zu neun Tagen nicht notwendig, so dass wir nach der Landung gleich zur Passkontrolle durchgehen können. Schnell noch die im Handgepäck mitgebrachten Sommerkleider gegen die Wintersachen austauschen und schon sitzen wir im Bus zur großen Moschee. Sie ist bis elf Uhr für Touristen geöffnet und steht deshalb als erstes auf unserer heutigen Liste.

Kopftuch auf, Schuhe aus und die Architektur und das Kunsthandwerk bewundern.

Sultan Qaboos ließ die große Moschee von 1995 bis 2001 bauen, sie fasst etwa 20 000 Betende.

Der Teppich stammt aus dem Iran, ist einer der größten der Welt, geknüpft von 600 Frauen in vier Jahren.

Umgeben ist die Moschee von einem schönen Park mit dekorativen Blumenrabatten und Wasserspielen.

Es ist fast Mittag, der wenige Schlaf und die ungewohnt sommerlichen Temperaturen machen uns zu schaffen. Nach einem kräftigen Kaffee schaffen wir die zwei Kilometer bis zum Meer und ruhen uns erstmal aus.

Mit dem Taxi fahren wir am frühen Nachmittag zum Soukh. Irgendwie fühlt es sich seltsam an, vor einer Asienreise nochmal so tief in den Orient einzutauchen. Wir freuen uns aber, diese faszinierende Stadt kennen zu lernen.

Weihrauchduft steigt uns in die Nase, Händler bieten uns Paschminaschals an, insgesamt ist es hier aber recht ruhig. Am lautesten sind die Passagiere der Aida auf Landgang.

Krönender Schluss des Tages ist für uns das Regierungsviertel in Alt Muscat mit dem Sultanspalast, verschiedenen Ruinen und Regierungsgebäuden. Weiße Häuser, vielfarbige Bougainvilleen, braune Felsen, blaues Meer. Was für Anblicke!

Mit dem Taxi geht es um fünf zurück zum Flughafen. Wir ergattern eine gemütliche Bank und schlafen nochmal ein bisschen, bloggen, lesen und warten auf unseren Flieger, der uns heute Nacht nach Bangkok bringt. Wenn alles gut geht, landen wir um sieben Uhr in der Früh.

Vorfreude

Heute in einer Woche starten wir. Die Vorfreude ist groß. Bei mir. Achim ist noch ein bisschen zurückhaltend, aber der Appetit kommt ja auch manchmal erst beim Essen.

Euch nehme ich via Blog natürlich wieder mit auf die Reise. Bis dahin, einen guten Rutsch und meine besten Wünsche für Euch und das neue Jahr!

Unser (vorerst) letzter Tag in Finnland

Gestern Abend haben wir Fährtickets für unsere Überfahrt nach Stockholm gekauft. Damit treten wir morgen die Heimreise an. Via Göteborg (Tante und Onkel) und Göttingen (Schwiegermama). Heute ist also unser letzter Tag in Finnland. Da haben wir noch einiges vor.

Zuerst mal wieder ins Museum. Mich lockt vor allem die Kombination aus kulturhistorischem und Kunstmuseum hier in Mariehamn, der Hauptstadt der Ålands.

Im geschichtlichen Teil wird die 7500jährige Geschichte der Åland-Inseln nachvollzogen. Von den Jägern der Steinzeit über die Wikinger bis in die Neuzeit zu den Schweden und Russen. Am 9. Juni 1922 trat erstmals das åländische Parlament zusammen.

Im Kunstmuseum gibt es eine kleine Sonderausstellung mit Papierkunst von Juho Könkkölä, der seine komplexen Figuren aus einem Bogen Papier ohne Schneiden und Reißen anfertigt.

Die Dauerausstellung ist heute wegen Umbaus leider geschlossen und wir können nur vom Rand einen Blick erhaschen. Zu schade! Die Werke der hiesigen Künstlerinnen und Künstler hätten uns interessiert.

Am Nachmittag scheint immer noch die Sonne und wir setzen uns noch einmal auf die Räder. Am Südende der Halbinsel, auf der Mariehamn liegt, wollen wir noch einmal aufs Meer gucken.

Das klappt nicht, weil die Grundstücke dort alle privat sind. Aber zu Fuß kommen wir über einen Wanderweg hin.

Der Einfachheit halber schlafen wir heute Nacht auf der Uferpromenade in Mariehamn. Dann haben wir es morgen nicht weit zum Hafen.

Fünf Wochen Finnland. Ein Land zum Wiederkommen. Vielleicht auch mal zu einer anderen Jahreszeit. Im Sommer, um die traumhaften Seen noch besser nützen zu können, Schwimmen, Boot fahren. Falls einen die Mücken dabei nicht aufessen. Im Winter wegen der Nordlichter, der nicht endenden Dunkelheit, des Schnees. Oder ein paar Wochen früher, um die Zugvögel noch mitzuerleben.

Diesmal war der Herbst für uns prima. Wir wollten die Ruska erleben. Haben wir.

Wir wollten Nordlichter sehen. Haben wir. Wenn auch leider nur mit Hilfe der Kamera.

Wir wollten das Land der tausend Seen durchstreifen und haben auf 5000 Kilometern vieles gesehen. Dabei hatten wir so ein Glück mit dem Wetter. Ganz wenige graue und regnerische Tage bloß.

Sicher ist: Wir hatten noch auf keiner Reise so viele traumhafte Übernachtungsplätze wie hier. Was teilweise auch an der Nachsaison lag. Perfekt.

Außerdem haben wir nirgendwo anders dieses Angebot an Feuerstellen und Grillplätzen erlebt. Beim Wandern für die Brotzeit Grillwürste und Senf einpacken. Wo gibt’s denn so was? Hier.

Spannend auch: Die immer gleiche Mischung aus Wald und Seen war uns nie langweilig. Denn sie wirkte immer wieder anders und neu. Was für ein Land! Was für ein Glück, dass wir das erleben durften.

Für diese Reise ist dies der letzte Blogbeitrag. Wenn es hier weitergeht, sind wir in komplett anderer Richtung unterwegs. Ohne Bus! Bleibt dran und danke fürs Mitlesen und Mitreisen!

Jetzt aber: auf Åland

Es ist das erste Mal, dass wir auf dieser Reise einen Sonnenaufgang erleben. In Finnland ging die Sonne gegen sieben auf. Da lagen wir immer noch im Bett. Jetzt sind wir so weit westlich, dass die Sonne erst gegen acht aufgeht.

Heute stehen wir gleich auf, als wir wach werden, denn um 9.20 Uhr geht unsere Fähre. Wir absolvieren dieselbe Prozedur wie gestern: wir fahren zum Fährhafen und frühstücken dort. Das Schiff kommt um 9.18 Uhr… und fährt vorbei!

Wir steigen aus, winken, doch das Boot ist schon hinter der nächsten kleinen Insel verschwunden. Ungläubig schauen wir uns an. Dann schauen wir uns nochmal die Tafel mit den Abfahrtszeiten an und lesen jetzt: „Med Förbeställning“, äh, ja, heißt wohl mit Vorbestellung. Wer lesen (und Schwedisch) kann, ist klar im Vorteil. Wo man vorbestellen könnte, wird allerdings nicht verraten.

Auf unserer Radtour gestern hatten wir entdeckt, dass es hier auf Överö noch einen zweiten Hafen gibt. Fahren wir doch mal dorthin und checken die Lage. Ja! Hier geht ein Schiff auf die Hauptinsel und zwar schon in 20 Minuten. Nehmen wir.

Und diesmal klappt es. Das Schiff kommt, wir dürfen an Bord und eine halbe Stunde später sind wir auf der Hauptinsel Åland.

Åland gehört zu Finnland. Es ist eine autonome, entmilitarisierte Region genau in der Mitte zwischen Finnland und Schweden, hat sein eigenes Steuersystem, seine eigenen Briefmarken, seine eigene Flagge – und die Amtssprache ist Schwedisch. Die einzige Stadt der Inselgruppe wurde 1861 von Zar Alexander II. gegründet, der ihr auch ihren Namen gab: Mariehamn – nach seiner Frau, Prinzessin Marie von Hessen. Zwar hat Mariehamn nur 11 000 Einwohner, aber jedes Jahr kommen bis zu 1,5 Millionen Touristen hierher.

Als Inselhauptstadt hat der Ort natürlich maritimes Flair.

Åland hat ein eigenes Parlament, das in diesem funktionalen Zweckbau untergebracht ist.

Es gibt hübsche Holzhäuser, auffällig viele Bäume in der Stadt und wir können uns gut vorstellen, dass die Kneipen und Restaurants in der Saison bestens besucht sind.

Nach einem zweistündigen Besichtigungsgang sind wir erstmal fußlahm und brauchen einen Kaffee. Dann verlassen wir die Stadt, um uns einen ruhigen Platz für den Abend und die Nacht zu suchen.

Den finden wir auf einem Hügel, neben einer alten Befestigungsanlage, Meerblick inklusive. Sollte uns heute Nacht jemand was tun wollen, wissen wir uns zu wehren 😊.

Auf Åland? Doch noch nicht ganz!

Wir stehen um acht auf, ziehen uns an und fahren in den kleinen Hafen Galtby, um zu schauen, ob uns die Fähre nach Åland mitnimmt. Sie liegt schon da, als wir ankommen. Auf Deck sind ein paar Arbeiter, denen wir zurufen, ob sie uns und unseren Bus mitnehmen. „Yes, yes!“ Und wo bekommen wir die Tickets? „On board!“ Ah, super. Alles klar. Wir stellen uns in die angezeigte Spur und setzen das Kaffeewasser auf. Wir haben noch viel Zeit fürs Frühstück. Abfahrt ist erst um zehn.

Fünf Stunden soll die Fahrt dauern, die uns wegbringt vom finnischen Festland, das wir in den vergangenen vier Wochen sehr lieb gewonnen haben. Damit neigt sich auch diese Reise dem Ende zu. Aber erstmal die Überfahrt und ein, zwei Tage auf der Insel genießen.

Um kurz nach neun kommt ein Mitarbeiter der Fähre zu uns an den Camper und erkundigt sich freundlich, wo wir denn hin wollen. Nach Åland. „Dann kostet das Ticket 356 Euro“. Er schmunzelt leicht. „Echt? Wieso das?“, fragt Achim.  „Wenn Ihr irgendwo einen Zwischenstop macht, zahlt Ihr nur 102“. „Wie bitte?“ Ist das ernst gemeint? Ist es. Der Mann erklärt uns, dass es diese Regelung gibt, damit sie den großen Fähren keine Konkurrenz machen. Verstehen wir nicht wirklich, aber egal. Die Fähre legt auf der Fahrt nach Åland auf drei Inseln an. „Welche empfehlen Sie uns?“ „Överö“. Okay, dann fahren wir eben nach Överö. Und wieviel kostet dann morgen die Fähre nach Åland? Nichts.

Mit uns an Bord sind ein paar Ornithologen aus Helsinki. Ich erzähle ihnen von unserem Zwangsaufenthalt auf einer der kleinen Inseln. Sie haben davon gehört. „Das ganze ist sehr komplex“, meint einer von ihnen. „Auf Åland gibt es einige sehr spezielle Regelungen und unser Schiff fährt unter åländischer Flagge“. Ich mutmaße, dass es sich hierbei um eine recht rigide Lenkung des Tourismus handelt.

Wir genießen die paar Stunden an Bord sehr. Die Sonne scheint, das Meer ist glatt und wir stehen für Stunden an Deck, während wir die Schärenwelt um uns herum bewundern.

Um halb drei Uhr landen wir in Överö. Immerhin gehört es schon zu den Åland-Inseln. Im Hafen ist nichts außer einem Kai.

Park4Night kennt einen Übernachtungsplatz, wenige Minuten später sind wir da. Herrlich, hier bleiben wir. Direkt an einer weiteren kleinen Fähre, der wir beim Kaffee entspannt zuschauen, wie sie ganz nach Bedarf hin und her fährt.

Auf den Felsen vor unserem Bus ist es in der Nachmittagssonne so warm, dass wir sogar mal wieder die Pullis ausziehen können.

Mit einer Radtour erkunden wir später die Insel. Viele Kiefern und Felsen, an Land und im Wasser, rote Holzhäuser, eine schmale Straße. Danke vielmals für diesen Zwangsaufenthalt!

Am Abend erleben wir vor dem Camper einen schönen Sonnenuntergang und in der Nacht werden wir noch einmal nach den Polarlichtern Ausschau halten. Die Vorhersage ist gut und es erwartet uns eine sternklare Nacht.

In den Schären

Noch ein Grund mehr, wiederzukommen: der „Roadtrip über die Schärenringstraße“ (auch bekannt als Archipelago Trail). Das sind 250 Kilometer, acht Fähren und fünf große Inseln, auf dem sich die faszinierende Schärenwelt mit ihren zahlreichen Inseln, Brücken und kleinen Fähren erkunden lässt. Mit mehr als 50.000 über das Meer verstreuten Inseln, ist diese Region der größte Archipel der Welt. Vollstãndig fahrbar ist dieser Roadtrip aber nur vom 12. Mai bis 3. September. Da sind wir leider einen Monat zu spät.

Immerhin können wir heute ein Teilstück fahren, von Kaarina, dem letzten kleinen Küstenort vor den Schäreninseln bis nach Korpo, auf vielen Brücken, immer kleiner werdenden Straßen und insgesamt drei Fähren. Die gelben Fähren sind kostenfrei und gehören quasi als schwimmende Brücken zum Straßensystem.

Bis die versprochene Sonne durchkommt, dauert es lange. Deshalb trödeln wir erst ein wenig rum und gehen dann Einkaufen. Beim Mittagskaffee mit Munkki (finnisches Fettgebackenes) kommen endlich die ersten Sonnenstrahlen aus dem Nebel.

Gleich sieht die Welt ganz anders aus und die Lust, die Gegend zu erkunden, steigt. Wir verlassen die Hauptstraße, um zu einem schönen Fotospot zu kommen. Nach drei Kilometern stehen wir am Wasser und der Weg ist zu Ende. Macht nichts. Wir wollen ja auch nur ein Foto machen.

Das sieht der Fährmann auf der gegenüberliegenden Seite anders. Gleich kommt er angebraust. „Be my guest!“, ruft er uns freudig zu. Wieviele Gäste er wohl transportiert am Tag, dass er sich so freut über uns? Als wir eine Viertelstunde später zurückkomen, weil sich der Weg als Sackgasse entpuppt hat, winkt er uns freudig zu und steht ein paar Minuten später an unserer Beifahrertür. In der Hand zwei flexible Reflektoren, die man sich um den Oberarm winden kann, mit Werbung von Finferries drauf. Ein Geschenk für uns.

Über eine kleine Schotterstraße kehren wir zur Hauptstraße zurück, fahren erneut auf eine Fähre und erreichen Korpo. Wenn man die gesamte Ringstraße fahren will, muss man hier eine Bezahlfähre zur nächsten großen Insel nehmen. Die hat ihren Betrieb, wie gesagt, bereits eingestellt. „Warum wohl?“, frage ich mich. Am Wetter kann es nicht liegen. „Das ist eine reine Touristenfähre“, meint Achim. Und für die paar, die jetzt noch unterwegs sind, lohnt sich das nicht.

Was wir aber entdecken ist eine Fähre nach Åland, die hier ablegt. Bisher waren wir davon ausgegangen, dass wir dazu nach Turku zurückkehren müssen. Das werden wir heute Abend mal recherchieren. Denn auf unserem Zettel steht außer Turku für diese Finnlandreise nur noch die Rückreise über die Åland-Insel. Na, das würde doch passen. Turku würden wir dann nächstes Mal besuchen.

Abends im Hafen versuchen wir, online ein Ticket zu buchen. Das klappt aber nicht. Deshalb fahren wir einfach morgen früh zur Fähre und schauen, was passiert.

Regentage sind Fahr(nachmit)tage

Fast den ganzen Vormittag haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht: lange geschlafen, gefrühstückt, gelesen. Gegen Elf machen wir uns schließlich auf, Helsinki zu verlassen. Das dauert, denn das benachbarte Espoo grenzt nahtlos an die Hauptstadt. Nach fast einer Stunde städtischem Trubels haben wir es geschafft, biegen links ab und haben wieder unsere Ruhe.

Unser erstes Ziel ist eine schmale Halbinsel südwestlich von Helsinki. An deren Ende ist ein Wanderparkplatz und da der Regen gerade eine Pause macht, wagen wir einen kleinen Spaziergang. Hier geht es nicht über Bohlenwege durchs Moor sondern über Felsen durch den Wald. Ab und zu erhaschen wir einen Blick aufs Meer. Und ganz kurz auf eine Hirschkuh mit ihrem Jungen.

Es ist uns in Finnland schon des öfteren aufgefallen, dass es viele Angebote für Menschen mit Behinderung gibt. So auch hier. Gleich in der Nähe ist ein Parkplatz für sie vorgesehen. Ab hier ist ein rollstuhlgerechter Weg ausgeschildert.

Wir folgen ihm neugierig. Nach etwa 100 Metern biegt der Weg rechts ab und endet in einer formidablen Aussichtsplattform. Bei besserem Wetter ein herrliches Ausflugsziel für Leute im Rollstuhl.

Wir setzen unsere kleine Wanderung fort, sind nach einer Stunde zurück am Bus und treten die Rückfahrt an. Unterwegs halten wir an einem kleinen Café, das von einer jungen Frau betrieben wird. In den Regalen werden auch Dinge für den täglichen Bedarf wie Zahnpasta, Salz und Nudeln angeboten. Wir bestellen zwei Stück Apfelkuchen und Kaffee und nehmen am einzigen Tisch Platz. Das Sitzangebot ist auf den Sommer abgestimmt. Draußen gibt es reichlich Stühle und Tische. Wir zahlen 16 Euro und fahren weiter.

Es regnet wieder, da hängen wir nochmal zwei Stunden Fahren an und bringen uns damit in die Pole Position für morgen. Es sind neun Stunden Sonne angesagt und wir wollen in die Schären.

Am Abend machen wir noch eine Entdeckung. Auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht landen wir auf dem Parkplatz eines früheren Sanatoriums, das vom finnischen Architekten Alvar Aalto Anfang der 30er Jahre gebaut wurde. Es war für TBC-Patienten entworfen, die (vor der Entdeckung des Penicillin) teils viele Jahre hier verbringen mussten. In diesem Fall hat sich der Architekt auch intensive Gedanken über die Innenausstattung gemacht, z. B. hat er „leise“ Waschbecken entwickelt, damit der Bettnachbar im Zweibettzimmer nicht  gestört wird. Das Gebäude wurde für das UNESCO-Weltkulturerbe nominiert.

Für die Nacht suchen wir uns aber noch einen anderen Platz. Nur neun Kilometer entfernt gibt es mal wieder einen schönen See.

Mit einem weiteren guten Beispiel: auf dieser Rampe können Menschen, die im Rollstuhl sitzen, ins Wasser fahren.