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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Am Tag, als der Regen kam…

… scheint am Vormittag die Sonne und wir könnten sehr entspannt unsere Besichtung von Evora fortsetzen. Doch der dräuende Regen, mindestens für die nächsten drei Tage, vielleicht länger, null Stunden Sonne, bei unter zehn Grad, setzt uns mental etwas zu. Während wir uns die Sehenswürdigkeiten ansehen, haben wir leider die ganze Zeit das bevorstehende schlechte Wetter im Kopf. Keine Ahnung, was wir tun wollen, geschweige denn werden.

1537 wurde mit dem Bau des 18 Kilometer langen Aquäduktes begonnen, der die Menschen in Evora mit Wasser versorgen sollte. Schon fünf Jahre später wurde er mit einem großen Festakt eingeweiht.

In einigen Straßen der Altstadt ist zu sehen, wie der Aquädukt im Laufe der Zeit zu Wohnzwecken umgestaltet wurde: in die Bögen der Wasserleitung wurden Häuser gebaut.

Skurilles gibt es in der Capela dos Ossos zu sehen: in der kleinen Kapelle im Zentrum der Stadt sind die Innenwände mit Knochen und Schädeln von Mönchen gesäumt.

Wer sich davon erholen möchte bzw. muss, kann sich anschließend das Krippenmuseum anschauen oder auf der Aussichtsterrasse den Blick auf die Altstadt genießen.

Noch scheint sogar die Sonne.

Zu Mittag gönnen wir uns eine hiesige Spezialität: Bifana, warme krosse Brötchen mit einem kleinen Schnitzel belegt. Sehr lecker und sehr preiswert (2,50 Euro), nicht auf die Faust sondern in einem hübschen kleinen Lokal.

Kurz bevor wir unseren Camper erreichen, geht der Regen los. Heftig, aber dank Schirm kommen wir noch einigermaßen trocken ins Innere.

Der Steinkreis bei Almendres, etwa 20 Kilometer westlich von hier, steht noch auf unserer Liste. Wenn es nicht regnen würde, wäre es ein schöner Spaziergang durch einen Korkeichenwald vom Infozentrum bis zu den Menhiren. Bei dem Wetter wollen wir aber nicht laufen und fahren die vier Kilometer lieber mit dem Auto. Sandpiste, die sich mit lehmigem Untergrund abwechselt, tiefe Schlaglöcher, große Pfützen und ausgewaschene Spuren. Kein Vergnügen.

Der Steinkreis, der erst in den 60er Jahren entdeckt wurde und etwa 6000 Jahre alt ist, darf leider derzeit nicht betreten werden. Der Untergrund soll sich erholen, um die Stabilität der Steine zu gewährleisten. Sehr verständlich, für uns aber ist es sehr schade.

Wir haben immer noch keine Idee, was wir die nächsten Tage machen wollen und steuern im strömenden Regen einen Parkplatz am Rande des  Dorfes Araiolos an. Oben thront eine Burg, wenn ich rechts aus dem Fenster schaue, blicke ich auf leicht wellige Landschaft voller Wiesen und Korkeichen. Im Hintergrund erheben sich die Berge der Serra de São Mamede.

Und dann, unglaublich aber wahr, spitzt zum Abendbrot die Sonne raus.

Gerade entdecke ich, dass es hier im Ort, fünf Minuten entfernt, ein Museum gibt, das den berühmten Teppichen von Arraiolos gewidmet ist. Das klingt doch schon mal nach einem guten Start in den morgigen Tag.

Ins Landesinnere

Mit einer weiteren spektakulären Klippenwanderung haben wir uns gestern vom Atlantik verabschiedet. Wann wir das nächste Mal ans Meer kommen, ist noch nicht sicher.

Uns zieht es jetzt ins Landesinnere.  Aktuell stehen wir in Milfontes. Stellt man sich von hier ausgehend ein V vor, ist an der Spitze des linken Beinchens Lissabon, an der des rechten Evora. Da wollen wir als nächstes hin.

Auf dem Weg dorthin gibt es einen Stausee, an dem wir einen Spaziergang machen möchten. Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz, von dem aus wir starten können, halte ich kurz an einer Bushaltestelle. Ein Mann gestikuliert und deutet auf das Heck unseres Campers. Achim steigt aus, schaut nach, kommt zurück: „Wo hast du denn den Verschluss für den Trinkwassertank hingelegt?“ Mist! Den hatte ich auf die Räder gelegt und keiner hat am Schluss des Wassertankens mehr ans Verschließen gedacht. Beim ersten Ruckler ist der Verschluss bestimmt runtergefallen. Also zurück zum Campingplatz (etwa 20 Kilometer), alles absuchen, an der Rezeption nachfragen, nichts.

Also muss ein Provisorium her. Sieht doch ganz gut aus, oder?

Jetzt also zurück zum Stausee. Kaum stehen wir, rauscht eine 20 Mann starke Gruppe Biker auf den Parkplatz. Ob Achim ein Foto von ihnen machen könnte. Nichts lieber als das. „Benzin reden“ fällt mangels gemeinsamer Sprache leider aus.

Dann geht es los. Portugal zeigt sich erneut im prächtigen Frühlingskleid. Unser Weg führt durch ein Meer von weißen Zistrosen.

Auch auf der Weiterfahrt sind wir begeistert von der teils recht hügeligen Strecke, die uns auf kleinen Straßen vorbei an riesigen Wiesen mit gelben Blüten, Hahnenklee weiß Plantnet, Korkeichenwäldern und Olivenplantagen durch die Region mit den wenigsten EinwohnerInnen Portugals führt.

Angekommen in Evora, der Hauptstadt der Region Alentejo, finden wir den letzten Platz auf dem Stellplatz und schauen uns noch die Stadt mit Kathedrale, römischem Tempel, großen und kleinen Plätzen, Gassen und moderner Kunst an. Morgen geht’s weiter mit der Stadtbesichtigung.

An der Westküste Portugals

Die Algarve zieht sich nicht mehr sonderlich an der Westküste hoch. Fährt man vom Cabo São Vicente aus nach Norden sind es nur 60 Kilometer zur Region Alentejo, die sich bis Lissabon erstreckt.

Wir sind jetzt in Vila Nova de Milfontes, nochmal 40 Kilometer weiter nördlich, auf einem Campingplatz, treffen uns hier mit einem Freund und bleiben ein bisschen. Wie lange, wissen wir noch nicht. Für morgen ist nochmal warmes Wetter bis 27 Grad angesagt, dann soll ein Temperstursturz mit Regen in der nächsten Woche kommen. Na, mal sehen.

Gestern Abend haben wir noch einen Spaziergang durch den hübschen Ort gemacht, in dem es nicht so touristisch zugeht wie weiter im Süden.

Die Strände, die wir am Vormittag auf der Fahrt hierher bei Vila do Bispo und Carrapateira besucht haben, waren allerdings wirklich wunderschön und wir haben atemberaubende Anblicke genossen.

Das schöne Wetter hier oben in Milfontes nutzen wir zu einem weiteren Spaziergang.

Wir laufen oberhalb des Flusses Mira durch einen lichten Korkeichenwald, so lange, bis er ins Meer mündet.

Danach folgen wir einem Weg oben auf den Klippen, der uns durch Hottentottenfeigen und Kaplöwenzahn führt. Echt wahr, die Blumen heißen so. Wir haben das recherchiert.

Einmal mehr sind wir fasziniert vom Meer und den Klippenformationen. Hier an der Westküste ist es jetzt Schiefer, im Süden war es Sandstein. Unterschiedliche Farben, unterschiedliche Formen.

Zurück auf die andere Flussseite fahren wir mit einem Taxiboot. Ist mir nach elf Kilometern durchaus recht.

Und jetzt suchen wir uns eine kleine portugiesische Taverne …

Die letzte Bratwurst vor Amerika

Die Würstchenbude steht hier schon seit 28 Jahren. Letztes Mal haben wir uns hier auch eine original Thüringer Bratwurst gekauft. „Die letzte Bratwurst vor Amerika“ prangt in großen roten Lettern auf dem Verkaufswagen auf dem Cabo de  São Vicente, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlands. Dahinter: nur noch Wasser und Amerika.

Weil der Wetterbericht für heute Nachmittag, ab 15 Uhr, Regen angesagt hat, machen wir am Morgen flott und schaffen es tatsächlich, schon um neun auf den Rädern zu sitzen. Noch scheint die Sonne und es ist angenehm bei 16 Grad. Achim findet eine tolle Route, die uns zwar hügelauf und hügelab, aber die ganze Zeit auf guten Feldwegen oder Nebenstraßen mit wenig Verkehr, führt.

Wenn ich dieser Tage mal schrieb, dass hier Sommer sei, sollte das natürlich nur Ausdruck für meine Freude über das schöne Wetter sein. Denn es ist natürlich, seit gestern auch ganz offiziell, Frühling – und das sieht man. Es grünt und blüht. Im Sommer schaut es hier wahrscheinlich sehr viel anders aus. Ich tippe mal auf braun und verdörrt.

Der Regen, der dann fällt (nicht wie ausgemacht um drei sondern schon um 12), tut dem Land jedenfalls gut – und macht uns pitschenass.

Zum Trocknen und zum Trost gibt es erstmal einen Kaffee im Bus. Dann machen wir uns startklar, aber der Start ist gar nicht so einfach. Denn unser lehmiger Untergrund hat sich durch den Wolkenbruch in eine Rutschbahn verwandelt. Aber mit viel Geduld und einigen Lenkmanövern gelingt es Achim schließlich, den Bus aus dem Modder zu holen. Wir sind übrigens nicht irgendwo in der Pampa sondern auf einem Campingplatz gestanden.

Im Gegensatz zum gestrigen Nachmittag ist der heutige nicht so dolle: Einkaufen, Bus sauber machen und aufräumen, chillen.

Gestern haben wir uns zwei sehr hübsche Orte  angeschaut: Lagos und Burgau. Die eine etwas größer als die andere, beide direkt am Wasser gelegen mit hübschen Promenaden, Gassen, Plätzen und jede Menge Cafés, Restaurants und buntem Treiben.

In Burgau hatten wir damals ein Appartement und sogar eine „Stammkneipe“, die „Bar Brizze“. Es gibt sie immer noch, nur leider war sie geschlossen. Da müssen wir wohl noch mal wiederkommen.

Eine Bucht für uns allein

Es ist schon wieder so weit, dass man beim Stadtbummel die Schattenseite der Straße sucht. Darüber will ich mich keinesfalls beklagen. Hätte ich doch nur etwas Luftigeres angezogen. Als ich heute Morgen wach wurde, war es frisch und neblig. Jetzt scheint die Sonne und mir ist ganz schön heiß. Stadtbummeln ist aber auch immer eine anstrengende Angelegenheit. Burgen thronen immer so hoch über dem Ort, es gibt viele Gassen zu erkunden und oft mäandern sie zwischen oben und unten.

Silves, die alte Hauptstadt der Mauren, in der wir letzte Nacht geschlafen haben, wird als „schönste Binnenstadt der Algarve“ bezeichnet. Zu Recht, wie wir finden. Viele schöne Details sind zu entdecken, wieder blühen die duftenden Orangen, etliche Cafés warten auf Kunden. Jetzt im Winter (rein kalendarisch betrachtet) ist noch nicht viel los.

Die Bucht von Albandeira ist weniger als 20 Kilometer von hier entfernt. Es ist nicht leicht, dorthin zu kommen und so haben wir sie tatsächlich für uns alleine. Nicht zu fassen.

Ich könnte lesen, ich könnte bloggen, ich könnte schlafen. Ich entscheide mich dafür, nichts dergleichen zu tun sondern lege mich in den Sand und höre den Wellen zu. Manche plätschern freundlich, manche gluckern am Felsen und dann gibt es welche, die donnern so bedrohlich gegen die Klippen, dass wir uns gleich mal vergewissern, ob wir hier eigentlich sicher liegen. Tun wir.

Irgendwann ist es dann aber auch wieder gut und wir haben Lust auf Kaffee. Hier gibt es nichts, aber bis zum Camper sind es zwei Minuten und ein Kaffee ist schnell zubereitet.

Erholt und frisch gestärkt starten wir dann zu der ausgeschilderten Klippenwanderung, die zu einer Kapelle führt. Wir laufen etwa eine halbe Stunde in die Richtung, begleitet von umwerfenden An- und Ausblicken.

Ja! So geht Algarve.

Auf den Felsen von Peina

Bilder, Stimmen und Texte kann man durchs Netz in die ganze Welt senden. Leider keine Gerüche. Wie gern würde ich Euch diesen Duft zukommen lassen, der uns immer wieder auf dieser Reise umfängt. Der Duft von blühenden Zitronen und Orangenbäumen. Gerade stecke ich die Nase aus dem Bus und da rieche ich es wieder. Ich schnuppere und schnuppere und schnuppere. Und atme ganz.tief.ein.

Als wir vor zehn, 15 Jahren mal hier in der Gegend waren, hatte Achim eine Wanderung in unserem Reiseführer angemerkt. Damals haben wir sie nicht gemacht, aber heute ist sie dran. Der Rocha la Peina ist ein Karstmonolith, 500 m hoch (uff) und zwei Kilometer lang. Im hübschen Bergdorf Penina startet ein hervorragend markierter Rundweg von etwa zweieinhalb Stunden Dauer.

Steineichen, Feigen, Oliven umgeben uns auf dem Weg nach oben, 500 verschiedene Arten Bäume, Sträucher und Blumen wachsen hier, lese ich auf einer Infotafel.

Fleißige Wanderer werden oben mit einem schönen Ausblick belohnt. Wenn es weniger diesig ist als heute, kann man von hier bis zum Meer gucken.

Der Atlantik empfängt uns am Nachmittag mit grauem Himmel und dunklem Wasser. Wo ist die Sonne geblieben? Es ist aber immer noch angenehm warm mit 20 Grad.

In Carvoeiro finden wir die beeindruckenden Felsformationen, an die wir uns erinnern. Wir kraxeln ein wenig auf den Klippen herum. Das geht hier leicht, denn der Sandstein ist rund und trocken.

Uns locken noch die Höhlen, für die hier überall Reklame gemacht wird. Wir finden sie bei maps, geben sie ins Navi ein und kurven ordentlich durch Gassen, steile Sträßchen, runter, wieder rauf, nächste S-Kurve. Achim macht das sehr entspannt und gekonnt. Letztlich landen wir in einer Villengegend, zu deren Füßen wohl das Meer, die Klippen und die Höhlen liegen, aber es führt kein Weg hin. Weder zu Fuß noch mit dem Auto.

Gut, dass es das Internet gibt. So kann ich Euch zeigen, was wir uns ansehen wollten. Wahrscheinlich kommt man nur mit dem Boot hin oder wenn man dort ein Häuschen sein eigen nennt.

Von Winkerkrabben und Seidenreihern

Durchs Fernglas schauen sie ein bisschen gruselig aus: handtellergroß mit mächtigen Scheren, die sie bedrohlich in die Luft recken. Am beeindruckendsten aber ist die Masse, in der sie hier im Naturpark Ria Formosa bei Olhão an der Algarve leben. Myaden. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Viele von ihnen marschieren in dieselbe Richtung, seitwärts, die Stielaugen blicken in unsere Richtung. Ob sie uns so anstarren wie wir sie? Ob sie uns ebenso gruselig finden?

Ein paar Schritte weiter erspähen wir eine Tamariske voller weißer Blüten. Sehr große weiße Blüten. Blüten? Vögel! Es sind Seidenreiher, auf dem Kopf einen Schopf von feinen Schmuckfedern. Sie können ihre hinteren Flügel aufplustern wie ein Pfau und zeigen uns dann ein Hinterteil wie mit einer weißen Boa geschmückt.

Damit nicht genug! Am Ufer sonnen sich Schildkröten, manche schwimmen im Wasser dieses kleinen Süßwassersees, der direkt neben dem salzigen Marschland liegt. Nur ihre kleinen Köpfe lugen aus dem Wasser.

Und endlich sehen wir mal ein Purpurhuhn. Es gibt sie auch im Doñana-Nationalpark, aber da hat es sich vor uns verborgen. Es sieht aus wie ein Blesshuhn, hat aber statt einer weißen eine orangefarbene Stirn.

Neben einer alten Gezeitenmühle entdecken wir dann noch einen Vogel, den wir von zuhause kennen: den großen Brachvogel, der im Freisinger Moos sogar brütet.

Im Hafen von Olhão, wo wir Mittagspause machen, kreischen dann nur noch die Möwen.

Uns zieht es jetzt an die sogenannte Felsenalgarve. Von der spanischen Grenze bis Faro liegt die Sandalgarve. Dahinter geht es los mit den bizarren Felsformationen aus rotem und gelbem Sandstein und den zauberhaften Sandbuchten, für die die Algarve so berühmt und beliebt ist.

Wir fahren über die kleine N125 und passieren einen (Ferien-)ort nach dem anderen. Auch zwischen den Ortschaften ist es bebaut: entweder von Gewerbetreibenden, Hotel- oder Villenbesitzern.

Immerhin bietet sich so die Möglichkeit, frische Orangen am Straßenrand zu kaufen.

Vom Meer sehen wir nichts mehr. Ich weiß aber von einem früheren Kurztrip an die Algarve, dass es hier wunderschöne Stellen gibt. Wird schon noch kommen. Nur Geduld!

Dann ist es soweit. Wir steuern einen Stellplatz bei Albufeira an. Es ist wie gestern: voll. Wir hatten es fast erwartet. Wir laufen weiter zum Strand und dann sehen wir das erste Stück der ockerfarbenen prächtigen Algarve.

Zum Übernachten fahren wir eine kleine Halbestunde ins Hinterland zum kostenfreien Stellplatz, den das Örtchen Benafim anbietet.

Hier stehen wir mit ganz schöner Aussicht.

Aber nicht ganz alleine.

Es ist Sommer!

Schon in der Nacht sind die Temperaturen nicht mehr unter 13 Grad gefallen. Als wir um halb acht (halb neun MEZ) aufstehen, haben wir schon 15 Grad. Da kann ich endlich mal ein Sommerkleidchen rauskramen. Das erste Mal auf dieser Reise.

Mit den Rädern fahren wir ins benachbarte Tavira, ein kleines Städtchen, das für Fischfang und Salzgewinnung wichtig war. Es erstreckt sich zu beiden Seiten des Flusses Gilão.

Durch schmale Gassen strampeln wir hoch zu den Überresten einer alten maurischen Festung, in der die heutigen Stadtgärtner einen hübschen kleinen Park angelegt haben: Bougainvilleen, Tamarisken, Mimosen und Beete mit Frühlingsblühern. Ein Straßenmusikant spielt auf dem Akkordeon, pure Romantik.

Die meisten Häuser sind weiß gestrichen, manche Fassaden sind mit den für Portugal typischen Kacheln, den Azulejos, gefliest. Sie sollen vor Hitze schützen.

Wir müssen uns bei inzwischen 20 Grad zwar nicht vor Hitze schützen, uns aber dringend mal unter die Straßencafégenießer mischen. Viño verde, kleine Kabeljauravioli und dann die berühmten Pasteis de nata.  Da weiß man doch gleich, wo man ist.

Mit dem Rad sind es etwa zwanzig Minuten bis zum Strand. Um es den Touristen leichter zu machen, die vorgelagerten Inseln zu erreichen, gibt es eine Schmalspurbahn, mit der man das Marschland überqueren kann. Gemütlich tuckert sie zehn Minuten dahin, schon sind wir am Wasser. Die Räder haben wir am „Bahnhof“ gelassen.

Noch zehn Minuten laufen, dann sind wir am einzigen offiziellen FKK-Strand der Algarve. Sagte ich es schon? Es ist Sommer!

Na ja, ein bisschen übertreibe ich ehrlich gesagt schon. Denn es ist noch nicht so viel Sommer, dass es zum Schwimmen reicht. Macht aber nix. Wir fühlen uns auch so pudelwohl.

Bem-vindo a Portugal

Etwas wehmütig nehmen wir Abschied von Óscar, halten bald wieder an, um Dünen, Klippen, einen alten Baum und eine noch ältere Stadt anzuschauen und landen schließlich in Santo Estevao, einem kleinen Dorf, etwa 40 Kilometer hinter der portugiesischen Grenze. Aber der Reihe nach.

Unser Ruhetag in Óscars kleinem Idyll in Matalascañas am Atlantik wird von seiner Einladung unterbrochen,  ihn bei seinem Strandspaziergang zu begleiten. Den macht er jeden Tag auf der Suche nach Strandgut: „See, this is my supermarket“, grinst er und schiebt einen gut erhaltenen Pinsel in seine Hosentasche. Im Laufe der nächsten Stunde kommen Hölzer und Wurzeln in bizarren Formen und vor allem Korallen in weiß, rosa, gelb und braun hinzu. Die finden wir in Büscheln von Gestrüpp, die auf dem Sand liegen. Man kann sie ganz einfach daraus lösen.

Ich habe ein schönes Foto von Óscar als Strandschrat gemacht – leider ist es auf seinem, nicht auf meinem Handy. Achim trägt die gefundenen Korallen in Óscars Strohhut heim. Dort zeigt er uns die kleinen Kunstwerke, die er aus den Fundstücken fertigt, zum Beispiel ein Holz, in das er mehr als 50 Tiere geschnitzt und gemalt hat und Korallen, die er auf bunt bemalten Steinen befestigt hat.

Wir tauschen noch Apfelkuchen gegen Orangen aus seinem Garten (die besten!), am Morgen dann kisses, hugs and be happy und los geht’s.

Schon nach wenigen Kilometern halten wir wieder an und laufen auf einem elegant geschwungenen Holzsteg in die Dünen hinein. Es ist ganz neblig heute Morgen und der Duft von Ginster liegt in der Luft.

Weiter geht es, bis wir beim Örtchen Mazagon auf ein Hinweisschild zu einer 400 Jahre alten Pinie stoßen. Ach, vorbeigefahren. Es ist nicht viel Verkehr und drüben bei der Bushaltestelle kann man gut wenden. Wir suchen ein bisschen, laufen zum Strand runter, durch eine kleine Schlucht, vorbei an Sandsteinklippen, wieder zurück zum Parkplatz.

Nochmal genauer bei google maps gucken, dann entdecken wir den Baum auf der anderen Seite der Straße. Ein wahrer Methusalem. Den muss ich auch noch drücken.

Gegen Mittag erreichen wir Huelva und erhalten eine Lektion mit der Überschrift „Du darfst dem Internet nicht alles glauben“. So steht es dort geschrieben: „Huelva, eine wunderschöne Küstenstadt im Südwesten Spaniens, gehört zu den reizvollsten Reisezielen Andalusiens. Die aufsehenerregende Gemeinde, die vor 3.000 Jahren gegründet wurde, gilt als Standort pittoresker Kirchen und Plätze, die einen Einblick in die Geschichte dieser bedeutenden Handelsstadt gestatten.“ Liegt auf dem Weg, gucken wir uns natürlich an.

Hm, ja, ganz nett hier, aber auch viele Neubauten mitten in der Altstadt und der angeblich allerschönste Platz, die Plaza de la Palmeria, ist nur von neuen Häusern umgeben. Müssen wir nicht verstehen. Achim glaubt ja, dass den Text im Internet die Pressesprecherin geschrieben hat. Ha! Verleumdung!

Wir trinken einen Kaffee, suchen uns noch eine billige spanische Tankstelle und sind eine halbe Stunde später an der portugiesischen Grenze.

Unser Ziel ist Tavira, eine Kleinstadt, die nicht direkt am Meer liegt, was aber mit dem Rad gut erreichbar ist. Wir fahren zum Stellplatz: voll. Zum Campingplatz: geschlossen. Also fahren wir noch ein paar Kilometer weiter ins Land und landen auf Rouis‘ privatem Stellplatz, zwischen Obst- und Olivenbäumen. Ist schön hier. Willkommen in Portugal! Die Algarve liegt vor uns.

In den Dünen von Doñana

Wir haben gestern Abend unsere kleine Robinsonade am Strand von Matalascañas gefunden. Óscar hat hier ein kleines Grundstück am Strand, auf dem wir für zehn Euro am Tag stehen dürfen.

Gegen Mittag gehen wir an den Strand. Wenn wir wollten, könnten wir 30 Kilometer rüber nach Osten, bis zur Mündung des Guadalquivir, laufen.

Dieser immense Strand wird vom Atlantik auf der einen und Dünen, die Teil des Nationalparks sind, auf der anderen Seite eingerahmt. Sie bilden den größten Dünenkomplex Europas mit aufeinanderfolgenden Dünenzügen, die parallel zur Küstenlinie verlaufen.

Damit ist unser Bild vom Nationalpark Doñana und der Vielfalt seiner Ökosysteme nun komplett.

Wir laufen noch ein ordentliches Stück am Strand entlang, barfuß, die Füße im Wasser.

Dann kehren wir um, der am Vormittag gebackene Apfelkuchen wartet auf uns. Und mein Krimi. Und einfach Nichtstun, nur aufs Meer gucken.

Gegen Sonnenuntergang kommt Óscar auf einen Plausch vorbei, massiert uns ein bisschen und zeigt Achim noch eine spezielle Übung, die gut ist für den Schulter und Nackenbereich.

Morgen bleiben wir auch noch hier. Einfach so. Genießen.