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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Von Ancona bis zur Poebene

Der Tag heute fing nicht so gut an. Um halb acht werde ich wach. „Achim, wir haben den Sonnenaufgang verschlafen!“ Ich tapse nach vorn, um die Jalousien zu öffnen, und haue mir den Kopf an der Ablage über der Fahrerkabine an. Guten Morgen! Achim tröstet mich ein wenig und beschließt, dass auch 20 Minuten nach Sonnenaufgang noch gilt und fotografiert seinen persönlichen Sonnenaufgang.

Beim Frühstück ist alles wieder gut und wir freuen uns abermals an der tollen Aussicht.

Noch ein bisschen im Bus aufräumen, mal auskehren und dann weiter nach Ancona. Hier waren wir vor vielen Jahren bereits zweimal, haben aber die Altstadt immer rechts liegen lassen und sind mit den Moppeds direkt runter in den Hafen und auf die Fähre nach Izmir gerollt.

Heute schauen wir vom Dom oben auf den Hafen hinunter.

Ancona ist anstrengend zu besichtigen. Der Dom liegt auf der obersten Ebene, die Altstadt eine Etage tiefer und ganz unten der Hafen, die Uferpromenaden und der Stadtstrand. Einen zentralen Parkplatz, auf dem wir mit unserem etwas größeren Fahrzeug stehen können, gibt es nicht, so dass wir ein ziemliches Stück ins Centro storico laufen müssen.

Das tun wir aber bei angenehmen 21 Grad. Paläste, Gassen, Plätze, alles da, was eine Stadt verschönert.

Das für uns persönlich Allerschönste hatten wir allerdings gleich am Anfang unserer Besichtigungstour entdeckt. Wir waren vielleicht zehn Minuten gegangen, als wir ein Schild sehen, das uns auf einen Pfad zum Meer hinunter aufmerksam macht. Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen wir ihn hinterher auch wieder hochlaufen, aber das nehmen wir in Kauf. Die Aussicht ist fantastisch und unten finden wir entlang des Wassers eine lange Reihe von Grotten, in denen die Einheimischen Strandmobiliar, Badeutensilien, ihre Sommerküchen und Boote deponiert haben. Ich male mir aus, was hier an lauen Sommerabenden oder am Wochenende los sein mag.

Für uns ist der Weg dann zu Ende. Ancona ruht auf Felsen und die Promenaden sind nicht durchgängig. Wir gehen denselben Weg zurück, wieder die 100 Stufen hoch und sind nass geschwitzt, als wir schließlich oben ankommen.

Um ins Podelta zu kommen, fahren wir die ersten hundert Kilometer auf der Autobahn. Schön, die Hinweisschilder auf Sehenswertes und Orte zu lesen, die wir kürzlich erst besucht haben: Grotte di Frasassi, Schlucht von Furla, Ferrara, San Marino, Comacchio.

Im Delta kommen wir gegen Abend an und lassen den Tag in Ruhe ausklingen. Schließlich war neben dem hier beschriebenen noch weiteres los.

Hinter den Kulissen:

* Neben unserem Parkplatz in Ancona gibt es einen Aufzug, der einen für 1 Euro zum Strand runterbringt. Fein, so was hat man nicht alle Tage. Machen wir. Äh, doch nicht. Tickets bezahlt, Aufzug aber gar nicht mehr in Betrieb.

* Fahrerin und Beifahrer kriegen sich beim Verlassen der Stadt fürchterlich in die Haare. Fast hätten beide das Auto verlassen und der Bus wäre allein auf der Kreuzung gestanden.

* Tücke der Technik: Automat an Mautstelle frisst Bankkarte. Operation mit Taschenmesser war erfolgreich.

Genüsslich durch die Berge

Den allergrößten Genuss bietet uns die Natur. Die sibillinischen Berge geben einen Auftritt erster Güte: gerundet, gefältelt, geschichtet. Meist nackt, hier und da von Bäumen voll buntem Herbstlaub dekoriert. Den meisten Applaus bekommen sie dort, wo sie die Hochebene von Castelluccio säumen.

Mittendrin das Örtchen Castelluccio, ebenfalls sehr stark vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen. Am Sonntagvormittag tummeln sich hier Wanderer, Paraglider, Motorradfahrer und Ausflügler. Mehrere kleine Läden, die wie die Cafés als Ersatz für die zerstörten Gebäude errichtet wurden, bieten die Spezialität der Region an: Linsen, die auf der Hochebene angebaut werden. Wer will kann sich auch einen Teller Linsensuppe kaufen. Das ist für uns so kurz nach dem Frühstück noch zu früh. Wir haben gestern in Castelsantangelo eine Packung der Hülsenfrüchte gekauft und werden uns bald selbst eine Suppe damit kochen.

Genussvoll geht der Tag weiter. Ascoli Piceno liegt etwa 50 Kilometer östlich und jetzt haben wir auch Appetit. Hier gibt es ebenfalls eine Spezialität: Olive all’Ascolane, gefüllte und frittierte Oliven, die hier an jeder Ecke auf den Teller oder in die Tüte kommen.

Eine Institution ist das Caffè Meletti mit seinem Jugendstilinterieur. Zum Kaffee werden hier mit hausgemachtem Anislikör gewürzte Schokoladenbonbons gereicht.

Aber selbstverständlich sind wir nicht (nur) zum Schlemmen nach Ascoli Piceno gekommen. Wir genießen auch den Bummel über die Piazza del Popolo, die (mal wieder?) als einer der schönsten Plätze Italiens gilt. Weitläufig, mit Arkaden rechts und links, vielerlei eindrucksvollen Gebäuden und vor allem einem Bodenbelag aus dem heutzutage eher exklusiven Kalkstein Travertin. Sehr stimmungsvoll.

Nach der Genusstour durch die Berge erreichen wir am frühen Abend das Meer südlich von Ancona. Und schwelgen zum Abschluss dieses Tages in der herrlichen Aussicht aufs Meer.

In den sibillinischen Bergen: ein Adler, ein Hirsch, null Foto

„Macht heute Nacht ein Fenster auf, dann hört Ihr sie“, empfahl uns der Wirt vom Dal Navigatore gestern Abend. „Und wenn Ihr auf den Monte Pagliano geht, habt Ihr auch gute Chancen.“ Hier im Nationalpark Monte Sibillini gibt es nämlich Hirsche und die haben jetzt Brunftzeit.

Heute Nacht habe ich nur Achim gehört und während unserer Wanderung habe ich die ganze Zeit die Ohren gespitzt, leider keine röhrenden Hirsche gehört.

Aber dann, unmittelbar unter dem Gipfel, spitzt auf einmal ein Hirschgesicht über die Kante. Er schaut, wir schauen, dann ist er wieder weg. Leider kein Foto.

Dafür gibt es welche vom Aufstieg und von oben.

Super! Zwei davon haben mir die vierstündige Wanderung erleichtert.
Hier geht’s hin: auf den Monte Pagliano. Immerhin 600 Höhenmeter.
Nicht so steil wie gestern
Beste Aussicht

Den Adler haben wir ganz zu Anfang der Tour gesehen. Er beäugte uns, wir schauten ihm durchs Fernglas zu und freuten uns sehr. Wir haben sehr, sehr lange keinen Adler mehr gesehen. Er war so hoch oben, dass es von ihm leider auch kein Foto gibt.

Ganz aus der Nähe lassen sich leider immer noch die Spuren des schweren Erdbebens von 2016 erkennen. Die Dörfer hier in der Gegend waren am meisten betroffen und immer wieder stößt man auf zerstörte und verlassene Häuser und ganze Dörfer.

Als wir heute Morgen in Castelsantangelo, wo wir übernachten, einkaufen gingen, kamen wir an den Siedlungen vorbei, die als Ersatz für die zerstörten Häuser gebaut wurden. Auf der Fahrt hierher waren uns ähnliche Bauten auch schon aufgefallen.

Die Menschen wohnen jetzt direkt unterhalb ihrer ruinierten Heimat.

Auch der Wirt, bei dem wir gestern Abend waren (und gleich wieder, heute ist Pizzaabend. Und der leckere Wein kostet immer noch 4 Euro. Der Liter), hat sein Lokal im alten Dorf verloren und vor ein paar Jahren ein neues aus Holz gebaut. Gleich neben unserem Stellplatz. Er gab uns noch einen Tipp, den wir auch gleich befolgt haben: die leckere Wurst, die er uns zum ersten Glas Wein probieren ließ, gibt es beim Metzger um die Ecke. Sie heißt Ciauscolo, ist eine streichfähige Mettwurst, die mit dem süß-herben Dessertwein vin cotto, Knoblauch, Salz und Pfeffer gewürzt ist. Wir haben gleich mal zwei davon gekauft. Man braucht ja etwas Vorrat.

Unterm Fels und überm Fels

„Lass uns doch mal zusammen in die Bärenhöhle fahren.“ Ich stimmte freudig zu. Nicht, weil ich unbedingt in diese Tropfsteinhöhle in der Schwäbischen Alp will sondern wegen der Aussicht auf eine weitere Verabredung mit diesem interessanten Mann, den ich vor gerade mal einer Stunde kennengelernt habe. 39 Jahre ist das jetzt her, in der Bärenhöhle waren wir noch nie, aber beim heutigen Besuch der Tropfsteinhöhle Grotte di Frasassi fiel uns die Geschichte wieder ein.

Die Grotte ist eine der größten Europas und wurde vor 50 Jahren von jungen Höhlenforschern aus Ancona entdeckt.

Wir können sie heute sehr bequem durch einen langen in den Berg gesprengten Tunnel betreten und sind erstmal baff aufgrund der Dimensionen dieser Höhle. Die Grotten sind unglaublich riesig, eine Führung dauert etwa 75 Minuten.

Manche Stalagmiten sind riesig wie dieser „Obelisk“. Manche sind zart und wirken durchscheinend. Es ist eine verzauberte Welt, die die Natur uns hier unter der Erde präsentiert.

Auch der Mensch kann manchmal zauberhafte Dinge schaffen, etwa dieses achteckige Kirchlein in einen Felsen unweit der Höhle. Ein steiler Weg führt entlang eines Kreuzweges hinauf.

Hinter der Kirche erstreckt sich wieder eine Höhle, in die man aber nur ein paar Meter hineingehen kann.

Nach den Stunden im Fels zieht es uns am Nachmittag nach oben auf den Fels. Über die römische Brücke im nahegelegenen Dorf San Vittore wandern wir auf den Monte Frasassi.

Ich muss ein bisschen jammern, ein wenig stöhnen. Ist der Weg so steil und/oder bin ich so schlecht in Form?

Aber nach knapp zwei Stunden ist auch das geschafft und wie immer wird man mit Aussicht und Brotzeit belohnt.

Der Abstieg ist rasch erledigt. Am Bus angekommen gibt es noch einen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen (vorgestern Abend im Bus gebacken) .

60 Kilometer weiter südlich erreichen wir am frühen Abend den Nationalpark Monte Sibellini. Vor sechs Jahren gab es hier ein schlimmes Erdbeben, bei dem viele Häuser zerstört wurden.

In Castelsantangelo sul Nera, mitten im Park, wird ein Stellplatz angeboten. Hier wollen wir zwei Nächte verbringen und morgen ein wenig die Gegend zu Fuß erkunden. Den Abend lassen wir im benachbarten Restaurant Dal navigante ausklingen. Der Wirt lädt uns zu im Ort gefertigter Ciauscolo, eine Art Streichwurst, ein. Die Pasta und das Lamm sind lecker und der Hauswein aus den Marken kostet ganze 4 Euro. Der Liter.

Kunst, Kultur und kühle Schluchten

Ob heute Einschreibung ist? Die Hauptstraße in Urbino quillt nahezu über von Studentinnen und Studenten. Zu den 15 000 EinwohnerInnen kommen hier 20 000 Studierende hinzu. Plus Tausende von Touristen in der Hauptsaison.

Die Renaissancestadt Urbino ist ein beliebtes Ziel in den Marken. Der Dom, die Piazza, hübsche Einkaufsstraßen und natürlich der Fürstenpalast, der zugleich die Nationalgalerie der Marken beherbergt.

Der Dom in Urbino
Der Palazzo Ducale

Wir lösen zwei Eintrittskarten und gewinnen interessante Einblicke

Ausblicke und

Überblicke.

Nach Café und Panini lockt uns wieder die Natur, konkret die Schlucht von Furla. Hier hat sich der Fluss Candigliano seinen Weg durch teils 1000 m hohe Felsen gefräst.

Kaiser Vespinian hat vor über 2000 Jahren mitgemacht oder wohl eher mitmachen lassen und an einer Stelle einen Tunnel hindurchgetrieben, der heute noch befahren bzw. begangen wird. wird.

Leider lässt man hier die Bäume in den Himmel wachsen, so dass es kaum einen Spot gibt, von dem aus man die eindrucksvolle Schlucht gut sehen kann. Schade. Der Spaziergang entlang des Flusses, für den extra ein Fußweg angelegt wurde (im Tunnel sogar mit Beleuchtung), wäre soviel eindrucksvoller.

Die Höhle Grotta di Frasassi, etwa 60 km weiter südlich, ist unser Tagesziel. Wir installieren uns auf dem von der Gemeinde angegebotenen Stellplatz gleich beim Ticketschalter. Von hier aus können wir morgen Früh mit dem angebotenen Shuttle-Bus zur Höhle fahren und sie besichtigen. Der riesige Parkplatz ist so gut wie leer. Nachsaison eben.

Angekommen in den Marken

Unser erstes Etappenziel heute ist 18 Kilometer von San Marino entfernt und damit sind wir nun wirklich in den Marken angekommen.

Achim hatte das Bergdorf Monte Grimano gestern auf der Karte ausfindig gemacht. Sein ausgefallener Umriss war ihm aufgefallen.

Das historische Zentrum hat eine typisch mittelalterliche Spiralform, auf dem alten Platz steht die Pfarrkirche San Silvestro aus dem 18. Jahrhundert und ein Stadtturm als Überrest  der alten Burg aus dem 15. Jahrhundert.

Dessen Tor steht offen und wir klettern nach oben. An den Wänden hängen Fotografien vom Dorf.

Wir schlendern durch die Gassen, treffen Ignazio, der gerade die Piazza mit Musik aus seinem Telefon beschallt und ein Foto von uns machen möchte.

Zum Abschluss gönnen wir uns vor dem einzigen Café einen Kaffee.

Achim hat ein sehr schönes Foto mit seiner Drohne vom Dorf in seinem heutigen Blogbeitrag.

Auch die nächste Etappe ist nicht weit, auch so um die 15 Kilometer. Auf schmalen Sträßchen geht es hinauf und hinab durch Kehren und Kurven und ja, genauso hatten wir uns die Marken vorgestellt.

Bald erreichen wir den Weiler Pietrarubbia. Hier hat der italienische Bildhauer Arnaldo Pomodoro seine Spuren hinterlassen.

Obelisk für Cleopatra mit Wagen von Arnaldo Pomodoro

Er gründete in dem vom Verfall bedrohten Dorf eine Schule für junge KünstlerInnen, die hier mit den verschiedensten Metallen experimentieren konnten und schuf binnen weniger Jahre ein Mekka für zeitgenössische Kunst.

Oberhalb des Ortes liegt Pietrarubbia Castello. Hier gibt es den Palazzo Gentilizio, in dem das Museum für zeitgenössische Kunst mit Werken von Pomodoro und seinen SchülerInnen untergebracht ist.

Es ist an einem Mittwochmittag außerhalb der Saison leider geschlossen, aber wir haben das Glück, auf Raffaele zu stoßen, der uns bereitwillig alles zeigt.

Zuerst das Kirchlein San Silvestro, in dem Pomodoros Bronzesonne über dem marmornen Altar strahlt.

Dann das eigentliche Museum, das leider nur noch einige Werke des Künstlers beherbergt.

Raffaele de Feo betreibt gleich nebenan die L’Osteria dell’Arte, in der er und seine Freunde zum Essen Musik, Lesungen oder Ausstellungen servieren. Heute ist leider zu, aber immerhin gibt es einen Espresso.

Zum Mittagessen steuern wir den Dito del Diavolo, den Teufelsfinger, an.

Nach den Spiegeleiern machen wir einen Spaziergang zum monumentalen Felssporn namens Pietrafrangana, aus dem der im Volksmund „Teufelsfinger“ genannte Felsenfinger herausragt.

Der von mir ausgeguckte Stellplatz ist nur acht Kilometer entfernt. Wenn wir jetzt dorthin fahren, können wir noch gemütlich Kaffee trinken und den Rest des Tages genießen. Er soll eine schöne Aussicht bieten. Wunderbar. Hm. In Wirklichkeit gefällt es uns dort gar nicht, auch der nächste Platz ist nichts, aber bekanntlich sind aller guten Dinge drei oder so ähnlich.

Unser Stellplatz vor dem Kloster Duc bei Urbania

San Marino – die älteste Republik der Welt

Irgendwie haben wir bisher immer einen Bogen  um diesen winzigen Stadtstaat in der Nähe von Rimini gemacht. Dieses Mal wollen wir ihm einen Besuch abstatten. Von Comacchio in die Marken kommt man hier unweigerlich vorbei. Schade, dass ich meinen Reisepass nicht dabei habe – in der Touristeninfo könnte man sich einen Stempel holen. Für 5 Euro ein nettes Souvenir.

Wir parken auf dem kostenlosen Stellplatz unterhalb der Seilbahn, die uns in wenigen Minuten zur Altstadt hinauf bringt. Hoch oben auf dem Kamm des 765 Meter hohen Monte Titano thront das Wahrzeichen San Marinos, die Burg Rocca Gualta aus dem 11. Jahrhundert.

Drumherum Gassen mit Souvenir-, Parfum und Waffengeschäften, Hamburger-, und Pizzaläden, ein paar Cafés und Trattorien.

Achim bringt mich auf die Idee, mal wegen Parfum zu gucken und ich erwische glatt ein Schnäppchen: mein geliebtes Roma von Laura Biagiotti für die Hälfte. Das lohnt sich.

Ob es das ausgeprägte kommerzielle Treiben ist oder die Tatsache, dass hier in der Altstadt kaum noch jemand wohnt, jedenfalls wirkt das UNESCO-Weltkulturerbe seltsam steril. Eher wie eine Filmkulisse.

Basilika di San Marino

Bleibt noch die Frage, wieso es hier in Italien diese Zwergrepublik, die immerhin vollwertiges Mitglied der Vereinten Nationen ist, überhaupt gibt.

Die Geschichte San Marinos geht auf das Jahr 301 zurück. Der Legende nach soll der Heilige Marinus (San Marino) vor den Christenverfolgungen auf den Berg Titano geflüchtet sein und dort mit Glaubensbrüdern und -schwestern eine erste christliche Gemeinschaft gegründet haben. Eine zum Christentum konvertierte Römerin schenkte Marinus den Berg, und nach dessen Tod im Jahr 366 gründeten seine Anhänger dort die Republik San Marino. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterten die San-Marinesen ihr Territorium friedlich durch Landerwerb und verteidigten dank geschickter Diplomatie und der Unterstützung eines gut ausgebildeten Heeres erfolgreich ihre Souveränität.

Der Palazzo Publico auf der Piazza della Libertà

So blickt die Republik auf eine 1700jährige Geschichte zurück und gilt damit als die älteste der Welt.

Nach dem Stadtbummel machen wir es uns im Bus gemütlich und planen unsere Fahrt durch die Marken, an deren Grenze wir uns jetzt befinden.

Rund um die Lagune: Aale und Flamingos

Unsere Radtour rund um die Lagune von Comacchio ist 55 km lang und beginnt mit einer Fährfahrt von einer Minute über einen Kanal. Dies erspart uns eine viel befahrene Brücke und macht erheblich mehr Spaß.

Ehe wir das Boot besteigen, schauen wir Fischern bei der Arbeit zu, die ein Netz über den Boden des Kanals ziehen und bis zum Rand mit Muscheln gefüllt wieder rausziehen.

Hier in der Lagune und am Meer dreht sich alles um Fische und Meeresfrüchte. Fangfrisch werden sie vor den Kuttern verkauft.

Wir radeln weiter nach Comacchio, den Weg kennen wir schon von gestern. Heute verlassen wir den Ort Richtung Westen und stoßen bald auf einen kleinen Pfad entlang der Lagune mit Blick auf zahlreiche Fischerhütten. Sie säumen die ersten fünf Kilometer unseres Weges. Einfache Holzhütten stehen auf Pfählen im Wasser. Außen sind riesige Fangvorrichtungen befestigt, die ins Wasser gesenkt werden können.

Comacchio ist nicht nur als Klein-Venedig sondern auch als Hauptstadt der Aale bekannt. Früher wurde der Fisch hier in Massen aus der Lagune geholt. Heute steht er auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und wird nur noch in kleinen Mengen gefischt.

Wir genießen die Fahrt immer am Wasser entlang und schauen den Kuhreihern, den Grau-und Silberreihern, den Blesshühnern und Unmengen von Kormoranen zu. „Guck, eine Bisamratte!“, ruft Achim mir zu… und noch eine, und noch eine und ein paar Junge dazu. Sie sind zu schnell für uns und lassen sich nicht fotografieren.

Immer wieder ist die Lagune von kleinen und größeren Dämmen und Inselchen durchzogen. Sie umfasst 11 000 Hektar und gilt als die größte italienische Lagunenlandschaft mit Brackwassergebieten.

Im Süden kommen wir nicht so richtig vorwärts: alle paar Minuten steigen wir von den Rädern ab, holen die Ferngläser raus und beobachten die Flamingos, die sich hier zu Hunderten tummeln.

Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel entdecken wir einen Wegweiser zum Lido di Spina. So heißt der Ort vor Lido degli Estensi, wo unser Bus steht. Wir wundern uns, denn das Schild weist in Richtung Wasser und Achims Navi protestiert auch bald, nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben: „Keine fahrbare Strecke“. Haha, weit gefehlt. Ein sehr schmaler, aber bestens befahrbarer Damm führt uns mitten durchs Wasser unserem Ziel entgegen. Wir sind begeistert. Ich weiß nicht, ob ich jemals eine eindrucksvollere Strecke geradelt bin. Es ist wie Radfahren auf dem Wasser. Unglaublich schön. Und ein bisschen surreal.

Erstmal noch ans Meer

Den Tag beginne ich mit einem Lauf entlang des Lago Inferiore. Wir stehen mit unserem Bus direkt an einem kleinen Hafen vor der Altstadt Mantuas. Das klingt romantischer als es ist, denn unser Stellplatz wird von einer Hecke umfasst, die uns den Blick aufs Wasser verwehrt.

Es hat bereits 13 Grad, als ich um halb acht loslaufe. Und ich bin nicht alleine unterwegs, denn Mantua bereitet sich auf ein großes Laufevent, einen Halbmarathon, vor. Davon bin ich mit meiner drei Kilometer langen Strecke weit entfernt. Trotzdem belohne ich mich für die morgendliche Anstrengung erstmal mit einem leckeren Frühstück im Bus.

Gegen Mittag erreichen wir Ferrara. Wir haben eineinhalb Stunden durch die Poebene gebraucht, die heute noch ebenso unattraktiv daher kommt wie vor 20 Jahren, als wir hier mit den Motorrädern waren: flach wie ein Brett und von Gewerbe und Industrie zersiedelt. Den Po sehen wir leider nur ein einziges Mal von einer Brücke kurz vor Ferrara.

Auch Ferrara stand nicht auf unserer Liste. Unser   Marco Polo-Reiseguide aus dem Jahr 2005 mit den 150 Highlights in Italien hat uns zu einem Besuch verlockt: zu sehen sind die romanisch-gotische Kathedrale, ein Castello der Gründerfamilie Este und ein Palazzo, vor allem aber viele pittoreske Gassen. Die bekannteste ist die Via delle Volte, sie zählt gar zu den schönsten Italiens.

Via delle Volte

Mittlerweile ist das Thermometer auf 22 Grad gestiegen und wir genießen den Stadtbummel.

Die Kathedrale in Ferrara

Am Nachmittag fahren wir weiter ans Meer. Auch dies ist ein spontaner Stopp. „Das Lagunenstädtchen Comacchio mit bunten Fischerhäusern und palazzi steht auf 13 Inseln in der Deltalandschaft des Po“, lesen wir in unserem Reiseführer. Wir haben mittlerweile 24 Grad und ich liebäugele mit einem Bad im Mittelmeer.

Letztendlich reicht es mir aber doch, die (recht angenehme) Wassertemperatur mit den Füßen zu testen und wir schwingen uns aufs Rad, um den Ort zu erkunden.

Comacchio wird gern auch als Klein-Venedig beschrieben und ja, die ersten Eindrücke sind atemberaubend. Der halbe Ort flaniert durch die Gassen, die bunten Fassaden spiegeln sich in den Kanälen, eine Band spielt italienische Schlager, fast zu schön, um wahr zu sein.

Um die Idylle auszukosten, lassen wir uns auf einen Aperitivo nieder und erfreuen uns an der mediterranen Tradition, diesen mit feinen Knabbereien zu genießen.

Morgen bleiben wir noch hier und erkunden die Lagune südlich des Po-Deltas mit dem Rad.

Wir nähern uns den Marken

Die Sonne lacht vom Himmel, wie schön. Ein leichter Dunstschleier liegt noch zwischen der Sonne und uns, das wird schon werden. Unser morgendlicher Spaziergang führt uns durch Riva del Garda, durch Evas Riva und ihre Erinnerungen. Anschliessend umfahren wir das Weinfest in Bardolino großräumig und nehmen die westliche Uferstraße. Es ist Samstag und damit ist […]

Wir nähern uns den Marken