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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Wald, Wein und Burgen

Grau beginnt der Tag und unser Stellplatz beim Weingut Junghof ist sehr praktisch (der Wein war köstlich!) aber nicht schön. Einen regnerischen Tag zumindest teilweise auf dem Parkplatz am Hof verbringen? Och, nö. Also planen wir keine Radtour oder Wanderung sondern fahren gemütlich die Weinstraße gen Norden. Ganz in der Nähe bei Annweiler lockt eine […]

Wald, Wein und Burgen

Ein Schauertag zwischen Schwarzwald und Pfalz

Aufgereiht stehen die Brötchentüten vor der Rezeption unseres Campingplatzes. Säuberlich mit Namen versehen. So kann der Tag mit einem leckeren Frühstück starten.

Ehe wir weiterziehen, wollen wir uns noch Forbach anschauen, ein kleiner Ort gleich nebenan.

Warum gibt es hier bloß so eine große Kirche!?

Sie ist Johannes dem Täufer geweiht und wurde 1886 bis 1891 aus heimischem roten Sandstein mit zwei Türmen in neuromanischem Stil erbaut.

Auch innen ist sie prächtig ausgestattet.

Pech haben wir ein paar Orte weiter in Herrenwies. Hier soll es laut Prospekt und Internet einen Kunstpfad geben, auf dem wir gern, trotz des grauen Wetters und der immer wieder einsetzenden Schauer, gewandelt wären. Das muss aber jeweils so temporär sein, dass momentan gar nichts davon zu erspähen ist.

Nur Wiesenschaumkraut. Das ist aber auch schön.

Wir beschließen, den Schwarzwald zu verlassen und uns die Deutsche Weinstraße in der Pfalz anzuschauen. Sie beginnt im Süden in Schweigen-Rechtenbach mit dem Deutschen Weintor. Dessen Geschichte ist leider eine düstere: von den Nationalsozialisten 1936 erbaut sollte es wie die frisch ersonnene Deutsche Weinstraße die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter machen. Deutliche Ressentiments gab es schon gegen die französischen Nachbarn.

Unser Navi hat keine Bedenken, uns auf dem direkten Weg dorthin zu leiten, dass der durch Frankreich führt, stört es auch nicht.

Wir sind – Corona bedingt- erstmal erschrocken. Wie war das nochmal? Grenze zu Frankreich wieder offen? Dürfen wir hier jetzt langfahren? Ja, wir dürfen. So wie wir es nun seit Jahrzehnten gewohnt sind, passieren wir die deutsch-französische Grenze ohne Kontrolle, ohne Stop.

Wir überqueren den Rhein auf einer alten Eisenbahnbrücke und kommen durch kleine idyllische elsässische Dörfer, vorbei an fast künstlerisch gestalteten Wassertürmen.

Am deutschen Weintor angekommen, fotografieren wir ein bisschen und machen uns dann auf die Suche nach einem Café. Zuerst aber finden wir einen kleinen Park mit interessanten Skulpturen. So kommen wir also doch noch zu etwas Kunstgenuss heute.

Und was finden wir etwas später in der Kuchenvitrine? Schwarzwälderkirschtorte. Nehmen wir natürlich.

Kaffeeundkuchensatt fahren wir auf die Weinstraße und erreichen nach wenigen Kilometern das Weingut Jung in Heuchelheim.

Der Winzer bietet zwischen Straußwirtschaft und Garagen zwei (!) Stellplätze für WoMos an. Wir sind die zweiten. Nicht idyllisch, aber zweckmäßig. Zehn Schritte und die Verkostung der Pfälzer Weine kann beginnen.

Und dann kommt der Moment, in dem ich bei Helmut Kohl, ja, DEM Helmut Kohl,  Abbitte leisten muss. Ich fand seine Vorliebe für Saumagen, Saumagen!, immer gruselig. Und dass er dieses Zeug, das doch kein vernünftiger Mensch essen kann, auch noch anderen Staatsgästen servieren ließ.

Hier steht er auf der Speisekarte und ich wende mich sogleich den anderen Angeboten zu. Doch Achim ist mutig heute Abend und fragt Frau Jung danach, was Saumagen denn tatsächlich ist: Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln, zubereitet wie ein Fleischkäse, früher im Magen, heute im Kunstdarm serviert. Und was soll ich sagen: „Entschuldigung, Herr Kohl, jetzt verstehe ich Ihre Vorliebe!“ Saulecker!

Nach weiteren Grauburgundern und Jungs Jungen Wilden sind wir froh über die nur zehn Schritte bis zum Bus.

Im Schwarzwald sind die Bäume grün

Ziemlich zufällig haben wir uns einen schön gelegenen und ruhigen Campingplatz im nördlichen Schwarzwald ausgesucht. Die Kriterien waren einfach : kleines Nebental, schöne Wandergegend und bitte kein Remmidemmi. Der Platz in Erbersbronn bei Forbach schien uns genau der Richtige zu sein. Bingo! Vielleicht 40 Dauercamper (drei oder vier Wagen sind gerade belegt) und eine schöne […]

Im Schwarzwald sind die Bäume grün

Westwärts

Wir sind in den letzten zweieinhalb Monaten rund 1000 Kilometer geradelt. Überwiegend im Landkreis Freising. Ein wenig auch in den angrenzenden Landkreisen. Es war schön. Trotz Corona.

Seit gestern dürfen die Campingplätze wieder öffnen und wir nutzen die Gunst der Stunde. Eigentlich wären wir nächste Woche Richtung Norden gefahren, nicht mit den Rädern sondern mit unserem Wohnauto. Island wäre unser diesjähriges Reiseziel gewesen. Doch auch hier kommt es wegen der Pandemie anders als geplant.

Stattdessen sind wir heute Richtung Westen aufgebrochen. Der Westen Deutschlands will erkundet werden statt des fernen Nordens.

Zwei bis drei Wochen wollen wir uns treiben lassen und heimische Gefilde (neu) entdecken.

Wie schön, wieder im Bus zu sitzen, hoch oben über der Straße und in gemächlichen Tempo die vorbeiziehende Landschaft zu genießen.

Unser erster Stop ist am Ipf. Achim hat dieser Tage beim Studium der Landkarte diesen Kegelberg im Nördlinger Ries bei Bopfingen entdeckt.

Die Kelten hatten hier vor langer Zeit eine Festung, die sie mit verschiedenen Wällen, die heute noch in der Landschaft zu erkennen sind, befestigt haben.

Eine alte Lindenallee führt auf den Gipfel des rund 600 Meter hohen Hügels. Wir müssen aber nur 200 Höhenmeter überwinden, weil Bopfingen eh schon auf 400 Meter liegt.

Oben ist die Vegetation karg und man hat einen großartigen 360-Grad-Blick.

Zurück am Bus koche ich Kaffee und Achim schmiert zwei Stullen. Urlaubsgefühle. On the road again.

Ich bin ein wenig beunruhigt, ob es mit den Übernachtungsplätzen auch wirklich klappt. Wir sind ja mitten in den Pfingstferien. Hoffentlich sind nicht zu viele reisefreudige Camper unterwegs. Wir hatten Gerüchte gehört, dass manche Plätze einen nur nehmen, wenn man Dauercamper ist oder wenn man mindestens sechs Tage bleibt. Ob wir die sanitären Anlagen nützen dürfen, ist auch nicht klar.

Für unsere erste Nacht steuern wir einen Stellplatz in Bad Urach an. Die Fahrt dorthin führt uns hügelaufhügelab durch die liebliche Schwäbische Alb.

Problemlos finden wir einen Platz. Wir sind etwa zu zehnt hier. Doppelt so viele könnten hier stehen. Für 10 Euro inklusive Kurtaxe bekommen wir nicht nur den Übernachtungsplatz sondern auch Strom und Wasser.

Nicht immer ist „Campingverhalten“ auf dieser Art von Stellplatz erwünscht. Hier aber haben alle ihre Stühle und Tische rausgestellt und es sich gemütlich gemacht.

Auch wir ruhen uns erstmal ein halbes Stündchen aus, ehe wir zu einer kleinen Feierabendtour zu den Uracher Wasserfällen aufbrechen.

Jedenfalls für mich, die ich mich elektrisch unterstützen lasse, ist es eine Feierabendtour, für Achim, der selbst der Motor seines Fahrrads ist, entwickelt sich die Tour zu einem frühabendlichen Workout. Durch den Wald fahren wir recht steil bis zum Kopf des Wasserfalls.

Nun, vielleicht ist es auch eher ein Wasserfällchen. Jedenfalls ist es schön hier und die knapp einstündige Tour macht uns Spaß.

Dicke Bohnen mit Kartoffeln und Speck stehen, zurück am Bus, heute Abend auf der Speisekarte, zum Nachtisch gibt es ein Glas Weißwein und ein bisschen Schokolade. Bloggen, Lesen, Route für morgen planen.

Manchmal kommt es anders

Es fing damit an, dass ich las, Turkish Airlines fliege nicht mehr nach Deutschland. Bei dieser Fluggesellschaft habe ich aber mein Rückflugticket. Dann erschreckten mich Nachrichten von diesem und jenen Land, das seine Grenzen schließt. Schließlich gab es viele Gespräche und letztendlich die Einsicht, dass wir derzeit eine weltweite Krise erleben, deren Ausmaße gar nicht absehbar sind. Was, wenn der internationale Flugverkehr zeitweise eingestellt wird, was, wenn ich Nepal für längere Zeit nicht mehr verlassen kann. Bei aller Liebe – das möchte ich nicht.

Außerdem habe ich das Bedürfnis, jetzt bei meiner Familie und meinen Freunden, sprich zuhause zu sein.

Freund Suren bestärkt mich sehr darin, so schnell wie möglich heim zu fliegen und auch Goma und ihre Familie unterstützen mich. Und so kommt es, dass ich jetzt schon in Kathmandu und morgen wieder zuhause bin.

Ein letzter Blick auf Pokhara und den Fewa-See
Nach 25 Minuten sieht man bereits Kathmandu. Mit dem Auto oder Bus dauert die Fahrt fünf bis sieben Stunden.

Innerhalb kürzester Zeit gelang es gestern, mein Flugticket von Kathmandu nach München umzubuchen. Danke an Suren, der dafür drei Stunden im mit Touristen überfüllten Office der Turkish Airlines in der Schlange stand. Ich besorgte mir derweil ein Flugticket von Pokhara nach Kathmandu, holte noch rasch meine Wäsche ab, packte in Windeseile meinen Koffer und verbrachte noch eine kurze tränenreiche Zeit beim Abschied von Goma und den Kindern im Heim.

Deepsikak, Sapaana und Mamita

Für die Kinder ist „Coronavirus“ mittlerweile auch ein feststehender Begriff und sie verstehen meine Erklärungen, warum ich so Hals über Kopf abreise. Ich verspreche, nächstes Jahr wiederzukommen. Dann holen wir auch die Momo-Party nach, die eigentlich am kommenden Donnerstag hätte stattfinden sollen. An meinem regulären Abschiedstag.

Ausflug mit den Großen

Der Fahrer quält den Kleinbus im ersten Gang den Berg hoch, unterstützt von seiner Hupe, die ausdauernd im Einsatz ist. 15 unserer älteren Kinder, Goma und ich machen heute einen kleinen Ausflug nach Deurali Dharahara. Von hier aus hat man nämlich einen ebenso guten Blick auf die Annapurnakette des Himalaya wie vom touristischen Aussichtsberg Sarangkot. Wenn man denn Aussicht hat. Als wir gegen 12 Uhr eintrudelten hatten sich die Gipfel schon wieder in Wolken gehüllt. Einer spitzte noch raus. Man kann ihn schwach auf dem Foto erkennen.

Aber immerhin blühen hier oben die Rhododendren, die nepalische Nationalblume, in voller Pracht. Und bietet uns schöne Fotomotive.

Zwei kleine Tempel laden zu einem kurzen Gebet und vielen Fotos ein.

Großartig der Blick hinunter auf die Stadt. Von hier sieht man deutlich die Baustelle für den neuen internationalen Flughafen. Er soll dieses Jahr noch in Betrieb gehen. Bisher müssen Reisende nach Pokhara entweder für teuere 100 Euro den 25minütigen Flug von Kathmandu aus nehmen. Da fliegen klangvolle aber zuverlässige Gesellschaften wie Buddha- oder Yetiair. Wenn man rechts sitzt und das Wetter gut ist, genießt man derweil einen atemberaubenden Blick auf die 8000er des Himalaya. Oder man nimmt den preiswerten Touristenbus für 10 Euro. Da kommt dann in der Regel allerdings die Fahrt in die Stadt Kathmandu und mindestens eine Übernachtung hinzu.

Wir klettern wieder in unseren Kleinbus und kurven etliche Kehren hinunter zurück in die Stadt. Zwischendurch muss unser Fahrer mal anhalten, weil die Bremsen heiß geworden sind.

Zurück im Zentrum steigen wir aus, zahlen 3000 Rupien (24 Euro) und verabschieden uns von unserem Fahrer. Goma steuert ein Restaurant an, in dem der Ausflug einen krönenden Abschluss finden soll. Ich lade stellvertretend für unsere SpenderInnen aus Neufahrn und Umgebung die Kinder zum Essen ein. Und sie freuen sich so, und sind sooo brav. Trotzdem sind sie sehr vergnügt. Es gibt Momos oder Chowmein, ein Nudelgericht mit Hühnchen. Und natürlich Cola, Fanta oder Sprite.

Danke den Freundinnen und Freunden daheim, die uns diesen Luxus ermöglicht haben.

Freuden des Touristenlebens 2: Auf die Insel

Obwohl mein freier Tag erst morgen ist, habe ich heute schon das Gefühl, Urlaub zu haben. Der Tag fing mit einem wunderbaren Blick aus meinem Fenster an. Die Berge zeigten sich ohne Wolken, ohne Dunst. Warme Dusche, Haare waschen, dann zum Dr. Espresso um die Ecke mit hervorragendem WiFi und leckerem Cappuccino, die SZ und den Reisebericht von Esther und Thomas runterladen und gleich schon mal reinlesen. Ehrlich? Interessiert mich gerade deutlich mehr als die Süddeutsche. Die beiden sind jetzt schon seit sechs Jahren in Nepal aktiv, indem sie in Pokhara ebenfalls ein Kinderheim unterstützen und berichten detailliert über ihre Erlebnisse hier.

Ich schlendere entspannt zum Rainbow Children Home. „Good morning, Eva! Subha bihani!“ tönt es aus beiden Klassenzimmern. Ich mache noch ein bisschen Englisch mit Mamita, dann geht’s zum Frühstück. Dal Bhat- time. Essen, jeder spült geschwind seinen Teller ab, dann gehe ich mit den Kleinen nach oben und helfe ihnen beim Anziehen. Das dauert. Bis sie ihre Schuluniform anhaben, sich das Gesicht gewaschen und Zähne geputzt haben, sind locker 20 Minuten um und ebenso lang dauert es, bis sie sich gekämmt und die Haare gerichtet haben. Geitri trägt einen Zopf mitten auf dem Kopf, Mamita zwei mit roter Schleife, Sita macht sich erst einen Dutt, da er nicht hält, flechtet sie die Haare usw. usf. Die Großen helfen den Kleinen, ich darf das nur bei wenigen ganz kleinen Mädchen machen, weil ich mich nicht sonderlich geschickt beim Frisieren anstelle.

Schließlich sind alle fertig und wir gehen zur Schule.

Am See im Green Leaf Café gönne ich mir danach erstmal einen leckeren nepalischen Milchtee, lese weiter im Reisebericht und telefoniere mit Freundin Simone, die gerade in Indien ist. Sie ist die Einzige, mit der ich um diese Uhrzeit reden kann. Mein Bruder in Vietnam ist zwar auch in der gleichen Zeitzone wie ich, muss aber arbeiten. Eigentlich egal, wer wo ist, nach kürzester Zeit kommt das Thema Coronavirus zur Sprache. Hier am See, ganz allein im Café, kaum Passanten, fühle ich mich gut aufgehoben in diesen Zeiten. Ich bin gespannt auf Deutschland und wie es weltweit weitergeht mit dieser Krankheit.

Als nächstes steht eine Bootfahrt an. Ich war in diesem Jahr noch gar nicht im Tal Barahi Temple auf dem kleinen Inselchen im Fewasee. Höchste Zeit also, schließlich bleibt mir nur noch eine Woche.

Ich habe Glück, die Aussicht auf den Himalaya ist wunderbar und ich genieße die Bootsfahrt und meine drei Tempelumrundungen (immer im Uhrzeigersinn) sehr.

Zurück von der Insel entdecke ich zum Mittagessen in einem kleinen Lokal etwas Neues: Samosa Chat.

Der Gemüsekranz besteht aus gelben Bohnen und Kartoffeln. Es wird auf einem Teller angerichtet, ein zerpflücktes Samosa hinzugefügt und allerlei feine Rohkost und Kräuter als Topping drübergestreut. So gesund und so lecker. Kostet ungefähr 50 Cent.

Da ich heute nicht wirklich einen freien Tag habe, kehre ich um 15 Uhr ins Kinderheim zurück. Heute war der dritte Tag der Schuljahrsabschlussexamen und die Kinder sind bereits daheim. Wie auch gestern und vorgestern beantworten sie meine Frage, wie es denn mit der Prüfung gelaufen sei mit einem überzeugenden „Good!“

Eine Gruppe Australier ist zu Besuch. Sie gehören ebenso wie die Gruppe von vor ein paar Tagen dem Verein Kiwanis an, der Kinder auf der ganzen Welt unterstützt, u.a. auch unser Rainbow Children Home. Außerdem haben sie Buntstifte und Malbücher mitgebracht und Goma regt einen kleinen Malwettbewerb an, bei dem die Kleinen begeistert mitmachen.

Für jedes Kind gibt es hinterher einen kleinen Preis und ein Siegerfoto.

Den Abend verbringe ich alleine mit Nepalilernen, bloggen und Reisebericht lesen auf meiner überdachten Terrasse im zweiten Stock. Irgendwann gehe ich noch auf ein Bierchen an den See. Bei immer noch milden 20 Grad.

Bäume pflanzen, Früchte ernten, CO2 vermindern

Bishnu Hari Pandi ist ein Schnellrechner. „Bisher“, so kalkuliert er, „liegt die Erfolgsquote bei 67 Prozent.“ Damit ist er nicht unzufrieden.

Gemeinsam mit Goma und Lukas Trotman von der amerikanischen NGO Woven Earth sind wir heute Morgen nach Pame auf Gomas Farm gefahren.

Von Jahr zu Jahr entwickelt sie sich mehr. Im Treibhaus wachsen gerade Unmengen von verschiedenen Salaten wie Radicchio, aber auch Mangold und Basilikum.

Viele neue Beete wurden angelegt, Bäume gepflanzt. Die Ziegen werden gerade gefüttert, dazwischen tollen die jungen Hunde herum, eine Kuh wird aus dem Stall geführt und draußen angebunden.

Es ist zehn Uhr und inzwischen sind acht Bäuerinnen und ein Bauer eingetroffen, die berichten sollen, was aus den Bäumen geworden ist, die Goma und ihre Mitstreiter von der nepalesischen Organisation Ithaka Institute for Climate Farming Nepal und Woven Earth ihnen vor sieben Monaten geschenkt haben.

Es ist eine idyllische Versammlung: die überwiegend rot gewandeten Farmerinnen vor dem weiten hügeligen Farmland, dazwischen die Tiere, ein Baby nuckelt an Mamis Brust. Es ist warm, die Sonne scheint, ich verstehe mal wieder kein Wort und bemühe mich, nicht einzudösen.

Die Resultate sind einigermaßen befriedigend. Knapp 70 Prozent der Bäume, Avocado, Mango, Papaya, Lychee und andere, leben noch. Die übrigen wurden von den Ziegen gefressen oder in Unkenntnis abgeschnitten.

Rund 60 FarmerInnen aus der Umgebung beteiligen sich an diesem Aufforstungsprojekt (übrigens überwiegend Frauen. „Nepali men are too lazy“ ,“Nepalische Männer sind zu faul“, O-Ton Goma). Heute ist ein Teil von ihnen auf Gomas Farm zusammengekommen, um über Fortschritt und Misserfolg zu berichten, sich von Bishnu Hari Pandi noch einmal motivieren zu lassen und die weitere Zusammenarbeit zu bekräftigen.

Schließlich machen wir uns auf, die Bäumchen, es sind ja noch zarte Pflanzen, vor Ort auf den verschiedenen kleinen Höfen anzuschauen. Wir stapfen querfeldein, balancieren über kleine Steinmauern an Feldrändern, klettern improvisierte Steintreppen hoch.

Die Bauern bekommen die Bäume vom Projekt geschenkt, erhalten pro Baum, der anwächst und in fünf Jahren noch lebt, einen kleinen Geldbetrag und dürfen die Ernte behalten. Lukas und seine Organisation Woven Earth beteiligen sich bereits seit ein paar Jahren. Auf ihrer Website http://www.wovenearth.org bieten sie sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen die Möglichkeit, CO2-Zertifikate zu kaufen. Mit dem Geld werden weitere Bäume gepflanzt. Die Kleinbauern erzielen damit in absehbarer Zeit ein weiteres Einkommen, die Bodenerrosion wird gestoppt und die CO2- Bilanz verbessert. Auch kleine Summen bewirken hier schon Großes.

Dieses Bild entstand vor sieben Monaten, als die Bäume an die Bäuerinnen und Bauern verteilt wurden

Happy Holi

Man hat den Eindruck, dass Holi, das Farben- und Frühlingsfest, in diesem Jahr vor allem von Touristen gefeiert wird. Mit Bierflaschen und Farbbeuteln in der Hand schlendern sie am See entlang und beschmieren jeden, der ihnen entgegenkommt. Manchmal auch Menschen, die ganz in Ruhe in ihrer Mittagspause eine Kleinigkeit essen wollen.

Dabei habe ich das doch längst hinter mir. Früh am Morgen besuchte uns eine Gruppe aus Australien, die das Kinderheim seit sechs Jahren unterstützt. Ihre Begrüßung war zugleich der Auftakt zu „Happy Holi!“ im Rainbow Children Home. Goma brachte Teller mit Farbpulver und betupfte jeden liebevoll aber bestimmt.

Irgendwann dürften die Kinder auch ran und dann war kein Halten mehr. Wobei dank Corona heuer hier auch nur in abgespeckter Version gefeiert wird. Keine große Party am See, keine Wasserbomben und überhaupt viel weniger Leute. Die Kinder erzählen mir schon seit zwei Tagen, dass die Lehrer von großen Holifeiern abraten. Aber daheim hatten wir dennoch unseren Spaß.

Internationaler Frauentag, internationale Solidarität

Ausgerechnet während der Schweigeminute zum Gedenken an die verstorbenen Parteimitglieder klingelt ein Handy. Das macht aber nichts. Denn die Handys klingeln auch fröhlich während der folgenden etwa zehn Reden zum Internationalen Frauentag. Das stört hier niemanden (übrigens ist hier in Nepal das Telefonieren mit dem Handy auch während des Autofahrens erlaubt).

Heute Vormittag fragte ich Goma, ob es denn keine Aktionen zum Internationalen Frauentag gebe. Die geplante Kundgebung und die normalerweise stattfindende Demo wurden wegen des Coronavirus abgesagt, erklärt sie mir. Aber wir könnten um 13 Uhr zu einer kleineren Veranstaltung gehen.

Das Haus, zu dem wir fahren, liegt in einem einfachen Wohngebiet im Stadtzentrum. Im ersten Stock stehen einige Frauen herum und begrüßen uns freundlich. Es ist, wie sich herausstellt, das Büro der kommunistischen Partei Nepals, der hiesigen Mehrheitspartei, nachdem 2008 die Monarchie abgeschafft wurde.

Im Veranstaltungsraum treffen nach und nach etwa 40 Frauen und ein paar Männer ein, drei davon sind Parlamentsmitglieder. Auf dem Podium sitzen außerdem acht Frauen, Parteimitglieder, die nach und nach eine feurige Rede nach der anderen halten. Dabei treten sie sehr selbstbewusst auf, reden mit lauter, klarer Stimme und fließend ohne Manuskript. Außer Nepal Communist Party verstehe ich nichts. Einmal meine ich Germany und Clara Zetkin zu hören, aber das war sicherlich ein Irrtum. Goma erzählt mir auf der Rückfahrt, worum es den Frauen in ihren Beiträgen ging. Die Themen unterscheiden sich nicht von denen, um die es bei uns am Internationalen Frauentag geht: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Namensrecht, Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Schade, dass ich nichts verstanden habe. Sie klangen sehr kämpferisch, diese Frauen. Und wirkten sehr selbstbewusst. Ach ja, und zwei von ihnen sprachen tatsächlich von der deutschen Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin, die als Initiatorin des Internationalen Frauentag gilt, wie mir Goma bestätigte.

Wir beenden die Veranstaltung mit der nepalesischen Nationalhymne, die jede kräftig mitsingt.

Zurück im Heim sammele ich die Kinder ein, denn ich hatte ihnen einen kleinen Ausflug zum Golden Buddha, 15 Gehminuten vom Heim versprochen. Es ist recht warm und der Weg den Hügel hinauf recht schweißtreibend. Aber wir werden mit einem tollen Ausblick auf den Fewasee und die riesige Buddhastatue belohnt. Außerdem wünsche ich mir ein Foto nur mit den Mädchen, passend zum Internationalen Frauentag.