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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

These boots are made for walking … Tag 12 (Tann – Bernsheim, 8 km)

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Tann am Morgen im frühen Sonnenlicht. Schon um neun Uhr sind wir startbereit, der Fuß fühlt sich lauffähig an und eine verkürzte Strecke habe ich auch schon auf meiner digitalen Wanderkarte. Gestern Abend liest mir Eva aus der Hochrhöner-Beschreibung vor, wir würden heute ja über 30 Kilometer vor uns haben. Ups, ich hatte 24 eingeplant … Seltsam.

Den ersten Einsparkilometer habe ich gleich an den Anfang der Etappe gelegt. Wir gehen nicht im großen Bogen aus Tann hinaus sondern direkt den Berg hinauf. Ob das die beste Entscheidung gewesen ist? Zuerst mal ist der Weg steil.

Und dann hört er auf wirklich zu existieren. Sch…

Auf der Asphaltstrecke denke ich über Tann nach. Es gibt ein sehr großes Schloss hier , die von der Tanns stammen von hier. Und da muss es einige mehr oder weniger berühmte Menschen dieser Familie gegeben haben. In München gibt es eine Von-der-Tann-Straße, habe ich…

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These boots are made for walking… Tag 11 (Schwarzbach – Tann, 20 km)

„Schwimmbad“ steht auf dem Schild am Wegesrand. Wir sind heute Morgen zwar erst vier Kilometer gelaufen, aber dieses Angebot ist zu verlockend. Bereits seit Tagen wünsche ich mir einen Badesee oder eine andere Schwimmgelegenheit und jetzt endlich ist sie da. Für 2,50 Euro erwerben wir eine Tageskarte und fünf Minuten später plantschen wir bereits im großen Becken. Selbst Achim, der normalerweise eine warme Dusche bevorzugt, traut sich hinein. „Kalt!“ „Ach was!“

Das Freibad in Gotthards wird von einem Verein organisiert, der auch das dazugehörige kleine Café mit der köstlichen Stachelbeerbaisertorte betreibt, eine Vase mit einer einzelnen frischen Rose aufs Klo stellt und ein Bücherschränkchen mit Freibadlektüre anbietet.

Ein Stündchen später sind wir wieder auf dem Weg und haben mit dem Zebraeffekt zu kämpfen. Dieser tritt normalerweise in Afrika auf, wo jedes dahergelaufene Zebra mindestens zehn Mal fotografiert werden muss, denn so nah, so schön, aus dieser Perspektive, bei so tollem Licht hat man es garantiert noch nicht geknipst. Hier heißen die Zebras offene Fernen und alle naslang bleiben wir stehen, um ein Foto zu machen.

Sehr zur Freude der Bremsen, die heute offenbar erst später frühstücken. Schade nur, dass ihr Brunch ein für sie so tragisches Ende nimmt.

Ich verleibe mir vor dem Mittagessen noch eine große Portion Himbeeren ein, die uns schon seit Tagen an den Sträuchern am Wegesrand offeriert werden. Saftig und süß. Für die zahlreichen Apfelbäume sind wir leider ein paar Wochen zu früh.

Das Wetter ist inzwischen so schön geworden, dass wir unseren heutigen Nachtisch, eine halbe Tafel Schokolade, die von gestern Abend übrig geblieben ist (Eva: „Hier, der Rest ist für dich. Ich habe schon die halbe Tafel aufgefuttert.“ Achim: „Ich kann jetzt nicht. Ich muss bloggen. Das lenkt mich nur ab.“) mit der Gabel essen müssen.

Später laufen wir eine Zeitlang auf dem „grünen Band“, dem Weitwanderweg entlang der früheren Grenze zwischen der DDR und der BRD. Wir stoßen auf alte Grenzsteine, auf den früheren Plattenweg, auf Infotafeln mit Berichten und Fotos vom 9.11.89, an dem sich die Frauen und Männer der gegenüberliegenden Dörfer aus Thüringen und Hessen auf dem zwischen ihnen liegenden Feld trafen und gemeinsam die Wiedervereinigung feierten.

Am späten Nachmittag müssen wir uns dann nochmal ordentlich anstrengen, um den 660m hohen Habelstein zu erklimmen. Achim hat seit gestern Nachmittag Schmerzen an einer Sehne am Schienbein. Auf und ab tut ihm nicht gut. Hilft aber nix.

Am Ortseingang von Tann, unserem heutigen Tagesziel, gehe ich vor, um in der Apotheke eine Tube Salbe zu besorgen. Fünf Minuten vor Ladenschluss trudele ich ein. Hoffentlich hilft’s.

Den Ort betritt man durch ein Renaissance-Stadttor. Im alten Zentrum befinden sich etliche sehr schöne Fachwerkhäuser. Wir schlafen heute in einem Gasthof, dem ein Steakhaus angeschlossen ist. Lecker, aber viel zu viel Fleisch (für mich). Morgen gibt’s wieder Salat (für mich).

These boots are made for walking … Tag 10 (Wasserkuppe – Schwarzbach, 22 km)

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Statistisch betrachtet gibt es an jedem zweiten Tag auf der Wasserkuppe Nebel. Es scheint heute ein zweiter Tag zu sein, denn der Berg ist eingenebelt. Macht nichts, wir wollen Wandern und nicht fliegen.

Schon nach unserem Frühstück sieht es ganz anders aus, nur 11° zwar, ich kann aber schon blaue Flecken am Himmel entdecken, das wird noch ein herrliches Wanderwetter heute. Der 950m hohe Gipfel hat einiges zu bieten, am auffälligsten ist das so genannte Radom, eine weithin sichtbare ehemalige RadarAnlage, heute noch eine Landmarke für die Sportfliegerei (Segelflieger, Drachenflieger …). Nicht weit weg ein Denkmal an gefallene Flieger des ersten Weltkriegs.

Tolles Panorama, keine Sonne. Loslaufen, warm werden. Wir kommen nicht weit, weil eine mir unbekannte Pflanze meine Aufmerksamkeit erregt. Ich habe sie mal Wollerbse genannt 😉

Noch mal ein Blick auf eine der welligen Flugplatzbahnen und wir gehen nun wirklich los. Diese Start/Landebahnen werden hier fast immer bergauf…

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These boots are made for walking… Tag 9 (Kreuzberg – Wasserkuppe, 21 km)

In der Nacht gießt es. Und so drehen wir uns um 6 nochmal gemütlich um und wachen erst kurz vor 8 wieder auf. Draußen ist es noch recht nebelig. Aber der Regen hat zum Glück aufgehört.

Wir lassen uns Zeit beim Frühstück. Im Kloster wurde sehr Kommunikationsfördernd an großen Tischen eingedeckt und wir kommen mit einem weitwandererfahrenen (noch) älterem Paar ins Gespräch. Er ist den kompletten Jakobsweg in mehreren Etappen gelaufen, im Schnitt 35 Kilometer am Tag. Oh, da ist bei uns ja noch Luft nach oben.

Wir brechen um viertel vor 10 auf und erreichen nach kurzer Zeit eine Gegend, die uns vom Durchfahren der Hochrhön vertraut ist und über die wir immer schon gesagt haben: „Lass uns hier doch mal wandern gehen!“ Karge, unbewaldete, leicht wellige Höhen, die einem großartige Fernsichten bieten. Der Nebel hat sich verflüchtigt und wir haben eine tolle Aussicht.

Die Rhön, so die Eigenwerbung, gehört zu den außergewöhnlichsten Mittelgebirgslandschaften Europas. Sie wird auch „das Land der offenen Fernen“ genannt. Wir genießen die Wanderung über die waldfreien Hochflächen und Kuppen. Viel zu schnell taucht wieder ein Waldstück auf und wir „hatschen“ ein bisschen meckernd vor uns hin. Dabei sollten wir dankbar sein, dass uns die dräuenden Regenwolken den ganzen Tag über verschonen. Es ist mitterweile recht kühl geworden und Achim, der mich ab und zu mit Spezialwissen verblüfft, erklärt mir, dass die Hochrhön eine Kälteinsel bildet und die durchschnittlich Jahrestemperatur auf der Wasserkuppe bei 4,8 Grad liegt (München: 13 Grad).

Aber das nächste Highlight wartet schon auf uns: kurz vor dem Roten Moor gibt es eine wunderbare Nabu- Hütte, in der Mammutkuchenstücke verkauft werden, Stachelbeer- und Pfirsichstreusel.

Und dann haben wir das Rote Moor erreicht und passieren auf einem Bohlenweg ein Birkenwäldchen und einen Aussichtsturm, von dem aus man einen Blick auf die vom Torfstich abgetragene Fläche und den Rest noch verbliebenes Hochmoor hat.

Wir müssen dann nochmal ein bisschen durch den Wald laufen, beklagen uns darüber, mecker, mecker und haben dann unser Tagesziel, die Wasserkuppe vor Augen. Sie ist mit ihren 950 m Höhe der höchste Berg Hessens und die Wiege des deutschen Segelflugsports. Standesgemäß schlafen wir im Hotel „Deutscher Flieger“ und Achim wird ein bisschen wehmütig, wenn er an seine eigenen Flugerfahrungen denkt.

Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, war übrigens auch schon mal Gast hier, erfahren wir am Abend in der Speisekarte.

These boots are made for walking… Tag 8 (Burkardroth – Kreuzberg , 20 km)

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„Ohne ‚Ö‘ fehlt mir was …“ . Hier meine ich natürlich nicht „Das Örtliche“ 😀

Unser Übernachtungsort Burkhardtroth liegt etwas vom Wanderweg „Hochrhöner“ weg. Wir genießen die zwei Kilometer durch die Felder, die Sonne schaut vorbei. Bei 15 Grad ist das ein sehr schönes Gefühl. Wir genießen das, weil die südliche Rhön offensichtlich auch die Waldrhön genannt werden könnte. Im Wald scheint aber die Sonne selten.
Meistens laufen wir durch Mischwald, manchmal durch Buchen- und selten durch Stangenwald, Kiefern.
Am Weg liegen nur kleine Ortschaften, Dörfer. Eines, Premich, wurde ganz offensichtlich seit 30 Jahren nicht entwickelt, das Gasthaus sieht geschlossen aus, die Häuser – naja, sind alt. Am Ortsrand gibt’s aber Neue.Und eine schöne Initiative für einen Dorfladen. Ich hoffe, es klappt.

Der zweite Ort, Langenleiten, ist dagegen eine Augenweide. Ein Strassendorf mit breiten Dorfanger, einem Grünstreifen in der Mitte zwischen den gepflegten Häusern. Interessant, wie ein Pfarrer eine Holzschuhindustrie…

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These boots are made for walking – Tag 7 (Bad Kissingen – Burkardroth, 15 km)

Unser erster Tag auf dem Hochrhöner! 140 Kilometer liegen vor uns. Wir sind gespannt.

Da der offizielle Trail beim Bahnhof beginnt, werden wir zunächst an prunkvollen Kurhotels, am Kurpark und schönen alten Villen vorbeigeführt. Gut gekleidete Menschen jeden Alters flanieren durch die Straßen. Wir selbst haben im Hotel Humboldt übernachtet, das seit wenigen Monaten sehr liebevoll von einem jungen vietnamesichen Paar geführt wird.

Wir schlafen aus, genießen unser Rührei zum Frühstück, kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein und schlendern dann gemeinsam mit den Kurgästen auf einer hübschen Promenade an der fränkischen Saale entlang.

Bald erreichen wir den Gradierbau, in dem früher Salz gewonnen wurde und der seit dem 19. Jahrhundert zu therapeutischen Zwecken genutzt wird: auf umlaufenden Stegen spaziert man an den hohen Reisigwänden entlang und atmet die mit Salz angereicherte Luft ein.

Auch auf den nächsten Kilometern bleiben wir beim Thema Wasser. Denn wir spazieren durchs Kaskadental. Ein Würzburger Fürstbischof ließ hier um 1767 das Bächlein mit Kaskaden und zusätzlichen Rohren aufstauen und Statuen anbringen. Letztere sind leider nicht mehr erhalten, aber von den Kaskaden ist durchaus noch etwas zu sehen.

Da wir heute nur 15 Kilometer vor uns haben und somit – wie bereits gestern – einen halben Ruhetag genießen, lassen wir uns viel Zeit, alles anzuschauen und auch die zahlreichen Infotafeln zu lesen.

Kurz nach Mittag ereichen wir das Forsthaus Hermannsruh. Jetzt haben wir zum ersten Mal Blick auf die Hochrhön und mit dem Kreuzberg am Horizont zugleich unser morgiges Ziel vor Augen.

Heute aber haben wir alle Zeit der Welt.

Gegen 16 Uhr erreichen wir bereits Burkardtroth, unser heutiges Tagesziel. Den Rest des Tages faulenzen wir. Im Café, im Bett und im Il Mulino, der örtlichen Pizzeria.

These boots are made for walking… Huppendorf – Scheßlitz (13,5 km)

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Huppendorf liegt in einem Talkessel, kein Handynetz (und auch kein wlan, aber leckeres Huppendorfer Bier und Eva bei mir 😏) und heute morgen, klar, gleich mal ein Anstieg.

Oben angekommen schauen wir gleich mal, ob denn endlich der Blogeintrag verschickt werden kann. Der Platz war schon sehr nett, das Netz aber auch hier nicht vorhanden.

Im nächsten Dorf (Poxdorf, genau!) habe ich etwas Neues entdeckt , den Apfelbaumstrauch. Äpfelpflücken ohne Leiter … finde ich toll.

Nach knapp vier Kilometern führte uns der Weg wieder mal in den Wald. Wir dachten schon, die fränkische Schweiz sei mit dem Ende des Leinleitertals gestern vorbei. Aber dann kam doch noch mal in diesem Wald ein Abschnitt mit Felsen , kommt das einigermaßen raus auf dem Handybild?

Scheßlitz kündigt sich an, es gibt plötzlich richtig Menschen auf diesem Frankenweg genannten Fernwanderweg. Familien gar. Aah, es gibt ein Highlight ! Die Giechburg lockt mit Fernsicht…

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These boots are made for walking- Tag 5 (Ebermannstadt – Huppendorf, 28,33 km)

Am schlimmsten ist es immer, wenn wir nach dem Abendessen aufstehen: jeder Knochen und Muskel im Leib tut weh und wir haben das Gefühl, keinen Schritt mehr laufen zu können. Morgens ist es besser. Dennoch müssen wir uns jedesmal erst wieder „einlaufen“. Nach einer Viertelstunde ist alles wieder geschmeidig(er) und dann kann es losgehen.

In der Früh macht sich stets eine prickelnde Vorfreude breit: Was wird der neue Tag bringen? Wird er voller Sensationen sein wie der gestrige beispielsweise? Oder wird er uns eher ein meditatives Dahingleiten durch Wälder und Felder bescheren? Was werden wir erleben? Wen werden wir treffen?

Heute sind wir um halb zehn startklar. Mit uns zusammen verlässt eine kleine Pilgergruppe das hübsche mittelalterliche Städtchen. Zwischen den einzelnen Strophen des „Gegrüßet seist du, Maria!“ spielt eine kleine Blechbläsergruppe ein paar Takte, dann bitten die Frauen und Männer um Gottes Gnade für sich „und unser Frankenland“.

Nach 500 Metern trennen sich unsere Wege, wir folgen dem Lauf der Wiesent und der Leinleiter und erfreuen uns an den Details am Wegesrand, dem hübsch angelegten „Ebsermare“, der Wanderhilfe für Fische, dem Geburtshaus von Johann Georg Lahner, dem Erfinder der Frankfurter Würstl, oder der angekündigten „Comedy auf dem Dorf“. „Liebreizend“ ist der Begriff, der mir in den Sinn kommt, während ich durch diese kleinen fränkischen Dörfer wandere.

Nach dem steilen Anstieg zum Hummerstein wird die Landschaft ruhig. Leicht wellig, Getreidefelder, Wald und Flüsschen. Wir laufen meist nebeneinander, manchmal bleibt Achim stehen, um zu fotografieren und ich gehe weiter, um nicht aus dem Tritt zu kommen. Mal reden wir miteinander, mal hängt jeder seinen eigenen Gedanken nach. Die sind zumindest bei mir nicht tiefschürfend. Nicht politisch, nicht philosophisch, eher banal. „Ob es noch weit ist bis zur nächsten Bank?“, „Ah, wie ich mich auf die Dusche freue!“, „Wieviel Kilometer wir wohl schon gelaufen sind?“

Am späten Nachmittag (nach einer Brotzeit mit köstlichem fränkischen Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl und Eiscafé bzw. Kuchen im Café in Heiligenstadt) gibt es auf einem kurzen Streckenabschnitt noch ein landschaftliches Highlight: hier hat sich die Leinleiter tief in den karstigen Fels gegraben und dabei ein Tal gebildet, das heute von Magerwiesen gesäumt ist. Wir stoßen auf einen Schäfer mit seiner großen Herde und für einen Moment verwechsele ich einen Keine-Ahnung-Baum mit einem Olivenbaum.

Von da an geht’s bergab mit mir. Wir sind jetzt rund 23 Kilometer gelaufen und ich bin müde! Aber bis zu unserer Unterkunft in Huppendorf, einem Brauereigasthof, sind es leider immer noch fünf Kilometer. Mehr als eine Stunde. Meine Fußsohlen brennen, meine Knie tun weh, ich bin erschöpft – und werde von Kilometer zu Kilometer stumpfsinniger und schlechter gelaunt. Gestern hat mir eine interessante Begegnung Aufschwung für die letzten Kilometer gegeben: der an dieser Stelle sehr schmale Pfad war durch einen umgefallen Baum blockiert. Auf der anderen Seite wartete ein wohl querschnittsgelähmter junger Mann in seinem handangetriebenen Liegerad. Er bat uns, den Baum anzuheben oder beiseite zu räumen, damit er passieren könne. Wie lange er wohl schon gewartet hat, dass hier in dieser gottverlassenen Gegend jemand kommt. Sofort hörte ich auf, mich darüber zu beklagen, dass ich noch vier Kilometer bis zum Tagesziel laufen müsse – und war froh, dass ICH sie laufen konnte.

Um 19 Uhr, nach mehr als 28 Kilometern und 720 Höhenmetern, erreichen wir den Brauereigasthof Huppendorfer. Duschen, Wäsche waschen und dann ab in den Biergarten zu Hausbier und Brotzeitplatte.

Heute haben wir die Einhundertkilometermarke geknackt: Insgesamt sind wir in den letzten fünf Tagen 114 Kilometer gelaufen. 15 Wandertage liegen noch vor uns.

Nicht ganz unerwarteterweise gibt es hier auf dem Lande kein Netz (Braucht Heimat kein Netz, liebe Staatsregierung?), deswegen kommt dieser Blog leider verspätet.

These boots are made for walking … Tag 4, an der Wiesent (22,5 km)

Unser vierter Wandertag. Hier Achims Bericht.

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Regentropfen prasseln auf’s Dach. Gut , hatten wir mit gerechnet. Dann gehen wir erst mal Frühstücken.

Nach dem Frühstück sieht das Ganze schon viel besser aus, leichter Schnürlregen. Das legt sich ja in der Regel bald. Eines der heutigen Highlights sollte die Basilika von Gößweinstein sein, aber, Pech, eine proppenvolle Kirchenveranstaltung, da machen wir keine Besichtigung. Und laufen mal los. Uff, der Weg führt an der Burg vorbei und Burgen stehen immer am höchsten Punkt. Am Anfang jeden Tages steht also tatsächlich ein Anstieg. Heute folgt auf den zugegebenermaßen kurzen Anstieg ein grandioser Abstieg ins Wiesenttal. Unfassbar steil und unfassbar schön ist diese steinige Welt. Und anstrengend.

Von einem Aussichtspunkt zeigt sich das Wiesenttal als Dampfkessel. In Mitteleuropa ist das ein gutes Zeichen, der Regen wird bald der Sonne weichen.

Wir kommen an der Stempflermühle an die Wiesent, 150 Höhenmeter niedriger als Gössweinstein. Mühlen brauchen viel Wasser und das tritt…

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These boots are made for walking – Tag 3 (Obertrubach – Gössweinstein, 23,5 km)

Der Ortsteil Bärnfels, in dem wir übernachtet haben, wird von einem gewaltigen Felsen überragt, der früher Teil einer Burg war. Der Ruine haben wir am Vorabend, quasi als Verdauungsspaziergang nach unserem Vier-Gänge-Menü, noch einen Besuch abgestattet.

Ebenso gewaltig ist unser Frühstück im Hotel „Drei Linden“: Joghurt, Obst, Müsli, Kuchen, Käse und eine sehr schöne Wurstplatte mit dünn aufgeschnittenem hausgemachtem Hackbraten mit Ei gefüllt, Geräuchertem und luftgetrockneter Mettwurst. Für die Brotzeit dürfen wir uns für 1 Euro das Stück Brote schmieren.

Perfekt gestärkt machen wir uns um kurz nach 9 Uhr auf den Weg. Ist es Gesetz, dass am Anfang einer Etappe ein Aufstieg steht? Und dass so früh am Morgen die Sonne schon so brennt und die Bremsen beißen?

Nach einem Kilometer tauchen wir erleichtert in den Schatten des Waldes ein. Gestern und vorgestern liefen wir durch Laub- und Mischwälder, heute ist es Nadelwald, der auch intensiv von der Forstwirtschaft genutzt wird.

Nach etwa eineinviertel Stunden erreichen wir das nächste Dorf, Kirchenbirkig, mit der sehr schönen Pfarrkirche St. Johannes, die im Innenraum in Holzständerbauweise errichtet wurde.

Wir queren den Ort und erfreuen uns an der sehr unterschiedlichen Nachbarschaft.

Während Achim einen Geocache sucht, raste ich. Das Bächlein vor mir gluckert, die Schmetterlinge flattern und im nahegelegenen Dorf kreischt die Kreissäge. Ich ziehe meine Laufschuhe aus und gönne meinen Zehen eine Brise Frischluft. Gut, dass mir die Füße (noch) nicht wehtun. Auch der Rücken meckert nicht, obwohl ich den Rucksack, vor allem, wenn’s bergauf geht, ziemlich schwer finde. Also alles noch fein.

Wir laufen ein Stück weiter und dann ist sie da, die fränkische Schweiz mit ihren beeindruckenden Felswänden und -nadeln. Das Tal ist hier so schmal, dass unser Wanderweg unweit der Straße verläuft, aber wir werden durch großartige Anblicke entschädigt und finden zusätzliche Abwechslung durch das Beobachten der Kletterer, die hier an den steilen Wänden rumturnen.

Ab und zu hält unser Weg eine Überraschung für uns bereit. Gerade kämpfen wir gegen unser mittägliches Tief an, als ein veritabler Steig unseren Adrenalinspiegel ansteigen lässt: ganz viiiele Höhenmeter wollen auf relativ kurzer Strecke erklommen werde. Und ich schimpfe vor mich hin: „Die Nepali können das viel besser! Warum nur müssen denn die Stufen hier für die langen Beine von Zwei-Meter-Männern gemacht sein?!“

Nach rund 20 Tageskilometern erreichen wir Tuchersfeld. Da es erst 16 Uhr ist, statten wir dem Juramuseum einen Besuch ab und lernen, dass es vor Urzeiten viel gefährlicher war, hier zu wandern. Bären und Krokodile hätten einem begegnen können!

Wir trinken in der Wirtschaft nebenan noch einen Kaffee und nehmen dann die letzten drei Kilometer für heute in Angriff. Gemein. Anstatt die Tour langsam ausklingen lassen zu können, erwartet uns nicht nur ein weiterer recht heftiger Anstieg sondern auch der erste Regenschauer dieser Tour. Und Donnergrollen, was mir im Wald ein wenig Angst macht.

Pitschnass erreichen wir die Pension Gisela, in der uns ein gemütliches Zimmer erwartet – und wie so oft in diesen Tagen – ein sehr maues WLAN. Hallo, liebe verantwortliche Politiker, was ist denn hier los? Entschuldigung, wenn ich nochmal diesen Vergleich bemühe: Aber wieso hatte ich in Nepal in jedem Dorf, in jeder Klitsche ein super Netz und hier in Deutschland kriegen wir das nicht hin? Grrrr.