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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Madagaskar

Magda und Rino, die uns seit einigen Tagen im Waisenhaus helfen, haben gestern entdeckt, dass es ganz in unserer Nähe einen „Moviegarden“ gibt, also ein kleines gemütliches Freiluftkino. Da sind wir heute gegen 17 Uhr mit 20 Kindern hin, um uns „Madagaskar“ (auf Englisch) anzuschauen. Die Bildergeschichte um einen Löwen, ein Zebra, eine Giraffe und ein Rhinozeros aus dem New Yorker Zoo sind so eindrucksvoll, dass man der Story folgen kann, ohne jedes Wort zu verstehen. Zwei riesige Einkaufstüten Popcorn, die eine mit Magda und Rino befreundete Gastwirtin spendiert hat, rundeten den Kinoabend perfekt ab. Nicht nur die Kinder waren selig 😍.

Dieser lustige Abend war ein wirkliches Kontrastprogramm zum Vormittag. Eine der Schulen, die viele unserer Kinder besuchen, feierte ihr 60jähriges Jubiläum. Der Schulhof war sehr hübsch mit bunten Girlanden, einer Bühne und Ehrensitzen für die (vielen) Honoratioren hergerichtet. Alle SchülerInnen waren da, auch viele Eltern nahmen an der Zeremonie teil. Es gab tolle Tanzeinlagen (schon gestern Abend hatte einer unserer Jungs davon erzählt,  dass er auch tanzen würde und wir unbedingt kommen müssten).


So weit so schön. Wenn nur diese endlosen Reden nicht gewesen wären. Unter einer halben Stunde pro Redner (und es gab sehr viele!) ging da gar nichts. Allein bis mal jeder wichtige Mensch begrüßt worden war. Dann wurden die Unterstützer namentlich benannt und nach vorn gebeten (jeder erhielt ein rotes Bindi, einen Schal und einen Blumenkranz) und schließlich wude natürlich noch die gesamte Schulgeschichte geschildert. Aber wirklich in epischer Breite. Oder warum hätte allein dieser Beitrag fast eine Dreiviertelstunde dauern sollen?


Die Geduld und Disziplin der Kinder war unglaublich. Nach etwa zwei Stunden wurden sie mit einer Zimtschnecke und Tee belohnt, während das Programm aber weiterlief. Insgesamt dauerte die ganze Zeremonie von 11 bis 16 Uhr. Letzteres weiß ich aber nur vom Hörensagen, denn Ben und ich sind gegen zwei gegangen und haben uns in einer Garküche nebenan die Chicken Momos schmecken lassen.

Wenn die Nachbarinnen tanzen

Als ich heute gegen 19 Uhr nach Hause ging, fühlte ich mich auf einmal recht einsam. Ich ging in das kleine Lokal, in dem ich schon vorgestern und gestern war und wurde gleich wie ein Stammgast begrüßt. Die ältere Tochter fragte mich gleich aus: Wie heißt Du? Woher kommst Du? Kinder? Mann? Dann haben wir die Bilder in meinem Handy angeschaut und schließlich schlugen sie und ihre kleine Schwester vor, dass sie für mich tanzen könnten. Es war großartig! Ich weiß schon von unseren Mädels aus dem „Rainbow“, dass Tanzen hier in der Schule gelehrt wird.

Die beiden haben das so nett gemacht, dass ich mich auf einmal wieder wohl fühlte und ganz beschwingt nach Hause ging. They made my evening!

Ich wohne gleich nebenan und zum Rainbow Children Home laufe ich etwa fünf Minuten durch zwei ruhige Geschäftsstraßen, in denen ich fast alles kaufen kann, was ich so brauche: Das gute Mount Everest Bier, die scharfen einheimischen Chips, Wäscheklammmern, Kleiderbügel, Besen und Kehrblech. Nur meinen kleinen elektrischen Heizofen habe ich auf dem Markt zusammen mit Goma gekauft. Meine Indienerfahrene Freundin Simone hat mich auf die Idee gebracht. Sonst wären die feuchtkühlen Abende in meinem Zimmer auch gar nicht zu ertragen.


Ich wohne in einem dreistöckigen Haus in einer ruhigen Seitenstraße (wenn nicht nachts die wilden Hunde bellen). Die Mitbewohner unter mir habe ich noch kein Mal gesehen. Auf meiner Etage wohnen Ben und ich, über uns Khim, der Bruder von Goma.

Im zweiten Stock, in dem wir wohnen, gibt es mehrere Zimmer mit Bad. Sie sind etwa 13 qm groß, die Wände hellgrün, ebenso die Vorhänge. Der große Ventilator unter der Zimmerdecke lässt von heißen Sommernächten träumen. Zwei Betten, ein niedriger kleiner Tisch, auf dem ich meine kleinen Geschenke arrangiert habe, und ein Schrank komplettieren das Mobiliar.

Ich freue mich sehr, dass ich ein eigenes Bad habe und manchmal auch heißes Wasser, meistens laukühles.

Ganz wundervoll: Der Blick aus meinem Fenster.

Nachdem ich vorgestern Mittag eine kleine Putzorgie veranstaltet habe und der Heizofen fast für angenehme Temperaturen sorgt, fühle ich mich hier recht wohl.

Das tollste ist aber, dass ich hier in meinen Schlafsack eingemuschelt auf meinem Bett liegen und mit all meinen Lieben daheim per WhatsApp telefonieren kann. Das ist unglaublich aber wahr.

Hausarbeit

Gestern habe ich ja schon unsere Küche mit der offenen Feuerstelle beschrieben. Das Foto dazu ist mir jetzt sogar gelungen.


Es gibt noch eine weitere Küche nebenan, in der Noma, die Hausmutter, Regie führt. Mit ihr habe ich auch schon die Klassenzimmer, Flure und Schlafräume geputzt. Und das geht so: mit einem Reisigbesen wird gekehrt, anschließend der Linoleumboden feucht gewischt. Da es keinen Staubsauger gibt, werden die Teppichböden in den Kinderzimmern feste mit einem Schrubber bearbeitet und anschließend gründlich ausgefegt.


Hier fällt natürlich viel Geschirr an und um Noma, die übrigens den
allerbesten Tee kocht (sie würzt ihn mit einer ordentlichen Portion
Pfeffer!) zu entlasten, habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, ein Mal
am Tag einen der Berge Teller und Becher zu spülen. (Besteck fällt nicht so
viel an, weil meistens mit den Fingern gegessen wird.)


Spülen ist hier in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung: Da das
Geschirr auf dem Boden steht und die Wasserhähne in etwa 30 Zentimeter Höheangebracht sind, spielt sich das ganze in der Hocke ab. Nicht nur ich sondern auch mein junger Kollege Benjamin haben damit ein Problem. Deshalb nehmen wir immer einen Hocker zu Hilfe.
Nächste Challenge : Spüle im Sitzen unter einem laufenden Wasserhahn ab, ohne nasse Füße zu bekommen! Muss ich noch extra erwähnen, dass das Wasser kalt ist?

Wenn morgen nicht etwas ganz Außergewöhnliches ist passiert es über das ich berichten muss, werde ich Euch erzählen und zeigen, wie ich selbst hier wohne.

You never walk alone

Am beeindruckendsten waren die vielen Abschiede in den letzten Tagen. So viele gute Wünsche meiner Freundinnen und Freunde begleiten mich – da kann gar nichts mehr schief gehen. Zu dem Herz, von dem ich im vorigen Beitrag bereits schrieb, haben sich ein Tagebuch, ein Medallion (mit dem Foto meines Liebsten und dem Spruch „You never walk alone“), ein pausbackiges Schutzengerl und eine geheimnisvolle Rolle („Die darfst du erst im Flieger öffnen!“) hinzugesellt. Dass ich so verabschiedet werde, macht das Reisen leicht und die Vorfreude aufs Heimkommen groß.

Die Koffer sind gepackt. Morgen Nachmittag geht’s los. Wenn ich mich das nächste Mal hier melde, schreibe ich schon aus Pokhara.

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Ein Sammelsurium

Was für ein Sammelsurium an Dingen, die ich mit nach Nepal nehmen möchte, liegt auf dem Gästebett bereit!

Zum Beispiel der Aqua Steripen. Er wiegt 84 Gramm (ohne Batterien – die muss ich erst noch besorgen) und soll dafür sorgen, dass ich ab nächste Woche das nepalesische Leitungswasser gut vertrage. In 48 Sekunden, so versprechen die Hersteller, ist ein halber Liter Wasser dank UV-Strahlung entkeimt und trinkbar. Einfach Wasser ins Glas, Gerät aktivieren, eintauchen und einige Sekunden aufs grüne Lämpchen warten. Der reinste Zauberstab also, und ich gehe mal davon aus, dass es auch wirklich funktioniert. Prima auch, dass ich keine Berge von Plastikflaschen kaufen muss. Bei einem geplanten Aufenthalt von zwei Monaten käme da doch einiges zusammen.

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Das nächste Ding mit Zauberkraft in meinem Gepäck ist der Ultrasonic Pest Repeller. Da ich ohne meinen Liebsten, der sonst für das Entfernen von Spinnen aus dem Schlafzimer zuständig ist, reise, muss dieses kleine Gerät dafür sorgen, dass Spinnen, Kakerlaken, Mäuse und anderes Getier sich von meinem Zimmer in Pokhara fernhalten. Einfach rein in die Steckdose, anmachen und die Tierchen dank fieser ultrahochfrequenter Töne verscheuchen. Ha!

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Ganz wichtig ist dieses kleine Gerät: TP Link 3 G Mobile WiFi. Wenn ich in Kathmandu am 4. Januar zwischenlande, werde ich es mit einer Simcard bestücken und dann habe ich Internet genug, um meinen Blog zu schreiben, mit meinen Lieben daheim zu skypen, zu whatsappen, zu facebooken.

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Den Ball pod bekam ich von Sohn und Schwiegertochter zu Weihnachten geschenkt. Er dient meinem Smartphone, meiner Kamera und meiner Filmkamera als Stativ. Ja, die reisen auch alle mit. Außerdem noch das E-Book, ein paar „richtige“ Bücher, Sprachführer natürlich und ein bisschen Schokolade und Gummibärchen für die 42 Kinder im Rainbow Childrens Home, in dem ich im Januar und Febraur mithelfen werde.

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Ich befürchte, dass ich meine Kleidung mehr oder weniger zu Hause lassen und mich vor Ort mit einheimischen Hosen und Tuniken ausstatten muss.

Was auch unbedingt noch mit muss: das Herz, das vor einigen Tagen per Post bei mir eintrudelte. „Grün für die Hoffnung, dass es für Dich wunderbare Erfahrugen sein werden und das Herz – für die liebevollen Gedanken Deiner Freunde.“ Danke!!!

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