Archiv der Kategorie: Glücklich auf 8 qm

Vom Schloss zur Burg

Unser erster Blick aus dem Auto, das wir heute Nacht am Schlossberg in Kapfenstein geparkt hatten, zeigt uns erneut eine nebelverhangene Kulisse. Zauberisch hüllen die Schwaden die Weinberge ein.

Auf den zweiten Blick erkennen wir, dass wir nicht auf dem Gelände des Weingutes Winkler-Hermaden, in dem unsere Freunde ausstellen, stehen, sondern auf dem des benachbarten Buschenschanks. Dessen Inhaber fegt während unseres Frühstücks sehr nachdrücklich den Platz. Wir verstehen dies als Wink mit dem Zaunpfahl, uns woanders hinzustellen, was wir auch brav tun.

Ganz in der Nähe beginnt ein Geotrail, der rund um den Schlossberg führt und die geologische Besonderheit der Region, ihre vulkanische Beschaffenheit, erläutert.

Dann noch einen kurzen Abstecher in die Ausstellung, „Baba!“ wie der Österreicher sagt. Wir verabschieden uns von unseren Steiermärker Freunden – und brechen auf nach Deutschlandsberg, etwa 60 Kilometer Richtung Westen, um uns mit unserer singapolesischen Freundin Jessica zu treffen.

Die Anfahrt zu ihrem Burghotel ist schweißtreibend. Wir haben den Bus auf dem zentralen Parkplatz im Ort abgestellt, wo wir auch nächtigen dürfen, und müssen nun mit den Rädern den Burgberg hinaufradeln bzw. -schieben.

Oben angekommen finden wir unsere Freundin und einen Buschenschank mit heurigem Wein („Sturm“) und Maroni. Eine zünftige Jause, guter Schilcherwein und ganz viel Erzählen schließen sich im Laufe des Abends an. Es gibt eigentlich nicht viel, was über gute Freundschaften hinausgeht, oder?

Kapfenberg am Morgen, Kapfenstein am Abend

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Die Gemeinde Kapfenberg liegt fast an der Mündung der Laming in die Mur. Und wird hier eigentlich nur wegen des Titels genannt. Den Morgen an unserem Standplatz im oberen Lamingtal erzähle ich mit Bildern, da sagen Bilder mehr als Worte.

Wir konnten uns gar nicht trennen und zögerten die Weiterfahrt immer weiter raus, bis 14 Uhr.

Das war dann aber auch wirklich das Limit, da wir für 16:30 in Kapfenstein, westlich von Graz in herrlicher Weingegend gelegen, verabredet waren.

Und da wir ohne Pickerl unterwegs sind, braucht man etwas länger für die 143 km.

Unser Timing war gut. Acht Minuten zu früh laufen wir zur Ausstellungseröffnung im Langen Keller des Weinguts Winkler-Hermagen ein.

Es geht um Kunst, Kunsthandwerk und marokkanische Teppiche. Für uns sind es Reiseerinnerungen und Freunde. Und ausserdem gibt es noch eine Weinverkostung 😍

Zum Abendessen gehen wir hoch ins Schloss. Das ebenfalls von der Winzerfamilie betrieben wird.

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Seetaufe

Das hat er nicht verdient! Wirklich nicht! Dieses Juwel von einem See heißt völlig trivial „Freizeitsee“. Warum hat dieses wunderschöne Fleckchen Erde, an dem wir heute unseren Bus abstellen, keinen schönen, klangvollen Namen wie etwa Stiller See, Einsamer See oder vielleicht Versteckter See? Diese Ungerechtigkeit ist kaum zu ertragen, so dass wir beim Kaffee kurzer Hand zur Seetaufe schreiten: “ Herzsee“ soll sein Namen sein. Zum einen hat er – auf der Landkarte sieht man es – tatsächlich eine Herzform. Zum anderen haben wir ihn in unser Herz geschlossen, diesen kleinen See beim Campingplatz Zenz in Tragöß, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Bruck an der Mur.

Schon bei der Anreise sahen wir Hinweisschilder zum Grünen See, fünf Kilometer weiter. Wir radeln hinüber – doch was ist mit dem See passiert? Gar kein Wasser drin!

Kein Wasser MEHR drin, lernen wir später, als wir uns mit Frau Zenz, unserer Campingplatzeignerin, unterhalten: der Grüne See ist ein Karstsee, der sich mit dem Einsetzen der Schneeschmelze auf den Berghängen langsam mit sehr klarem Wasser füllt. Im Frühsommer enthält er am meisten Wasser, an der tiefsten Stelle sind es fast zehn Meter. Er hat dann wohl eine intensive türkise Farbe und wird deshalb gern auch „Karibik der Alpen“ genannt. Und um noch eins draufzusetzen: Google weiß, dass er 2014 sogar zum Sieger einer ORF-Sendung über die schönsten Orte Österreichs gewählt wurde.

Im Herbst aber trocknet er nahezu vollständig aus und so erleben auch wir heute den See fast ohne Wasser.

Über unseren See, den frisch getauften Herzsee erfahre ich noch, dass es sich um eine ehemalige Kiesgrube handelt, die vor 25 Jahre mit Wasser gefüllt und danach gestaltet wurde mit Bäumen, Liegeflächen aus Gras, Bootsverleih, Gasthof und Plätzen für Zelter und Camper.

Warum dieser hübsche See keinen Namen hat? Frau Zenz zuckt mit den Schultern. „Das ist halt einfach der Zenz-See. So wie wir heißen.“

Rund um den Wolfgangsee

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Der morgendliche Blick auf den See verheißt ziemlich schönes Wetter.

Schnell bei Komoot geschaut und schon gefunden, wonach ich suchte – es gibt eine Radtour rund um den See. Da das Wetter auch nach dem Frühstück noch freundlich gesinnt ist, nehmen wir die Räder vom Träger und radeln los.

Bis St Gilgen am westlichen Ende des Sees geht’s an der Bundesstraße entlang auf einem Radweg. Schön flach, wie man sich das eben so vorstellt bei einer Seeumrundung.

Am Ortsende dann eine Steigung, weg vom See. Und wieder runter, wieder hoch. So geht das einige Male. Ist aber nicht wirklich schlimm. Den schlimmen Teil der Strecke umfahren wir elegant. Der Falkenstein (siehe auf dem Bild hinter Evas Kopf) ist für Mountainbiker bestimmt ein grandioser Ausflug. Wir nehmen lieber ab Fürberg das Schiff und können den Felsen vom Wasser aus bewundern.

Hier haben wir Zeit, die Bergwelt rundum zu bewundern. Keine Frage…

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On the road again

Als Motorradfahrerin würde ich sagen: “ Die Gashand juckt.“ Als Bus- bzw. WoMofahrerin jucken nun nicht wirklich die Kupplungshand oder das linke Bein, aber da der Bus nun frisch überholt aus der Werkstatt zurück ist (TÜV und ASU, Gasprüfung, Schweißarbeiten und eine ganze Liste von Kleinigkeiten instandgesetzt) juckt irgendwas so stark, dass wir beschließen, noch eine kleine Herbsttour nach Österreich zu machen.

Eigentlich wollen wir unser Nachbarland ganz standesgemäß mit einer Bosna, dieser leckeren Bratwurst in der Semmel, die jeder Imbiss mit einer super geheimen Würzmischung zubereitet, begrüßen. Hinter Salzburg finden wir auch einen Metzger, der aber nur montags diese österreichische Hotdog-Variante verkauft. Wir haben Hunger, also gibt es eine Käseleberkässemmel. Besser gesagt zwei. Auch lecker.

Am Nachmittag erreichen wir unser heutiges Tagesziel, den Wolfgangsee. Es regnet. Es regnet zunehmend. Es schifft.

Wir kochen Kaffee und essen Apfelkuchen.

Wir räumen unsere Sachen ein, weil wir sie heute Vormittag nur reingeschmissen hatten.

Wir saugen. Ich weiß nicht mehr, ob wir das vor der Werkstatt gemacht hatten. Es sieht nicht so aus. Katzenpfotenspuren hatten wir aber sicherlich keine auf dem Tisch, vor der Werkstatt.

Als es dämmert, köpfen wir die Flasche Rotwein, die noch aus Spanien stammt und dämmern uns so durch den Abend.


Und machen die Heizung an.

Adios

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Sturmwarnung für Ainsa. In der Nacht hat es so stark geschüttet… das war eine Entscheidungshilfe. Nicht noch einen Tag die Pyrenäen im Parque National de Ordesa y Monte Perdido erleben, das will ich aber bei Gelegenheit nachholen, sondern gleich weiter Richtung Heimat.

Am Hospital de Parzán – Tankstelle, Supermarkt, Restaurant – gibt’s den letzten Café con Leche. Und zwei Kilometer später noch eine weitere kurze Pause. Baustelle im Tunnel, bitte warten.

Ein kleiner Wasserfall plätschert den Fels hinunter und dann können wir weiter.

Der drei Kilometer lange Tunnel erspart uns reichlich Kurbelei gegenüber einer Passfahrt. Die relativ kleinen Straßen sind auch so schonirgendwie anstrengend.

Frankreich empfängt uns eher lieblich.

Unsere Route zum Zwischenziel in Riviére führt uns aber durch den Großraum von Toulouse. Das ist nervig, verstopfte Straßen, ungeduldige Autofahrer. Wie Paris ist auch die Verkehrsplanung rund um die Stadt zentralistisch, alle Wege führen nach Toulouse. Fürchterlich, da…

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1500 Kilometer Heimweg

Da wir Anfang nächster Woche daheim sein wollen, leiten wir heute die Rückreise ein. Rund 1500 Kilometer liegen vor uns, im Schnitt um die 300 Kilometer am Tag. So trifft es sich gut, dass es nieselt und kühl ist, als wir heute Morgen San Sebastian in Richtung Pamplona verlassen. Auch diese Stadt lassen wir links liegen, denn wir können keine Altstädte, Kathedralen und Gassen mehr aufnehmen. So viel gesehen in den letzten Wochen. Gnädig lassen wir uns also vom Nebel einhüllen und rollen auf der leeren Autobahn dahin.

Bis, ja, bis endlich unser spanischer Lieblingssupermarkt auftaucht, in dem wir uns für zuhause mit Wein, Jamon und anderen Leckereien eindecken.

Nachdem wir den quirligen Großraum Pamplona verlassen haben, durchfahren wir das leere Aragonien. Achim wird ganz narrisch, weil es so schöne Ausblicke gibt, man aber nicht anhalten kann.

Gegen halb fünf erreichen wir unseren Drei-Sterne- Campingplatz in Ainsa, ein Dörfchen in den Pyrenäen. Nach drei Nächten auf Stellplätzen mit Katzenwäsche in unerem Minibad tut eine ausgiebige Dusche mal wieder gut. Außerdem gibt es einen beheizten Pool und eine Sauna. Letztere brauchen wir nicht, weil es im Laufe des Tages wärmer geworden und jetzt richtig schwül ist. Den Pool habe ich für mich allein. Wunderbar.

Am Abend radeln wir nach Ainsa. Die Altstadt liegt auf einem Hügel. Es ist unser letzter Abend in Spanien, den wir traditionell mit einer Caña und einer Sangria einläuten. Ein bisschen Wehmut macht sich breit, weil das Ende dieser längsten gemeinsamen Reise, die wir bisher gemacht haben, naht. Es war nicht immer Harmonie pur, wir haben uns auch ganz schön gekabbelt, aber unsere 8 qm haben uns dennoch ein gutes zweites Zuhause geboten.

Viel Vorfreude habe ich auf daheim, die kleine Familie, die Freundinnen und Freunde.

Entspannt in Bilbao

Bilbao ist ein coole Stadt. Falls es irgendetwas geben könnte, was mich hier irritiert, dann wäre es vielleicht die Sprache. Voller x oder tx, jedenfalls kann man sie nicht entziffern, nichts verstehen. Da ist die gemeine Touristin froh, dass alles zweisprachig, also in Baskisch und Kastilisch beschriftet ist. So hat man eine kleine Chance zu verstehen, worum es geht.

Zum Beispiel Zubizuri. Kommt doch niemand auf die Idee, dass das Spanisch ist. Ist es ja auch nicht. Ist Baskisch, bedeutet weißer Bogen und ist der Name einer elegant geschwungenen weißen Brücke, die eines der Wahrzeichen Bilbaos ist.

Ein weiteres ist das Guggenheim-Museum, von 1993 bis 1997 vom amerikanischen Architekten Frank Gehry gebaut. Heute wird es als Startschuss für die urbane Entwicklung der Stadt gesehen. Früher reine Industrie – und Hafenstadt lockt sie jetzt viele KunstliebhaberInnen und Reisende an.

Vor dem Gebäude findet man die „Maman“ genannte Spinne von Louise Bourgeois und den blumigsten Hund aller Zeiten, „Puppy“ von Jeff Koons.

Drinnen werden Werke von VertreterInnen zeitgenössischer Kunst wie Jenny Holzer, Richard Serra oder Gerhard Richter gezeigt.

Unser weiterer Spaziergang durch Bilbao führt an diversen Prunkbauten und zahlreichen modernen Gebäuden vorbei und durch schöne kleine Parks.

Mit der Standseilbahn fahren wir hoch zu einem Aussichtspunkt, der uns schöne Blicke auf die Stadt unter uns schenkt. Auf der Rückfahrt sitzt ein alter Mann mit uns in der Kabine und spielt auf seiner Mundharmonika. Mit strahlendem Lächeln bedankt er sich für den Applaus. Glücklich geht er danach davon.

Für uns war es ein weiter Weg, endlich auch mal wieder heiß und so kommt uns das vielgerühmte Café Iruña mit seiner orientalisch angehauchten Inneneinrichtung und köstlichen baskischen Pintxos (Tapas, leckere Kleinigkeiten) gegen 18 Uhr gerade recht.

Schon gestern Abend haben wir der hiesigen Sitte folgend einen Zug durch die Bars gemacht und u. a. marinierten Kabeljau, mit Paté gefüllte Macarons (ein Traum!) oder einen pechschwarzen Böller, der mit Fischbrei gefüllt war, gegessen. Keine Ahnung, was das war, hat hervorragend geschmeckt.

So machen wir auch an diesem Abend weiter. Nach frittierter Garnele, Anchovis und Pulled pork auf einem Maisküchlein gekrönt von einem kleinen Apfelschnitz erleben wir in einer der Altstadtgassen noch eine Überraschung: eine 15-köpfige Musikgruppe spielt baskische Weisen mit Einhandflöten (Txistu) und kleinen Trommeln. Leider nur zwei Stücke, dann ziehen sie weiter und wir fahren mit dem Bus zu unserm Bus, den wir auf einem Stellplatz über der Stadt geparkt haben.

Gaudís Laune in Comilla

Es war einmal ein Marqués de Comilla, der 1817 in dem kleinen Ort am Meer als Antonio López geboren wurde, nach Kuba auswanderte und dort als Sklavenhändler, Tabakplantagenbesitzer, Reeder und anderen Geschäften ein Vermögen machte. Als er nach vielen Jahrzehnten in seine Heimat zurückkehrte, hegte er den Wunsch, seinen Heimatort zu verschönern und beauftragte führende Modernisme-Architekten mit dem Bau verschiedener Häuser.Gaudí war erst 31 Jahre alt, als er den Auftrag annahm, ein Sommerhaus für Marqués de Comillas Schwager zu bauen. Weil der Bau recht extravagant geraten ist, wird er Capricho de Gaudi (Gaudís Laune) genannt.Das Ziegelsteingebäude ist mit Kachelbändern aus grünen Blättern und Sonnenblumen verziert sowie arabisch inspirierte Elemente wie ein an ein Minarett erinnernder Turm prägen die Fassade.Die Villa wird heute als eines der ersten relevanten Werke des berühmten spanischen Architekten angesehen und ist eines der drei Bauwerke, die er außerhalb Kataloniens baute.

Picos de Europa

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Potes heißt der kleine Ort am Rande des Parque National de Picos de Europa. Der Name der Nationalparks gehört zu jenen Bezeichnungen, die bei mir seit ewigen Zeiten Reisegelüste auslösen.

Hurra, nun bin ich da. Natürlich wollen wir uns dieses Gebiet erwandern. Der Ort liegt auf nur 360m über Null, fangen wir also nicht gleich mit einem 2000er-Gipfel an.

In der Karte finde ich einen ausgewiesenen Wanderweg, allerdings ist der 17 Kilometer lang. In meiner digitalen Karte finde ich einen Abkürzungsweg. Bei Sonnenschein wandern wir los.

Aus dem Ort raus und schon geht’s steil, sehr steil hinauf. „So ein Mist, eigentlich habe ich heute gar keine Lust zum Wandern“ – Eva ist nicht begeistert. Das ändert sich aber als wir eineinhalb Stunden und 400 Höhenmeter später auf einem breiten Kamm ankommen. Viehweiden und Aussicht belohnen uns. Eva ist nun auch mit Freude dabei.

Aber jetzt nochmal soviele Höhenmeter? Nein…

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