Archiv der Kategorie: Spanien (Frühjahr 2024)

Schöner wohnen

Im 13. Jahrhundert nahmen die katholischen Könige Granada ein und verdrängten die hier lebenden Mauren. Auch hier in Guadix wurden die Andersgläubigen aus der Medina zunächst in die Vororte und dann in die Randbezirke vertrieben.  Hier bauten sie sich Wohnhöhlen, indem sie Löcher in den weichen Tuffstein gruben. Höhlen sind günstig, einen Teil der Wände liefert die Natur. Außerdem bieten sie die perfekte Tarnung: Man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht.

Heute leben im so genannten Höhlenviertel von Guadix noch mehr als 3.000 Personen in über 1.500 Höhlen. Das macht es zu etwas sehr Besonderem. Alles erstrahlt in frischem Weiß und ist sehr gepflegt. Das Viertel hat auch eine Kirche, eine Grundschule, kleine Geschäfte und Cafés.

Wir verlassen das schöne Guadix, fahren vorbei an den schneebedeckten Bergen der Sierra Nevada, wechseln von der Provinz Granada in die Provinz Almería und fahren von 900 hinunter auf 400 Höhenmeter in Tabernas.

Dann empfängt uns eine spektakuläre Landschaft mit Sonnenschein und 20 Grad! Wir haben die (Halb-)wüste von Tabernas erreicht.

Hier können auch wir schöner wohnen, zumindest bis morgen.

Erstmal Kaffee kochen und die Aussicht genießen. Dann packen wir die Fahrräder vom Bus, um ein bisschen durch die Gegend zu fahren. Mist! Mein Rad hat einen Platten – und ich zum Glück einen Mann, der sehr versiert darin ist, kaputte Reifen zu reparieren.

Eine halbe Stunde später können wir los. Richtung Tabernas. Durch die Halbwüste, die wir alle aus dem Kino kennen. Denn hunderte Spielfilme, davon zahlreiche Wildwestfilme wie beispielsweise Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahr 1968 oder „Der Schuh des Manitu“ von Bully Herbig entstanden hier und noch heute drehen viele Regisseure gern in dieser einzigartigen Kulisse. Die Filmsets stehen zum Teil noch hier und können gegen (saftige) Eintrittsgebühren besichtigt werden.

Mit mehr als 3.0000 Sonnenstunden im Jahr ist die Tabernas Wüste die heißeste und trockenste Region auf dem europäischen Kontinent. Im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 40 Grad und es regnet praktisch nie.

Heute ist der erste Tag unserer Reise, an dem wir die Heizung komplett auslassen können. Selbst  am Abend hat es noch angenehme 16 Grad. Wir freuen uns jetzt schon auf den Sonnenaufgang morgen früh, der die bizarren Lehmformationen vor unserem Bus hoffentlich in schönes Licht taucht.

Wüste nicht gefunden

Tja, was soll ich sagen? Heute war der Tag kein Traumtag. Ich gebe allerdings zu: das ist Jammern auf hohem Niveau. Wenn man aber eine Wüste sucht und nicht findet, kann das schon nerven. Moment, der Reihe nach. Denn die nicht gefundene Wüste ist nicht das Einzige, was heute quer läuft. Es gibt da auch noch die misslungene Radtour. Damit muss die Geschichte losgehen.

Der Weg zum Startpunkt in Baúl, etwa 70 Kilometer weit, ist schön und bietet wunderbare Ausblicke auf die Berge und einen Stausee.

Achim hat im Netz eine sogenannte Via Verde entdeckt, einen Radweg, der auf einer Bahntrasse verläuft. Nach der gestrigen Wanderung schien uns eine Radtour heute verlockend.

Aber: wir befinden uns auf etwa 1000 m Höhe, es ist sehr kalt und der Wind pfeift. Auf den ersten Kilometern merkt man nichts davon, weil wir ihn im Rücken haben. Auf dem Rückweg haben wir ordentlich zu kämpfen. Den treten wir zum Glück schon nach vier Kilometern an. Puh, und dafür haben wir die Räder vom Träger gehievt.

Okay, kann ja nicht immer alles glatt laufen, jetzt auf in die Wüste! Gorafe ist der Name. Wenn man ins Internet schaut, was wir natürlich gemacht haben, findet man begeisterte Beschreibungen: „Die Wüste von Gorafe in der Provinz Granada in Andalusien ist wie von einem anderen Planeten. Das durch vielfältige Formen und Farben geprägte Gebiet besitzt eine einzigartige Schönheit, deren Landschaft an Kappadokien erinnert.“

Ja, der Ort Gorafe selbst liegt spektakulär am Ende einer Schlucht umgeben von hohen Felswänden.

Nur: Wo ist die Wüste?

„Am besten entdeckst du die Wüste von Gorafe vom Centro de Interpretación am Megalithenpark aus. Das 600 qm große Informationszentrum hat in der Regel von dienstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Von hier aus hast du eine gute Sicht auf das Tal, hier beginnt die Geo-Route. Auf dieser Tour kommst du an allen Höhepunkten der Wüste vorbei.“

Hm. Das genannte Informationszentrum liegt mitten im Ort und der Weg dorthin mit unserem Camper ist so eng, dass ich als Beifahrerin die Luft anhalte. Es ist geschlossen (Sonntagnachmittag, 15 Uhr), vor allem aber geht hier kein einziger Wanderweg los.

Eine gute Sicht in das Tal haben wir, das stimmt.

Aber wo ist die Wüste? Damit das klar ist: es GIBT in Spanien sogenannte Halbwüsten, z. B. die Bardenas Reales, in der wir letztes Jahr waren, oder die von Tabernas, wo wir morgen hinfahren. Es sind keine Sand-, sondern Steinwüsten.

Wir studieren die Landkarte, befragen noch mal das Internet, fahren eine Weile hier hin und da hin, hoch und runter. Nix. Dann haben wir die Nase voll und lassen es gut sein. Sollte jemand hier mitlesen, der es besser weiß als wir, kann es uns sehr gern wissen lassen.

Wir setzen uns jedenfalls in unseren Bus und fahren 30 km weiter nach Guadix. Der Ort ist bekannt für seine Höhlenwohnungen und schaut, ebenfalls vor felsiger Kulisse, sehr schön aus.

Wir setzen uns noch auf ein Bierchen auf die Plaza. Aber das ist bei neun Grad auch nicht so prickelnd und so laufen wir zurück zum Bus und beenden diesen Tag. Die Höhlenwohnungen schauen wir uns morgen Früh an – ehe wir in die Wüste, nach Tabernas, fahren.

Wandertag in Andalusien

Gestern Abend, als wir hier ankamen, haben wir vom Ort wenig gesehen. Heute morgen, als wir zum Wandern herkamen, waren wir geplättet. Wie schön ist das denn!

Finden nicht nur wir sondern auch jede Menge (spanischer) Touristen. Es ist Samstag und wirklich viel los.

Bald lassen wir den Ort hinter uns, klettern hinauf zum Castillo de la Yedra und fotografieren in einem fort die gigantischen Ausblicke auf das weiße andalusische Dorf Cazorla im gleichnamigen Nationalpark.

Für uns geht es noch ein Stück weiter hoch zur Burgruine Cinco Esquinas (Fünf Ecken) auf immerhin 1150 Metern. Zeit für eine Brotzeit.

Dann geht es ein Stück runter, ein Stück rüber und wir sind am Wasserfall Malena. Hier tritt der Fluss Cerezuelo aus den Bergen und mäandert über zahllose Kaskaden bis hinunter nach Cazorla. Der Wanderweg begleitet ihn nun, was mich an der einen oder anderen Stelle herausfordert, wenn mal keine schöne Brücke zum queren da ist sondern nur Steine oder Hölzer.

Egal, wir schaffen es, ohne nasse Füße zu bekommen. Müde sind sie nach 14 Kilometern aber doch.

Gut, dass es im Café Kaffee und im Bus Bier gibt. Morgen werden wir übrigens versuchen, in die Wüste zu kommen.

Kein Kampf gegen Windmühlen

Vor hunderten von Jahren hat Don Quijote hier, genau vor meinen Augen, gegen die Windmühlen gekämpft. Er hielt sie in seiner Fantasiewelt für Giganten, die er besiegen musste.

Cervantes nannte keine Ortschaften, aber diese Gegend hier, la Mancha, war die Abenteuerwelt des Ritters der traurigen Gestalt, seines treuen Gefährten Sancho Panza und seines klapperdürren Gauls Rosinante.

Damals, also um das Jahr 1600, standen auf dieser Hochebene, auf der wir nun mit unserem Camper stehen, hunderte von Windmühlen. In der gesamten Gegend dürften es jetzt immer noch knapp hundert sein, hier in Campo de Criptana zähle ich neun vor meiner Windschutzscheibe, drei stehen noch unten im Dorf.

Wir schaffen es tatsächlich, mit Sonnenaufgang aufzustehen und Fotos zu machen. Das klingt allerdings dramatischer als es ist, denn die Sonne geht hier erst um viertel vor acht auf. Dramatisch ist höchstens die Temperatur: zwei Grad.

Nach dem Frühstück gehen wir runter ins Dorf mit seinen weiß-blau gestrichenen Häusern und den schmalen Gassen.

Der Blick zurück bietet immer neue schöne Blicke auf die Windmühlen.

Anders als Don Quijote müssen wir nicht gegen Windmühlen kämpfen sondern können uns einfach an ihrem Anblick erfreuen.

Auf dem Weg weiter Richtung Süden fahren wir weiter durch die Provinz Kastilien La Mancha. Auffällig sind die riesigen Weinfelder rechts und links der Straße. Da ich heute Beifahrerin bin, habe ich Zeit zum googeln und kann Achim mit einem Rätsel überraschen: „Was hat unsere Heimat gemeinsam mit La Mancha?“ Beide beherbergen ein weltweit größtes Anbaugebiet. Die Holledau, in deren Nähe wir leben, das für den Hopfen. Und La Mancha das für Wein. Ist ja nicht zu fassen!

vinos.de weiß: „La Mancha im kastilischen Hochland ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt. Die DOP weist 170.000 ha Rebfläche auf, was mehr ist als alle Weinberge Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zusammen. Auf großen Flächen wachsen Weiß- und Rotweine, von denen die meisten im preiswerten Bereich angeboten werden.“ Beim nächsten Weinkauf werden wir zugreifen.

Am Nachmittag erreichen wir Andalusien, die Weinstöcke werden von Olivenbäumen abgelöst. So weit das Auge reicht. In der Ebene und die Hänge hinauf. Im Internet ist von „Olivenmeeren“ die Rede. Allein in dem Bereich, in dem wir uns jetzt aufhalten, wachsen über 65 Millionen Olivenbäume.

Das Weltkulturerbe Úbeda liegt auf unserem Weg. Wir bummeln durch die kleine Renaissancestadt und trinken Kaffee. Der Weinkauf scheitert an der sehr ausgedehnten Siesta. Die Geschäfte machen erst um fünf wieder auf.

Schließlich erreichen wir unser Tagesziel, einen Stellplatz bei Cazorla mit toller Aussicht auf die Olivenhaine. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, denn morgen wollen wir im Nationalpark wandern.

Noch auf ein Museum in die Stadt

Es gibt natürlich noch ewig viel zu sehen hier in Madrid, aber wir wollen der Großstadt heute Nachmittag wieder den Rücken zukehren. Jedoch nicht ohne vorher das Museo Reina Sofia besucht zu haben.

Hier hängt ein Bild, das ich schon im Kunstgeschichte-Unterricht in der Schule kennengelernt und danach in etlichen Büchern gesehen habe, aber noch nie im Original: die Guernica von Picasso.

Das Bild entstand 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch den Luftangriff der deutschen Legion Condor und der italienischen Corpo Truppe Volontarie, die während des Spanischen Bürgerkrieges auf Seiten Francos kämpften.

Mit uns sind heute viele Schülerinnen und Schüler im Museum, intensiv von Lehrkräften betreut. Genau wie wir schauen sie Guernica und viele andere Picassos, Juan Gris, Dalis und Miros an. Ein Museum ganz nach meinem Geschmack. Wegen der vielen spannenden Bilder, aber auch weil Menschen über 65 Jahre hier freien Eintritt haben. Graçias!

Zum Abschluss unseres Kurztrips in die spanische Hauptstadt laufen wir noch zum Caixa-Forum, ein Kunstforum der gleichnamigen Bank mit beeindruckender Architektur und einem vertikalen Garten nebendran.

Dann geht es weiter nach Süden. Das Land der Windmühlen ist unser Ziel. In Campo de Criptana, 170 Kilometer südlich von Madrid, stehen neun auf einem Plateau. Wenige Minuten vor Sonnenuntergang sind wir da.

Der Stellplatz ist direkt daneben und mit dieser tollen Aussicht dürfen wir heute den Tag ausklingen lassen.

Morgen zum Sonnenaufgang wird weiter fotografiert und dann zeige ich Euch wahrscheinlich noch hundert Windmühlenfotos.

Madrid: wir schauen und hören

Das Café sieht ein wenig aus wie ein Wiener Kaffeehaus, dabei ist es ein Jazzclub. Einer DER Jazzclubs in Europa: das Café Central mitten in Madrid. Heute Abend spielen Cañorroto Flamenco Jazz. Dabei gehen die Stücke ganz entspannt am Klavier mit traditionellen Grooves los, dann steigen Gitarre und Stimme mit Flamencorhythmen ein, erweitern das Lied und heizen es an.

Der Flamenco drückt sowohl Lebensfreude und Rebellion als auch Schmerz, Not und Verzweiflung aus. Mit diesen Themen waren wir auch mittags schon beschäftigt, als wir die Bilder der großen Meister im Prado besuchen.

Der Prado beherbergt die Bilder-Sammlung der spanischen Könige bis zurück ins 16. Jahrhundert. In über 100 Sälen und Galerien werden rund 1800 Werke der großen alten Meister gezeigt, Bruegel, Dürer, Hieronymus Bosch, Raffael und viele andere mehr.

Zunächst einmal bin ich aufgeregt. Nicht wegen der Kunst sondern wegen verschiedener äußerer Umstände. Ich habe mein Portemonnaie im Bus gelassen und damit auch meinen Personalausweis. Somit kann ich der Dame an der Kasse nicht beweisen, dass ich älter bin als 65 und darf nicht für den reduzierten Eintritt von 7,50 Euro ins Museum sondern muss den regulären von 15 Euro zahlen. Ich sollte es als Kompliment werten.

Dann kämpfen wir mit der Technik des Audioguides. Ich erspare Euch die Einzelheiten. Jedenfalls dauert es eine Weile, bis wir uns entspannt die Heiligen, Könige, Stilleben und Massen von nackten Brüsten und Popos anschauen können.

Nach drei Stunden ist dann aber auch mal gut und es zieht uns nach draußen in die Sonne. Die scheint nämlich bei angenehmen 14 Grad.

Ein imposanter Boulevard hier, eine beeindruckende Häuserzeile dort, große Plätze, kleine Plätze, Geschäfte, Cafés, Kneipen, Kirchen, Museen, Regierungsgebäude… Hilfe, ich kann nicht mehr! Mir tun die Knochen weh vom Halbmarathon.

Aber keine Sorge, Rettung naht. Was in München die Leberkässemmel, ist in Madrid das Bocadillo de Calamares, das Baguette mit frittierten Calamari.

Und da man auf einem Bein bekanntlich nicht stehen kann, gibt es zum Nachtisch gleich die nächste spanische Spezialität: Churros con chocolata.

So gestärkt können wir noch eine Runde um die  Häuser ziehen, bis es Zeit wird für einen wunderbaren Musikabend in einem der renommiertesten Jazzclubs Europas, dem Café Central. Olé! Begeisterte Rufe aus dem Publikum. Olé!

Bereits nach einer guten Stunde  ist das Konzert zu Ende, denn es gibt pro Abend zwei Vorstellungen. Da bleibt noch Zeit für ein Eis auf dem Weg zur U-Bahn. Bei mild gefühlten zehn Grad schmeckt es schon.

Madrid: erste Eindrücke

Am Vormittag müssen wir eine spanische Gasflasche kaufen (wir haben die vom letzten Jahr wieder mitgebracht und können sie nun tauschen), Großeinkauf im Supermarkt machen (Aioli, Tortilla, Orangen, Schinken…) und gute 200 Kilometer Richtung Südwesten fahren, dann sind wir in Madrid.

Im Norden der Stadt gibt es einen Campingplatz. Den nehmen wir. In die Stadt kommen wir mit der Metro.

Und dann sind sie da, die Prachtbauten:

Die Oper
Der Königspalast
Die Kathedrale
Die Plaza Mayor

Viele Menschen sind unterwegs, viele sitzen sogar schon in den Straßencafés auf einen Kaffee, ein Bier oder einen Apéririf. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Straßen, genießen die schönen Bauten und das entspannte Treiben und beenden unseren ersten Besuch in Madrid mit zwei cañas, zwei Glas Bier mit Knabberzeug. Morgen geht’s weiter: der Prado und ein Jazzkonzert stehen auf dem Programm.

Kraniche an der Lagune

Der Sturm hat sich über Nacht gelegt, der Regen auch. Noch vor Sonnenaufgang ziehe ich die Laufsachen an. Sobald ich den Bus verlasse, höre ich die Kraniche. Sie sind auch schon wach und machen sich in großen Schwärmen auf zu ihren Futterplätzen. Eingebettet in ihr Grugru laufe ich durch den frühen Morgen.

Als ich eine halbe Stunde später wieder am Bus ankomme, ist Achim fleißig beim Fotografieren und dann geht die Sonne auf.

Beim Frühstück knallt die Sonne in den Bus. So schade, dass es nur fünf Grad hat und wir die Tür nicht die ganze Zeit auflassen können.

Wir bleiben heute hier und haben ganz viel Zeit: zum Kuchen und Brot backen, Wäsche waschen, Zeitung lesen, Kreuzworträtseln und Wordlen.

Bei der Aussicht macht das alles richtig Spaß.

Gegen Mittag machen wir einen Spaziergang ins gegenüberliegende Dorf Gallocanta. Eigentlich wollten wir mit den Rädern die ganze Lagune umrunden. Erinnerungen werden wach: Als wir vorletztes Jahr diese Tour gemacht haben, war es die erste nach Achims Achillessehnen-OP. Ganz behutsam waren wir damals – und jetzt ist alles wieder gut. Was für ein Glück!

Inzwischen hat der Wind aber wieder zugelegt, so dass wir den gemütlichen Spaziergang vorziehen. Kurzzeitig kreuzen mal wieder die Kraniche am Himmel auf, tröten laut und fliegen von den Feldern zu ihren Schlafplätzen im seichten Wasser. Keine Ahnung, warum sie das tun. Wir einigen uns auf die logischste Erklärung: sie wollen einen Mittagsschlaf machen. Wenn jemand eine bessere Idee hat, darf sie oder er sie gern in die Kommentare schreiben.

Nachdem sich die Kraniche niedergelassen haben, ziehen wir los. Diesmal ist es der Gesang der Lerchen, der uns auf unserem Weg begleitet. „Feld- und Haubenlerchen“, weiß mein Liebster es genauer. Lange nicht mehr gehört.

An der Eremitage und einem blühenden Mandelbaum vorbei gelangen wir nach einer guten Stunde ins Dorf.

Neu sind die murals. Sie sind Teil der Enciclopèdia mural des Künstlers Swen Schmitz Coll, der in Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort Tiere und Pflanzen einer Gegend auf Hausmauern malt und mit Infotafeln ergänzt. So sollen Flora und Fauna der Bevölkerung näher gebracht werden.

Ansonsten wirkt der kleine Ort sehr aufgeräumt aber fast verlassen. Die Rollläden vor vielen Fenstern scheinen dauerhaft heruntergelassen zu sein.

Heute genießen wir noch die Einsamkeit, morgen werden wir uns ins Getümmel der Hauptstadt stürzen. Ein ordentliches Kontrastprogramm.

Zufallsfund: Olite

Ob die Schöpfer von Disneyland den kleinen Ort Olite vor Augen hatten, als sie ihre Phantasiewelt erschufen? Möglich ist es.

Der Palast der Könige von Navarra aus dem 15. Jahrhundert thront mit all seinen Türmen und Zinnen mitten in der kleinen, circa 40 Kilometer südlich von Pamplona gelegenen Stadt.

Es ist Sonntag und mit uns ist eine Menge Besucherinnen und Besucher im Palast. Außer uns nur Spanier. Alle klettern begeistert die Türme hoch und runter und bestaunen das außergewöhnliche Ambiente und die schöne Aussicht.

Nach dem ganzen Auf und Ab wird es Zeit, sich zu erholen. In den spanischen Cafés ist das immer ein pures Vergnügen. Nette Leute, anständige Preise: Drei Euro für zwei Milchkaffee, so lieben wir das. Was wir übrigens auch noch lieben ist der aktuelle Diesel-Preis in Spanien: 1,40 € pro Liter.

Dann geht’s wieder auf die Straße. 200 Kilometer haben wir noch vor uns. Wir passieren die Südauslãufer der Pyrenäen und erreichen schließlich die Laguna de Gallocanta.

Im Informationszentrum im südlichen Bereich gibt es einen Aussichtsturm, von dem aus man auf die Kraniche gucken kann, die ein paar hundert Meter entfernt stehen.

Die Laguna de Gallocanta ist, wie der Lac du Der-Chantecoq in Frankreich, an dem wir vor ein paar Tagen waren, einer der wichtigsten Rastplätze für den Kranichzug. Laut Fachfrau im Infozentrum sind aktuell 26 000 Vögel des Glücks hier. Wo man sie morgen früh am besten beobachten könnte, frage ich die Dame. Bei der Ermità de nuestra señora del Buen Acuerdo, empfiehlt sie uns. Den Spot kennen wir vom letzten Jahr. Da haben wir dort übernachtet.

Über Stock und Stein rumpeln wir ein Stück weit nach Norden, erreichen die Einsiedelei, biegen rechts ab und erreichen einen kleinen Parkplatz neben einer Vogelbeobachtungshütte. Schockierend: der See ist in diesem Bereich trocken gefallen. Wir sind jetzt zum dritten Mal hier und das haben wir noch nicht erlebt.

Wir ziehen uns nochmal warm an, um nach den Vögeln zu schauen. Ich halte es aber nicht lange aus, denn ein Sturm ist aufgekommen und es ist nun sehr ungemütlich draußen. Im Bus ist es erheblich gemütlicher, aber der Wind schaukelt den Camper ordentlich hin und her. Ich glaube, ich werde bald seekrank.

Stippvisite am Atlantik

Schnee und Regen in den Pyrenäen. Das klingt nicht gut. Deshalb entscheiden wir uns für den kleinen aber sicheren Umweg über Biarritz, was uns einen nicht geplanten Kurzbesuch am Atlantik beschert.

Die Vorfreude steigt, als während der Fahrt sogar die Sonne rauskommt. Kaffee trinken an der Uferpromenade? Ein Strandspaziergang? Mal sehen, ob das Wetter hält.

Als wir am Meer ankommen, werden wir mit einem kräftigen Hagelschauer begrüßt. Nicht der erste an diesem Tag. Wir packen uns wetterfest ein und schon hört es auf und bald kämpft sich sogar die Sonne durch. Die Wellen schlagen gegen den Strand, es tost und braust. Die Lippen schmecken nach wenigen Minuten salzig. Was für ein Spektakel!

Und dann sind wir am Ziel. Nicht nur am Tagesziel, am ZIEL. In Spanien.

Die Anreise ist nun vorbei und wir wollen in der nächsten Zeit einmal mehr Spanien erkunden, das heißt: Orte oder Gegenden aufsuchen, die wir schon kennen und sehr mögen und Orte und Gegenden erkunden, die neu für uns sind. Einiges haben wir schon ins Auge gefasst, wollen uns aber auch treiben lassen und auf Unvorhergesehenes einlassen.

Darauf erstmal dos cafè con leche, zwei Milchkaffee.

Am frühen Abend steuern wir einen Stellplatz zwischen San Sebastian an der Küste und Pamplona, südlich davon im Landesinneren, im Dorf Lekunberri, an. Achim lässt die Drohne steigen und dann wird es multikulti im Bus: LaBrassBanda liefert die musikalische Umrahmung zum gestern erworbenen französischen Wein und spanischer Tortilla.