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Stippvisite am Atlantik

Schnee und Regen in den Pyrenäen. Das klingt nicht gut. Deshalb entscheiden wir uns für den kleinen aber sicheren Umweg über Biarritz, was uns einen nicht geplanten Kurzbesuch am Atlantik beschert.

Die Vorfreude steigt, als während der Fahrt sogar die Sonne rauskommt. Kaffee trinken an der Uferpromenade? Ein Strandspaziergang? Mal sehen, ob das Wetter hält.

Als wir am Meer ankommen, werden wir mit einem kräftigen Hagelschauer begrüßt. Nicht der erste an diesem Tag. Wir packen uns wetterfest ein und schon hört es auf und bald kämpft sich sogar die Sonne durch. Die Wellen schlagen gegen den Strand, es tost und braust. Die Lippen schmecken nach wenigen Minuten salzig. Was für ein Spektakel!

Und dann sind wir am Ziel. Nicht nur am Tagesziel, am ZIEL. In Spanien.

Die Anreise ist nun vorbei und wir wollen in der nächsten Zeit einmal mehr Spanien erkunden, das heißt: Orte oder Gegenden aufsuchen, die wir schon kennen und sehr mögen und Orte und Gegenden erkunden, die neu für uns sind. Einiges haben wir schon ins Auge gefasst, wollen uns aber auch treiben lassen und auf Unvorhergesehenes einlassen.

Darauf erstmal dos cafè con leche, zwei Milchkaffee.

Am frühen Abend steuern wir einen Stellplatz zwischen San Sebastian an der Küste und Pamplona, südlich davon im Landesinneren, im Dorf Lekunberri, an. Achim lässt die Drohne steigen und dann wird es multikulti im Bus: LaBrassBanda liefert die musikalische Umrahmung zum gestern erworbenen französischen Wein und spanischer Tortilla.

Am Meer entlang nach Süden

Sonntagmorgen. Die Sonne strahlt, als ob sie uns für die gestrige Sintflut entschädigen wolle. Straßen und Strand sind wie frisch gewaschen. Scharen von LäuferInnen und Fahrradfahrern bevölkern schon in der Früh die breit angelegte Strandpromenade. Wir nehmen einen tiefen Atemzug der frischen Meeresluft und wenden den Bus Richtung Süden.

Es verspricht, ein schöner Tag zu werden.

Ein Dorf reiht sich ans nächste. Zu Beginn führt die Straße noch direkt am Wasser entlang und Strandbars locken mit Ausblicken direkt auf Wellen und Gischt. Später fahren wir vielfach durch die Ortschaften. Immer wieder entdecken wir dabei Gebäude mit schönster Kachelkunst.

Fassade eines Bahnhofs
Die Marienkirche in Valega

Die Gegend hier ist trotz der Nähe zum Atlantik nicht sonderlich touristisch. Im Vorbeifahren beobachten wir die Einheimischen, die zur Kirche oder auf den Friedhof gehen, beim Bäcker Brot kaufen, dem Angebot für einen günstigen Mittagstisch (7 Euro) zustreben. Und an der Tankstelle Schlange stehen, wenn irgendwo der Liter Diesel 1,729 statt wie üblich 1,92 kostet. Ansonsten herrscht sonntägliche Ruhe.

Auch wir reihen uns ein. Es geht aber schnell.

Die etwas größeren Orte werden von Gewerbegebieten eingerahmt. Die großen Supermärkte haben heute geöffnet, wir haben aber alles an Bord. Lidl und Aldi sind hier übrigens gut vertreten.

Zwischendurch spitzen immer wieder Privathäuser hervor, deren Fassaden ebenfalls mit Kacheln geschmückt sind.

Viele Häuser haben hier die schönsten Kacheln an der Fassade.

Nach etwa 150 Kilometern haben wir von dieser Straße genug und ich halte Ausschau nach einer Parkmöglichkeit für den Rest des Tages und die Nacht. Wir wollen bei dem schönen Wetter lieber das Meer genießen.

Laut der App Park4night gibt es einen WoMo-Stellplatz direkt am Strand bei Figueira do Foz. Wir sind gespannt. Und ja! Es ist wie versprochen. Nur eine dünne Reihe Tamarisken trennt uns vom Strand. Herrlich! Hier bleiben wir.

Hinter den Tamarisken beginnt der Strand.

Kaffee kochen und die kleinen Berlinerartigen Teilchen genießen, die ich vorhin an einem Stand neben der Kirche gekauft habe.

Auf der Mole können wir bis zum Leuchtturm laufen, dahinter eröffnet sich die Weite des Meeres.

Bis zum Sonnenuntergang bereite ich schon mal das Abendessen vor und dann wird es Zeit für den Sundowner. Eine hübsche Strandbar dafür finden wir gleich in der Nähe.

Kochen mit Ausblick

Auf dem Weg zum Atlantik

685 Stufen rauf und 685 Stufen runter, macht 1370 Stufen. Gleich nach dem Frühstück. Uff. Doppel Uff für den tapferen Achim.

Wir erklimmen die Freitreppe zur 605 Meter hoch gelegenen Wallfahrtskirche Santuario de Nossa Senhora dos Remédios im kleinen Städtchen Lamego.

Der prächtige Bau wurde bereits im 18. Jahrhundert begonnen, doch erst 1905 fertiggestellt. Die vielen Stufen sind in 14 Terrassen unterteilt, jede geschmückt mit einem Bild aus Kacheln mit biblischen Motiven.

Wir haben den Bus unten im Ort auf dem großen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle abgestellt. Hier wie auch auf einem der Balkone um die Ecke wird Solidarität mit der Ukraine gezeigt.

Die Straße Richtung Westen ist dieselbe wie am Vortag, die N222. Entlang des Douro fahren wir aber nicht wie gestern auf der Achterbahn sondern in Schlangenlinien Richtung Meer. Eine Kurve nach der anderen.

Mittags probieren wir die Spezialitäten, die wir in Lamego gekauft haben: Bolo di Lamego, eine Art Pasteten, mit Bacalhau (Stockfisch) bzw. Schinken gefüllt und zum Nachtisch Pasteis de Nata, die leckeren portugiesischen Blätterteigtörtchen.

Die steilen Hänge auf beiden Seiten des Douro sind nahezu durchgängig mit kleinen Häusern bebaut, vielfach stehen sie einzeln zwischen hohen Nadelbäumen, in den Gärten leuchtet es Orange und Gelb, die Orangen, Mandarinen und Zitronen sind reif. Nun sind wir wirklich im Süden angekommen.

Magnolien, Mimosen und Hibiskus blühen und geben ein buntes Bild ab. Der Weinanbau ist hier nicht mehr so vertreten. Hierfür reichen entweder die Sonneneinstrahlung oder der Platz nicht.

Je näher der Fluss dem Meer kommt, um so breiter wird er – als ob er sich nochmal in seiner ganzen Pracht präsentieren wolle, ehe er sich mit dem Meer vereint. Jetzt sieht man auch immer öfter kleine Häfen. Einmal erspäht Achim sogar ein großes Passagierschiff auf dem Wasser.

Bis nach sechs brauchen wir, bis wir am Ziel ankommen. Ein kleiner Campingplatz, neun Kilometer südlich von Porto. Am Atlantik. Von hier aus können wir am Meer entlang morgen nach Porto radeln (bei trockenem Wetter) oder mit dem Bus fahren (bei Regen). Als erstes aber werden wir die Stelle suchen, an der der Douro in den Atlantik mündet, und uns von unserem Wegbegleiter während der letzten beiden Wochen gebührend verabschieden.