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11. Stopp: Ouijjaane via Tiznit

Noch einmal geht es 80 Kilometer weiter nach Süden. In die Silberstadt Tiznit. Der alte Teil ist komplett von einer zinnenbewehrten Mauer aus rötlichem Lehm umgeben, durch mehrere Tore kann man ihn betreten.

Auf Plätzen und Straßen, unter Arkaden und in Gassen werden vielerlei Waren angeboten. Endlich finde ich ein Nudelholz, klein genug, um im Bus mitreisen zu können, und einen Teekessel. Grüner Tee und frische Minze, Datteln, Erdbeeren und Gemüse wandern in die Einkaufstasche.

Da wir in der Silberstadt sind und ich in zwei Wochen Geburtstag habe, darf ich mir ein besonderes Schmuckstück aussuchen (ein Foto hiervon gibt es erst Ende des Monats).

Es ist heiß geworden, bei unserem Spaziergang durch die Stadt suchen wir die Schattenseiten der Straßen. Nach einem Kaffee und ein paar Keksen sind wir wieder fit und machen uns auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Als erstes stoßen wir auf die „Source bleu“, die blaue Quelle, eine große Brunnenanlage. Heute ist wenig Wasser drin, laut Reiseführer sollen sich hier die Jungs im kühlen Wasser tummeln auf der Suche nach Münzgeld, das von Touristen in die Quelle geworfen wurde. Nichts davon ist aktuell zu sehen.

Ein paar Schritte weiter finden wir die Kasbah von Aghanaj, eine imposante Festung aus dem 19. Jahrhundert, und die große Moschee. Charakteristisch für diese Moschee ist das Minarett, das mit hölzernen Querstangen versehen ist. Ähnliche Minarette gibt es auch in Mali und im Niger und es heißt, dass Sklaven aus diesen Regionen die Moschee von Tiznit erbauen mussten.

Wir verabschieden uns von Tiznit und der Küstenregion und brechen auf ins Landesinnere in Richtung Osten. Unser Ziel ist Tafraoute im Anti-Atlas. Kaum haben wir Tiznit verlassen, ändert sich die Landschaft. Sie ist trocken, eine Halbwüste, in der Ferne sehen wir die ersten Berge.

Rund 20 Kilometer hinter Tiznit biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab und fahren noch etwa 7 Kilometer über eine einspurige gut asphaltierte Straße. Dann erreichen wir den Weiler Ouijjane und den Campingplatz Sous les palmiers bleus, idyllisch in einem Palmenhain gelegen. Morgen werden wir diese Oase noch ein wenig näher erkunden, ehe wir uns auf den Weg durch die Berge nach Tafraoute machen.

Auf dem Weg in die italienischen Marken

Man muss ja nicht immer den direkten Weg nehmen. Hier und da bietet sich ein lohnender Umweg an. Direkt hieße bei uns: erste Etappe über den Brenner zum Gardasee, zweite Etappe über Bologna nach San Marino. Und dann wären wir quasi ja schon in den Marken. Wir haben einen Umweg gewählt. Über die Garmischer Autobahn […]

Auf dem Weg in die italienischen Marken

Einfach nur noch Land gewinnen

Sognefjord, Geirangerfjord, Trollstiegen – diese Namen lassen die Herzen von Norwegenliebhabern höher schlagen. Auch unsere. Denn dies ist die Gegend der Superlative: Eine Bootsfahrt über den Fjord gehört zu den Top-Highlights nicht nur Norwegens sondern ganz Europas. Eine Fahrt mit der Flambahn, vom Sognefjord hinauf zur Hochebene Hardangervidda, zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten des Landes und der Trollstiegen ist eine der extremsten Gebirgsstraßen Europas. Es gibt hier außerdem noch die Traumstraße Laerdalsvegen, den Jostedalsbreen-Nationalpark mit 30 Gletschern und jährlich 600 000 Touristen sowie eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Welt, den Geirangerfjord.

Wir lassen sie alle links liegen und entscheiden uns für einen ganz anderen Superlativ: den Laerdaltunnel, der mit seinen 24 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt ist. „Und wie ist es, hier durch zu fahren?“, frage ich Achim. „Langweilig“.

Egal. Wir wollen nur noch eins: möglichst schnell Land gewinnen.

Wenn es stundenlang regnet, wenn der Wetterbericht auch für die nächsten zwei Tage keine Besserung verspricht, wenn die Sicht so schlecht ist, dass man Himmel, Berge und Meer nicht auseinanderhalten kann, dann machen weder eine Schiff-, noch eine Zug-, noch eine Autofahrt Spaß.

Dabei sah die Welt vorgestern und gestern noch ganz rosig aus. Bergen, die „Königin der Fjorde“, gilt als schönste Metropole des Landes (es nimmt kein Ende mit den Superlativen) und auch wir genießen den Bummel entlang des Hafenbeckens und der bunten Holzhäuser des ehemaligen Hanseviertels.

Doch dann zieht es uns wieder aufs Land und wir fahren zu einer schmalen der Stadt vorgelagerten Insel, auf der es einen kleinen, sehr idyllischen Campingplatz gibt. Mal wieder duschen und große Wäsche machen ist der Plan.

Da ist uns der Wettergott noch freundlich gesinnt. Zwischen vereinzelten Schauern ist es auch mal trocken und wir können sogar einen Spaziergang machen und am Nachmittag draußen Kaffee trinken.

Heute Morgen fängt es aber schon bald nach dem Frühstück wieder an zu regnen. Unser heutiges Ziel ist ein weiterer kleiner Campingplatz, diesmal am Naeroyfjord, der uns als Ausgangspunkt für den Rimstigen dienen soll. Der steht für morgen auf unserem Programm. Es ist ein steil an der Fjordwand ansteigender ehemaliger Viehweg, der von oben ein atemberaubendes Panorama hinunter in den Fjord bietet.

Wir fahren im Regen los und erreichen unseren ersten Zwischenstop, das Hotel Stalheim, gegen Mittag im Regen. Auch Leute, die keine Hotelgäste sind, dürfen in den hinterm Haus gelegenen Garten. Von hier bietet sich eine sehr schöne Aussicht in den 550 m tiefen Abgrund, auf den zuckerhutähnlichen Jordalsknut und das Naeroytal, das sich zum Fjord öffnet.

Wir machen hier Mittagspause und beratschlagen. Wandern morgen? Kannst Du vergessen. Mit dem Boot durch den Fjord fahren? Nicht bei dieser Sicht (nebenbei sei auch noch erwähnt, dass die Tickets rund 100 Euro für uns zwei kosten). Wir studieren die Landkarte. Einfach mal so Land gewinnen, mal eben ein paar hundert Kilometer durch den Regen nach Norden düsen, ist von hier aus nicht gut möglich. Mit dem Auto in Norwegen zu düsen, ist eh nicht möglich. Ich schrieb schon davon. Aber wir haben uns inzwischen auch von allen großen Straßen entfernt und sind von Fjorden, Bergen und Hochebenen umgeben. Es regnet weiter, wir beraten weiter, wissen nicht richtig, was wir tun sollen und entscheiden uns für die Flucht Richtung Norden. Bis zur nächsten großen Straße sind es 200 Kilometer. Also los.

Ein kurzer Blick auf den Fjord in Gudvangen, wo es so eng ist, dass man hier selbst im Sommer erst ab etwa 12 Uhr die Sonne sieht.

Nochmal anhalten in Flam, von wo aus man die Fjordfahrten unternehmen kann und wo auch gern mal die Kreuzfahrtschiffe anlegen.

Und dann ab in den Laerdaltunnel, um nach etwa 150 Kilometern auf die E 6 Richtung Norden zu stoßen.

Trotzdem freuen wir uns über unverhofft auf unserer Strecke auftauchende Überraschungen: Die Stabkirche von Borgund aus dem Jahre 1180, die – Achtung, Superlative! – nicht nur als das besterhaltene Beispiel norwegischer Holzbaukunst, sondern auch als der älteste Holzbau Europas gilt. Ihre Schindeldächer sind gestaffelt und die Firstenden mit Drachenköpfen verziert, so dass sie eher wie eine Pagode aussieht als eine Kirche.

Wenige Kilometer später dann die ersten Rentiere auf dieser Reise, Eltern mit einem Jungen. Kurz nur können wir sie beobachten, dann trollen sie sich außer Sichtweite. So schön!

Schließlich finden wir auch noch einen Stellplatz neben einem Fjord. Außer uns ist noch ein kleiner Camper aus Belgien da. Aber auch unsere Nachbarn haben sich vor dem Regen nach drinnen verzogen. Achim bereitet das Abendessen zu, ich blogge und morgen fahren wir so lange Richtung Norden, bis es aufhört zu regnen.

Sicher ist: wir kommen auf der Rückfahrt wieder hier vorbei und holen dann nach, was wir jetzt ausfallen lassen. Das ist ein festes Versprechen an uns selbst.

Raus aus der Komfortzone, rauf zum Gletscher

Unser Nachtplatz liegt auf 389 Metern. Damit sind wir quasi in der Poleposition für die Wanderung zum Gletscher. Wir sehen den Buarbreen vom Bett aus. Sogar das bläulich schimmernde Eis können wir von unten erkennen.

In der Früh um kurz nach sieben rumpele ich bereits so laut im Bus herum, dass auch Achim wach wird und aufsteht. Frühstücken, Brotzeit herrichten, Rucksäcke packen. Um 9 Uhr sind wir startklar.

Die größte Überraschung: Die Sonne scheint! Welche Freude! Und – Achtung, Spoiler! – wir werden die ganze Wanderung im Trockenen machen. Das hatten wir nicht zu hoffen gewagt.

Uns erwarten 450 Höhenmeter und ein Anstieg von etwa zwei Stunden. Der Weg schlängelt sich durch den Wald moderat nach oben, begleitet vom stetigen Rauschen des Gletscherflusses linkerhand. Nach einer Wegbiegung steigt der Adrenalinpegel das erste Mal: zwei Rindviecher, äh, schottische Hochlandrinder, haben es sich auf unserem Weg gemütĺich gemacht. Ihre Hörner und ihre Statur sind beeindruckend und wir sehen ein, dass sie hier die Stärkeren sind. Wir suchen uns einen vermeintlich sicheren Platz auf einem Felsen und versuchen, die beiden mit Klatschen, Rufen und sogar Stöckchen werfen dazu zu bewegen, sich ein wenig zur Seite zu bewegen. Doch wir interessieren sie nicht die Bohne. Da wir ihnen aber auch weiterhin nicht über den Weg trauen, schlagen wir uns ins Gebüsch und umrunden sie großräumig.

Der nächste Abschnitt könnte bei 10 Grad mehr als Spa bezeichnet werden. Beim ersten schmalen Steg über Wildwasser aus dem Gletscher klopft mein Herz vor Aufregung, doch dann laufe ich mich ein und überquere mir nichts dir nichts x von diesen Dingern. Einmal fehlt ein Steg. Ein findiger Wanderer hat eine Bohle auf zwei Steine gelegt, ich traue dem Konstrukt nicht, balanciere über die Steine im Wasser und hole mir natürlich prompt nasse Füße. Spaß macht das Queren über eine Hängebrücke – vertrautes Terrain für mich.

Abschnitt Nummer drei ist was für Klettermaxe. Nun verlasse ich endgültig meine Komfortzone. Wenn wir in die Berge fahren, was ja von uns zuhause aus kein großes Ding ist, gehen wir WANDERN nicht KLETTERN. Mich akrobatisch an einem Seil eine Felsplatte hochzuziehen, bin ich nicht gewohnt.

Vor einer besonders fiesen Stelle spielen wir kurz mit dem Gedanken, den Gletscher Gletscher sein zu lassen, aber dann packt uns doch der Ehrgeiz. Wir kraxeln hoch und höher, hangeln uns noch an einem Schneefeld lang, und dann sind wir oben. Oben heißt in dem Fall: Hier geht es nicht weiter. Es sei denn, man hätte sich einer geführten Gletschertour angeschlossen.

Wir freuen uns einfach, dass wir es bis hier geschafft haben und dass wir dem Gletscher so nahe gekommen sind. Imposant thront er über uns, zugleich ist deutlich zu erkennen, wie sehr er bereits geschmolzen ist. Während wir den Anblick genießen und unsere Brote essen, ist mir aber auch ein bisschen mulmig wegen des bevorstehenden Abstiegs.

Doch es ist weniger rutschig als befürchtet und die Akrobatik und die Wasserspiele kriegen wir auch hin, so dass wir um zwei wieder heil und auch ein wenig stolz am Bus ankommen.

Dass der Tag mit einem weiteren Highlight endet, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wir fahren am Sørfjord entlang und stoßen nach 50 Kilometern auf den Hardangerfjord. Wir parken für die Nacht nahe der Brücke, die ihn majestätisch überspannt und laufen vor dem Abendessen noch durch einen in Regenbogenfarben erleuchteten Fußgängertunnel, der uns auf die Brücke über den Fjord führt. Warum nur können nicht alle Fußgängertunnel so schön sein?

Touristenwege

Da hatten die Norweger eine gute Idee: schon vor Jahren haben sie 18 „Turistveger“ quer durch ihr Land konzipiert. Diese Routen führen zu vielen Naturschönheiten, an Küsten, Fjorden, Bergen, Gletschern oder Wasserfällen entlang. Sie liegen abseits der Hauptverkehrsstraßen, gleichzeitig soll die Fahrt ein besonderes Erlebnis bieten.

Wir haben gleich mal den südlichsten ausprobiert. Jaeren genannt, nach der Landschaft, die ihn umgibt. Die Route verläuft in unmittelbarer Nähe zur Nordsee zwischen Flekkefjord und Stavanger. Zwischen Felsen und Meer während der ersten, zwischen Wiesen und Strand während der zweiten Hälfte der Strecke.

Im kleinen Flekkefjord bummeln wir durch zwei, drei Altstadtstraßen, holen ein bisschen Bargeld und erfahren von einer perfekt Deutsch sprechenden Verkäuferin im Spar, dass es in Norwegen keine H-Milch gibt. Interessant. Wir sind gespannt, ob es wirklich so ist, oder ob wir uns missverstanden haben.

Wir fahren weiter durch eine von großen Felsen dominierte Landschaft, die sich uns in stets neuen Formationen präsentieren.

„Helleren“ steht auf einem Straßenschild und lockt uns zu einer Sehenswürdigkeit in der Nähe. Keine Ahnung, worum es geht, aber wir gucken mal. Der „Helleren“ ist ein 60 Meter langer und zehn Meter tiefer Felsvorsprung, den die Menschen schon vor 200 Jahren als natürlichen Schutz nutzten. Sie bauten ihre Häuser darunter und konnten auf richtige Dächer verzichten, denn der Fels beschützt sie – heute wie damals. Die letzten Bewohner, so erfahren wir, haben den Helleren erst um 1920 verlassen.

Im Dorf Sogndalstrand wollen wir ein wenig am Strand spazieren gehen – es gibt ihn allerdings nur im Ortsnamen, nicht aber am Wasser. Dafür stoßen wir auf einen malerischen kleinen Ort mit hübschen Häusern und kleinen Gärten.

Die Felsen treten nach und nach in den Hintergrund und machen Wiesen und sanften Hügeln, Kühen und Schafen Platz.

Am Meer tauchen nun doch die ersten Sandstrände auf. Gut so, schließlich heißt es, dass sich hier in Jæren die längsten Sandstrände Norwegens befinden. Ganze 70 km mit Sanddünen sollen es sein.

Am nächsten Vormittag kommen wir in Borestranda also doch noch zu unserem Strandspaziergang. Es hat 17 Grad, der Wind ist frisch, an Schwimmen ist noch nicht zu denken. Aber ich stecke wenigstens die Füße mal ins Wasser. Eisig!

Am frühen Nachmittag erreichen wir Stavanger, das Ziel unserer ersten norwegischen Touristenroute. Neues und Altes wechseln sich ab, kleine Restaurants und Bars säumen die Hafenkante. Wir schlendern durch die Altstadt, in der es noch etliche Straßen mit alten weißen Holzhäusern gibt. Stavanger ist außerdem bekannt für seine Streetart und rühmt sich, eine der Streetart-Kapitalen Europas zu sein.

Frühstück am Fjord

Heute früh hat mich das neue Land erst einmal überrollt. Bilder vor meinen Augen, die mein Hirn zunächst nicht sortieren konnte: so viele Hügel, über die wir unser großes Fahrzeug auf schmalen Straßen steuern mussten, für mich ganz unerwartet. Hohe Felswände, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Etliche kleine Seen. Dann auf einmal eine Vielzahl kleiner felsiger Inselchen, bunte Häuser, rot angemalte Bootsschuppen, das Meer. Atemberaubend schön dieses kleine Fleckchen Erde, nur ein paar Kilometer von unserem Übernachtungsplatz entfernt. Wir suchen hier einen Ort, an dem wir frühstücken können. Vergeblich. Hier ist alles so eng, dass wir noch nicht einmal zum Fotografieren anhalten können. Wenn es irgendwo einen freien Platz gibt, steht ein „Privatgrund“-Schild dort.

Wir fahren zurück zur Hauptstraße, biegen wieder ab Richtung Wasser – und finden schließlich eine kleinen Hafen mit öffentlichem Parkplatz. Hier bleiben wir zum Frühstück. Und entspannen.

Danach ist es nicht mehr weit bis zum südlichsten Punkt des norwegischen Festlands, dem Lindesnes Fyr, dem Leuchtturm von Lindesnes. Ein beliebter Touristenort. Hier sind wir nicht alleine.

Zwei Rentnertickets kosten zehn Euro und bei grauem Himmel, grauem Meer und Nieselregen erkunden wir den Spot.

Der Leuchtturm ist der älteste des Landes und tut seit 1656 seine Dienste. Ich lerne, dass wir auf derselben Höhe sind wie der nördlichste Zipfel Schottlands, es aber noch 2518 km bis zum Nordkap sind. Wo wir hinfahren können, aber nicht müssen. Das warten wir mal ab.

Heute drängt uns jedenfalls nichts zum weiterfahren. Erstmal ankommen, heißt die Devise. Und so schauen wir uns in Ruhe die beiden Ausstellungen an, die gerade hier gezeigt werden. In einem ehemaligen Bunker werden Fotos von Leuchttürmen an der südlichen Nordseeküste gezeigt.

Im früheren Stall, in dem der Leuchtturmwärter seine Kuh, sein Pferd und sein Schwein halten konnte, werden „Portraits von Überlebenden“ der norwegischen Fotografin Elin Hoyland gezeigt. Ob Soldat oder ehemalige Gulaginsassin, die Bilder zeigen die Menschen Jahrzehnte nach ihrem traumatischen Erlebnis. Eindringliche Bilder von Menschen mit Geschichte(n).

Das Kap mit seiner wilden zerklüfteten Küste lädt zu einem Spaziergang ein. Unser Bus zum Ausruhen und es sich einfach gemütlich machen.

Auf dem Heimweg

Mit der Fähre unterwegs von Palma de Mallorca nach Barcelona

Es dauert zwar noch genau eine Woche, bis wir wieder zuhause sind, aber wir sind schon auf dem Heimweg. Am Samstag werden wir in Göttingen zu einem Familientreffen eintrudeln. Bis dahin haben wir ein paar Fahrtage vor uns.

Unterwegs entdeckt: Europas höchste Brücke in Millau (Frankreich)

Wir waren dann auf den Tag genau zwei Monate unterwegs. In den ersten Tagen unserer Reise begann Russland den Krieg in der Ukraine, was unsere Fahrt immer etwas verschattet hat.

Das Wetter war das nächste große Thema. Um diese Jahreszeit hatten wir uns weniger Regen und etwas höhere Temperaturen im Süden Europas erwartet.

Gefahren sind wir alles in allem rund 9000 Kilometer, übernachtet haben wir 59 Mal, allermeistens auf Stellplätzen für Wohnmobile, seltener auf Campingplätzen, ein Mal frei. Und natürlich in der Finca unserer lieben Freundin Simone auf Mallorca.

„Kannst du mir Deine drei Highlights dieser Reise sagen? „, frage ich Achim etwas unvermittelt.

„Och“, kommt zur Antwort. „Nee, da muss ich länger drüber nachdenken.“

Und auch mir fällt das nicht leicht. Im Gegensatz zu unserer Islandreise (da könnte ich jetzt noch die Highlights runter beten) ragen nicht einzelne Erlebnisse aus der Vielzahl der Eindrücke heraus.

Es ist vielmehr ein Verschmelzen von Bildern und Eindrücken, wie Mosaikstücke, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen.

Hier ein malerisches Dorf, das sich an einen Hügel schmiegt, dort eine Schlucht, durch die sich ein Fluss schlängelt, während rechts und links die Felsen aufragen. Mal ist es das kleine Glück, am Meer zu sitzen und ein leckeres Getränk vor sich zu haben oder die behagliche Atmosphäre im Bus. Mal der kurze Plausch mit einer Frau aus dem Dorf. Die Tapas, der Wiedehopf, die Mimosen. Ein Kaleidoskop von Eindrücken und Erfahrungen, das sich erst im Laufe der Zeit zusammensetzen und sein Muster zeigen wird.

Zwei Monate waren wir fast ununterbrochen zusammen. Das ist zuhause anders. Es hat aber ganz gut geklappt. Natürlich gab es kleine Nickeligkeiten, auch mal die eine oder andere Explosion („Ich fahr mit dem Zug nach Hause!“), aber allermeistens haben wir uns gut vertragen.

Das Unterwegssein ist das, was mir die größte Freude ist. Nicht zu wissen, wie der nächste Ort, der nächste Stellplatz, die nächste Straße aussieht. Aber doch sicher zu sein, dass es vielleicht mal langweilig oder unschön, aber niemals gefährlich oder unangenehm sein wird. Neugierig sein und die Neugier stillen können. Das ist Reisen. Mehr davon! Folgt bald 😊

Die Schlange

Sa Calobra, eine berühmte Passstraße auf Mallorca

Sa Calobra, die Schlange, ist eine 13 Kilometer lange Straße, die sich im Nordwesten Mallorcas aus der Sierra Tramuntana zum Meer schlängelt.

Heiß geliebt wird diese Straße im Frühling, wenn es noch nicht so warm ist, von RadfahrerInnen. Myaden von RadfahrerInnen. Die Auffahrt zur Passhöhe ist für mich Stress pur – obwohl ich nur Beifahrerin bin. Wie muss das erst im Sommer sein, wenn auch noch die  Touristenbusse hinzukommen? Nun gut, dann sind wahrscheinlich weniger Radfahrer unterwegs.

Das Panoramabild wurde am „Krawattenknoten“ aufgenommen

Über Serpentinen schleichen wir vor, hinter und neben den SportlerInnen den Berg hoch. Zwölf Haarnadelkurven müssen durchquert werden, wobei beim Bau darauf geachtet wurde, dass steile Anstiege vermieden wurden. Zu den spektakulärsten Spitzkehren gehört der sogenannte „Krawattenknoten“, wo die Straße eine 270°-Kurve macht.

Hinunter zum Meer ist es dann etwas entspannter, weil wir jetzt alle mehr oder weniger im gleichen Tempo fahren.

Angekommen in der Bucht Sa Calobra

Der Ort Sa Calobra mit seinem kleinen Strand und vielen Kneipen war bis zum Bau der Serpentinenstraße in den 1930er Jahren nur über den Seeweg zu erreichen.

Am Platja de Torrent de Pareis

Wir machen noch einen kurzen Spaziergang zum benachbarten Platja de Torrent de Pareis. Er ist nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen. Auf dem letzten Abschnitt durchqueren wir zwei in den Fels geschlagene Tunnels. Dann liegt der Strand vor uns, auf der einen Seite von hohen Felsen umrahmt, auf der anderen markiert er den Eingang zur sechs Kilometer langen gleichnamigen Schlucht.

Wenn’s soweit ist, werden hier die Sonnenschirme draufmontiert.
Kleines Konzert am Strand

Die Rückfahrt über die Sa Calobra ist etwas entspannter – die meisten Radfahrer sind schon weg. Wir machen noch einen Stopp am Meer, ich trinke eine Sangria, die erste auf dieser Reise. Das wurde aber auch Zeit. Auf dem Weg zurück zum Auto verweilen wir noch bei einer Musikerin am Strand. Zum Träumen schön ist das.

Promenieren in Palma

Das Wetter ist wie es ist. Was tun, wenn es zum Radeln zu kalt ist, der Spaziergang droht, zu nass zu werden? Ins Museum gehen. Davon hat Palma etliche zu bieten und wir steuern als erstes das Museu Es Baluard für zeitgenössische spanische Kunst an.

Viele junge SpanierInnen hängen hier, aber auch alte und berühmte mit einigen ihrer Werke. Habt Ihr gewusst, dass schon Picasso Smileys gestaltet hat?

Mein ganzer Respekt galt der jungen Lehrerin (oder Museumsmitarbeiterin), die sich mit einer großen Gruppe Teenager um dieses Ölbild der Schweizer Malerin Miriam Cahn geschart hat. Leider habe ich nichts vom Gespräch verstanden, aber die Atmosphäre war konzentriert und ernsthaft.

Das Museum wurde als neues Gebäude auf einer alten Festung in der Renaissance-Stadtmauer errichtet. Über Rampen, Balkone und Galerien kann man den Zusammenschluss des historischen mit dem modernen Bauwerk erlaufen und dabei spektakuläre Ausblicke aufs Meer mit der Bucht von Palma, die Kathedrale und die Stadt genießen. Die größte Überraschung: die Sonne scheint und ich kann meine Winterjacke ausziehen.

Es steht noch ein weiteres Museum auf unserem Plan. Aber erst bummeln wir noch ein bisschen durch die Altstadt und genießen die angenehme Temperatur, das schöne Licht und viele Momentaufnahmen.

In Spanien ist die Siesta ganz wichtig. Sie erstreckt sich über mehrere Mittagsstunden und wird gern für ein ausführliches Mahl genutzt. Deshalb bieten viele Lokale einen (oft preiswerten) Mittagstisch an und man kann zwischen mehreren Angeboten wählen, um sich ein leckeres Drei-Gänge-Menü zusammenzustellen.

Unsere Freundin hat uns die Casa Julio empfohlen, ein immer volles, beliebtes, untouristisches Lokal mitten in der Altstadt. Wir sind schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hier und sind jedesmal fasziniert von dem reibungslosen Ablauf, der eingespielten Zusammenarbeit der Bedienungen, die selbst im größten Trubel ein freundliches Wort finden oder dir aufmunternd auf die Schulter klopfen.

Nicht vergessen werden darf in der Schilderung die Flasche Rotwein, die fast automatisch zum Essen auf den Tisch kommt. Ob man nach drei Gläsern Rotwein zu Mittag noch ein weiteres Museum besuchen kann? Man kann.

Es ist nur ein kurzer Weg von einem halben Kilometer von der Casa Julio zum Museu Fundacion Juan March, das in einem schönen alten Stadthaus angesiedelt ist. Der Besuch kostet keinen Eintritt und wieder kann man sich hier zeitgenössische spanische Kunst anschauen.

Und weil wir, wie schon mehrfach geschrieben, Wiederholungstäter sind, landen wir später erneut in der Chocolaterie San Joan de S’Aigo mit der geschmolzenen Trinkschokolade (mit Sahne, wie es sich hier gehört) und den fettgebackenen Ensaimadas und Blätterteigleckereien. „Das sind 1000 Kalorien!“, stelle ich fest, als die Bedienung unseren Tisch füllt. „Denken Sie jetzt nicht daran. Genießen Sie einfach!“