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10. Stopp: Sidi Wassay

Es ist fast dunkel, als wir auf dem Campingplatz in Sidi Wassay, rund 60 Kilometer südlich von Agadir, ankommen. Der Platz ist terrassiert und wir stellen die Busse auf einer der oberen Ebenen ab. Am nächsten Morgen sind wir hin und weg von der Aussicht, die sich uns bietet. Blauer Himmel, blauer Atlantik, der mit weißer Gischt ans Ufer schlägt, blauer Pool, sandfarbene Dünen. Normalerweise bin ich kein Fan von Kunstrasen, aber hier bietet er rundum das Schwimmbecken den grünen Farbtupfer.

Natürlich frühstücken wir draußen. Bis wir Frühgymnastik und Schwimmen absolviert haben, ist es zehn Uhr durch und wir haben sehr angenehme 22 Grad.

Dann packen wir die Rucksäcke und machen uns auf zu der in unserem Reiseführer empfohlenen Zehn Kilometer-Wanderung in den Nationalpark Souss-Massa. Sie geht direkt am Campingplatz los, einfach drei Kilometer rechts rum am Strand entlang. Wir ziehen die Schuhe aus und planschen im Wasser herum. Am Strand ist einiges los. Kinder und junge Männer spielen im Sand, Familien haben sich Windmuscheln aufgebaut und kochen Tee, bei manchen sehe ich Tajines vorm Zelt stehen. Wir sind wiederum die einzigen Touristen hier. Der März scheint eine gute Reisezeit zu sein.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den Fluss Oued Massa, der hier ins Meer mündet. Wir können ihn trockenen Fußes queren, weil er, wie wir später von einem Wächter erfahren, auf den letzten Metern unterirdisch verläuft. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses finden wir das nördliche Eingangstor in den Nationalpark. Auf den Sandinseln im Flussdelta lassen sich Löffler (vor wenigen Tagen wusste ich noch nicht mal, dass es diese Vögel gibt. Jetzt erkenne ich sie sogar. Ich sag ja immer: Reisen bildet), Graureiher, Flamingos und auch ein Seeadler durchs Fernglas bewundern.

Es gibt überdachte Beobachtungsstände, daneben Infotafeln über Flora und Fauna.  Wir lernen, dass hier außerdem eine sehr seltene kahlköpfige Ibis-Art lebt. Natürlich wollen wir einen Blick auf diese besonderen Tiere erhaschen. Und tatsächlich: nach längerer Suche und einigem Fehlalarm entdecken wir zwei große Gruppen auf einer Sandbank. Sie stehen zu weit weg, um sie mit unseren Kameras zu fotografieren. Achim ist so begeistert, dass er am nächsten Tag gleich nochmal mit seinem Spektiv wiederkommt.

Wir anderen machen uns dagegen einen gemütlichen Tag mit viel Nichtstun. Muss auch mal sein. Bisschen Wäsche waschen, lecker Kochen, Boule spielen und natürlich die Aussicht genießen. Das reicht. Herrlich so ein Tag.

Achim hat die Tage in Sidi Wassay hier beschrieben

Neuland

Nicht vorenthalten möchte ich Euch diesen Blogbeitrag meines Liebsten, in dem er unsere Reisestationen Oualidia, Safi, Essaouira beschreibt und dann die weitere Fahrt über Agadir hinaus:

Nachdem wir Oualidia verlassen haben, einen unserer Lieblingsorte bisher, ist es zum ersten Stopp nicht weit. Safi ist eine oder besser gesagt DIE Töpferstadt in Marokko. Der Ton wird nur sechs Kilometer entfernt abgebaut und hier seit ewigen Zeiten verarbeitet. Es ist Freitag, da wird nur bis mittags gearbeitet. Wir haben aber Glück: ein Töpfer […]

Neuland

Neunter Stopp: Essaouira

Auf dem Weg nach Essaouira, der Stadt des Windes und der Gnaouamusik machen wir Halt in Safi, der Töpferstadt. Auf einem Hügel in der Altstadt haben sich die Töpfer angesiedelt. Wir laufen durch die schmalen Gassen und dürfen hinter die Kulissen schauen. Die Werkstatttüren sind geöffnet und wir werden freundlich hereingebeten und kommen rasch mit den Männern dort ins Gespräch. „Vor acht Jahren gab es noch nicht so viele elektrische Töpferscheiben wie heute, oder?“, frage ich einen der Arbeiter. Er pflichtet mir bei und führt mich zu einem Arbeitsplatz, an dem die Scheibe noch per Pedal angetrieben wird. Im Nullkommanichts formt er eine kleine Tajine, eine Vase und einen Aschenbecher.

Draußen in den Gassen stehen zu Hauf Waren zum Trocknen, Waren in Modeln und alte Brennöfen, die früher mit Holz geheizt wurden. Heute wird vielfach mit Gas geheizt.

Safi ist eine der marokkanischen Hauptstädte der Keramik, und in ihren Straßen werden die in den Werkstätten entworfenen und hergestellten Waren verkauft.

Auf dem Weg weiter nach Süden fahren wir erst am Meer entlang und haben immer wieder herrliche Blicke auf die Küste.

Später wählen wir eine Route, die weiter im Landesinneren verläuft und durch leicht hügelige Landschaft führt.

Es ist schon halb sechs, als wir in Essaouira eintreffen. Wir haben uns vorher schon für einen Parkplatz in einer ruhigen Straße unweit der Medina entschieden, parken den Bus und sind fünf Minuten später im Getümmel der Altstadt.

Am schönsten ist wie immer der Blick vom Meer auf die weiß getünchten Häuser der Altstadt und die felszerklüftete Küste vor der Festungsmauer. Finden nicht nur wir.

Siebter Stopp: Oualidia via El Jadida

Es gibt in meinen Augen nicht vieles, was schöner ist als am Strand aufzuwachen, das Meer zu hören und dann gleich einen Spaziergang zu machen. So beginnt unser Tag heute und es ist einer dieser Glücksmomente, die mich innehalten und darüber nachdenken lassen, wie gut es mir geht. Und dann steht kurz vor Sonnenaufgang auch noch der Vollmond am Himmel und die Möwen genießen vor unserem Bus die ersten Sonnenstrahlen.

Uns ist das Brot ausgegangen, deshalb gibt es Cornflakes und eine der riesigen süßen Orangen, die hier überall verkauft werden, zum Frühstück. Wir wördeln und SZ-rätseln, machen Morgentoilette und fegen den Bus aus und schon ist es elf und wir machen uns auf ins 70 Kilometer entfernte El Jadida. Hier waren wir vor ein paar Jahren schon mal für einige Tage mit unseren lieben Freunden Angie und Ralf. Damals war WM und wir schauten eins der Deutschlandspiele in einer Kneipe. Es waren viele Einheimische da, die zu Anfang recht neutral waren. Nachdem wir uns bei ein paar Spielzügen als deutsche Fans geoutet hatten, bekamen wir bald Unterstützung von den Männern um uns herum – und gewannen das Spiel. Fröhliches Abklatschen allenthalben war angesagt.

El Jadida ist eine sehr alte Stadt. Große Bedeutung hatte sie im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen hier eine Festung errichteten, die sie fast 150 Jahre lang unter dem Namen Mazagan betrieben. Große Teile der Anlage sind noch erhalten und die Cité Portugaise gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe.

Es gibt ein, zwei Straßen, in denen Souvenirs angeboten werden, ansonsten schlendert man durch Wohnviertel, in denen Kinder Fußball spielen, Frauen Tabletts mit Brot- und Kuchenteig durch die Gassen zum gemeinsamen Backofen tragen oder ihre Wäsche aufhängen.

Inzwischen ist es eins geworden und wir haben Hunger. Ein Lokal wirbt mit seiner Dachterrasse, wir klettern drei Stockwerke hinauf und blicken über die Dächer der alten Stadt auf den Atlantik.

Wir bestellen zwei Tajines, eine der beiden marokkanischen Nationalspeisen (die andere ist Couscous). In den dafür typischen Tongefäßen wird uns geschmortes Gemüse in dem einen und kleine Hackfleischbällchen mit Sauce und einem Ei in der Mitte in dem anderen serviert.

Mit Milchkaffee, Pfefferminztee und Trinkgeld zahlen wir 16 Euro und laufen hochzufrieden entlang der großzügig angelegten Uferpromenade zurück zum Bus.

Während auf der Strecke zwischen Casablanca und El Jadida ziemlich schicke Wohnanlagen den Weg säumten (bestimmt dienen viele davon als Wochenend- und Sommersitz für gut situierte Großstädter), fahren wir jetzt durch Industriegebiete. Südlich von El Jadida ist das Zentrum der Düngemittelherstellung und des Phosphatexports.

Doch auch das hat ein Ende und bald fahren wir auf einer kleinen Küstenstraße durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Rotkohl und Kartoffeln kann ich im Vorbeifahren erkennen. Wir machen noch eine kurze Kaffeepause am Straßenrand, kaufen Brot und Tomaten ein und erreichen nach insgesamt 100 weiteren Kilometern Oualidia.

Der Ort liegt an einer Lagune, wo wir ebenfalls schon einmal wunderbare Tage mit Spaziergängen, Bootsfahrt, Austernverkostung (ui, gar nicht meins) und Boulespielen verbracht haben.

Damals wohnten wir in einem herrlichen Hotel inmitten vieler blühender Blumen direkt am Meer. Diesmal sind wir ein bisschen außerhalb auf einem Campingplatz. Meerblick haben wir aber auch. Morgen bleiben wir noch hier und erkunden Ort und Lagune.

Zu Achims Blogbeitrag geht es hier

Wasser, Wald und ein Park: von Moulay Bousselham über Sidi Boughaba und den Jardin de Bouknadel nach Sidi Rehal

Gut, dass Mansour den Kosmos Vogelführer an Bord hat. So erfahren wir, dass die weißen Vögel mit den gelben Kopffedern Löffler heißen. Auffällig ist ihr langer Schnabel, der wie ein Löffel geformt ist. Es ist das erste Mal in unserem Leben, dass wir diese Vögel, die etwas kleiner als Graureiher sind, sehen, obwohl sie auch an der Nordsee beheimatet sind. Jetzt schippern wir für eineinhalb Stunden mit Mansour auf seinem Boot Pelikan durch die Lagune von Moulay Bousselham und erspähen Watvögel, Austernfischer, Pelikane, Regenpfeifer, Möwen und einen Eisvogel. Eine solche Vielfalt und Vielzahl von Vögeln hatten wir uns gar nicht erhofft.

Als wir am Nachmittag zuvor in dem kleinen Fischerort Moulay Bousselham eintrafen, erkundeten wir die Lage erstmal zu Fuß. Bis vor Corona gab es hier einen Campingplatz in der Nähe des Hafens. Den wollten wir uns anschauen, denn wir hatten erfahren, dass man sich vor dem mittlerweile geschlossenen Platz für eine Nacht mit dem Camper hinstellen kann. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir die Stelle und der erste, der uns fand, war Mansour. Schnell wurden wir uns wegen einer Bootsfahrt am nächsten Tag einig und meine Frage, ob wir hier wohl parken könnten, bejahte nicht nur er sondern auch einer der hier aktiven Parkwächter umgehend.

Am Abend stießen noch Dorothee und Alain, Freunde und Nachbarn aus der Heimat zu uns, die zeitgleich auf ähnlicher Route in Marokko mit ihrem Bus unterwegs sind.

Sie hatten die gute Idee, nach der Bootsfahrt in Moulay Bousselham an den etwa hundert Kilometer weiter südlich gelegenen See Sidi Boughaba im gleichnamigen Naturreservat zu fahren. Mitterweile ist es hier richtig frühlingshaft und wir decken draußen für eine kleine Kaffeerunde mit am Vortag gebackenem Apfelkuchen. Aber dann tun wir was für die Kalorienreduktion und wandern etwa zwei Stunden durch den Wald.

Am Abend stellen wir uns auf den Parkplatz vor dem Botanischen Garten Jardin Exotique de Bouknadel, den wir am nächsten Morgen besuchen wollen. Der Nachtwächter hat keine Einwände und so hocken wir uns zu viert in unseren Bus und bereiten ein improvisiertes Abendessen aus zusammengewürfeltem Gemüse mit Woknudeln zu.

Der Garten wurde vor 70 Jahren von dem französischen Gartenbauingenieur Marcel Francois gegründet und verzückt einen mit verschlungenen Wegen, Hängebrücken, Teichen, Wasserläufen und einer riesigen Vielfalt alter Bäume und Blumen. Außer uns sind mehrere Schulklassen hier, die ebenfalls viel Spaß beim Auskundschaften des Terrains haben.

Dann trennen sich erst einmal wieder unsere Wege. Dorothee und Alain wollen sich als nächstes Rabat und Casablanca anschauen. Wir kennen beide Städte bereits und haben keine Lust auf Großstadttrubel. Über die Autobahn fahren wir deshalb rasch an ihnen vorbei und erreichen etwa 50 Kilometer südlich von Casablanca den Strand bei Sidi Rehal, wo wir bis zum nächsten Morgen stehen bleiben wollen. Mal wieder kann ich in bester Lage meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen.

Wenn Ihr auch Achims Blogbeitrag in Unterwegs lesen möchtet, so geht das hier.

Dritter Stopp: Larache

Ganze 43 Kilometer haben wir es jetzt weiter Richtung Süden geschafft. Da wir etwa zwei Wochen Zeit haben, um die 900 Kilometer an der Atlantikküste hinunter zu fahren, sind so kurze Strecken gerade goldrichtig für uns. Unsere dritte Etappe endet in Larache.

Hier mündet der Fluss Loukkos in den Atlantik.Wir steuern einen bewachten Parkplatz am nördlichen Flussufer an mit Blick auf die Stadt und das Meer. Während wir in einer der Strandbuden erstmal einen Tee trinken und das Panorama genießen, interessiert sich eine Schafherde für unseren Bus.

Es soll hier Boote geben, die einen über den Fluss in die Stadt fahren. Wir sehen aber keine. „Heute sind die Wellen zu hoch“, meint einer der Fischer, den ich danach frage. Also wieder rein in den Bus und zwölf Kilometer außen rum bis in die Stadt fahren.

Das lohnt sich aber. Wir betreten die Medina und sind sofort in ihren Bann gezogen.

Verschiedenartige Waren werden zum Verkauf angeboten. Keine Souvenirs für Touristen sondern Waren für die Menschen, die hier leben. Von der Waschmaschine über Schuhe bis hin zur Unterwäsche. Ein Mann schiebt seinen rollenden Imbisswagen durch die Straße und ich luge neugierig  hinein.

Er bereitet Baguettes zu, die er mit Falaffeln und hartgekochten Eiern füllt. In zwei großen Backformen bietet er süßes Gebäck an. Eine junge Französisch sprechende Frau meint, dass es aus Kichererbsen zubereitet sei. Ehe ich mich versehe, drückt uns der Verkäufer eine Kostprobe in die Hand und während wir diese noch probieren, landen schon kleine Falaffelbällchen auf einem Stück Papier und wiederum in unseren Händen. Lecker! Ich zücke mein Portemonnaie, weil ich noch ein Baguette kaufen möchte, doch der Verkäufer missversteht die Geste. „Non, non, non!“ Seine Hand landet schwungvoll auf seinem Herzen. Das ist ein Geschenk. Willkommen in Marokko.

An der nächsten Ecke kaufen wir eine Art knusprigen süßen Pfannkuchen, an der übernächsten frisch gepressten Orangensaft, gefolgt von Datteln und Erdnüssen.

Satt und zufrieden verlassen wir die Medina durch das große Tor Bab el Khemis und suchen uns ein Straßencafé auf der zentralen Place de la Libération.

Unser Camper steht unweit des Hafens. Wir bummeln gemütlich weiter durch den Ort und genießen die entspannte Atmosphäre.

Den Abend verbringe ich damit, meine neu erworbenen Vokabeln ins Reine zu schreiben und zu versuchen, mir die eine oder andere einzuprägen. Auf dem Campingplatz in Asilah habe ich Bekanntschaft mit Karen aus Mecklenburg-Vorpommern gemacht, die zehn Jahre mit einem Marrokaner verheiratet war und in dieser Zeit sowohl Arabisch als auch die Berbersprache Tamazight gelernt hat. Kostprobe gefällig? La sagt man auf Arabisch für nein, oho heißt es auf Tamazight, was übrigens neben Arabisch und Französisch Amtssprache in Marokko ist. Seit Jahren schon verwende ich die Würzmischung Raz El Hanout in der Küche. Jetzt habe ich gelernt, was es bedeutet: Hanout bedeutet Laden, Raz El Hanout ist das Beste aus dem Laden.

Sonnenuntergang heißt übrigens ghrub auf Arabisch. Auf Tamazigh muss ich es erst noch herausfinden.

Zweiter Stopp: Asilah

Blogger trifft Vlogger

Seit geraumer Zeit verfolgen wir auf YouTube die Videos von Eduard Toews, seiner Frau Jessi und ihrem Hund Pepper. Die letzten Monate sind die drei mit ihrem WoMo durch Marokko gereist und wir schauen uns jedes einzelne Video mit Freuden an.

Am Nachmittag, als ich auf dem Campingplatz in Asilah gerade unsere Wäsche aufhänge, geht eine junge Frau an mir vorbei. „Die kenne ich doch!“, denke ich. Aber ich komm nicht gleich drauf, wer es ist. Und dann fällt der Groschen. „Achim, ich glaube, Jessi Toews ist gerade an mir vorbei gegangen. Guck mal! Ist sie das?“ Achim guckt und bestätigt meine Vermutung. Ein kurzer Blick über den Platz zeigt: die Vlogger stehen zwei Autos neben uns.

„Hallo! Ich weiß nicht, ob Ihr das mögt, aber hier kommt Euer Fanclub“, strahle ich die beiden an. Ich glaube, sie mochten es. Jedenfalls haben wir uns gut über Marokko und übers Reisen im WoMo unterhalten. Außerdem konnte ich meine Komplimente für die guten Videos, die Schnitte und Regieeinfälle loswerden. Allen (Marokko)reisenden kann ich den Kanal von Eduard Toews nur empfehlen.

Nach einer guten (wenn auch bis nach Mitternacht dank der Fußballer neben uns lauten) Nacht auf dem Stellplatz in Tanger fahren wir zum Kap Spatel. Dies ist Afrikas nordwestlichster Punkt und hier stoßen Mittelmeer und Atlantik zusammen.

Dann drückt Achim mir den Busschlüssel in die Hand. Am ersten Tag in Marokko hatte ich mich noch nicht getraut, ihn zu fahren und auch an diesem Morgen habe ich gekniffen. Doch jetzt nehme ich mir ein Herz und steuere das WoMo die 50 Kilometer bis Asilah. Die Küstenstraße ist leicht zu fahren, häufig dürfen wir eh nicht schneller als 60 unterwegs sein. Alles kein Problem. Bin ich froh!

Wir finden ein hübsches Plätzchen auf einem kleinen, einfachen Campingplatz, können endlich mal draußen Mittagessen und Wäsche waschen.

Nach unserem Plausch mit Toews laufen wir in die Medina – und geraten in einen Fotografierrausch. Ein Motiv schöner als das andere. Wir können uns gar nicht satt sehen.

Manche Motive muss man sich erschummeln.

Die Altstadt ist von einer Stadtmauer umgeben, die ein Gewusel von Gassen umgibt. Viele Hauswände wurden in den letzten Jahren von KünstlerInnen bemalt, um den Ort, der wohl recht heruntergekommen war, zu verschönern.

Nach einer Kaffee- und Teepause (Ich glaube, ich muss ab jetzt jeden Tag den köstlichen Minztee trinken. Wobei, der Café Nous Nous, also halbe halbe Espresso und Milch, schmeckt ebenfalls hervorragend. ) laufen wir noch ein Stück weiter bis zum Soukh, dem Markt.

Auf unseren letzten Marokkoreisen waren wir in Hotels und konnten nicht selbst kochen. Diesmal können wir nach Herzenslust einkaufen und uns an dem bunten Angebot, der guten Qualität und den niedrigen Preisen erfreuen. Brot kostet rund 20 Cent, für eine große Schaufel voller Oliven haben wir 60 Cent gezahlt, ebenso viel für ein Pfund bereits sehr aromatischer Erdbeeren. Das Gemüse fürs Abendessen habe ich bunt mit Zucchini, Auberginen, Paprika und Karotten zusammengestellt, 1,50 Euro. Bestimmt habe ich es an anderer Stelle schon erwähnt wie gern ich (auch im Bus) koche. Ich bin mir jetzt schon sicher: in Marokko werde ich damit besonders viel Spaß haben.

Erster Stopp: Tanger

Die spanische Enklave Ceuta in Afrika

Wir haben es geschafft. Nach vier Tagen in Frankreich, sechs in Spanien, 3000 Kilometern und einer einstündigen Schifffahrt durch die Straße von Gibraltar rollen wir gegen Mittag auf den afrikanischen Kontinent. Das dürfen wir vorwärts tun, nachdem Achim bei der Einfahrt aufs Schiff den Bus RÜCKWÄRTS hochfahren musste. Er erledigte das ziemlich cool. Wäre ich allein unterwegs gewesen, … Keine Ahnung. Rückwärtsfahren gehört nicht zu meinen Stärken.

Jetzt sind wir zwar auf dem afrikanischen Kontinent, aber immer noch in Europa, nämlich in der spanischen Enklave Ceuta, die seit 1415 zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz ist. Auch nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieb Ceuta spanisch. Seit 1993 gibt es einen Grenzzaun zu Marokko, um die Einwanderung in die EU zu verhindern.

Wir tanken noch günstig (1,33 € pro Liter) und folgen den Schildern zur Grenze. Dort geht alles recht flott. Die Polizei drückt uns den Stempel in den Pass, der Zoll lässt seinen Drogenhund einmal durch unseren Bus schnüffeln und inspiziert den Kofferraum. Waffen? Drohne? Alkohol? Nein, nein, ja. Wieviel? Weiß ich nicht genau. Vielleicht 10 Dosen Bier und zwei Flaschen Wein? Egal, passt schon. „Bienvenu au Maroc! Willkommen in Marokko!“

Die ganze Prozedur hat eine gute halbe Stunde gedauert und alle waren sehr freundlich zu uns. Nächste Aufgabe: Geld wechseln und Sim-Karten für die Telefone kaufen.

Auf unserem Weg nach Tanger kommen wir am Kap Malabata vorbei. Ein guter Spot zum Ankommen, den ersten Pfefferminztee und die schöne Aussicht genießen.

Als wir Tanger erreichen, ist es bereits halb sechs und wir steuern einen bewachten Parkplatz neben dem städtischen Fußballplatz an. Wir zahlen 2,50 € für die Übernachtung und teilen uns den großen Platz mit einigen anderen Autos und WoMos, beschallt vom Pfeifen des Schiedsrichters, Klatschen und Rufen der Fans und Spieler. Da geht das Hundegebell fast unter.

Im letzten Tageslicht machen wir uns zu einem Bummel durch die Medina, die Altstadt mit vielen Gassen und unzähligen Geschäften, auf.

Die Atmosphäre ist recht entspannt. Die Händler bedrängen ihre potentiellen Kunden kaum, viele Einheimische und gar nicht so viele Touristen sind hier unterwegs.

Zum Abendessen finden wir ein hübsches kleines Restaurant, in dem wir unsere schon sehnlich erwarteten Tajines bekommen. Meine ist so zubereitet, wie ich es besonders mag: Huhn mit Trockenfrüchten und Nüssen. Köstlich.

Achim freut sich über seine mit Hackbällchen und Ei auch, aber noch mehr Spaß als das Essen bereiten ihm die Jungs, die ihm auf dem Rückweg zum Bus ein freundliches „Bonjour, Einstein!“ zurufen. Es gibt hier viele Friseure. Vielleicht ergibt sich ja noch ein Besuch?

Gibraltar in Sicht

Nach 3040 Kilometern haben wir nun Gibraltar in Sicht, schreibt Achim in seinem neuesten Blogbeitrag. Marokko kann also nicht mehr weit sein, eine Nacht noch und dann nur eine Stunde mit der Fähre übers Mittelmeer. Das sind tolle Aussichten, oder? Die Fahrt von der Lagune de Gallocanta zu den Iberischen Luchsen und wie wir überhaupt auf den Spot gekommen sind hat […]

Gibraltar in Sicht

Auf der Pirsch

„Ihr müsst unbedingt in die Sierra Andujar“, riet uns Pedro, ein Naturfilmer, den wir bei den Kranichen getroffen haben. „Mit etwas Glück könnt Ihr dort Adler und Luchse sehen“. Wir waren jetzt von so vielen Glücksvögeln umgeben, vielleicht hilft das ja. Wölfe werden wir kaum sehen, aber die soll es dort auch geben.

Die Sierra Andujar gilt als eines der bedeutendsten Verbreitungsgebiete des  so genannten Pardelluchses. Es leben hier etwa 180 Tiere dieser extrem seltenen und nur auf der iberischen Halbinsel vorkommenden Raubkatzenart. Auch der spanische Kaiseradler ist hier heimisch. Als guten Beobachtungsspot empfiehlt Pedro die Staumauer am Fluss Jandular.

Unsere Route führt auf einer kleinen Straße mitten durch den Naturpark dorthin. Weil’s so schön ist, fahren wir die ersten zwölf Kilometer gleich mal doppelt. Ehrlich? Nicht wirklich. Vor lauter Begeisterung, wieder in die Berge zu kommen, hat keiner beim Verlassen der Autobahn daran gedacht, den Treibstoffstand zu überprüfen. Und nach zwölf Kilometern Bergsträßchen piepst unser Auto laut und vernehmlich… 80 Kilometer liegen (ohne Tankstelle) noch vor uns. Das ist uns zu heikel und wir fahren wieder runter ins Tal.

Beim zweiten Mal haben wir Muße, uns das kleine weiße Dorf El Centenillo genauer anzuschauen. Winzig klein, aber mit vier  Restaurants.

Einige Kilometer hinter dem Dorf gibt es wiederum einen überraschend großen Picknickplatz. Es scheint hier in der Saison einiges an Tourismus zu geben. Für uns ist es ein guter Platz für die Mittagspause.

Die Touristen, die hierher kommen, müssen Wanderer oder Mountainbiker sein. Jedenfalls keine Automobilisten, denn die Straße ist auf den ersten 20 Kilometern fürchterlich. Ein Schlagloch neben dem nächsten. Dann wird sie zu einer Staubpiste. Das geht ganz gut und ist schon mal eine gute Übung für Marokko.

Ab und an gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit großartigem Panorama.

Ansonsten umgibt uns Wald mit Eichen, Olivenbäumen, Eukalyptus und Kiefern. Ich lese im Internet, dass dies die waldreichste Gegend Spaniens ist. Und dann die erste Sichtung! Kein Wolf, kein Luchs, kein Adler, aber vier stattliche Hirsche. Immerhin. Die haben wir lange nicht mehr gesehen.

Dann verdichten sich die Anzeichen. Die Autofahrer werden gebeten, langsam zu fahren (ha, ha, schneller als 20/30 kmh geht hier eh nicht), da hier Luchse die Straße queren können. Heute nicht. Leider.

An der Staumauer angekommen erspähen wir ein paar Leute, die durch ihre Ferngläser und Spektive spähen. Und ja, hoch oben am Himmel sehen wir erst einen, dann noch weiter weg, drei Adler.

Und weil es hier gar so schön ist, parken wir den Bus am Ufer des Flusses und richten uns für die Nacht ein.

PS: Beim Frühstück am nächsten Morgen sagt mein Liebster zu mir; „Mit den Luchsen ist es wie mit der besten Ehefrau – die kann man nicht suchen, die muss man finden.“ Hach 🥰.