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Rauf aufs Kap

Herrjeh! Das Clo ist voll. Statt nach dem Frühstück wie geplant mit unserer Wanderung aufs Kap zu starten, müssen wir uns jetzt erstmal um die Entsorgung kümmern. Park4Night weiß zum Glück Rat: wenige Kilometer vom Cabo de Gata entfernt gibt es eine Tankstelle, die Ver- und Entsorgung für Wohnmobile anbietet. Also los, hilft ja nichts. Als wir nach getaner Arbeit zu unserem Stellplatz zurückkehren, können wir uns freuen: jetzt ist sogar ein Platz in der ersten Reihe direkt vorm Meer frei.

Mit einem Stündchen Verspätung machen wir uns auf den Weg, den wir am Vorabend bei komoot entdeckt haben. Er beginnt direkt hinter unserm Platz und führt auf leicht ansteigendem Weg hinauf zu einer Scharte zwischen den vulkanischen Felsen des Kaps.

Diesmal ist es vor allem der Blick zurück, bei dem einem die Luft wegbleibt: im Hintergrund das blaue Meer, davor der weiße Ort neben der Lagune, deren Wasser aus uns nicht bekannten Gründen rosa schimmert. Wir kommen nur langsam voran, weil wir uns immer wieder umblicken müssen.

Dann erreichen wir die Scharte, die uns auf ein Plateau führt, auf dem wir es uns zum Picknick gemütlich machen.

Zwei Brote, eine Orange und eine halbe Tafel Schokolade später folgen wir einem ausgetrockneten Flussbett durch einen Palmenwald und gelangen schließlich auf die Straße, die zum Leuchtturm führt.

Leider unterhalb der zehnprozentigen Steigung. Es sind nicht viele Autos unterwegs, aber viele Schritte zu machen, um nach oben zu kommen. Ich visualisiere mir die Kekse, die Schokolade, das Weißbrot, den Wein der letzten Tage und spüre förmlich, wie die überflüssigen Kalorien beim Anstieg dahinschmelzen. Bei soviel Selbstbetrug, oder nennen wir es doch lieber positiv, Autosuggestion, komme ich eins, zwei, drei hinauf. Und wieder haben wir eine gigantische Aussicht aufs Meer und auf unseren Strand.

Gestern Abend habe ich ein Weißbrot gebacken. Da unsere Vorräte inzwischen so geschmolzen sind, dass wir noch nicht mal mehr Kekse zum Kaffee haben und es hier auch weit und breit keinen Laden gibt, brate ich ein paar Scheiben Weißbrot in Butter und Zucker aus, ein Klecks Erdbeermarmelade drauf und fertig ist der süße Nachmittagsimbiss. Wir haben ja gerade ganz viele Kalorien abtrainiert, nicht wahr?

Für den Rest des Tages passen wir auf Strand, Meer und Sonne auf. Nicht, dass da noch was passiert.

Am Meer

Ich sitze am Strand und blogge. Das Meer rauscht, es hat immer noch 20 Grad und wir warten auf den Sonnenuntergang. Ab und zu kommt mal jemand mit seinem Hund vorbei, ansonsten ist hier kein Mensch. Am Strand. Hinter uns sieht es etwas anders aus.

Wir sind in der kleinen Siedlung La Fabriquilla beim Cabo de Gata, die um diese Jahreszeit unbewohnt ist. Hier gibt es wohl nur Ferienhäuser. Für uns ein Glück, weil die Ansammlung von Wohnmobilen so niemanden stört.

Heute Morgen sind wir 60 Kilometer nördlich von hier in der Halbwüste von Tabernas aufgewacht. 

Nach dem Frühstück suchen wir uns eine kleine Straße entlang der Wüste, die uns nach Süden ans Meer führt. Zwischendrin gibt es Aussichten, die zu Drohnenfotos und Selfies verleiten.

Es ist aber auch zu schön hier.

Ich lasse mir von meinem Liebsten noch schnell die Haare waschen (mit kaltem Wasser, denn die Heizung ist ja aus, aber irgendwas ist ja immer) und dann geht es weiter.

Bald kommen die ersten Treibhäuser in Sicht.

Zum Kap ist es jetzt nicht mehr weit und in der zweiten Reihe, aber trotzdem mit Meerblick, gibt es noch ein Plätzchen für uns.

Einen Kaffee später sitzen wir auf den Rädern und machen uns auf den Weg zum Leuchtturm. Es sind nur dreieinhalb Kilometer, aber es geht recht steil hoch. Für mich mit dem E-Bike ja kein Problem, Achim aber  muss kräftig in die Pedale treten.

Oben angekommen blicken wir runter auf die zerklüftete Küste und das Kap.

Wir sausen wieder hinunter, fahren am Dorf vorbei in die Saline und schauen noch eine Weile den Flamingos zu, die wir vorhin im Vorbeifahren aus dem Auto gesehen haben. Zwei Rotschenkel lassen es sich hier auch gut gehen. So nah hab ich diese Vögel, die ich von der Nordsee kenne, noch nie gesehen. Aber um ein gutes Foto zu machen, sind alle Vögel zu weit weg.

Nun aber los. Die Sonne wartet nicht auf uns. Schnell noch die Kartoffeln fürs Abendessen schälen, dann Gläser und Weißwein in die einen zwei Hände, die Stühle in die anderen und ab zum Strand.